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Stand der Dinge

Solare Expo­si­tion von Beschäf­tig­ten

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In den vergan­ge­nen Jahren ist viel Wissen um die Expo­si­tion von Beschäf­tig­ten gegen­über ultra­vio­let­ter (UV-) Strah­lung geschaf­fen worden. Es zeich­net sich ein Bild der Gefähr­dung für die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten ab. Das Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV hat enorme Forschungs­an­stren­gun­gen unter­nom­men, um Daten insbe­son­dere für Expo­si­tio­nen im Freien zu ermit­teln. Nun gilt es, das Wissen zu trans­por­tie­ren und den Sinn für Schutz­maß­nah­men sowohl bei den Arbeit­ge­ben­den, als auch bei den Beschäf­tig­ten zu veran­kern.

Das Thema „Arbei­ten im Freien – Expo­si­tion durch ultra­vio­lette (UV-) Strah­lung“ ist in den letz­ten Jahren nicht zuletzt durch die Einfüh­rung einer damit verbun­de­nen Berufs­krank­heit (siehe Info­kas­ten 1) merk­lich in den Fokus gerückt. Die Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) begeg­net dem Thema in Zusam­men­ar­beit mit den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern durch inten­sive Anstren­gun­gen in Präven­tion und Berufs­krank­hei­ten­ge­sche­hen.

Wenn wir aus dem Winter in das Früh­jahr star­ten, freuen wir uns über jeden Sonnen­strahl und jedes Licht, Wärme und das sprich­wört­lich „neu begin­nende Leben“ – und im Herbst begin­nen wir, die Sonne zu vermis­sen. Sobald man tags­über im Freien beschäf­tigt ist, ist man sola­rer UV-Strahlung ausge­setzt. Bislang gab es noch große Wissens­lü­cken über die Höhe und das Ausmaß der Bestrah­lung. Zur rich­ti­gen Einschät­zung der Gefähr­dung und zur Ablei­tung von Schutz­maß­nah­men sind in der Regel Mess­da­ten die beste Basis. Sie dienen glei­cher­ma­ßen der Präven­tion und der Belas­tungs­ein­schät­zung im Berufs­krank­hei­ten­ge­sche­hen.

Für das Verständ­nis der Gefähr­dung ist es wich­tig zu wissen, dass eine hohe UV-Bestrahlung nicht zwangs­läu­fig mit großer Hitze einher­ge­hen muss. Das sind zunächst völlig vonein­an­der entkop­pelte Phäno­mene. Hitze wird im Wesent­li­chen durch die infra­rote (IR-) Strah­lung der Sonne verur­sacht, während Effekte einer entzünd­li­chen Rötung der Haut, einem Sonnen­brand („Erythem“), mit dem UV-Strahlungsanteil der Sonne zusam­men­hän­gen. Um eine Gefähr­dung für beispiels­weise eine lang­fris­tige Schä­di­gung zu errei­chen, muss die Haut aber nicht stän­dig bis zum Sonnen­brand hin belas­tet werden. Eine jahre­lange Bestrah­lung der Haut kann zu einer chro­ni­schen Schä­di­gung führen, die sich als Haut­krebs mani­fes­tie­ren kann. Dieser Zusam­men­hang zwischen UV-Bestrahlung und eini­gen Arten des nicht-melanozytären („hellen“) Haut­kreb­ses sind wissen­schaft­lich fundiert und bewie­sen [1].

Haut­krebs durch UV-Strahlung ist eine Volks­krank­heit, damit verbun­den aber auch eine Erkran­kung, die eine große Rele­vanz im Berufs­le­ben hat. Große Heraus­for­de­run­gen sind damit für die Präven­tion gege­ben, denn obwohl wir Fort­schritte in der Verhält­nis­prä­ven­tion machen, bleibt die Verhal­tensprä­ven­tion ein großes Thema – nach wie vor.

Messun­gen schaf­fen Klar­heit

Der Begriff des „Outdoor-Workers“, sprich des Beschäf­tig­ten im Freien, wird im Rahmen der Diskus­sion um die Expo­si­tion gegen­über natür­li­cher UV-Strahlung wie selbst­ver­ständ­lich verwen­det. Was ist aber ein „Outdoor-Worker“? Nach der bishe­ri­gen Defi­ni­tion sind es Perso­nen, die mehr als 75% Arbeits­zeit im Freien tätig sind. Aus unse­ren Messun­gen seit dem Jahr 2014 haben wir gelernt, dass dies nur die berühmte „Spitze des Eisbergs“ sein kann. Denn auch Beschäf­tigte mit einem gerin­ge­ren Zeit­an­teil im Freien können durch solare UV-Strahlung erheb­lich expo­niert sein.

In Deutsch­land geht man davon aus, dass zwischen zwei und drei Millio­nen Beschäf­tigte zu dieser Kate­go­rie gehö­ren, in Europa sind es etwa 14,5 Millio­nen nach Anga­ben der Euro­päi­schen Kommis­sion. Wesent­lich entschei­dend ist nicht, zu welchem Prozent­satz jemand im Freien beschäf­tigt ist, sondern wie lange er in dieser Zeit gegen­über der UV-Strahlung – genauer gesagt der gesam­ten Himmels­sphäre expo­niert ist. Hier gehen sehr viele Fakto­ren ein, die durch einzelne Tätig­kei­ten bestimmt sind und in einem Tätig­keits­pro­fil beschrie­ben werden können.

Seit 2014 geht das IFA mit inten­si­ven Messun­gen der Frage nach, wie stark beruf­li­che Tätig­kei­ten mit UV-Exposition verbun­den sind. Mehr als 1000 Proban­den aus über 200 Beru­fen mit weit über 1000 Einzel­tä­tig­kei­ten trugen bislang Dosi­me­ter über sieben Monate arbeits­täg­lich. Dabei kamen insge­samt 3,5 Milli­ar­den Daten­sätze zusam­men, die schon ein sehr gutes Bild der Expo­si­tion vermit­teln. Mit GENESIS (GENera­tion and Extrac­tion System for Indi­vi­dual expo­Sure) und der Anwen­dung bei Messun­gen der UV-Strahlung, GENESIS-UV, hat das IFA ein System entwi­ckelt, das insbe­son­dere für die dezen­trale Mess­wert­erfas­sun­gen über lange Zeit­räume mit hoher Auto­no­mie der Proban­den geschaf­fen wurde (siehe auch www.dguv.de/genesis).

Hohe Bestrah­lun­gen in vielen Beru­fen

Viele der Mess­da­ten konn­ten bislang ausge­wer­tet werden. Im Jahr 2016 wurde im Rahmen einer Pres­se­kon­fe­renz der erste Zwischen­stand verkün­det. Nun ist es gelun­gen, weitere Mess­da­ten aufzu­be­rei­ten und nutz­bar zu machen. Ein Teil dieser diesen Daten ist in Abbil­dung 1 zu sehen. Kampa­gnen­weit hat sich über alle Berufs­grup­pen heraus­ge­stellt, dass das Spek­trum der Bestrah­lun­gen sehr breit gefä­chert ist. Es können mehrere hundert SED (SED, Stan­dard­e­rythem­do­sis, 1 SED = 100 J/m² erythem­wirk­same Bestrah­lung) pro Jahr aufge­sam­melt werden. Zur Einord­nung sei bemerkt, dass bei einem hellen Haut­typ (blonde/rötliche Haare, Sommer­spros­sen, bräunt nie) schon zwischen 1 SED und 1,5 SED zu einem Sonnen­brand führen können. Die Schwelle, um eine Schä­di­gung der Haut über lange Jahre der Einwir­kung herbei­zu­füh­ren, liegt aber schon sehr viel unter­halb der persön­li­chen Sonnen­brand­schwelle.

Wir sind dabei, die Bestrah­lung inner­halb eines Berufs­bil­des bis auf die einzelne Teil­tä­tig­keits­gruppe und die einzelne Teil­tä­tig­keit herun­ter­zu­bre­chen. Dies ist insbe­son­dere wich­tig, da sich Tätig­kei­ten inner­halb eines Beru­fes stark hinsicht­lich der Expo­si­tion gegen­über UV-Strahlung unter­schei­den können. Am Beispiel eines Maurers soll dies verdeut­licht werden: Wird ein Funda­ment des Hauses oder die Außen­mau­ern erbaut, dann ist der Beschäf­tigte viel weni­ger vor der UV-Strahlung geschützt als zu dem Zeit­punkt, wenn die Innen­mau­ern bei schon einge­bau­tem Dach gemau­ert werden. Unsere Mess­da­ten zeigen bei diesem Beispiel, dass sich die Expo­si­tion hier­bei um einen Faktor 8 unter­schei­det – bei Außen­ar­bei­ten bekommt man demnach also sehr viel mehr Strah­lung ab. Zurzeit werden die Daten mit diesem Detail­lie­rungs­grad aufbe­rei­tet und für die Bekannt­gabe bereit gemacht.

Ziel ist es, diese detail­rei­chen Infor­ma­tio­nen für jeden Beruf auszu­wer­ten und – wo möglich und notwen­dig – in die Präven­ti­ons­ar­bei­ten einflie­ßen zu lassen.

Präven­ti­ons­maß­nah­men. Schon erle­digt?

Schaut man auf die bislang exis­tie­rende „Schutz­kul­tur“ im Hinblick auf die Expo­si­tion gegen­über sola­rer UV-Strahlung, dann erkennt man noch großes Ausbau­po­ten­tial. Oftmals ist die Gefähr­dung nicht bekannt, oder aber das Schutz­be­wusst­sein ist gering und die Gefähr­dung wird igno­riert. Da es sich bei der UV-Strahlung um eine ubiqui­täre Noxe handelt, der wir auch in der Frei­zeit ausge­setzt sind, sollte über einen ganz­heit­li­chen präven­ti­ven Ansatz nach­ge­dacht werden, der sowohl die beruf­li­chen, als auch die priva­ten Zeiten umfasst.

Und genau dort liegt noch eines der großen Probleme. Die Verhält­nis­prä­ven­tion ist der Bereich, der klas­sisch durch Schutz­maß­nah­men ange­gan­gen wird. Um sich dem zu nähern, findet man Hinweise in der DGUV-Information 203–085 „Arbei­ten unter der Sonne“. Wie dort auch beschrie­ben ist, erfolgt die Auswahl der Maßnah­men gemäß dem TOP-Prinzip: die Rang­folge der tech­ni­schen (T) vor den orga­ni­sa­to­ri­schen (O) und den persön­li­chen ℗ Schutz­maß­nah­men ist dabei entschei­dend. Beispiel: Tech­nisch – Abschat­ten, Orga­ni­sa­to­risch – Zeit planen, persön­lich – körper­be­de­ckende Klei­dung tragen. Viele gute Ansätze werden zurzeit erprobt und einge­setzt, der Aufbruch ist erfolgt. Schutz­maß­nah­men müssen klug und ange­mes­sen gewählt werden, damit sie bei den Beschäf­tig­ten eine hohe Akzep­tanz erhal­ten und behal­ten. Entsteht der Eindruck, dass das Schutz­ziel über­trie­ben wird, werden Schutz­maß­nah­men biswei­len in der Gänze abge­lehnt. Zudem dürfen keine zusätz­li­chen Gefähr­dun­gen durch den Einsatz von Schutz­maß­nah­men gegen UV-Strahlung entste­hen.

Weiter­hin proble­ma­tisch und von den meis­ten Kampa­gnen unbe­ob­ach­tet ist das persön­li­che Verhal­ten eines jeden Einzel­nen. Oftmals kommt es noch vor, dass man an Ober­kör­per und Unter­schen­keln unbe­klei­dete Beschäf­tigte im Freien beispiels­weise an Baustel­len sieht. Die gesell­schaft­li­che Maxime, dass es eine „gesunde Bräune“ brau­che, wirk dem Schutz der Haut maxi­mal entge­gen. Es gibt weder eine gesunde Bräune, noch muss diese durch stän­di­ges Sonnen­ba­den aufrecht erhal­ten werden. Genau genom­men ist die Bräu­nung eine Schutz- und Abwehr­re­ak­tion der Haut – genau das muss man in den Köpfen veran­kern. Schon im Kindes­al­ter muss die Präven­tion anset­zen, denn im Präge­al­ter der Kinder kann man die Botschaf­ten verin­ner­li­chen.

Ein Blick in die Zukunft

Wir blicken mit großer Zuver­sicht in die Zukunft, dass durch einen holis­ti­schen Ansatz in der Präven­tion – beruf­lich wie privat – eine Schutz­kul­tur Einzug hält, damit irgend­wann keine Fälle von Haut­krebs mehr auftre­ten. Denn dieser Krebs ist so ziem­lich der einzige, der durch konse­quente Präven­tion verhin­dert werden kann. Beschäf­tigte im Freien sind durch solare UV-Strahlung gefähr­det und müssen mit ausge­wähl­ten Präven­ti­ons­maß­nah­men geschützt werden. Tätig­keits­be­zo­gene Expo­si­ti­ons­mes­sun­gen können dabei helfen, maßge­schnei­derte Lösun­gen zu finden. Zu den Maßnah­men sollte auch die Sensi­bi­li­sie­rung der Beschäf­tig­ten für das Thema gehö­ren. Beson­dere Beach­tung sollte diese Gefähr­dung auch im Rahmen der Gefäh­drungs­be­ur­tei­lung finden, damit jeder Arbeit­ge­ber gewapp­net ist, den Schutz seiner Beschäf­tig­ten zu opti­mie­ren.

Gesunde Haut ein Leben lang, nach dieser Maxime sollte jeder Schutz­maß­nah­men ins Auge fassen – auf dem Bau und auf dem Fußball­platz.

Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

  1. Beruf­li­che und außer­be­ruf­li­che UV-Strahlung und Haut­krebs, Forschungs­pro­jekt DGUV FF-FB 181, https://www.dguv.de/projektdatenbank/0181/abschlussbericht_20160607_abgenommen.pdf
  2. RICHTLINIE 2006/25/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 5. April 2006 über Mindest­vor­schrif­ten zum Schutz von Sicher­heit und Gesund­heit der Arbeit­neh­mer vor der Gefähr­dung durch physi­ka­li­sche Einwir­kun­gen (künst­li­che opti­sche Strah­lung) (19. Einzel­richt­li­nie im Sinne des Arti­kels 16 Absatz 1 der Richt­li­nie 89/391/EWG), Amts­blatt der Euro­päi­schen Union, L 114/38 – L 114/60
  3. Arbeits­schutz­ver­ord­nung zu künst­li­cher opti­scher Strah­lung vom 19. Juli 2010 (BGBl. I S. 960)
  4. https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TROS/TROS.html#doc8686874bodyText1 (zuletzt besucht am 02. Septem­ber 2018)
  5. DIN EN 14255: Messung und Beur­tei­lung von perso­nen­be­zo­ge­nen Expo­si­tio­nen gegen­über inko­hä­ren­ter opti­scher Strah­lung, Teile 1–4, Beuth-Verlag
  6. Witt­lich, M.: Tech­ni­sche Infor­ma­tion zur Ermitt­lung in Berufskrankheiten(BK-)fällen vor dem Hinter­grund der neuen Berufs­krank­heit mit der BK-Nr. 5103 „Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nome oder multi­ple akti­ni­sche Kera­to­sen der Haut durch natür­li­che UV-Strahlung“, Ausgabe 09.2015 www.dguv.de/webcode/m352118
  7. Witt­lich M, Wester­hau­sen S, Klei­ne­s­pel P, Rifer G, Stop­pel­mann W (2016): An appro­xi­ma­tion of occupa­tio­nal life­time UVR expo­sure: algo­rithm for retro­s­pec­tive assess­ment and current measu­rements. J Eur Acad Derma­tol Vene­reol 30 Suppl 3: 27–33

Die BK-Nr. 5103

Seit dem 1. Januar 2015 können bestimmte Haut­krebs­er­kran­kun­gen als Berufs­krank­heit (BK) unter der BK-Nr. 5103 „Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nome oder multi­ple akti­ni­sche Kera­to­sen der Haut durch natür­li­che UV-Strahlung“ aner­kannt werden. Es müssen medi­zi­ni­sche wie auch wissenschaftlich-technische Voraus­set­zun­gen erfüllt sein, um die Aner­ken­nung als beruf­lich verur­sacht in Betracht zu ziehen. Hinsicht­lich der arbeits­tech­ni­schen Voraus­set­zun­gen ist in Berufs­krank­hei­ten­fäl­len immer die indi­vi­du­elle Expo­si­tion des Versi­cher­ten zu ermit­teln. Zurzeit wird die Expo­si­tion mit Hilfe eines Algo­rith­mus retro­spek­tiv geschätzt [6, 7].

Zeigt sich dann am Ort der Tumor­ent­ste­hung eine zusätz­lich zur außer­be­ruf­li­chen UV-Strahlungsexposition auftre­tende arbeits­be­dingte UV-Belastung von wenigs­tens 40%, so kann dies für eine arbeits­be­dingte Verur­sa­chung spre­chen. Dieser Zuschlag von 40% wird auf der Basis der außer­be­ruf­li­chen Lebens­zeit­be­strah­lung (Alter x 130 SED) berech­net und bezieht sich nicht auf die Gesamt­le­bens­zeit­do­sis.

Zukünf­tig kann davon ausge­gan­gen werden, dass die mit GENESIS-UV gemes­se­nen Bestrah­lun­gen einzel­ner Berufe und Tätig­kei­ten in die Beur­tei­lung mit einflie­ßen. Dafür müssen aber noch Voraus­set­zun­gen geschaf­fen werden, wie zum Beispiel die Über­trag­bar­keit von heuti­gen Messun­gen auf die Berufs­bil­der mehre­rer Deka­den in der Vergan­gen­heit.

Statis­ti­sches kann der Jahres­bi­lanz 2017 der DGUV entnom­men werden: Demnach wurden in 75.187 Fällen der Verdacht auf das Vorlie­gen einer Berufs­krank­heit ange­zeigt. Davon entfie­len 6.375 Verdachts­an­zei­gen auf den hellen Haut­krebs im Sinne der BK-Nr. 5103. Insge­samt wurden in 19.794 Fällen eine Berufs­krank­heit aner­kannt, davon entfie­len 3.887 auf die BK-Nr. 5103. Hierin nicht enthal­ten sind Zahlen aus dem Bereich der Sozi­al­ver­si­che­rung für Land­wirt­schaft, Fors­ten und Garten­bau (SVLFG). Im Berichts­jahr 2016 der SVLG waren dies 2.190 gemel­dete und 1.340 aner­kannte Fälle im Sinne der BK-Nr. 5103 (Quelle: http://www.svlfg.de/11-wir/wir916_daten_zahlen/wir042_01_uv/wir042_01_03_bk/index.html).


Opti­sche Strah­lung künst­li­cher Quel­len

Strah­lungs­quel­len

Jeder Körper, jeder Gegen­stand strahlt. Aus dem Planck’schen Strah­lungs­ge­setz ergibt sich, dass alle Körper, die eine Tempe­ra­tur besit­zen, Strah­lung emit­tie­ren. Die meis­ten Quel­len sind dabei völlig harm­los.

Die Sonne ist unsere bedeut­samste Quelle für natür­li­che opti­sche Strah­lung. Als opti­sche Strah­lung wird jede elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­lung im Wellen­län­gen­be­reich von 100 nm bis 1 mm bezeich­net. Sie umfasst die ultra­vio­lette Strah­lung („UV“, 100 nm bis 400 nm), die sicht­bare Strah­lung („Licht“, 400 nm bis 780 nm), sowie die infra­rote Strah­lung („IR“, 780 nm bis 1 mm). Schaut man aber auf die Gefähr­dung, dann wird sie darin durch manch andere Quelle künst­li­cher opti­scher Strah­lung deut­lich über­trof­fen. Das wird in der Praxis leider oftmals verges­sen, zum einen, weil Strah­lungs­quel­len als solche nicht wahr­ge­nom­men werden, und zum ande­ren, weil keine Kennt­nis über das tatsäch­li­che Ausmaß der Expo­si­tion vorliegt.

Bei der Anwen­dung von Arbeits­mit­teln mit Emis­sio­nen von künst­li­cher opti­scher Strah­lung im Arbeits­pro­zess können prin­zi­pi­ell zwei­er­lei Fälle unter­schie­den werden: auf der einen Seite gibt es Prozesse, bei denen die opti­sche Strah­lung für den Prozess benö­tigt wird (z. B. UV-Kleben, Härten von Lacken, Desin­fek­tion), auf der ande­ren Seite entsteht sie als Neben­pro­dukt eines Prozes­ses (z. B. Schweiß­licht­bö­gen, UV-Emission einer Gasflamme).

Gesetz­li­che Rege­lun­gen

Es mangelt nicht an gesetz­li­chen Rege­lun­gen. Die Mindest­vor­schrif­ten zum Schutz der Beschäf­tig­ten zum Schutz vor künst­li­cher Opti­scher Strah­lung sind auf euro­päi­scher Ebene durch die EU-Richtlinie 2006/25/EG [2] gere­gelt, die im Jahr 2010 auf natio­na­ler Ebene in der Opti­schen Strah­len­ver­ord­nung (OStrV) [3] umge­setzt worden ist. Tech­ni­sche Regeln zur Konkre­ti­sie­rung geben dem Arbeit­ge­ber Hilfen bei der Umset­zung der Vorschrif­ten und der Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung [4].

Hilfen zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung wird durch Herstel­ler­in­for­ma­tio­nen oder normen­spe­zi­fi­sche Klas­si­fi­ka­tion von Lampen und Lampen­sys­te­men erleich­tert. Leider sind Anga­ben zur Strah­lungs­emis­sion von Quel­len (sowohl Lampen und Leuch­ten, als auch Maschi­nen und Anwen­dun­gen) herstel­ler­sei­tig noch oftmals lücken­haft oder nicht ausrei­chend vorhan­den.

Die Normen­reihe DIN EN 14255 [5] gibt gute und nütz­li­che Hinweise zur Durch­füh­rung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung in Hinblick auf die Opti­sche Strah­lung. Weitere Ange­bote findet man auf den Seiten der DGUV (https://www.dguv.de/ifa/fachinfos/strahlung/optische-strahlung/index.jsp) und der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Physikalische-Faktoren-und-Arbeitsumgebung/Optische-Strahlung/_functions/BereichsPublikationssuche_Formular.html?nn=8702076).


Foto: privat

Autor:

Dr. Marc Witt­lich

Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV

E‑Mail: marc.wittlich@dguv.de

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