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Karpaltunnel-Syndrom: Überlastungsschmerzen im Handgelenk

Symptome - Behandlung - Selbsthilfe
Karpaltunnel-Syndrom: Überlastungsschmerzen im Handgelenk

Karpaltunnel-Syndrom
Foto: © RFBSIP - stock.adobe.com
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Das Karpal­tun­nel-Syn­drom als Folge ein­er beru­flichen Über­las­tung im Handge­lenk ist seit 2015 für bes­timmte Tätigkeit­en als Beruf­skrankheit Nr. 2113 anerkan­nt. In Deutsch­land wurde 2018 bei ins­ge­samt 304 Fällen ein Beruf­skrankheit­en-Ver­dacht bestätigt.

Das Karpal­tun­nel-Syn­drom ist eine Erkrankung im Bere­ich der Hände und Handge­lenke mit Schmerzen, Kraft­min­derung und Mis­sempfind­un­gen. Ursache dieser häu­fi­gen Krankheit ist eine Ner­venkom­pres­sion im Ver­lauf des Handge­lenkes, dem soge­nan­nten Karpal­tun­nel. Das Erkrankungsalter liegt meist zwis­chen dem 40. und 70. Lebensjahr.

Ist der Karpaltunnel sehr eng, drohen Nervreizung oder ‑schädigung

Durch den Karpal­tun­nel ver­laufen mehrere Sehnen, aber auch Ner­ven wie der Nervus medi­anus. Dieser Nerv steuert die Bewe­gun­gen der Fin­ger und über­mit­telt die Tast­wahrnehmungen. Wenn der Karpal­tun­nel sehr eng ist, kann er den Nerv reizen und schädi­gen. Manche Men­schen haben anlagebe­d­ingt einen sehr engen Karpal­tun­nel. Es kön­nen aber auch andere Ursachen eine Rolle spie­len, etwa Ver­let­zun­gen des Handge­lenks oder des Unter­arms mit anschließen­der Nar­ben­bil­dung, Infek­tio­nen, Rheuma, Dia­betes mel­li­tus, Infek­tio­nen und andere Beeinträchtigungen.

Symptome des Karpaltunnel-Syndroms – vor allem nachts

Durch den engen Karpal­tun­nel kommt es zu Schmerzen, vor allem nachts. Es entwick­eln sich Mis­sempfind­un­gen wie Taub­heit und Kribbeln in der Hand. Ihre Greifkraft und Beweglichkeit nehmen ab. Die Fin­ger fühlen sich steif und geschwollen an. Nicht alle sind gle­ich stark betrof­fen: Der kleine Fin­ger und die ihm zuge­wandte Seite des Ringfin­gers bleiben ver­schont, da sie nicht vom Nervus medi­anus ver­sorgt werden.

Untersuchung und Behandlung

Die Schilderung der Symp­tome führt meist schon zur richti­gen Diag­nose. Zur Bestä­ti­gung wird eine Mes­sung der Ner­ven­leit­geschwindigkeit vorgenom­men. Ist der Karpal­tun­nel verengt, verzögert sich in diesem Bere­ich die elek­trische Leitfähigkeit.

Wenn die Erkrankung noch nicht sehr lange beste­ht oder mild ver­läuft, ist für die Behand­lung des Karpal­tun­nel-Syn­droms eine kon­ser­v­a­tive Ther­a­pie meist aus­re­ichend. Nur bei schw­eren Fällen wird eine Oper­a­tion notwendig. Bei den kon­ser­v­a­tiv­en Behand­lungsmeth­o­d­en wer­den oft Schienen oder Stützver­bände ange­boten. Weit­er­hin kön­nen schmerz- und entzün­dung­shem­mende Medika­mente gegeben oder Kor­ti­son-Injek­tio­nen in das Handge­lenk verabre­icht wer­den. Diese Meth­o­d­en wirken abschwellend und entzündungshemmend.

Falls diese Meth­o­d­en nicht aus­re­ichen, um eine Beschw­erde­frei­heit zu erzie­len, ist eine Oper­a­tion erforder­lich. Dabei wird der Karpal­tun­nel eingeschnit­ten, damit er sich weit­et und dem Nervus medi­anus mehr Platz bietet. Nach ein­er solchen Oper­a­tion muss die Hand etwa zwei bis drei Wochen geschont wer­den. Die Langzeit­ergeb­nisse sind gut. Die Erfol­gsrat­en liegen bei 80 Prozent. Bei verzögertem Behand­lungs­be­ginn sind aber auch dauernde Läh­mungser­schei­n­un­gen möglich.

Anerkennung als Berufskrankheit

Bes­timmte beru­fliche Ein­wirkun­gen kön­nen die Entwick­lung eines Karpal­tun­nel-Syn­droms entschei­dend begün­sti­gen. Dazu gehören wieder­holte beziehungsweise repet­i­tive manuelle Tätigkeit­en mit Beu­gung und Streck­ung der Hände im Handge­lenk, ein erhöhter Kraftaufwand der Hände oder die Ein­wirkung von Hand-Arm-Schwingun­gen, zum Beispiel durch handge­hal­tene vib­ri­erende Maschi­nen wie handge­führte Motorsä­gen, Abbruch­häm­mer oder Steinbohrer.


Berufskrankheit Nr. 2113

Druckschädi­gung des Nervus medi­anus im Karpal­tun­nel (Karpal­tun­nel-Syn­drom) durch repet­i­tive manuelle Tätigkeit­en mit Beu­gung und Streck­ung der Handge­lenke, durch erhöht­en Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen


Das Risiko erhöht sich bei ein­er Kom­bi­na­tion dieser Fak­toren. Ins­beson­dere beim Umgang mit handge­hal­te­nen vib­ri­eren­den Werkzeu­gen ist davon auszuge­hen, dass diese mit Kraftaufwand der Fin­ger­beuger fest­ge­hal­ten wer­den müssen, sodass sich hier mehrere Expo­si­tion­skom­po­nen­ten überlagern.

Kurzfristige Exposition genügt

Bis zum Auftreten der Erkrankung reichen meist kurze Expo­si­tion­szeit­en von weniger als zwölf Monat­en aus. Ein ursäch­lich­er Zusam­men­hang ist plau­si­bel, wenn erste Krankheit­sze­ichen schon bald nach Beginn der Expo­si­tion bemerk­bar werden.

Betroffene berufliche Tätigkeiten

Es gibt bes­timmte Per­so­n­en­grup­pen, die in erhe­blich höherem Maß als die übrige Bevölkerung ein Karpal­tun­nel-Syn­drom entwick­eln, Dazu gehören Fleis­chver­pack­er, Fließban­dar­beit­er in der Auto­mo­bilin­dus­trie, Forstar­beit­er beim Umgang mit handge­hal­te­nen vib­ri­eren­den Werkzeu­gen (Motorsä­gen), Geflügelver­ar­beit­er, Kassier­er im Super­markt mit Umset­zen von Las­ten, Masseure, Pol­ster­er, Stein­bohrer etc. Für Büroberufe, ins­beson­dere bei Arbeit­en an ein­er Com­put­er­tas­tatur oder beim Bewe­gen ein­er Maus, kon­nte bish­er aber keine Risiko­er­höhung für ein Karpal­tun­nel-Syn­drom nachgewiesen werden.

Maßnahmen zur Selbsthilfe

Bes­timmte Übun­gen kön­nen helfen, erste Beschw­er­den bei einem Karpal­tun­nel­syn­drom zu lin­dern. Ziel solch­er Übun­gen ist neben der Schmerz­min­derung die Verbesserung der Beweglichkeit durch Dehnung und Kräf­ti­gung der Handge­lenke. Drei Beispielübun­gen sind im Kas­ten unten beschrieben.


Lesen Sie auch: Schnelles Feed­back per Smart­watch — Vibra­tio­nen messen


Praxis-Tipps

Selb­sthil­fe am Anfang

  • küh­lende Umschläge
  • Übun­gen zur Dehnung und Kräf­ti­gung der Handgelenke
  • nächtlich­es Ruhig­stellen des Handge­lenkes mit ein­er Schiene

Maß­nah­men zur Prävention

  • Ver­min­derung von Vibra­tions­be­las­tung, zum Beispiel durch Ver­wen­dung von Ket­ten­sä­gen mit Vibra­tions­dämpfer oder schwingungs­gedämmten Abbruchhämmern
  • Tra­gen von vibra­tions­däm­menden Handschuhen
  • Ver­mei­dung von häu­fi­gen Bewe­gun­gen mit großen Auslenkun­gen im Handgelenkbereich

Übungen zur Kräftigung und Dehnung

  • Kräf­ti­gungsübung
Karpaltunnel-Syndrom
Foto: Dr. med. J. Kon­erd­ing – AMD der BG BAU GmbH

klein­er weich­er Ball wird in die Hand genom­men und kräftig zusam­menge­drückt. Nach eini­gen Sekun­den wird die Hand wieder geöffnet. Die Übung wird mehrmals wiederholt.

 

 

 

 

  • Dehnübung 1
Karpaltunnel-Syndrom
Foto: Dr. med. J. Kon­erd­ing – AMD der BG BAU GmbH

Den betrof­fe­nen Arm nach vorne streck­en. Die Fin­ger­spitzen zeigen zum Boden und die Hand­fläche nach vorne. Mit der anderen Hand die Fin­ger Rich­tung Boden ziehen. Die Dehnung für einige Sekun­den halten.

 

 

 

  • Dehnübung 2
Karpaltunnel-Syndrom
Foto: Dr. med. J. Kon­erd­ing – AMD der BG BAU GmbH

Die Fin­ger bei­der Hände spreizen und an den Fin­ger­spitzen aufeinan­der­drück­en (Gebet­shal­tung). Die Dehnung etwa eine Minute lang halten.


Foto: Job­st Konerding

Autor: Dr. med. Job­st Konerding

AMD der BG BAU GmbH

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