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Risiko einer Infektions durch Hepatitisviren

Infektionsrisiken durch Hepatitisviren
So schützen Sie sich

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Bei Reinigungsarbeiten im Gesundheitswesen, wie hier in einem Krankenhaus, können Viren übertragen werden. Foto: © auremar - stock.adobe.com
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Hepati­tis A, B oder C? Egal, welch­er Buch­stabe dahin­ter­ste­ht, eine Hepati­tis beze­ich­net immer eine Entzün­dung der Leber. Diese kann akut oder chro­nisch auftreten und im schlimm­sten Falle sog­ar tödlich ver­laufen. Erfahren Sie mehr zu möglichen Über­tra­gungswe­gen und Schutz­maß­nah­men für Hepatitis.

Laut Schätzun­gen der Welt-Gesund­heit­sor­gan­i­sa­tion (WHO) leben 325 Mil­lio­nen Men­schen entwed­er mit chro­nis­ch­er Hepati­tis B oder C. In Europa steigt die Zahl der chro­nisch Erkrank­ten an, die Zahl der akuten Infek­tio­nen nimmt hinge­gen ab. Dabei ist die chro­nis­che Hepati­tis-B-Infek­tion bere­its gut kon­trol­lier­bar; aber nur sel­ten heil­bar. Hepati­tis C ist sog­ar nahezu immer heil­bar. Das Prob­lem: Weltweit wis­sen schätzungsweise 190 Mil­lio­nen Men­schen nicht, dass sie chro­nisch mit Hepati­tis B und/oder C infiziert sind. So kön­nen sie unwissentlich andere Men­schen ansteck­en und sind selb­st durch die Spät­fol­gen der Krankheit gefährdet. Das Ziel der WHO lautet deshalb: Die Men­schen find­en, die nicht­sah­nend infiziert sind, um Hepati­tis B und C bis 2030 weltweit einzudämmen.

Unter­schieden wird zwis­chen ein­er akuten und ein­er chro­nis­chen Hepati­tis. Eine chro­nis­che Hepati­tis liegt vor, wenn die (akute) Entzün­dung nicht fol­gen­los ausheilt, son­dern länger als sechs Monate anhält. Die chro­nis­che Hepati­tis führt langfristig zu Verän­derun­gen des Bindegewebes der Leber und beein­trächtigt die Funk­tio­nen des Organs erhe­blich. Ob sich eine chro­nis­che Hepati­tis entwick­eln kann, hängt vor allem von der Ursache der Entzün­dung ab. Leber­entzün­dun­gen kön­nen viele Ursachen haben. Von ihnen sind auch Symp­tome, Krankheitsver­lauf und Behand­lung abhängig.

Auf Hygiene achten

Um eine Über­tra­gung der Hepati­tis A‑Viren und ander­er Erreger von Durch­fall­erkrankun­gen zu ver­mei­den, gilt der Grund­satz: „Cook it, boil it, peel it, or for­get it“ (Gare es, koche es, schäle es oder ver­giss es).

Acht­en Sie also auf Lebens­mit­tel- und Hän­de­hy­giene. Vor allem in tro­pis­chen Län­dern und Regio­nen mit man­gel­hafter Lebens­mit­tel- und Trinkwasser­hy­giene soll­ten Sie alle Nahrungsmit­tel vor dem Verzehr kochen oder schälen und Trinkwass­er in ver­schlosse­nen Flaschen kaufen. Waschen Sie sich nach jedem Toi­let­ten­gang und vor dem Essen die Hände.

Hepati­tis B‑Viren wie auch Hepati­tis C‑Viren wer­den vor allem durch Blut-zu-Blut- und Sex­u­alkon­tak­te über­tra­gen. Teilen Sie sich daher keine Hygie­n­eartikel wie Nagelschere oder Zahn­bürste. Kon­dome schützen vor der sex­uellen Über­tra­gung der Hepati­tisviren. Auch im Tat­too-Stu­dio und beim Piercen beste­ht die Gefahr ein­er Infektion.

Arbeitsmedizinische Vorsorge und Impfung

Der wirk­sam­ste Schutz vor ein­er Hepati­tis A oder B ist die Imp­fung. Der Impf­stoff gegen Hepati­tis B ist Bestandteil der sechs­fachen Kom­bi­na­tions-Imp­fung für Kinder. Wird im Babyal­ter keine Imp­fung gegeben, sollte sie spätestens im Jugen­dal­ter erfol­gen, da Sex­u­alkon­takt ein­er der häu­fig­sten Über­tra­gungswege von Hepati­tis B ist. Auch im Erwach­se­nenal­ter kann die Imp­fung noch durchge­führt wer­den. Gegen Hepati­tis A („Reise­hep­ati­tis“) kann man sich eben­falls impfen lassen. Die Imp­fung wird ins­beson­dere emp­fohlen für Reisende in die Türkei und Ägypten sowie Fer­n­reisende, aber auch für bes­timmte Berufsgruppen.

Zu Arbeits­bere­ichen mit erhöhtem Hepati­tis­in­fek­tion­srisiko zählen unter anderem:

  • Gesund­heitswe­sen allgemein
  • Krankenpflege und Kinderkrankenpflege
  • Kinder­garten
  • Abwasser­be­hand­lung (Kanal­i­sa­tions- und Klärwerksarbeiter)
  • Reini­gungsar­beit­en im Gesundheitswesen
  • Entsorgungswirtschaft
  • psy­chi­a­trische Einrichtungen/Einrichtungen für Men­schen mit Behin­derung, Gefängnisse
  • Polizis­ten und Wachpersonal
  • Entwick­lung­shil­fe

Wann der Arbeitgeber die Kosten übernimmt

Eine Impf­pflicht gegen Hepati­tis A oder B gibt es noch nicht. Den­noch sind diese Imp­fun­gen sehr zu empfehlen. Für eine auf Grund­lage der Gefährdungs­beurteilung anzu­bi­etende Imp­fung übern­immt der Arbeit­ge­ber die Kosten (§ 3 Abs. 3 Arbeitss­chutzge­setz). Es gibt einen Kom­bi­na­tion­simpf­stoff gegen Hepati­tis A/B. Gegen Hepati­tis C ste­ht aktuell kein Impf­stoff zur Verfügung.

Bei Tätigkeit­en mit biol­o­gis­chen Arbeitsstof­fen ist in der Regel eine Pflichtvor­sorge zu ver­an­lassen. Dies bedeutet, dass der Arbeit­ge­ber eine Tätigkeit nur dann von seinen Mitar­beit­ern ausüben lassen darf, wenn diese zuvor an ein­er Pflichtvor­sorge teilgenom­men haben. Im Vorder­grund ein­er solchen arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge ste­ht die Beratung des Mitar­beit­ers. Neben der Anam­nese und kör­per­lichen Unter­suchung wird der Imp­fausweis kon­trol­liert. Eine frei­willige Blu­tent­nahme und gegebe­nen­falls eine Hepati­tis A- und/oder B‑Impfung sind eben­falls Bestandteile der Vorsorge.

Wichtig ist, dass Hepati­tis ernst genom­men wird und Mitar­beit­er über die Erkrankung sowie Schutz­maß­nah­men informiert werden.


Infektionsrisiken besonders gefährdeter Berufsgruppen

Reini­gungsper­son­al im medi­zinis­chen Bereich:

  • Reini­gung von verun­reinigten Toi­let­ten (Hepati­tis A)
  • Nadel­stichver­let­zun­gen durch acht­los entsorgte kon­t­a­minierte Kanülen/Lanzetten (Hepati­tis B und C)

Pflegeper­son­al und Rettungssanitäter:

  • Nadel­stichver­let­zun­gen an mit Blut kon­t­a­minierten Nadeln durch Recap­ping (das wieder Auf­set­zen der Schutzhülle auf die Nadel)
  • über­füllte Abwurf­be­häl­ter, nicht fachgerecht entsorgte Kanülen/Skalpelle (Hepati­tis B und C)
  • Kon­takt mit infiziertem Stuhl (Hepati­tis A)

Müll­w­erk­er:

  • Abfall aller Art von „vollen Windeln“ (Hepati­tis A) bis zu benutzten Dro­genbesteck­en (Hepati­tis B und C)

Beschäftigte in Wasser­auf­bere­itungs-/Entsorgungsan­la­gen:

  • kon­t­a­minierte Abwäss­er (Hepati­tis A)

Foto: © Nadine Rauß

Autorin: Dr. Dr. Eva Cramer, Fachärztin für Arbeitsmedi­zin und Dipl.-Chemikerin selb­st­ständig als Arbeitsmedizinerin
in eigen­er Prax­is in Münster

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