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Über App und Web die Gesundheit fördern

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Über App und Web die Gesundheit fördern

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Der Anreiz zur Bewegung kommt per Tablet. Foto: © wavebreak3 - stock.adobe.com
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Die dig­i­tale Ver­net­zung bringt nicht nur Vorteile für Ver­wal­tung und Pro­duk­tion. Auch in der Gesund­heits­förderung ergeben sich für Unternehmen neue Chan­cen und Möglichkeiten.

Petra Han­nen

Schon seit fast zwei Stun­den arbeit­et Sil­via an der neuen Präsen­ta­tion. Sie ist so konzen­tri­ert, dass sie gar nicht merkt, wie angestrengt ihre Augen sind und wie verspan­nt die rechte Schul­ter. Dass eine kurze Auszeit gut tun würde, kommt ihr daher gar nicht in den Sinn. Dass sie trotz­dem eine Pause macht und dabei Augen und Musku­latur entspan­nt, liegt an Workrave: Die kosten­lose Soft­ware lässt nach zwei Stun­den PC-Arbeit zunächst ein kleines Erin­nerungs­fen­ster auf dem Bild­schirm auf­pop­pen und ani­miert Sil­via dann zu fünf kleinen aber effek­tiv­en Übun­gen – bei­de Para­me­ter hat­te Sil­via bei der Instal­la­tion des Tools so eingestellt. Nach der kurzen Entspan­nungszeit arbeit­et sie dann mit neuem Schwung weiter.

Beliebt bei Smartphone-Nutzern

So wie Sil­via set­zen viele Men­schen auf dig­i­tale Helfer, wenn es darum geht, etwas für die eigene Gesund­heit zu tun. Das Inter­net dient dabei in erster Lin­ie nicht mehr als Online-Bib­lio­thek, son­dern als Plat­tform für dig­i­tale Ver­net­zung und sozialen Aus­tausch sowie als Quelle für nüt­zliche Tools.

Bei den Smart­phone-Nutzern beispiel­sweise ver­wen­den ein­er Studie des Dig­i­talver­bands Bitkom zufolge bere­its 45 Prozent Gesund­heits-Apps – mit steigen­der Ten­denz. Für die Nutzer sind Apps dem­nach Ans­porn zu mehr Bewe­gung, Unter­stützung bei der regelmäßi­gen Ein­nahme von Medika­menten oder Infor­ma­tion­squelle zu Gesund­heits- und Präventionsthemen.

Dass tech­nis­che Neuerun­gen wie Smart­phones und Apps, Wikis, Foren und Blogs im pri­vat­en Bere­ich immer selb­stver­ständlich­er genutzt wer­den, befördert zugle­ich ihren Ein­satz am Arbeit­splatz. Auch hier gehen die Möglichkeit­en weit über ein virtuelles schwarzes Brett hin­aus, vor allem bei betrieblichen Gesund­heit­sange­boten. Denn egal ob es um Yoga- oder Lauf­grup­pen im Unternehmen geht, Kurse zu besser­er Ernährung oder Stresspräven­tion, Tipps zu Sicher­heit oder Ergonomie: Alles lässt sich virtuell und inter­ak­tiv über Intra- oder Inter­net unter­stützen, und die Beschäftigten kön­nen unab­hängig von räum­lichen und zeitlichen Ein­schränkun­gen darauf zugreifen.

Neue Impulse für den Betrieb

Ein­er Unter­suchung der Ini­tia­tive Gesund­heit und Arbeit (iga) zufolge nutzen zwei Drit­tel der Unternehmen bere­its Web‑2.0‑Anwendungen oder pla­nen deren Ein­satz. Am stärk­sten ver­bre­it­et sind soziale Net­zw­erke wie Face­book oder Xing zum Beispiel für Ter­minab­sprachen und das Informationsmanagement.

Aber auch für die betriebliche Gesund­heits­förderung set­zen laut iga bere­its zahlre­iche Unternehmen auf dig­i­tale Wege, vor allem E‑Learn­ing-Tools und Gesund­heits-Apps. Inhaltlich sind dabei die The­men Stresspräven­tion, Sport und ​Fit­ness sowie Ernährung am weitesten verbreitet.

„Für viele Unternehmen ist die Dig­i­tal­isierung erst­mal eine willkommene Vere­in­fachung“, sagt Sören Broder­sen vom Insti­tut für Betriebliche Gesund­heits­förderung der AOK Rheinland/​Hamburg in Köln. Er hat gemein­sam mit Patri­cia Lück, die als Ref­er­entin für betriebliche Gesund­heits­förderung im AOK-Bun­desver­band arbeit­et, den iga-Weg­weis­er „Apps, Blogs und Co. – Neue Wege in
der betrieblichen Gesund­heits­förderung?“ ver­fasst. Aus Broder­sens Sicht kann die Dig­i­tal­isierung neben der Vere­in­fachung auch eine Bere­icherung für die betriebliche Gesund­heits­förderung sein, unter anderem wenn immer wieder und anlass­be­zo­gen kleine Aktio­nen angestoßen wer­den – zum Beispiel indem im Som­mer eine Trink-Erin­nerungs-App vorgestellt wird und par­al­lel dazu im Gesund­heits­fo­rum Tipps zum Umgang mit Hitze im Büro veröf­fentlicht wer­den. Der BGF-Experte erwartet, dass die Selb­stver­ständlichkeit solch­er Ange­bote in den kom­menden fünf Jahren zunimmt. Und: „In vie­len Unternehmen wird dig­i­tale Präven­tion bes­timmte analoge Ange­bote begleit­en, ergänzen oder erset­zen können.“

Datenschutz und Datenpflege

Als größte Risiken für die Umset­zung von Web 2.0 auf Unternehmensebene hat die iga übri­gens den Aufwand für Ein­rich­tung und Pflege sowie den Daten­schutz ermit­telt. Broder­sen emp­fiehlt, frühzeit­ig die Daten­schutzbeauf­tragten und die Mitar­beit­er­vertre­tung einzubeziehen und ergeb­nisof­fen über die Mach­barkeit der angedacht­en Vorhaben zu disku­tieren. Zunächst sollte man über­legen, welche Ziele mit dem Vorhaben ver­fol­gt wer­den – und erst im zweit­en Schritt prüfen, ob eine App oder ein
Forum dabei unter­stützen kann.

„Nicht alles ist bess­er, nur weil es dig­i­tal ist“, so Broder­sen: „Wenn man dann gezielt nach ein­er dig­i­tal­en Lösung sucht, gel­ten die gle­ichen Regeln wie im Haus­ge­brauch: Wer ist der Anbi­eter, welch­er Daten­schutz­s­tan­dard wird erfüllt, wie benutzer­fre­undlich ist die Lösung?“ Dabei dürfe nie vergessen wer­den, wie sen­si­bel gesund­heits­be­zo­gene Dat­en sind – auch wenn Beschäftigte sie frei­willig offen­le­gen. Unternehmen müssten daher in Foren und Chat­groups auf­passen, welche The­men sie zulassen oder gar forcieren. „Als Arbeit­ge­ber kann ich keine Gesund­heits­ber­atung anbi­eten“, so Broder­sen: „Und manch­mal muss ich Beschäftigte auch davor schützen, zu viel von sich preiszugeben.“


Wegweiser zu Apps, Blogs und Co.

Wie ver­bre­it­et sind Web 2.0‑Anwendungen in deutschen Unternehmen aktuell und wofür wer­den diese Anwen­dun­gen einge­set­zt? Der Weg­weis­er „Apps, Blogs und Co. – Neue Wege in der betrieblichen Gesund­heits­förderung?“ der Ini­tia­tive Gesund­heit und Arbeit (iga) gibt einen Überblick über die aktuelle Nutzung, die Vor- und Nachteile ver­schieden­er Lösun­gen sowie die Fall­stricke und Risiken. Zudem enthält der Weg­weis­er Tipps und Empfehlun­gen für Unternehmen, die Web 2.0 in die betrieblichen Strate­gien zur Gesund­heits­förderung inte­gri­eren möchten.

www.iga-info.de

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