Pendeln als Stressfaktor. Kleine Stellschrauben verbessern die Situation -
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Kleine Stellschrauben verbessern die Situation

Pendeln als Stress­fak­tor

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Ob pendeln als Stress erlebt wird, hängt auch von der eige­nen Haltung und der persön­li­chen Stra­te­gie ab. Verkehrs­me­di­zi­ne­rin Dr. Sabine Löhr‐Schwaab bei TÜV Süd Life Service spricht im Inter­view über Gesund­heits­ri­si­ken und Schlüs­sel­fak­to­ren, die die Belas­tung beein­flus­sen.

Das Gespräch führte Annette Neumann.

 

Frau Dr. Löhr‐Schwaab: Wann wird Pendeln zum Stress­fak­tor?

Pendeln erzeugt Stress, wenn Menschen gezwun­ge­ner­ma­ßen bedingt durch externe Fakto­ren pendeln müssen, also wenn der Arbeits­platz räum­lich verlegt wurde oder die Fami­lie zum Beispiel außer­halb lebt, weil das Monats­ge­halt nicht für eine Unter­kunft in der Stadt ausreicht. Wer dage­gen frei­wil­lig pendelt, ist demge­gen­über posi­ti­ver einge­stellt bezie­hungs­weise entwi­ckelt bessere Stra­te­gien zum Über­ste­hen des langen Fahrt­we­ges.

Inwie­fern ist das Gesund­heits­ri­siko bei Fern­pend­lern erhöht?

Wer gezwun­ge­ner­ma­ßen pendelt, wird häufig durch Unwäg­bar­kei­ten, wie Abhän­gig­keit von Verkehrs­mit­teln, Witte­run­gen und den exter­nen Umstän­den genervt und gestresst sein und ist damit gesund­heits­an­fäl­li­ger. Auch hat der Pend­ler weni­ger Zeit für sich, da er ja mehrere Stun­den des Tages sitzend oder stehend in Verkehrs­mit­teln verbringt. Diese Zeit fehlt für Sport und Bewe­gung. Somit sind alle Gesund­heits­stö­run­gen, die durch Bewe­gungs­man­gel entste­hen können, hier verstärkt vorhan­den: Über­ge­wicht, Rücken­schmer­zen, Kopf­schmer­zen als Ausdruck einer perma­nen­ten Verspan­nung und Anspan­nung. Zudem gibt es durch die Umge­bungs­be­din­gun­gen häufi­ger Erkäl­tun­gen und grip­pale Infekte. Dies wird durch alle Mobi­li­täts­for­men begüns­tigt.

Und wie sieht es mit psycho­so­ma­ti­schen Erkran­kun­gen aus?

Psychi­sche Effekte spie­len eine große Rolle. Der Pend­ler ist immer unter­wegs zwischen Wohn‐ und Arbeits­ort und kommt „nirgends rich­tig an“. Auch wird die Pendel­zeit sehr häufig als „verlo­rene Zeit“ empfun­den, die zudem gesteu­ert wird durch viele Außen­ein­flüsse wie Verspä­tun­gen der Bahn, Wetter­ka­prio­len oder Stau, das heißt die Fahrt vom und zum Arbeits­platz ist unkal­ku­lier­bar, man ist bezüg­lich der Bedin­gun­gen einer gewis­sen Hilf­lo­sig­keit ausge­setzt und kann seinen Tages­plan oft nicht, wie gewünscht, durch­füh­ren.

Das führt zu Frus­tra­tion und Stress, und auf Dauer kann eine nega­tive Einstel­lung zur Arbeit verbun­den mit einer gestei­ger­ten Neigung zum Krank­sein die Folge sein.

Was raten Sie Pend­lern in puncto Gesund­heits­be­wusst­sein?

Mögli­che Risi­ken und Belas­tun­gen soll­ten von Pend­lern erkannt und zum Beispiel jähr­lich hinsicht­lich Verän­de­run­gen oder Opti­mie­run­gen neu über­dacht und bewer­tet werden. Dazu gehört, Lebens­um­stände zu analy­sie­ren, die sich zwischen­zeit­lich verän­dern können und auch ein Update hinsicht­lich der Arbeits­ge­stal­tung: Kann ein Teil der Arbeit aus dem Home­of­fice erle­digt werden oder wäre eine Teil­zeit­be­schäf­ti­gung möglich? Ist es sinn­voll ein Zimmer, auch unter­stützt durch den Arbeit­ge­ber, anzu­mie­ten? Kann die Präsenz­zeit vor Ort verän­dert werden? Es gibt immer wieder Stell­schrau­ben, um die indi­vi­du­elle Situa­tion zu verbes­sern.

Vielen Dank für das Gespräch!


Zehn Praxis‐Tipps für Pend­ler

Wer pendelt, braucht eine indi­vi­du­elle Stra­te­gie, um die langen Fahr­zei­ten nicht als verlo­rene Zeit zu empfin­den. Zehn Tipps, wie Auto‐ oder Bahn­fah­rer die Pendel­zeit produk­tiv nutzen und sich entspan­nen können:

  1. Fahren Sie recht­zei­tig los und sorgen Sie nach Feier­abend für einen akti­ven Ausgleich, zum Beispiel durch Sport und Fami­li­en­ak­ti­vi­tä­ten.
  2. Entwi­ckeln Sie Rituale, zum Beispiel Tref­fen mit eben­falls reisen­den Kolle­gen, Yoga‐ und Entspan­nungs­übun­gen im Sitzen, das Abspie­len der glei­chen Play­list auf dem Heim­weg: Nach weni­gen Wochen wird diese Musik zu einem Ritual, das auch Ihrem Unter­be­wusst­sein den Wech­sel von Arbeit zu Frei­zeit signa­li­siert.
  3. Nutzen Sie Hilfs­mit­tel, die kurz­fris­tig Komfort bieten, zum Beispiel Nacken­kis­sen im Zug, außer­dem Geträn­ke­mit­nahme und Hörbü­cher auf dem I‐pod.
  4. Gönnen Sie sich das morgend­li­che Dösen in Bus und Bahn, aber nicht länger als 20 Minu­ten. Sonst laufen Sie Gefahr, noch müder zu werden und nur schwer aufzu­wa­chen.
  5. Machen Sie eine Tages­pla­nung Ihrer Aufga­ben, was Ihnen später im Büro Zeit erspart.
  6. Ruhi­ges und bewuss­tes Atmen eignet sich vor allem für die Nutzer öffent­li­cher Verkehrs­mit­tel. Für Auto­fah­rer ist das Risiko der Entspan­nung und Ablen­kung zu groß.
  7. Das bewusste Aufschrei­ben oder Diktie­ren aller Aufga­ben, die vom Tag übrig geblie­ben sind, kann Ihnen beim Wech­sel von Arbeit zu Frei­zeit helfen.
  8. Geführte Gedanken‐ und Fanta­sier­ei­sen – die Sie auf dem Smart­phone oder MP3‐Player als Audio‐Datei dabei haben – können ein Feierabend‐Ritual werden.
  9. Der Heim­weg eignet sich oft hervor­ra­gend, um den zurück­lie­gen­den Tag Revue passie­ren zu lassen und zusam­men­zu­fas­sen. Dadurch können Sie nicht nur alle noch offe­nen Projekte iden­ti­fi­zie­ren, sondern auch abschal­ten.
  10. Sowohl für Auto­fah­rer als auch für Pend­ler in öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln kann die Natur zur Erho­lungs­quelle werden. Stei­gen Sie etwas früher aus oder halten Sie kurz an und genie­ßen Sie einen Sonnen­un­ter­gang, die Sonnen­strah­len oder den Wind und die Natur um sich herum.
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