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Stress lass nach!

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Stress lass nach!

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„Ich bin total im Stress!“ Jed­er hat das schon ein­mal gesagt oder gehört. Stress ist ein gesellschaftlich­es Prob­lem. Auch in der Arbeitswelt nimmt er zu. Deshalb sind Präven­tion und Inter­ven­tion so wichtig.

Der Begriff Stress kommt ursprünglich aus der Werk­stof­fkunde. Dort beze­ich­net er Zug oder Druck auf ein Mate­r­i­al. Mit­tler­weile hört man ihn jedoch weitaus häu­figer, wenn es um psy­chis­che Belas­tun­gen geht. „Stress ist eine genetisch vor­pro­gram­mierte Anpas­sungsreak­tion unseres Organ­is­mus auf ver­meintliche Gefahren beziehungsweise Bedro­hun­gen“, so Diplom-Psy­cholo­gin Anne Gehrke vom Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit der DGUV (IAG). „Wir kön­nen blitzschnell reagieren, indem unser Kör­p­er durch das Wirken ver­schieden­er Stresshormone auf Kampf oder Flucht vor­bere­it­et wird. Unser Herz schlägt schneller, der Blut­druck steigt, die Atmung wird schneller – unsere Muskeln müssen ja mit Sauer­stoff ver­sorgt wer­den. Gle­ichzeit­ig wer­den alle Kör­per­funk­tio­nen run­terge­fahren, die wir zum akuten Über­leben nicht benöti­gen. Dazu gehören auch die geisti­gen Funk­tio­nen und die soge­nan­nten Kul­turtech­niken wie Lesen oder Rech­nen. Das merken wir zum Beispiel, wenn wir im größten (Prüfungs-)Stress einen Black­out haben.“

Wie sich Stress genau auswirkt, kann von Men­sch zu Men­sch unter­schiedlich sein. Wer Stress allerd­ings über einen lan­gen Zeitraum hin­weg ignori­ert, riskiert seine Gesund­heit. Warnsignale wie Schlaf­störun­gen, Kopf­schmerzen oder Bluthochdruck sind nicht nur eine Belas­tung für den Kör­p­er. Sie weisen auch darauf hin, dass die Psy­che in Gefahr ist. Stress ist ver­ant­wortlich für durch­schnit­tlich bis zu sechs Aus­fall­t­age pro Jahr.

Das sind die größten Stressoren

Die Fak­toren, die zu Stress führen, nen­nt man Stres­soren. Das kön­nen Kälte, Hitze, Lärm, aber auch ständi­ge Erre­ich­barkeit oder Zeit­druck sein. Sie kön­nen sowohl kör­per­liche als auch psy­chis­che Prob­leme verur­sachen. Viele Deutsche lei­den unter kör­per­lichen Beschw­er­den durch die Arbeit. Doch nur wenige wis­sen, dass es sich dabei oft um Warnsignale des Kör­pers han­delt, die auf Stress hinweisen.

In der Arbeitswelt gel­ten fol­gende Stres­soren als beson­ders belastend:

  • Zeit- und Termindruck,
  • Über­stun­den,
  • geringer sozialer Rück­halt am Arbeitsplatz,
  • das Gefühl von Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz,
  • Schichtar­beit,
  • schlechte Vere­in­barkeit von Beruf und Familie,
  • Arbeit­splatzun­sicher­heit und ‑umstruk­turierung,
  • das Gefühl des Kon­trol­lver­lustes im Job und zunehmend
  • Prob­lematiken im Zusam­men­hang mit der Digitalisierung.

Frauen lassen sich übri­gens laut der Studie „Betrieblich­es Gesund­heits­man­age­ment 2018“ der prono­va BKK beson­ders durch zwis­chen­men­schliche Kon­flik­te stressen, wie etwa durch nörgel­nde Kun­den oder einen schwieri­gen Chef. Bei den Män­nern ist der Ter­min­druck der größte Stressfaktor.

Im Unternehmen aktiv gegen Stress

Damit Stress nicht zur „Dauer­schleife“ wird, ist es bess­er, ihn generell zu ver­mei­den oder zu reduzieren. Dazu kann der Einzelne genau­so beitra­gen wie das Team und der ganze Betrieb. So sollte die Arbeit auf aus­re­ichend viele Beschäftigte verteilt sein. Bei der Ter­min­pla­nung sind aus­re­ichend Zeit­puffer einzu­pla­nen. Genau­so wichtig ist es aber auch, dass man mit den Arbeitsmit­teln gut und sich­er arbeit­en kann. Am Bild­schir­mar­beit­splatz verur­sacht zum Beispiel ver­al­tete Soft­ware Stress. Und wer am Emp­fang oder im Kassen­bere­ich ständig im Durchzug sitzt, ist davon gestresst.

Bei wem sich eine hohe Arbeitsin­ten­sität nicht ver­mei­den lässt, der sollte auf einen gesun­den Aus­gle­ich acht­en. Dazu gehören Erhol­ungspausen, die regelmäßig und aus­re­ichend lang durchge­führt wer­den eben­so, wie deren gesund­heits­förder­liche Gestal­tung. Wer also viel und lange am Com­put­er sitzt, sollte die Pausen nicht mit seinem Smart­phone ver­brin­gen, son­dern bess­er spazieren gehen oder sich mit Kol­le­gen unterhalten.

Zum Stressabbau geeignet

Um Stress etwas ent­ge­gen­zuset­zen braucht es eine ganze Por­tion Selb­st­diszi­plin. Beson­ders wichtig ist es, Anspan­nung und Entspan­nung in der Bal­ance zu hal­ten. Außer­dem sollte man auf aus­re­ichend Schlaf, gesunde Ernährung und Bewe­gung acht­en. Zum Entspan­nen und für die Erhol­ung gut geeignet sind:

  • kör­per­liche Bewe­gung wie Spaziergänge,
  • Entspan­nung­stech­niken wie auto­genes Train­ing oder Qi Gong,
  • Sport nach Interesse,
  • Yoga oder
  • Mas­sage.

Der Betrieb kann zum Beispiel durch Ruheräume, Mas­sage am Arbeit­splatz, Betrieb­ss­port oder andere Ange­bote der Betrieblichen Gesund­heits­förderung (BGF) zur Entspan­nung der Mitar­beit­er beitragen.


Foto: privat

Autorin: Bet­ti­na Brucker

Fachjour­nal­istin


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Stress und Burnout

Die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion (WHO) hat das Burnout-Syn­drom gegenüber anderen Krankheit­en abge­gren­zt und definiert. Dem­nach entste­ht es durch „chro­nis­chen Stress am Arbeit­splatz, der nicht erfol­gre­ich ver­ar­beit­et wird“. Der Begriff soll in Zukun­ft auss­chließlich im beru­flichen Zusam­men­hang ver­wen­det wer­den. Außer­dem wurde Burn-out in die Klas­si­fika­tion­sliste ICD-11 aufgenom­men, die im Jan­u­ar 2022 in Kraft treten soll.


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Welcher „Stress-Typ“ bin ich?

Stress bedeutet für jeden Men­schen etwas anderes. Jed­er reagiert auf die Anforderun­gen des Arbeits- und Pri­vatlebens nach einem per­sön­lichen Muster. Wer jedoch immer mit dem gle­ichen inef­fek­tiv­en Ver­hal­tens­muster auf ständi­ge Über­forderun­gen reagiert, kann krank werden.

Um sein per­sön­lich­es Stress­muster zu erken­nen, hat die Unfal­lka­sse NRW einen kurzen Selb­sttest entwick­elt. Dieser beste­ht aus 24 Aus­sagen, die möglichst spon­tan als zutr­e­f­fend oder weniger zutr­e­f­fend eingeschätzt wer­den sollen. Das Stresspro­fil ist kein wis­senschaftlich­er Test, son­dern gibt Anre­gun­gen und Denkanstöße für einen besseren per­sön­lichen Umgang mit typ­is­chen Stress­fall­en. Der Test ist zu find­en unter

www.unfallkasse-nrw.de, Such­wort Stresspro­fil (Stressprofil_2016.pdf)


Yoga gegen Stress

In einem Stre­it­fall zwis­chen ein­er Arbeit­nehmerin und dem Arbeit­ge­ber hat das Lan­desar­beits­gericht Berlin-Bran­den­burg 2019 entsch­ieden, dass ein Yoga-Kurs dur­chaus als beru­fliche Weit­er­bil­dung ange­se­hen wer­den kann, wenn er den Umgang mit beru­flichem Stress trainiert und so gegen Burnout vorbeugt.

Urteil des Lan­desar­beits­gerichts Berlin-Bran­den­burg vom 11. April 2019

(Az.: 10 Sa 2079/18)

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