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Dem Sitzkoma entkommen

Fit und gesund in der mobilen Digitalarbeit
Dem Sitzkoma entkommen

Den Arbeit­splatz in die eige­nen vier Wände zu ver­legen, ist derzeit ein sin­nvoller Beitrag zum Infek­tion­ss­chutz. Auf der anderen Seite gehen mit der mobilen Büroar­beit gesund­heitliche Belas­tun­gen ein­her, die wahrgenom­men und bewusst ange­gan­gen wer­den soll­ten. Fast alle dieser Beschw­er­den haben einen gemein­samen Nen­ner: den zunehmenden Bewe­gungs­man­gel. Dieser Beitrag beschreibt ver­schiedene Wege aus der Sitzkoma-Falle.

Burkhard Rem­mers

Wer hätte sich vor zwei Jahren vorstellen kön­nen, dass im Zeichen ein­er Pan­demie die Gesund­heit der Men­schen zum bes­tim­menden Fak­tor des gesamten öffentlichen und pri­vat­en Lebens wer­den würde? Doch Gesund­heit ist viel mehr als Infek­tion­ss­chutz mit Abstand­sregeln, Hygiene-Vorschriften, Maskenpflicht und Kon­tak­tbeschränkun­gen. Das wird in jün­geren Auswer­tun­gen der Krankenkassen und im Dekra Arbeitssicher­heit­sre­port deut­lich: Im Coro­na-Jahr 2020 sind die Rück­en­lei­den von einem ohne­hin hohen Niveau nochmals um sieben Prozent, die psy­chis­chen Erkrankun­gen sog­ar um acht Prozent gestiegen. Was für den Infek­tion­ss­chutz zweifel­los wirk­sam war, hat­te für andere gesund­heitliche Dimen­sio­nen offen­sichtlich neg­a­tive Auswirkun­gen. Auch wenn mobile Büroar­beit außer­halb des Unternehmens nicht der Arbeitsstät­ten­verord­nung unter­liegt, ist es deshalb sowohl im Inter­esse der Unternehmen wie auch der Mitar­bei­t­en­den, die gesund­heitlichen Belas­tun­gen mobil­er Büroar­beit zu ken­nen und mit geeigneten Maß­nah­men gegenzusteuern.

Rückenleiden und Übergewicht

Schon vor Coro­na hat­ten drei von vier Ver­sicherten inner­halb eines Jahres die Volk­skrankheit „Rück­en­schmerzen“ (DAK Gesund­heit­sre­port 2018), obwohl seit vie­len Jahren im Rah­men des „Betrieblichen Gesund­heits­man­age­ments“ in Maß­nah­men zur Rück­enge­sund­heit investiert wird. Längst ist sich die Fach­welt einig, dass die Zunahme der Rück­en­lei­den im Büro nicht auf Über­las­tung, son­dern auf Degen­er­a­tio­nen durch Unter­forderung zurück­zuführen ist. Mehr noch: Ob Herz-Kreis­lauf­sys­tem, Glücks­ge­füh­le, Lun­gen­funk­tion, Stress­ab­bau, Immun- oder Ver­dau­ungssys­tem – der men­schliche Organ­is­mus ist auf häu­fige und vielfältige Bewe­gun­gen angewiesen. Im Umkehrschluss gilt: Fast alle Gesund­heits­beschw­er­den hän­gen ganz maßge­blich mit dem zunehmenden Bewe­gungs­man­gel zusammen.

Bewegungsfaulheit – unser steinzeitliches Erbe

Wenn Bewe­gung so wichtig ist, warum bewe­gen wir uns dann nicht ein­fach? Evo­lu­tions­forsch­er sehen in der ange­bore­nen Bewe­gungs­faul­heit ein natür­lich­es Instink­tver­hal­ten, um mit raren Kalo­rien hauszuhal­ten. Schließlich ist die Men­schheits­geschichte vor allem von Nahrungs­man­gel geprägt. Das Streben nach Kom­fort und Bequem­lichkeit, um den Kalo­rien­ver­brauch zu reduzieren, zählt umgekehrt zu den stärk­sten Triebfed­ern der zivil­isatorischen Entwick­lung. Wenn aber der Bewe­gungsraum zur Erledi­gung der Büroar­beit auf die Größe eines Mouse-Pads, ein­er Tas­tatur oder ein Touchdis­play reduziert ist, dann wird die hil­fre­iche Ent­las­tung zur schädlichen Unterforderung.

Auch die Sitzer­gonomie ist seit über 100 Jahren auf Hal­tung­sop­ti­mierung aus­gerichtet. Das Cre­do: den Kör­p­er wie mit einem maßgeschnei­derten Korsett zu ent­las­ten und vor dem Bild­schirm zu fix­ieren. Längst ist diese hal­tung­sori­en­tierte Büros­tuh­ler­gonomie Teil des Prob­lems gewor­den: Sie schwächt die Musku­latur, sie ver­hin­dert Hal­tungswech­sel und sie reduziert auch die men­tale Per­for­mance. In mod­er­nen Arbeitss­chutzkonzepten ist deshalb der Schutz vor Unter­forderung eben­so wichtig wie der Schutz vor dauer­hafter Überlastung.

Tipps für die Gestaltung mobiler Büroarbeit

Was heißt das für die mobile Büroar­beit? Durch die Dig­i­tal­isierung ist es schon im Büro her­aus­fordernd, sich aus­re­ichend zu bewe­gen. Weil zu Hause auch noch der Arbeitsweg ent­fällt, die Dis­tanzen zwis­chen Arbeit­splatz, Küche und Toi­lette deut­lich kürz­er sind und sämtliche Bürotätigkeit­en inklu­sive Meet­ings auf Bild­schirm, Tas­tatur und Maus reduziert sind, wer­den hier drin­gend zusät­zliche Bewe­gungsim­pulse benötigt. Teils gilt es, selb­st das Ver­hal­ten zu verän­dern, teils kann die Ausstat­tung dabei helfen.

  • Sich häu­fig und vielfältig bewegen!

Die Bewe­gungs­förderung begin­nt damit, mor­gens nach dem Früh­stück erst­mal eine Runde um den Block zu laufen, um den Kreis­lauf in Schwung zu brin­gen. Weil Wege zur Arbeit auch wichtige Zwis­chen­zeit­en sind, um vom Pri­vat-Modus in die beru­fliche Rolle zu wech­seln, fällt auch dies dann deut­lich leichter.

Am Arbeit­splatz sollte wie im Büro ein dynamisch beweglich­er Drehstuhl ein Muss sein, um Rück­en­schmerzen vorzubeu­gen! Auf drei­di­men­sion­al beweglichen Bürostühlen etwa reichen unbe­wusste Gewichtsver­lagerun­gen, um die Gelenke beweglich, die Muskeln ver­sorgt und das Gehirn aktiv zu hal­ten. Durch diese Min­i­malak­tiv­itäten wird dem Sitzko­ma wirkungsvoll begeg­net: Der Stof­fwech­sel der Musku­latur im Lum­bal­bere­ich wird bess­er stim­uliert, das gesamte Wohlbefind­en und die Konzen­tra­tionsleis­tung gesteigert.

Als tem­poräre Alter­na­tive zum Büros­tuhl bieten sich höhen­ver­stell­bare Sitz-Ste­hhil­fen an: Wie ein Melkschemel schräg gegen das Gesäß gek­lemmt, stim­ulieren solche platzs­paren­den „Dreibein­er“ (zwei davon gehören dem Men­schen selb­st) vielfältige drei­di­men­sion­ale Bewe­gun­gen. Dabei richtet sich das Beck­en automa­tisch auf und die muskuläre Koor­di­na­tion wird trainiert. Eine wichtige Voraus­set­zung: auf rutschfeste Füße sowohl der Ste­hhil­fen wie auch der Nutzerin­nen und Nutzer achten!

  • Aktiv-Pausen auch zu Hause!

Weil nicht nur die Wege zu Meet­ings, son­dern auch die Pausen­im­pulse durch die Kol­legin­nen und Kol­le­gen fehlen, hän­gen viele Home­work­er stun­den­lang hin­ter ihrem Rech­n­er. Deshalb müssen Pausen fest einge­plant wer­den, damit der Kopf zwis­chen­durch abschal­ten kann und der Kör­p­er aktiviert wird. Spazierenge­hen an der frischen Luft wirkt Wun­der – und wenn das nicht möglich ist, dann kann ein Bewe­gung­shock­er für Aktiv­pausen sor­gen, in denen die Hüfte kreisen und die Fan­tasie fliegen kann. Ein solch­es Bewe­gung­sob­jekt macht auch Kindern Spaß und find­et selb­st in der kle­in­sten Ecke Platz.

  • Auf Blend­schutz und Abschir­mung achten

Last but not least sollte auch zu Hause auf Blend­schutz und Abschir­mung Wert gelegt wer­den. Es kann schlicht nicht voraus­ge­set­zt wer­den, dass die Arbeits­fläche regelkon­form zum Tages­licht aus­gerichtet ist. Muss etwa ein Ess- oder Küchen­tisch zum pro­fes­sionellen Schreibtisch mutieren, dann hil­ft dabei ein abschir­mender Tis­chauf­satz: Er fördert das fokussierte Arbeit­en, sorgt für Blend­frei­heit, erschw­ert uner­wün­schte Ein­blicke auf den Bild­schirm, reduziert bei Tele­fon- und Videokon­feren­zen die Lärm­beläs­ti­gung und sig­nal­isiert auch den Mit­be­wohner­in­nen und ‑bewohn­ern deut­lich, dass jet­zt Arbeit­en ange­sagt ist. Mit solchen Tis­chauf­sätzen wird die Arbeit am Lap­top dann sog­ar auf Ter­rasse oder Balkon möglich. Beson­ders clever sind auf­falt­bare Mod­elle, die zusät­zlich den Wech­sel zwis­chen Sitzen und Ste­hen ermöglichen. Nach getan­er Arbeit inklu­sive ange­hefteter Noti­zen wieder zusam­menge­fal­tet, lassen sie sich platzs­parend ver­stauen und wie ein Klei­der­sack im Schrank aufbewahren.

Solche Lösun­gen sor­gen für mehr Konzen­tra­tion, Störungs­frei­heit und visuelle „Daten­sicher­heit“. Sie bieten auch im Unternehmen selb­st die flex­i­ble Möglichkeit, nicht nur in Pan­demiezeit­en auf nicht genutzte Schu­lungsräume, Sitzungsz­im­mer oder Meet­ing­zo­nen auszuwe­ichen, wenn Pri­vatheit und Ungestörtheit gewün­scht sind.

Weil die räum­lichen Voraus­set­zun­gen im Home­of­fice so vielfältig sind wie die pri­vat­en Leben­sum­stände, spielt die Ver­hal­tenspräven­tion eine beson­ders wichtige Rolle. Die hier aufgezeigten Lösun­gen zeigen jedoch, dass es vielfältige Möglichkeit­en gibt, auch die Ver­hält­nisse mobil­er Büroar­beit bess­er zu gestal­ten. Es lohnt sich in jedem Fall, den Belegschaften Anreize zu bieten, ihr Zuhause arbeits- und gesund­heit­stauglich­er auszustatten!

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