Startseite » Gesundheit »

Stiche, Brennen und Ansteckung

Tierische Gefahren
Stiche, Brennen und Ansteckung

Anzeige
Wer im Freien arbeit­et, begeg­net immer wieder auch Tieren. Mal ist es eine kleine, lästige Stech­mücke, mal ein großer, beißfreudi­ger Vier­bein­er. In Deutsch­land gehen zum Glück von den meis­ten Tieren keine allzu großen Gefahren aus. Trotz­dem sollte man entsprechende Schutz­maß­nah­men ken­nen und beachten.

Bet­ti­na Brucker

Sabine M. arbeit­et in ein­er Gärt­nerei. Sie mag es, bei jedem Wet­ter im Freien zu sein. Doch lei­der kom­men mit den ersten Son­nen­strahlen auch die Insek­ten wieder aus ihren Ver­steck­en. Schön anzuse­hen ist der schillernde Schmetter­ling. Doch schon bald begin­nt die Zeit der Stiche und Bisse: Die ersten Stech­mück­en und Wespen schwirren durch die Luft und Zeck­en lauern im Gebüsch.
Keine Angst vor Wespen und Co.
Bienen, Wespen und Hor­nissen sind für den Men­schen in der Regel nicht gefährlich. Ein Stich ist zwar schmerzhaft, aber Lebens­ge­fahr beste­ht erst ab hun­derten von Stichen. Auf­passen müssen allerd­ings Men­schen, die aller­gisch auf das Insek­tengift reagieren.
Der Som­mer ist die Zeit, in der die Wespen und Hor­nissen ihren Nach­wuchs großziehen. Sie sind ständig unter­wegs auf der Suche nach Fut­ter. Rund 500 Gramm kleinere Insek­ten, darunter auch Schädlinge, benötigt ein Hor­nissenvolk täglich für die Aufzucht der Brut. Seit­dem die Tiere ihre Nester in näch­ster Nach­barschaft mit den Men­schen in Rol­l­ladenkästen und Dachstühlen bauen, gehören auch Fleisch, Wurst und Süßes zu ihrem Speisezettel.
Die Biene als Honigliefer­ant wird vor dem Schlag mit der Fliegen­klatsche meist ver­schont. Mit Wespen ist der Umgang dage­gen weitaus weniger zim­per­lich. Dabei sind die stache­li­gen Tiere eher friedlich. Hor­nissenvölk­er, die in Ruhe gelassen wer­den, bleiben ruhig und berechen­bar. Nur wenn sie sich ange­grif­f­en fühlen, vertei­di­gen sie sich. Deshalb sollte man hek­tis­che und schnelle Bewe­gun­gen in der Nähe von Wespen, Hor­nissen und ihren Nestern vermeiden.
So kön­nen Sie sich vor Hor­nissen und Wespen schützen:
  • Tra­gen Sie keine bunte, flat­ternde Kleidung.
  • Ver­wen­den Sie Son­nen­schutz ohne Duftstoffe.
  • Seien Sie beim Essen und Trinken im Freien vor­sichtig. Benutzen Sie zum Beispiel einen Trinkhalm.
  • Lassen Sie keine Lebens­mit­tel und Getränke offen herumstehen.
  • Hal­ten Sie zu einem Nest, wenn möglich, mehrere Meter Abstand.
  • Schützen Sie sich bei Arbeit­en in der Nähe eines Wespennestes durch langärmelige und lang­beinige Klei­dung und Handschuhe.
Übri­gens: Hor­nissen sind vom Ausster­ben bedro­ht und natur­rechtlich geschützt. Deshalb dür­fen Hor­nissennester nur mit behördlich­er Genehmi­gung ent­fer­nt und umge­siedelt wer­den, etwa wenn sich eines in der Nähe eines Kinder­gartens befindet.
Nes­sel­gift löst beim Men­schen heftige Reak­tio­nen aus
Ste­fan L. ist seit vie­len Jahren Förster. Er ken­nt die Jahreszeit­en mit ihren un-ter­schiedlichen Gefahren­schw­er­punk­ten sehr genau. Im Früh­jahr und Som­mer ist die Gefahr beson­ders groß, mit Brennhaaren von Schmetter­lingsrau­pen in Berührung zu kom­men. Und das ist schlim­mer als ein Insek­ten­stich. Die Raupe des Eichen­prozes­sion­sspin­ners zum Beispiel, ein Nacht­fal­ter und Fraßschädling, ver­pup­pt sich fünf­mal in Gespin­stnestern. Da die Härchen leicht abbrechen und vom Wind weit­er­ge­tra­gen wer­den kön­nen, find­en sie sich nicht nur in der Nähe von Eichen.
Die Haare des drit­ten Lar­ven­sta­di­ums, das von Mai bis Juli dauert, sind für den Men­schen gefährlich. Allerd­ings kön­nen die Härchen auch noch nach Jahren ihr Nes­sel­gift abgeben.
Die Brennhaare enthal­ten das Nes­sel­gift Thaume­topoein. Beim Men­sch kann dieses Gift inner­halb von 24 Stun­den nach Kontakt
  • aller­gis­che Hautreak­tio­nen wie Quad­deln oder starken Juckreiz,
  • Binde­hau­t­entzün­dun­gen,
  • Reizun­gen und Entzün­dun­gen der Atemwege und zum Teil sogar
  • Fieber, Schwindel oder Schockzustände
aus­lösen. Die Beschw­er­den dauern unbe­han­delt zwis­chen zwei Tagen und zwei Wochen. Beste­ht der Ver­dacht, dass Beschw­er­den durch die Brennhaare von Eichen­prozes­sion­sspin­nerrau­pen verur­sacht sein kön­nten, sollte man bess­er sofort einen Arzt aufsuchen.
So kön­nen Sie sich vor der Raupe und ihren Brennhaaren schützen:
    • Hal­ten Sie sich nicht in befal­l­enen Bere­ichen auf.
    • Sper­ren Sie befal­l­ene Bere­iche ab.
    • Bekämpfen Sie den Befall mit biol­o­gis­chen oder chemis­chen Bioziden.
    • Essen, trinken oder rauchen Sie nicht im befall­en Bereich.
    • Saugen Sie Gespin­sternester vom Boden oder von ein­er Hebe­bühne aus ab.
    • Tra­gen Sie dabei eine Atem­maske FFP2 mit Ausatemven­til und Korb­brille und
    • einen Ganzkör­per­schutzanzug mit Kopfbedeckung.
    • Ziehen Sie sich geschlossenes Schuh­w­erk, zum Beispiel Nitril­stiefel, und Schutzhand­schuhe an.
    • Reini­gen Sie nach dem Ein­satz die PSA und das Einsatzfahrzeug.
Schutz vor Zeckenbiss
  • Zeck­en ken­nen den Unter­schied zwis­chen Stadt und Land nicht. Es gibt sie nicht nur im Wald, son­dern ver­mut­lich durch den Kli­mawan­del häu­fig auch in städtis­chen Grü­nan­la­gen, wie das Bay­erische Lan­desamt für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­sicher­heit (LGL) nachgewiesen hat.
Wer in Parks und Grü­nan­la­gen arbeit­et, sollte nach Arbeit­sende den Kör­p­er nach Zeck­en absuchen. Denn sie kön­nen Erkrankun­gen wie Bor­re­liose oder Früh­som­mer-Menin­goen­zephali­tis (kurz FSME) übertragen.
Zeck­en entfernen
Hat einen eine Zecke erwis­cht, sollte man sie möglichst schnell ent­fer­nen. Dabei helfen eine spitze Pinzette oder eine so genan­nte Zeck­enkarte. Man kann die Zecke auch zwis­chen den Fin­gernägeln ein­klem­men. Dabei sollte man auf Fol­gen­des achten:
  • Die Zecke nah am Ein­stich fassen und ger­ade herausziehen.
  • Dabei eventuell vor­sichtig hin und her drehen oder rütteln.
  • Die Ein­stich­stelle desinfizieren.
  • Über­reste der Zecke soll­ten umge­hend von einem Arzt ent­fer­nt werden.
Auch wenn die Zecke sofort ent­fer­nt wurde, sollte die Ein­stich­stelle min­destens sechs Wochen beobachtet wer­den. Bildet sich eine Rötung von vier oder mehr Zen­time­tern, sollte man den Arzt auf­suchen. Auch bei anderen Krankheitssymp­tomen in den näch­sten Wochen sollte man an den Zeck­en­biss denken.
Kleine Nag­er kön­nen schlimme Infek­tio­nen verursachen
Wenn es bei anhal­tend schlechtem Wet­ter zum Arbeit­en in eine Halle geht, sollte der Raum gut gere­inigt wer­den. Dabei ist eine Atem­maske zu tra­gen. Denn im Spe­ichel, Urin und Kot von Nagern wie Mäusen, Rat­ten oder Mardern kann der Han­tavirus vorkom­men. Und selb­st, wenn die Exkre­mente schon wochen­lang vertrock­net sind, sind die Erreger im Staub noch immer infek­tiös. Gegen den Han­tavirus gibt es keinen Impfschutz.
So kön­nen sie sich vor dem Han­tavirus schützen:
    • Bekämpfen Sie Mäuse und Rat­ten im Arbeit­sum­feld umgehend.
    • Tra­gen Sie Ein­weghand­schuhe und eine Staub­maske, wenn Sie einen durch Nag­er verun­reinigten Raum säubern.
    • Befeucht­en Sie den Raum vor dem Säu­bern, damit weniger Staub aufgewirbelt wird.
    • Tra­gen Sie Hand­schuhe, wenn Sie ein totes Nageti­er entfernen.
    • Benet­zen Sie Kadav­er und Exkre­mente mit Desin­fek­tion­s­mit­tel, bevor Sie diese entsorgen.
Große Tiere kön­nen Bisse und Brüche verursachen
  • Arbeit­splätze in der Land- und Forstwirtschaft gehören zu den gefährlich­sten. Das Unfall­risiko ist dort beson­ders hoch. Gefahren­quellen sind neben den großen Maschi­nen vor allem die Tiere. Die Arbeit mit den Lebe­we­sen ver­langt ein hohes Maß an Konzen­tra­tion und Aufmerk­samkeit. Vor allem Stress und Zeit­druck führen dazu, dass sich immer wieder und viel zu oft Unfälle ereignen und zu
  • Tritt- und Bissver­let­zun­gen und
  • Quetschun­gen oder Brüchen durch Tiere führen.
Schutzk­lei­dung und Schutzaus­rüs­tung erhöhen den Arbeits- und Gesund­heitss­chutz in der Land- und Forstwirtschaft deut­lich. Dazu gehören unter anderem:
  • robuste Arbeit­sklei­dung,
  • Sicher­heitss­chuhe mit Stahlkap­pen und
  • Hand­schuhe.
Neben den tech­nis­chen Maß­nah­men und der Schutzaus­rüs­tung müssen aber auch psy­chis­che Fak­toren berück­sichtigt wer­den. Notwendig sind zum Beispiel geregelte und begren­zte Arbeitszeiten.
Den Kör­p­er bei der Grünpflege schützen
Hände und Füße zählen zu den Kör­perteilen, die am häu­fig­sten von Arbeit­sun­fällen betrof­fen sind. Doch auch Kopf- und Augen­ver­let­zun­gen kom­men ver­hält­nis­mäßig oft vor. So ver­let­zen sich Beschäfti­gen in der Grünpflege durch wegfliegende Teile beim Mähen mit dem Freis­chnei­der oder dem Rasen­mäher immer wieder am Kopf und im Gesicht. Oft kom­men sie dabei mit aufgeschleud­ertem Tierkot in Berührung. Darin kön­nen sich Krankheit­ser­reger und Keime befind­en, die für den Men­schen gefährlich sein können.
Ein Beispiel dafür ist die Vogel­grippe, die durch Viren über­tra­gen wird. Die Erkrankung wird von Tier zu Tier über den Kot sowie die Luft über­tra­gen und endet für 80 bis 100 Prozent der betrof­fe­nen Tiere tödlich. Auch bei den bish­er zum Glück sel­te­nen Fällen ein­er Infek­tion bei Men­schen geht man davon aus, dass sie unter anderem über den Kot erfol­gt ist.
Zur per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung (PSA) in der Grünpflege sollte deshalb neben Sicher­heitss­chuhen und Schutzhand­schuhen auch ein Kom­bi­helm als Kopf- und Gesichtss­chutz gehören.
Arbeitss­chutz bei der Schädlingsbekämpfung
Ob Tauben­plage oder Rat­ten­be­fall – Schädlinge gibt es über­all und oft an Orten, die schw­er zugänglich sind. Das kann für Schädlings­bekämpfer eine riskante Her­aus­forderung sein. Da ist es wichtig, den Eigen­schutz gut zu pla­nen. Je nach Auf­gabe ste­hen dem Schädlings­bekämpfer ver­schiedene Schutzteile zur Ver­fü­gung, wie Sicher­heitss­chuhe, Hand­schuhe, Atem­schutz, Schutzk­lei­dung, Schutzbrille oder bei Insek­ten auch Kopf­be­deck­un­gen mit Schleier.
Doch nicht nur die Tiere und der Ein­sat­zort kön­nen ein gesund­heitlich­es Risiko darstellen. Viele Schädlings­bekämp­fungsmit­tel sind Gefahrstoffe. Der Arbeit­ge­ber ist deshalb verpflichtet, ein entsprechen­des Gefahrstof­fverze­ich­nis zu erstellen.
Daran sollte jed­er im Umgang mit Tieren denken
Zur eige­nen Sicher­heit trägt vor allem auch die Hygiene einen wesentlichen Teil bei. So sollte die Hautreini­gung und Desin­fek­tion nach dem Kon­takt mit Tieren oder bei tierischen Ver­schmutzun­gen selb­stver­ständlich sein. Auch die Hautpflege sollte stets ernst genom­men wer­den, da ver­let­zte oder ris­sige Haut weniger schützt.
Imp­fun­gen
Im Unter­holz im Wald oder in Parkan­la­gen lauern „natür­liche“ Gefahren wie Zeck­en oder Toll­wut. Bei ein­er regionalen Gefährdung ist es anzu­rat­en, dass sich die Beschäftigten impfen lassen. Und gegen Tetanus sollte sowieso jed­er geimpft sein, der im Freien arbeitet.
Weit­ere Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie unter anderem:
  • in der Broschüre „Zeck­en – Der richtige Schutz“ bei der Sozialver­sicherung für Land­wirtschaft, Forsten und Garten­bau (SVLFG),
  • im Merk­blatt „Infor­ma­tio­nen zur Ver­mei­dung von Han­tavirus-Infek­tio­nen“ bei der Char­ité-Klinik, www.charite.de sowie
  • in der Broschüre „Gefährdungs­beurteilung für die Schädlings­bekämp­fung“ bei der Berufgenossen­schaft für Gesund­heits­di­enst und Wohlfahrt­spflege (BGW)
Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Gewinnspiel

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 5
Ausgabe
5.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 4
Ausgabe
4.2021
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de