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Work-Life-Balance zu Corona-Zeiten

Für Erholung sorgen – auch im Homeoffice
Work-Life-Balance zu Corona-Zeiten

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Wie gelingt es, Raum für Freizeit und Entspan­nung zu bewahren, wenn die eigene Woh­nung zum Arbeit­splatz wird? Prof. Clau­dia Möller von der Inter­na­tionalen Hochschule Bad Hon­nef (IUBH) gibt dazu einige Tipps.

Plöt­zlich von zu Hause arbeit­en – eventuell in der zum Büro umfunk­tion­ierten Küche, weil der Part­ner den einzi­gen Schreibtisch bere­its für sein Home­of­fice in Beschlag genom­men hat. Videokon­feren­zen – vielle­icht mit dem Kind auf dem Schoß. Und dann noch dafür sor­gen, dass man selb­st nicht zu kurz kommt: Genügt es, vor dem Lap­top zwis­chen­durch am Skype-Yoga teilzunehmen – solange Fit­ness-Anbi­eter nicht öff­nen dürfen?

Umstellung „über Nacht“

Die Coro­na-Krise hat viele Men­schen aus ihrem gewohn­ten Arbeit­sum­feld kat­a­pul­tiert. Nicht wenige mussten sich qua­si von heute auf mor­gen auf Home­of­fice umstellen – obwohl Arbeitss­chutzge­setz und Arbeitsstät­ten­verord­nung vorschreiben, dass der Arbeitss­chutz bei Telear­beit – fest ein­gerichteter Bild­schir­mar­beit – durch den Unternehmer sicherzustellen ist. Sprich, Küchen­tisch und ‑stüh­le als Schreibtis­ch­er­satz sind schon aus ergonomis­ch­er Sicht auf Dauer keine akzept­able Umge­bung. Doch neben der man­gel­haften Ausstat­tung gibt es noch andere Belas­tungsmo­mente, die sich eben­falls aus der impro­visierten Arbeitswelt ergeben können.

Mit dem Kopf immer bei der Arbeit?

Bere­its in den ver­gan­genen Jahren hat sich gezeigt, wie schw­er es vie­len Men­schen fällt, Job und Freizeit voneinan­der zu tren­nen. Begriffe wie „Burnout“ oder „Work-Life-Bal­ance“ gin­gen durch die Medi­en. „Erwerb­stätige nehmen ihre Arbeit im Kopf mit nach Hause“, hieß es oft in diesem Kon­text. Doch was, wenn die Arbeit ohne­hin schon dort einge­zo­gen ist? Ent­fällt die räum­liche Tren­nung zwis­chen Beruf und Freizeit, muss umso mehr darauf geachtet wer­den, dass Platz für Aus­gle­ich und Erhol­ung bleibt.

Zeitfenster einrichten

Laut Prof. Clau­dia Möller, Stu­di­en­gan­gleitung Tourism Man­age­ment & Inter­na­tion­al Tourism Man­age­ment an der IUBH, kön­nen schon rel­a­tiv ein­fache Meth­o­d­en helfen, das Beru­fliche vom Pri­vatleben zu tren­nen. „Wichtig ist es, Struk­turen zu schaf­fen, also klare Zeit­fen­ster für Arbeit und Freizeit festzule­gen, und während der Freizeit ganz bewusst die ‚Tür im Kopf zuzumachen‘.“

Die freien Stun­den soll­ten auss­chließlich genutzt wer­den, um sich zu entspan­nen, soziale Kon­tak­te zu pfle­gen und möglichst auch Sport zu treiben. „Sport ist ein­er der ganz weni­gen Fak­toren, bei denen die pos­i­tiv­en Auswirkun­gen auf Stress wirk­lich in Stu­di­en belegt sind.“ Natür­lich seien die Möglichkeit­en ger­ade krisenbe­d­ingt ziem­lich eingeschränkt – doch das, was möglich ist, sollte man nutzen. „Vielle­icht ist zum Beispiel ger­ade jet­zt der beste Zeit­punkt mit dem Joggen zu begin­nen oder das Fahrrad wiederherzurichten.“

Kleine Inseln der Erholung

Wenn man allerd­ings Kinder zu Hause hat und neben­her auch noch Home­school­ing betreiben muss, sind solche Aktiv­itäten nicht immer mach­bar. Die Freizei­t­ex­per­tin emp­fiehlt dann, kleine Inseln zu schaf­fen, niedrigschwellige Vorhaben umzuset­zen. „Wenn man das Fahrrad erst richt­en muss, ist die Hürde ver­mut­lich schon zu hoch. Also zum Beispiel lieber einige Übun­gen in den All­t­ag ein­bauen, kurze Momente, in denen man ver­sucht, Acht­samkeit und Bewe­gung zu kombinieren.“

Nicht perfekt – mit gutem Gewissen

Auch kön­nte es hil­fre­ich sein, Entspan­nung­stech­niken anzuwen­den oder zu ler­nen, sich dafür mal für einige Minuten zurück­zuziehen. „Am wichtig­sten finde ich, sich klarzu­machen, dass alles im Moment im Krisen­modus ist, und jed­er nur das tun kann, was eben möglich ist. Dann sollte man auch kein schlecht­es Gewis­sen haben, weil man nicht noch mehr getan hat. Denn das beein­trächtigt die Erhol­ung, und damit wieder die Leis­tungs­fähigkeit in der näch­sten Arbeitsphase.“

Für die Thematik sensibilisieren

Wie kön­nen Unternehmen ihre Mitar­beit­er in dieser Hin­sicht unter­stützen? „Es gilt den Beschäftigten zu kom­mu­nizieren, dass sie weit­er­hin auf genug Freizeit acht­en und auch wirk­lich zum Abschal­ten kom­men soll­ten“, sagt Clau­dia Möller. „Das kann etwa dadurch erfol­gen, dass der Chef Zeit­en fes­tlegt, in denen nicht gear­beit­et wer­den soll.“ Manche Unternehmen hät­ten es schon vor der Krise so gehal­ten, dass inner­halb bes­timmter Zeit­fen­ster keine geschäftlichen E‑Mails zugestellt wer­den. Inwieweit dies gestressten Eltern, die tagsüber wegen der Kinder­be­treu­ung nicht zum Arbeit­en kom­men, hil­ft, ist jedoch fraglich. „Auch hier­bei kommt es sehr auf die Per­son und die Umstände an“, erk­lärt die Professorin.

„Es kann aber auch schon ein­fach eine nette E‑Mail helfen, in der der Arbeit­ge­ber mit­teilt, dass er die Sit­u­a­tion ver­ste­ht und unter diesen teils schwieri­gen Bedin­gun­gen nicht das übliche Pen­sum erwartet.“ Die Botschaft kön­nte dann laut­en: Es ist okay auch mal abzuschal­ten, und das ohne schlecht­es Gewis­sen. Weit­ere denkbare Maß­nah­men sind virtuelle Arbeitspausen, also zum Beispiel durch den Arbeit­ge­ber organ­isierte Online-Kaf­feep­ausen, After Work-Par­tys per Videomeet­ing oder auch Online-Work­outs, bei denen man „gemein­sam“ vom Arbeit­ge­ber organ­isierten Sport treibt.

Schutz durch Prävention

Wie so oft im Arbeitss­chutz, ist also auch ein Blick auf präven­tive Maß­nah­men zielführend, um die Gesund­heit der Belegschaft zu erhal­ten. „Die Beschäftigten soll­ten dazu ermuntert wer­den, auf sich achtzugeben“, resümiert Clau­dia Möller. „Erhol­ungsphasen sind wichtig und richtig. Der Arbeit­ge­ber kann und sollte dazu beitra­gen. Damit sorgt er auch dafür, dass es nicht nur seinen Mitar­beit­ern bess­er geht, son­dern sie auch langfristig leis­tungs­fähiger sein können.“


Leisure Sickness: Krank im Urlaub und am Wochenende

Seit eini­gen Jahren beschäfti­gen sich Wis­senschaftler und Wis­senschaft­lerin­nen wie Clau­dia Möller auch mit dem Phänomen der soge­nan­nten „Leisure Sick­ness“, auf Deutsch Freizeitkrankheit: Ohne erkennbare äußere Ursache ekranken manche Beschäftigte oft im Urlaub oder am Wochenende.

Die These: Die Betrof­fe­nen kön­nen im Arbeit­sall­t­ag nicht richtig abschal­ten. Es gibt zu dem The­ma bere­its einige empirische Erken­nt­nisse, vieles basiert jedoch noch auf Ver­mu­tun­gen. Die weit­ere wis­senschaftliche Erforschung erfol­gt unter anderem durch neue Stu­di­en. In ein­er der kom­menden Aus­gaben der Zeitschrift „Sicher­heits­beauf­tragter“ ist ein eigen­er Beitrag zur Freizeitkrankheit vorgesehen.


Foto: Simone Friese

Autorin: Chris­tine Lendt

Fachau­torin und freie Journalistin

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