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Selbstversuche in der Stresskammer

Simulation auf kleinstem Raum
Selbstversuche in der Stresskammer

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Foto: © Alina - stock.adobe.com
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Stress lässt sich messen. Dafür braucht es gar nicht viel. Eine Stresskam­mer mit ein paar Geräten reicht, um Stress zu simulieren und seine Auswirkun­gen aufzuze­ich­nen. Wie das funk­tion­iert, erk­lären die Ref­er­enten Anne Gehrke und Rolf van Doorn vom Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit der DGUV (IAG) anhand unser­er Fragen.

Die Fra­gen stellte Bet­ti­na Brucker.

Was ist eine Stresskammer?

Die Stresskam­mer ist ein Raum oder in mobil­er Form eine Kabine. Sie ist mit einem Schreibtisch, einem PC und einem Büros­tuhl sowie mit Geräten zur Sim­u­la­tion von Stress beziehungsweise zur Mes­sung ver­schieden­er Kör­per­funk­tio­nen aus­ges­tat­tet. An diesem „Arbeit­splatz“ lässt sich der Ein­fluss von ver­schiede­nen Stres­soren auf phys­i­ol­o­gis­che Para­me­ter und kog­ni­tive Leis­tun­gen sehr gut verdeutlichen.

Was passiert in der Stresskammer?

In der Stresskam­mer kön­nen Teil­nehmende erfahren, welche kör­per­lichen Funk­tio­nen bei Stress ange­sprochen wer­den und wie sich die Stress­reak­tion auf ihre Wahrnehmung und Leis­tung auswirkt. Dafür bear­beit­en sie Auf­gaben in zwei Durchgän­gen – ein­mal ohne und ein­mal mit Stres­soren. Die ver­wen­de­ten Stres­soren sind in der Arbeitswelt häu­fig vork­om­mende Belas­tun­gen wie Zeit­druck, Lärm, Blendung oder Unter­brechun­gen. Das macht es für die Teil­nehmenden sehr anschaulich und erle­ichtert ihnen später den Trans­fer von Maß­nah­men zur Stressre­duk­tion auf ihren eige­nen Arbeitsplatz.

Die Ergeb­nisse der Stressmes­sung aus den bei­den Durchgän­gen wer­den im Anschluss an die Auf­gaben­bear­beitung miteinan­der ver­glichen und indi­vidu­ell aus­gew­ertet. Die Teil­nehmenden erhal­ten zudem Infor­ma­tio­nen zu den Hin­ter­grün­den der Stress-Reak­tio­nen. Auch Möglichkeit­en der Präven­tion wer­den aufgezeigt.

Was konkret kann man in der Stresskam­mer messen?

In der Stresskam­mer wer­den phys­i­ol­o­gis­che Werte wie Herzfre­quenz, Muske­lak­tiv­ität und Haut­leitwert gemessen. Diese verän­dern sich durch das Auftreten ein­er psy­chis­chen Belas­tung, die als Stres­sor wahrgenom­men wird.

So weist eine zunehmende Herzrate oder eine steigende Muske­lak­tiv­ität auf eine Stress­reak­tion des Kör­pers hin. Zudem wer­den die (Arbeits-)Leistung beziehungsweise die Fehlerquote sowie das sub­jek­tive Empfind­en während der Auf­gaben­bear­beitung erfasst. Dabei han­delt es sich um eine Momen­tauf­nahme, die keine weit­eren Aus­sagen über die Belast­barkeit der teil­nehmenden Per­so­n­en zulässt.

Was passiert mit den Messergebnissen?

Die Messergeb­nisse wer­den den Teil­nehmenden als aus­ge­druck­te grafis­che Auswer­tung ihrer indi­vidu­ellen phys­i­ol­o­gis­chen Reak­tion mit­gegeben. Eine länger­fristige Spe­icherung und Auswer­tung find­et nicht statt.

Warum und wann wurde die Stresskam­mer entwick­elt? Wie wird sie genutzt?

Die Stresskam­mer wurde Anfang der 2000er Jahre im Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit entwick­elt und wird in Sem­i­naren und Ver­anstal­tun­gen des Insti­tuts genutzt, um die Auswirkun­gen psy­chis­ch­er Belas­tun­gen erleb­bar zu machen. Eine weit­ere Stresskam­mer wurde im Rah­men der kom­m­mit­men­sch-Kam­pagne entwick­elt. Sie wird bei Messen und Ver­anstal­tun­gen zur Kam­pagne genutzt. Der Ein­satz der Stresskam­mer wird durch geschultes Per­son­al begleitet.

Was bringt es Beschäftigten, an einem Stresskam­mere­in­satz teilzunehmen?

Viele Teil­nehmende sind über­rascht, wie schnell ihr Kör­p­er auf die Verän­derun­gen der Auf­gaben­stel­lung oder Arbeit­sumge­bung mit dem Auf­bau der Stress­reak­tion reagiert. In der Stresskam­mer erleben sie, dass schon kleine Verän­derun­gen als Stres­soren wahrgenom­men wer­den und sich neg­a­tiv auf das Arbeit­sergeb­nis auswirken kön­nen. In diesem Zusam­men­hang lässt sich auch erk­lären, wie einzelne Hand­lungs­felder helfen kön­nen, Stress zu reduzieren beziehungsweise wie Stress­man­age­ment sin­nvoll einge­set­zt wer­den kann.

Und was mache ich, wenn ich nach der Mes­sung in der Stresskam­mer weiß, dass der Stress meinem Kör­p­er nicht gut tut, er sich am Arbeit­splatz aber nicht abschal­ten lässt?

Während des Besuchs in der Stresskam­mer erhal­ten die Teil­nehmenden auch Infor­ma­tio­nen, welche Pflicht­en Arbeit­ge­ber und Führungskräfte in diesem Zusam­men­hang haben. Das Arbeitss­chutzge­setz verpflichtet den Arbeit­ge­ber und die Führungskräfte dazu, im Rah­men der Gefährdungs­beurteilung psy­chis­che Belas­tun­gen zu ermit­teln und geeignete Maß­nah­men zu ergreifen. Dabei kann das Unternehmen auf die Infor­ma­tions- und Beratungsange­bote der Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften zurück­greifen. Wichtig ist, dass die auftre­tenden Belas­tun­gen gegenüber den Führungskräften kom­mu­niziert wer­den. Denn nur dann kann auch etwas dage­gen unter­nom­men werden.

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