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Gesund­heit mana­gen

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Prof. Dr. Thomas Olbrecht ist Bereichs­lei­ter der EuPD Rese­arch Sustainable Manage­ment GmbH. Zusam­men mit dem Handels­blatt und der ias‐Gruppe vergibt diese den Corpo­rate Health Award an Unter­neh­men mit ausge­zeich­ne­tem Betrieb­li­chem Gesund­heits­ma­nage­ment (BGM). Wir spra­chen mit dem Diplom‐Psychologen über das Verhält­nis zwischen BGM und Arbeits­schutz und die Weiter­ent­wick­lung der Auszeich­nung.

Das Gespräch führte Petra Jauch.

Herr Olbrecht, die Begriffe Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment – BGM – und betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung – BGF – werden mitun­ter nicht klar unter­schie­den. Was ist BGM – in Abgren­zung zu BGF?

Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment hat die Aufgabe, gesund­heits­be­zo­gene Maßnah­men im Unter­neh­men zu planen, zu adres­sie­ren, zu orga­ni­sie­ren und mit den ande­ren rele­van­ten Teil­be­rei­chen abzu­stim­men. Ich sehe es als Klam­mer für diese Berei­che. Dazu gehört in erster Linie die betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung. Durch das Maßnah­men­bün­del werden sowohl die Gesund­heit der Mitar­bei­ter als auch die Quali­tät der Arbeit – und damit der Unter­neh­mens­er­folg – verbes­sert.

Wer sollte am BGM mitwir­ken?

Benö­tigt wird ein direk­ter Ansprech­part­ner, der für das Thema Gesund­heit im Unter­neh­men verant­wort­lich zeich­net. Diese Posi­tion kann auch geteilt werden. Die Perso­nen oder die Person, die das Thema führen, soll­ten nach Möglich­keit nah an der Führungs­ebene ange­sie­delt sein. Ein ganz­heit­li­ches BGM zeich­net sich zudem durch die Betei­li­gung von verant­wort­li­chen Perso­nen aus der Arbeits­me­di­zin, der Arbeits­si­cher­heit, der Perso­nal­ab­tei­lung oder dem Betriebs­rat aus. Deren Einbin­dung findet im Steu­er­kreis BGM Ausdruck. Darüber hinaus wirken opera­tiv der Arbeits­kreis sowie Gesund­heits­lot­sen daran mit, die Mitar­bei­ter für gesund­heits­re­le­vante Themen zu sensi­bi­li­sie­ren.

Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­ärzte sind also häufig betei­ligt. Gibt es denn klare Gren­zen zum BGM oder sind die Über­gänge flie­ßend?

Ein nach­hal­ti­ges effek­ti­ves Gesund­heits­ma­nage­ment gestal­tet sich in einem fort­lau­fen­den Prozess und darf nicht als Insel­lö­sung verstan­den werden. Nur durch die Berück­sich­ti­gung der gesam­ten Gesund­heits­kom­pe­tenz in einem Unter­neh­men kann es gelin­gen, die zentra­len Aufga­ben des BGMs zu lösen. Die Arbeits­si­cher­heit und die Arbeits­me­di­zin sind wesent­li­che Stüt­zen, wenn es darum geht, die ganz­heit­li­che Förde­rung von Gesund­heit im Unter­neh­men zu reali­sie­ren. Themen­ge­biete einer sinn­vol­len Zusam­men­ar­beit sehen wir in der psychi­schen und physi­schen Gefähr­dungs­ana­lyse. Hier lässt sich die Intel­li­genz aus verschie­de­nen Gesund­heits­be­rei­chen sinn­voll kombi­nie­ren.

Es gibt ja auch schon eine sprach­li­che Annä­he­rung: Im Arbeits­schutz ist heute von Fach­kräf­ten für Sicher­heit und Gesund­heit die Rede. Sicher­heits­be­auf­tragte entwi­ckeln sich zu Beauf­trag­ten für Sicher­heit und Gesund­heit.

Ich finde es gut, wenn die Betei­lig­ten ihr Kompe­tenz­spek­trum entspre­chend erwei­tern. Auf diese Weise kann auch jemand aus der Arbeits­si­cher­heit das Betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment führen. Mit den entspre­chen­den Weiter­bil­dungs­an­ge­bo­ten, die es ja am Markt gibt, geht das ganz hervor­ra­gend.

Einige Unter­neh­men sind im BGM sehr gut aufge­stellt, wie unter ande­rem der Corpo­rate Health Award sicht­bar macht. 2018 wird er zum zehn­ten Mal verlie­hen. Ist die Ausschrei­bung immer noch span­nend?

Ja, defi­ni­tiv! Der Preis ist am Markt bekannt, im Schnitt bewer­ben sich jähr­lich 300 Unter­neh­men für den CHA. Wir wissen auch, dass viele ihr BGM nach unse­rem Quali­täts­mo­dell ausrich­ten. Dieses Modell sieht eine Bewer­tung nach den drei Säulen Struk­tur, Stra­te­gie und Gesund­heits­leis­tun­gen vor. Es ist aber nicht starr, sondern wir passen es im Austausch mit Fach­ex­per­ten fort­lau­fend an rele­van­ten Stel­len an. Beispiels­weise war digi­ta­les BGM vor zehn Jahren noch unbe­deu­tend, aber heute berück­sich­ti­gen wir die Nutzung digi­ta­ler Lösun­gen in der Prüfung.

Beein­dru­cken Sie die Preis­trä­ger immer wieder mit neuen Ansät­zen?

Die Preis­trä­ger zeigen in den Audits und bei der Preis­ver­gabe, welche wert­schät­zen­den Ange­bote sie ihren Mitar­bei­tern bieten. Dies kann in Form von Grup­penevents zur Team­bil­dung passie­ren oder durch Lauf­an­ge­bote, an denen sich die Geschäfts­füh­rung betei­ligt. Mich begeis­tern aber vor allem die klei­nen, nied­rig­schwel­li­gen Ange­bote: Durch Nutzung von Smart­pho­nes lassen sich beispiels­weise neue Ziel­grup­pen wie Männer und junge Mitar­bei­ter anspre­chen, die in Form von Rankings oder Wett­be­wer­ben zur Teil­nahme moti­viert werden.

Welche Rolle spielt die Digi­ta­li­sie­rung im BGM?

Vor circa drei Jahren wurde das digi­tale Zeit­al­ter im BGM ausge­ru­fen. Damals hieß es, ab sofort wird im Betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ment alles nur noch digi­tal gelöst. Das hat sich aber zum Glück nicht bewahr­hei­tet. Wir kennen Unter­neh­men, die stark auf digi­ta­les BGM gesetzt haben und komplett wieder davon wegge­gan­gen sind.

Wir wissen, dass die Nutzung digi­ta­ler Lösun­gen von bestimm­ten Perso­nen­merk­ma­len abhängt. Die meis­ten Beleg­schaf­ten sind jedoch nach Alter, Geschlecht und ihrer Persön­lich­keits­struk­tur hete­ro­gen zusam­men­ge­setzt. Den Bedarf und die Akzep­tanz für digi­tale Ange­bote soll­ten die Verant­wort­li­chen deshalb im Vorfeld erfas­sen.

Wie gelingt der Einstieg in ein BGM?

Der Einstieg kann auf zwei­fa­che Weise gelin­gen. Bei einem soge­nann­ten Bottom‐up‐Ansatz werden zunächst Einzel­an­ge­bote für die Mitar­bei­ter bereit­ge­stellt. Dies können Leis­tun­gen aus den Berei­chen Sport und Entspan­nung, Ernäh­rung oder Ergo­no­mie sein. In den weite­ren Prozess­schrit­ten folgt dann der Aufbau eines Manage­ment­sys­tems mit der bewuss­ten Steue­rung und Inte­gra­tion betrieb­li­cher Prozesse.

Der Top‐Down‐Ansatz geht den umge­kehr­ten Weg. Hier finden Planung und Ziel­set­zung eines Gesund­heits­ma­nage­ment­sys­tems am Anfang statt. Wich­tige Gesund­heits­be­rei­che, wie Arbeits­me­di­zin, Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz oder das betrieb­li­che Einglie­de­rungs­ma­nage­ment werden zu Beginn in ein profes­sio­nel­les, lang­fris­tig ange­leg­tes Konzept inte­griert. Dazu werden syste­ma­tisch rele­vante Felder einer effek­ti­ven Gesund­heits­för­de­rung iden­ti­fi­ziert.

Beim Corpo­rate Health Award gibt es eine Neue­rung: Die Teil­nahme „Light“ per Quick Check mit 32 kurzen Fragen. Wie kam es dazu?

Viele Unter­neh­men scheuen vor einer Bewer­bung zurück. Sie denken, eine Teil­nahme auf Basis des Bewer­tungs­bo­gens erfor­dert viel Zeit. Unser CHA‐Quick‐Check gibt ihnen die Möglich­keit, die Ist‐Situation ihres BGMs umge­hend zu prüfen. Der Test ist sozu­sa­gen der erste Türöff­ner in Rich­tung Award für Unter­neh­men, die sich noch ein wenig unsi­cher fühlen. Er ist direkt abruf­bar auf unse­rer Inter­net­seite und komplett kosten­los. Alle Unter­neh­men bekom­men einen Ergeb­nis­be­richt, der ihnen verrät, wo sie stehen.

Wurde dies schon genutzt?

Ja, und von den Feed­backs wissen wir, dass sich einige Unter­neh­men darauf­hin auch direkt für den Award bewor­ben haben. Das heißt, der Quick Check hat sie dazu ermu­tigt, sich dem Wett­be­werb zu stel­len.

Ist zum zehn­jäh­ri­gen Jubi­läum der Auszeich­nung etwas Beson­de­res geplant?

Es gibt viele Unter­neh­men, die sich in den vergan­ge­nen Jahren immer wieder­keh­rend beim CHA bewor­ben haben. Einige von ihnen sind nach unse­rer Index‐Gewichtung, die von 0 bis 100 reicht, mit knapp 50 Prozent­punk­ten gestar­tet und lande­ten im Lauf der Jahre auf dem Sieger­trepp­chen bezie­hungs­weise befin­den sich heute im Excel­lence Bereich. Diese Unter­neh­men werden wir einla­den und für ihre tolle Entwick­lung im BGM auszeich­nen.

Das ist die eine Beson­der­heit. Eine weitere besteht in der stär­ke­ren Berück­sich­ti­gung von mittel­stän­di­schen Unter­neh­men. Bei jeder Bran­che wird nun unter­schie­den zwischen Groß­un­ter­neh­men und mittel­stän­di­schen Unter­neh­men. Mittel­ständ­ler oder Klein­be­triebe müssen sich also nicht mit Groß­un­ter­neh­men messen, sondern treten gegen Firmen vergleich­ba­rer Größe aus ihrer Bran­che an.


Corpo­rate Health Award

Der Corpo­rate Health Award ist die bekann­teste Auszeich­nung für Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment in Deutsch­land.

Derzeit läuft die Bewer­bungs­phase für den zehn­ten Corpo­rate Health Award: Bis einschließ­lich 1. Juni 2018 können Unter­neh­men jeder Bran­che und Größe ihre Unter­la­gen für eine Plat­zie­rung in einer der 15 Branchen‐ und Sonder­ka­te­go­rien einrei­chen. Die Teil­nahme lohnt sich in jedem Fall: Alle Bewer­ber erhal­ten eine kosten­freie Status­ana­lyse ihres Betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments (Bench­mark). Zur besse­ren Einschät­zung des eige­nen Entwick­lungs­stands steht seit 2017 zudem ein „Quick‐Check“ zur Verfü­gung. Detail­lierte Infor­ma­tio­nen zum Preis und zur Bewer­bung gibt es unter

www.corporate-health-award.de

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