Startseite » Gesundheit »

Sonnenschutz: UV-A- und UV-B-Strahlen gleichmäßig abwehren

Komplexer Sonnenschutz
UV-A- und UV-B-Strahlen gleichmäßig abwehren

Anzeige
Som­merzeit ist Son­nen­zeit. Vor allem Beruf­stätige, die viel im Freien arbeit­en, müssen sich vor den schädlichen UV-Strahlen schützen. Dabei ste­ht meist der Schutz vor UV-B-Strahlen im Fokus, obwohl UV-A-Strahlen genau­so schädlich sein kön­nen. Warum das so ist und wie eine mögliche Lösung ausse­hen kann, darüber spricht UV-Schutz-Experte Uli Oster­walder im Inter­view.

Haben Sie grund­sät­zlich den Ein­druck, dass dem UV-Schutz in der Öffentlichkeit genü­gend Aufmerk­samkeit beigemessen wird?

Sicher­lich kön­nte man noch mehr machen. Aber beim Son­nen­schutz gibt es nicht so ein­fache Maß­nah­men wie bei anderen Gesund­heits- oder Unfal­lver­hü­tungskam­pag­nen, wie etwa Rauchver­bote oder Sicher­heits­gurtpflicht. Das The­ma ist kom­plex­er.

Welche Auswirkun­gen haben die UV-Strahlen denn auf den Kör­p­er und die Haut?

Zunächst ein­mal dür­fen wir nicht vergessen, dass Son­nen­licht pos­i­tive und neg­a­tive Auswirkun­gen hat. Ohne Sonne gäbe es kein Leben und auch im täglichen Leben brauchen wir die Sonne für unsere Gesund­heit. Was es zu ver­mei­den gilt, ist das Zuviel an Strahlung. Die erste Hautreak­tion, die uns ein Zuviel anzeigt, ist der Son­nen­brand. Bei den langfristi­gen Auswirkun­gen wie Hau­tal­terung oder Hautkrebs gibt es kein solch­es Früh­warn­sys­tem. Wir sind deshalb auf guten Son­nen­schutz angewiesen.

Wie schütze ich mich wirkungsvoll vor der Sonne?

UV-Schutzk­lei­dung, Son­nen­brillen und eine angemessene Kopf­be­deck­ung soll­ten zur Stan­dar­d­aus­rüs­tung für Beschäftigte gehören, die viel draußen arbeit­en und daher beson­ders gefährdet sind. Aber selb­st diese Schutzmit­tel kön­nen nicht alle gefährde­ten Stellen lück­en­los abdeck­en.

Welche Kör­per­stellen sind beson­ders gefährdet?

Vor allem die soge­nan­nten Son­nen­ter­rassen, also die Nase, Ohren, Unter­lippe, Nack­en und Hände. Diese beson­ders empfind­lichen Bere­iche müssen in jedem Fall mit Son­nen­schutzmit­teln geschützt wer­den.

Bei Son­nen­schutzmit­teln liegt der Fokus bis­lang vor allem auf dem UV-B-Schutz. Doch auch von UV-A-Strahlen geht Gefahr aus. Wird diese richtig eingeschätzt?

Nein. Zurzeit geben sich die meis­ten mit einem eher min­i­malen UV-A-Schutz zufrieden. Das hat auch damit zu tun, dass UV-A-Schutz nicht so ein­fach zu erzie­len ist wie UV-B-Schutz. Bei einem Schutz bis 400 Nanome­ter oder noch höher wird Son­nen­creme zudem weniger trans­par­ent, was nicht erwün­scht ist.

Was ist der Unter­schied zwis­chen UV-A- und UV-B-Strahlen?

UV-B-Strahlen sind kurzwellig, energiere­ich und drin­gen weniger tief in die Haut ein als UV-A-Strahlen. Die UV-A-Strahlen sind lang­wellig und haben weniger Energie, sie drin­gen aber tiefer in die Haut ein. Der Unter­schied liegt also in der Inten­sität, aber ich bin grund­sät­zlich der Mei­n­ung, dass sich der nor­male Son­nen­schutzmit­tel-Benutzer nicht um diese Details küm­mern muss. Er darf erwarten, dass die Son­nen­creme genü­gend gegen alle UV-Strahlen schützt.

Was ist Ihrer Mei­n­ung nach denn das richtige Schutzver­hält­nis zwis­chen UV‑A und UV‑B?

Bis­lang ken­nen wir immer noch nicht alle Details über die Rollen von UV‑B und UV‑A bei der Entste­hung von Hautkrebs. Daher ist es am vernün­ftig­sten, gegen bei­de Strahlen gle­ich­mäßig zu schützen. Er erscheint zudem wenig sin­nvoll, die Zusam­menset­zung der UV-Strahlung, an die sich der Men­sch über die ver­gan­genen 100.000 Jahre gewöh­nt hat, zu verän­dern. Die „spek­trale Homöostase“, also das gewohnte Ver­hält­nis, ist mit den zur Ver­fü­gung ste­hen­den UV-Fil­tern zwar nicht ein­fach zu erre­ichen, aber man kann dem nor­mal­w­er­ti­gen Ver­hält­nis der ver­schiede­nen Strahlungsarten schon ziem­lich nahekom­men.

Gibt es verbindliche Regeln für das Ver­hält­nis von UV-B- und UV-A-Schutz?

Die Vor­gaben sind region­al sehr unter­schiedlich: In der EU gibt eine offizielle Empfehlung der Kom­mis­sion, dass zumin­d­est ein Drit­tel des angegebe­nen UV-B-Schutzes auch im UV-A-
Bere­ich erre­icht wer­den muss.

Das schwäch­ste Kri­teri­um sind noch die 370 Nanome­ter kri­tis­che Wellen­länge in den USA. Jet­zt ist aber in den USA ger­ade ein neuer Geset­ze­sen­twurf erschienen, der dem UV-A-Schutz mehr Rech­nung trägt als bish­er. Es soll in Zukun­ft ein UV‑A/UV-B-Ver­hält­nis von 0,7 erzielt wer­den.

In Großbri­tan­nien gibt es ein unab­hängiges Bew­er­tungssys­tem, bei dem die 5 Sterne als höch­ste Stufe für ein UV‑A/UV-B-Ver­hält­nis von 0,9 ste­hen. Das ist der höch­ste Wert.

Warum haben bis­lang nur die wenig­sten Son­nen­schutzcremes einen höheren UV‑A Schutz als emp­fohlen wird?

Dafür gibt es diverse Gründe: Neben den ger­ade genan­nten unter­schiedlichen regionalen Stan­dards zum UV-A-Schutz sind es vor allem die Kosten und die Fähigkeit, gut zu for­mulieren. Ich hoffe aber sehr, dass wir dem The­ma kün­ftig eine größere Bedeu­tung beimessen und den UV-A- und UV-B-Schutz als gle­ich­w­er­tig anse­hen – schließlich sollte es immer darum gehen, den best­möglichen Schutz für den Anwen­der zu schaf­fen, damit der sich keine Gedanken machen muss. Der neue Geset­ze­sen­twurf in den USA ist da ermuti­gend.

Worauf muss man bei der Anwen­dung der Son­nen­schutzmit­tel acht­en?

Beim Son­nen­schutz ist es sehr wichtig, dass die Anwen­der sich regelmäßig ein­cre­men, um den Schutz aufrechtzuer­hal­ten. Weil die Beschäftigten bei der Arbeit draußen häu­fig schwitzen, ist es vorteil­haft, wenn das Son­nen­schutzmit­tel extra wasser­fest ist, damit sich die Anwen­der nicht zu schnell nachcre­men müssen.


Der Experte Uli Osterwalder

Uli Oster­walder gilt als ein­er der renom­miertesten UV-Schutz-Experten weltweit. Der Schweiz­er, Jahrgang 1953, ist studiert­er Chemiein­ge­nieur und war als wis­senschaftlich­er UV-Schutz-Berater unter anderem für BASF tätig. 2018 grün­dete er sein eigenes Unternehmen: die Sun Pro­tec­tion Facil­i­ta­tor GmbH, mit der er zahlre­iche Organ­i­sa­tio­nen und Unternehmen zum The­ma UV-Schutz berät. Er ist Autor und Co-Autor zahlre­ich­er wis­senschaftlich­er Artikel zum Son­nen­schutz.

Anzeige
Gewinnspiel

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abon­nieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 10
Ausgabe
10.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 10
Ausgabe
10.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de