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Notfallorganisation im Unternehmen

Hält Ihre „Rettungs­kette“?

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Symbol für einen gut funktionierenden Ablauf der Hilfeleistungen: die Rettungskette Foto: J. Taubken
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Bei einem Arbeits­un­fall hängt viel davon ab, dass die nöti­gen Hilfs­maß­nah­men schnell und reibungs­los erfol­gen: Jede Unter­bre­chung in der Rettungs­kette kann schwere Gesund­heits­schä­den oder gar den Tod des Unfall­op­fers nach sich ziehen. Wie Sie die Stärke Ihrer Rettungs­kette über­prü­fen können, erfah­ren Sie in diesem Beitrag.

In die Hand geschnit­ten, an heißer Flüs­sig­keit verbrüht, auf der Treppe gestürzt. Trotz aller Vorsichts­maß­nah­men ereig­nen sich knapp 900.000 melde­pflich­tige Arbeits­un­fälle pro Jahr in Deutsch­land. Hinzu kommen unge­zählte klei­nere Verlet­zun­gen und akut auftre­tende Erkran­kun­gen wie Kreis­lauf­pro­bleme, Schlag­an­fall oder Herz­in­farkt. Um Leben zu retten und die gesund­heit­li­chen Folgen für Betrof­fene möglichst gering zu halten, muss die Hilfe­leis­tung im Unter­neh­men reibungs­los funk­tio­nie­ren. Als Sinn­bild für einen gut funk­tio­nie­ren­den Ablauf hat sich die „Rettungs­kette“ bewährt. Sie verdeut­licht, dass die einzel­nen Schritte vom Unfall‐/Notfallort bis zur Versor­gung im Kran­ken­haus möglichst gut inein­an­der­grei­fen müssen. Die Kette ist nur so stark wie ihr schwächs­tes Glied. Jeder Schritt ist auf den vorhe­ri­gen und den nächs­ten ange­wie­sen, um opti­mal zu wirken.

Naht­lo­ses Inein­an­der­grei­fen

Ein einfa­ches Beispiel macht es deut­lich: Alle Schritte der Rettungs­kette sind wich­tig. Durch die Erst­hel­fer wird die Schnitt­wunde möglichst keim­arm versorgt, der Trans­port ins Kran­ken­haus findet zeit­nah statt und die ärzt­li­che Behand­lung setzt kurze Zeit später ein. Ein opti­ma­les Inein­an­der­grei­fen hat unnö­ti­gen Blut­ver­lust, Infek­tio­nen und Wund­hei­lungs­stö­run­gen verhin­dert. Die Heilung kann kompli­ka­ti­ons­los verlau­fen.

Noch wich­ti­ger wird die Bedeu­tung der Rettungs­kette im lebens­be­droh­li­chen Notfall: Die Behand­lung im Kran­ken­haus nach einem Herz­still­stand wird nur dann erfolg­reich sein, wenn sofort vor Ort reani­miert wird und eine Stabi­li­sie­rung durch den Rettungs­dienst erfolgt. Jede Unter­bre­chung der Kette kann den Tod des Betrof­fe­nen oder schwere blei­bende Gesund­heits­schä­den bedeu­ten.

Die einzel­nen Ketten­glie­der

Anhand der Darstel­lung von der Rettungs­kette lernen Erst­hel­fe­rin­nen und Erst­hel­fer in ihrer Ausbil­dung die rich­tige Reihen­folge der Hilfe­leis­tung kennen. Auch das Unter­neh­men trägt mit einer klaren Notfall­orga­ni­sa­tion zum best­mög­li­chen Ablauf bei. Mit den folgen­den Hinwei­sen zu den einzel­nen Ketten­glie­dern können Sie die „Stärke“ der Rettungs­kette in Ihrem Betrieb über­prü­fen:

  • 1. Sofort­maß­nah­men: Eigen­si­che­rung, Absi­chern, Retten aus dem Gefah­ren­be­reich, Notruf, lebens­ret­tende Maßnah­men

Zuerst geht es immer um die eigene Sicher­heit. Kann ich gefahr­los helfen? Gerade nach Unfäl­len im Stra­ßen­ver­kehr oder bei Anla­gen und Maschi­nen hat die Eigen­si­che­rung und Absi­che­rung der Unfall­stelle Vorrang vor allen ande­ren Maßnah­men. Hier heißt es: Warn­drei­eck aufstel­len, Warn­weste anzie­hen oder auch: Siche­rung abschal­ten, Stecker ziehen, Anla­gen ausschal­ten, Gefähr­dun­gen für Helfer vermei­den. Befin­det sich die betrof­fene Person weiter­hin im Gefah­ren­be­reich, muss die Rettung, zum Beispiel mit dem Rettungs­griff, einge­lei­tet werden.

Möglichst gleich­zei­tig sollte durch einen weite­ren Helfer der Notruf abge­setzt werden. Auf den Notfall­aus­hän­gen steht hierzu der genaue Melde­weg zum Nach­le­sen bereit. Entwe­der ist eine fest­ge­legte inner­be­trieb­li­che Stelle zu alar­mie­ren oder direkt der Rettungs­dienst anzu­ru­fen. Über­prü­fen Sie, ob eine Ziffer (zum Beispiel die „0“) vor der eigent­li­chen Nummer vorge­wählt werden muss, um den Rettungs­dienst zu errei­chen. Dies kann vor allem bei älte­ren Tele­fon­an­la­gen noch der Fall sein.

Kann die Unfall­stelle sicher betre­ten werden, müssen die lebens­ret­ten­den Sofort­maß­nah­men durch­ge­führt werden: Herz­druck­mas­sage und Beatmung, die Seiten­lage bei Bewusst­lo­sig­keit und das Stil­len bedroh­li­cher Blutun­gen gehö­ren dazu.

  • 2. Weitere Erste‐Hilfe‐Maßnahmen: Verlet­zun­gen versor­gen, Betreuen, Wärme­er­halt

Nach den lebens­ret­ten­den Maßnah­men aus dem ersten Schritt und dem Abset­zen des Notru­fes kann nun die Versor­gung minder­schwe­rer Verlet­zun­gen erfol­gen. Dies können zum Beispiel klei­nere, nicht lebens­be­droh­li­che Wunden sein. Auch Brüche können nun ruhig­ge­stellt werden. Ebenso wich­tig ist die Betreu­ung der betrof­fe­nen Person: Dabei­blei­ben und als Ansprech­part­ner beru­hi­gend einwir­ken ist manch­mal die wich­tigste Erste‐Hilfe‐Maßnahme. Sorgen Sie mit einer Decke für Wärme­er­halt und über­prü­fen Sie weiter­hin das Bewusst­sein der Person.

Eine gute Notfall­orga­ni­sa­tion im Betrieb sorgt eben­falls dafür, dass nun weite­res Hilfs­per­so­nal, wie Betriebs­sa­ni­tä­ter oder Werk­arzt, zum Verletz­ten kommen. Weitere Helfer können den Rettungs­dienst einwei­sen und die Zufahrts­wege (Schran­ken, Tore) öffnen.

  • 3. Rettungs­dienst: Stabi­li­sie­rung, Trans­port­fä­hig­keit herstel­len

Halten Sie die Kette aufrecht: Führen Sie lebens­wich­tige Maßnah­men wie die Reani­ma­tion solange durch, bis das Rettungs­per­so­nal Sie eindeu­tig auffor­dert, damit aufzu­hö­ren und über­nimmt. Zum guten Inein­an­der­grei­fen der Ketten­glie­der gehört eben­falls eine kurze Über­gabe an den Rettungs­dienst: Was ist genau gesche­hen? Welche Maßnah­men haben die Erst­hel­fer durch­ge­führt? Wie hat sich der Zustand der betrof­fe­nen Person in den letz­ten Minu­ten verän­dert?

Das Rettungs­per­so­nal, je nach Notfall auch mit Notarzt/ärztin, sorgt für die weitere Versor­gung der betrof­fe­nen Person. Ziel ist hier vor allem die Stabi­li­sie­rung lebens­wich­ti­ger Funk­tio­nen und die Herstel­lung der Trans­port­fä­hig­keit des Pati­en­ten. Weiter­hin wird der Rettungs­dienst ein geeig­ne­tes Kran­ken­haus auswäh­len und den Notfall dort anmel­den. So ist der Über­gang zu Schritt vier naht­los vorbe­rei­tet.

  • 4. Kran­ken­haus: ärzt­li­che Behand­lung, weitere Heilung

In der Notfall­auf­nahme erfolgt die Über­gabe des Pati­en­ten. Die ärzt­li­che Behand­lung beginnt oder wird fort­ge­setzt. Durch die verzö­ge­rungs­freie Versor­gung der betrof­fe­nen Person kann die Heilung im Kran­ken­haus oder ambu­lant erfol­gen.


Autor: Jochen Taub­ken

Leiter des Sach­ge­biets „Betrieb­li­ches Rettungs­we­sen“ im Fach­be­reich „Erste Hilfe“ der DGUV


Info­kas­ten „Notruf“

Auf Plaka­ten und Aushän­gen finden Sie meist die fünf „W“ für den Notruf: Wo ist der Notfall? Was ist gesche­hen? Wie viele Verletzte? Welche Verlet­zun­gen? Warten auf Rück­fra­gen! Falls die „W“ im Notfall verges­sen werden, wird die Rettungs­leit­stelle alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen abfra­gen. Daher ist es vor allem wich­tig, auf Rück­fra­gen zu warten. Aus diesem Grund setzt sich in neuen Publi­ka­tio­nen auch die folgende Reihen­folge der fünf „W“ durch: Wo ist der Notfall? Warten auf Fragen, zum Beispiel: Was ist gesche­hen? Wie viele Verletzte? Welche Verlet­zun­gen?

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