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Maßgeschneiderte Analyseansätze gefragt

Interview mit Professor Karlheinz Sonntag zum Projekt MEgA
Maßgeschneiderte Analyseansätze gefragt

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Prof. Dr. Karlheinz Sonntag ist seit 1993 Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der humanen Gestaltung digitalisierter Arbeitswelten, der Potenzialanalyse älterer Erwerbstätiger, dem Gesundheitsschutz, der Work-Life-Balance und der Personalentwicklung. Foto: © Philip Benjamin
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Pro­fes­sor Karl­heinz Son­ntag ist Arbeits- und Organ­i­sa­tion­spsy­cholo­gie der Uni­ver­sität Hei­del­berg und ein­er der bei­den Leit­er des Pro­jek­ts MEgA. Wir haben ihn nach Details zum Pro­jekt MEgA befragt und speziell nach Anknüp­fungspunk­ten für Fachkräfte für Arbeit­sicher­heit.

Wie sehen die im Pro­jekt MEgA entwick­el­ten Lösun­gen aus?

Son­ntag: Für eine präven­tive, gesund­heits­förder­liche Arbeits­gestal­tung sind keine Pauschal­lö­sun­gen gefragt, vielmehr dif­feren­zierte und auf die jew­eili­gen per­son­ellen und organ­isatorischen Begeben­heit­en der Unternehmen angepasste
Ansätze. Die Dig­i­tal­isierung und demografis­che Trends, eben­so die dadurch
verän­derten Arbeitsstruk­turen und Tätigkeit­en, sind zu facetten­re­ich – die Auswirkun­gen auf Unternehmen ver­schieden­er Branchen und Größen damit zu unter­schiedlich. Mit dem Pro­jekt MEgA wollen wir vor allem kleine und mit­tlere Unternehmen (KMU) bedarf­s­gerecht unter­stützen. Dafür entwick­eln wir, auch unter Ein­bezug der Forschungsergeb­nisse des vom Bun­desmin­is­teri­um für Bil­dung und Forschung (BMBF) ini­ti­ierten Förder­schw­er­punk­tes „Präven­tive Maß­nah­men für die sichere und gesunde Arbeit von mor­gen“ eine Tool­box mit praxis­er­probtem Werkzeug für ein präven­tives, demografiesen­si­bles HR- und Gesund­heits­man­age­ment. Die Tools, Leit­fä­den und Arbeit­shil­fen, die die Plat­tform des Pro­jek­ts www.gesundearbeit-mega.de bere­it­stellen wird, kön­nen die Unternehmen dann – je nach Bedarf – flex­i­bel für ihr HR- und Gesund­heits­man­age­ment anwen­den.

Was dür­fen Fachkräfte für Arbeitssicher­heit von dem Pro­jekt erwarten?

Son­ntag: Einen wichti­gen Fokus set­zt das Pro­jekt MEgA auf die Gefährdungs­beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tung als zen­trales Instru­ment zur Steuerung der betrieblichen Arbeitss­chutza­k­tiv­itäten. Grund­sät­zlich ist der Arbeit­ge­ber für die Pla­nung und Umset­zung der Gefährdungs­beurteilung ver­ant­wortlich, wobei die Arbeitss­chutzs­trate­gie vor­sieht, dass er zuver­läs­sige und fachkundi­ge Per­so­n­en damit beauf­tra­gen kann. Mit unserem Ver­fahren „Gefährdungs­beurteilung Psy­chis­che Belas­tung“ (GPB) wollen wir natür­lich auch die Fachkräfte für Sicher­heit oder Arbeitsmedi­zin­er, die von den Unternehmen beauf­tragt und in den Prozess einge­bun­den wer­den, unter­stützen. Unser Ver­fahren, das bere­its in zahlre­ichen Großun­ternehmen erfol­gre­ich einge­set­zt wurde und sich als adäquat zur Beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tun­gen am Arbeit­splatz bewährt hat, ermöglicht ihnen ein wis­senschaftlich fundiertes
und praxis­er­probtes Vorge­hen.

Wie genau geht das Ver­fahren vor,
um psy­chis­che Belas­tun­gen in der dig­i­tal­isierten Arbeitswelt zu messen?

Son­ntag: Wir empfehlen einen objek­tiv­en Zugang zur Analyse von Belas­tungs­fak­toren am Arbeit­splatz. In unserem Ver­fahren wer­den zwölf Dimen­sio­nen wie Arbeit­skom­plex­ität, Hand­lungsspiel­raum, Ver­ant­wor­tung­sum­fang, Arbeit­sun­ter­brechun­gen oder Kun­de­nori­en­tierung durch ein geschultes Analy­seteam, beste­hend aus Vertretern der Arbeitssicher­heit, Arbeitsmedi­zin, Betrieb­srat und Führungskräften beurteilt. Mit dem Ver­fahren wird aufgezeigt, ob kri­tis­che Belas­tungskom­bi­na­tio­nen vor­liegen, um anschließend Maß­nah­men abzuleit­en. Eine solche Analyse psy­chis­ch­er Belas­tun­gen ist ger­ade in ein­er Arbeitswelt wichtig, in der die klas­sis­chen Dimen­sio­nen Raum, Zeit und Struk­tur zunehmend ihre Gren­zen ver­lieren und die Infor­ma­tions­dichte und ‑vielfalt zunehmen.

In dem Pro­jekt MEgA passen wir das Ver­fahren für die spez­i­fis­chen Bedürfnisse von KMU an, um dieses möglichst zeit- und aufwand­sökonomisch anwen­den zu kön­nen. Dazu wurde das Ver­fahren auf der Grund­lage sta­tis­tis­ch­er Kenn­zahlen zunächst gekürzt und in ein­er Pilot­phase in zwölf KMU unter­schiedlich­er Branchen einge­set­zt. Anschließend wurde es opti­miert, um es nun in ein­er zweit­en Phase zu erproben. Es wurde deut­lich, dass mit dem ver­schlank­ten Analy­se­tool eine effiziente und nach­haltige Durch­führung der Gefährdungs­beurteilung psy­chis­ch­er Belas­tung in KMU aufwand­sökonomisch und branchenüber­greifend möglich ist.

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