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Führungsverhalten - Gerechte Behandlung stärkt die Gesundheit

Führungsverhalten
Gerechte Behandlung stärkt die Gesundheit

Anerkennung und Wertschätzung durch die Führungskräfte sind elementar für das ‧Gerechtigkeitsempfinden der Beschäftigten. Foto: © fizkes-stock.adobe.com
Beschäftigte, die sich von ihrer Führungskraft gerecht behan­delt fühlen, sind sel­tener krank. Und sie fühlen sich stärk­er mit dem Unternehmen ver­bun­den. Umso wichtiger für Arbeit­ge­ber, in das Gerechtigkeit­sempfind­en der Belegschaft zu investieren.

Bekommt ein Kol­lege für die gle­iche Arbeit mehr Lohn oder wird eine Kol­le­gin stärk­er als andere durch Fort­bil­dun­gen gefördert, brodelt es in der Belegschaft. Die anderen fühlen sich ungerecht behan­delt oder empfind­en das Ver­hal­ten an und für sich als unfair. Unter solchen Bedin­gun­gen arbeit­et nie­mand gerne. Und das spiegelt sich dann auch im Betriebsklima.

Gerechte Führung sorgt für weniger Fehltage

Ungerechtigkeit­sempfind­en am Arbeit­splatz kann gesund­heitliche Belas­tun­gen und Erkrankun­gen begün­sti­gen. Das ist ein Ergeb­nis des Fehlzeit­en-Reports 2020 des Wis­senschaftlichen Insti­tuts der AOKs (WIdO). Für diesen wur­den 2.500 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt.

Die Befragten nan­nten als gesund­heitliche Auswirkun­gen auf ungerecht­es Vorgesetztenverhalten:

  • Rück­en- und Gelenkschmerzen,
  • Gereiztheit, Wut und Ärger,
  • Lust­losigkeit,
  • Erschöp­fung,
  • Schlaf­störun­gen und
  • Kopf­schmerzen.

13 Prozent der Befragten, die ihre Führungskraft als unfair wahrnehmen, berichteten im Durch­schnitt von den oben ange­führten Beschw­er­den. Dies schlägt sich auch in den Fehlt­a­gen mit durch­schnit­tlich 15 pro Jahr nieder.

Bei den Beschäftigten, die das Ver­hal­ten ihrer Führungskraft als fair empfind­en, lagen die gesund­heitlichen Belas­tun­gen im Mit­tel bei nur 3,4 Prozent. Dieses Ergeb­nis spiegelt sich auch in den Arbeit­sun­fähigkeit­sta­gen wider, die bei durch­schnit­tlich 12,7 lagen.

Führungskräfte haben eine Scharnierfunktion

Ob Mitar­bei­t­ende ein Unternehmen als gerecht oder ungerecht bew­erten, hängt vor allem von der Führungskraft ab. „Das Han­deln von Führungskräften und ihr Umgang mit Beschäftigten bee­in­flussen das Gerechtigkeit­sempfind­en der Arbeit­nehmerin­nen und Arbeit­nehmer und damit auch deren gesund­heitliche Ver­fas­sung“, weiß Mar­tin Litsch, Vor­standsvor­sitzen­der des AOK-Bun­desver­ban­des. Insofern kön­nen Führungskräfte die Unternehmen­skul­tur fördern sowie das Ver­trauen und Wir-Gefühl stärken. Sie haben eine Scharnier­funk­tion zwis­chen Unternehmensleitung und Mitarbeitenden.

Die Stu­di­energeb­nisse zeigen: Ver­hal­ten sich Führungskräfte gerecht, wirkt sich das pos­i­tiv auf die Bindung der Beschäftigten ans Unternehmen, die Moti­va­tion und die Gesund­heit aus. Fühlen Beschäftigte sich im Unternehmen gut aufge­hoben, empfehlen sie ihr Unternehmen häu­figer als Arbeit­ge­ber weit­er und bleiben ihrem Betrieb nicht nur wegen des Geldes treu.

Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch: Arbeit­nehmende, die sich bei der Arbeit nicht wohl fühlen oder dort sog­ar krank wer­den, wen­den sich früher oder später von der Ursache ihres Lei­dens ab. Sprich: Sie ver­lassen das Unternehmen.

Gleichbehandlung aller Beschäftigten

Gerechtigkeit ist eine Grund­norm men­schlichen Zusam­men­lebens. Zen­tral für das Gerechtigkeit­sempfind­en ist die Idee der Gle­ich­be­hand­lung aller Men­schen. Keine Gruppe darf benachteiligt wer­den. Kein­er darf sich auf Kosten ander­er ver­wirk­lichen. Doch in der Arbeitswelt wird von diesen Prinzip­i­en immer wieder abgewichen. So ver­di­enen Frauen in Deutsch­land noch immer weniger als Män­ner. Aber auch in den ver­schiede­nen Branchen und durch Tar­ifverträge gibt es unter­schiedliche Löhne. Ein anderes Beispiel für Ungle­ich­heit ist, dass Men­schen mit Migra­tionsh­in­ter­grund sel­tener zu Vorstel­lungs­ge­sprächen ein­ge­laden werden.

Und dann gibt es noch den Grund­satz: Wer mehr leis­tet, soll auch mehr bekom­men. Dies wirft allerd­ings auch die Frage auf: Wer definiert, was Leis­tung ist? Denn was als gerecht und fair ange­se­hen wird, kann sehr unter­schiedlich sein. Dabei spie­len die per­sön­lichen Bedürfnisse und die Lebenssi­t­u­a­tion eben­so eine Rolle wie der Ver­gle­ich mit dem sozialen Umfeld.

Gerechtigkeit am Arbeitsplatz

Was also bedeutet Gerechtigkeit am Arbeit­splatz konkret? Zunächst ein­mal lässt sie sich in Verteilungs­gerechtigkeit, Ver­fahrens­gerechtigkeit und inter­per­son­elle Gerechtigkeit unterteilen. Zur Verteilungs­gerechtigkeit zählen angemessene Ent­loh­nung, Wertschätzung und Anerken­nung sowie die gerechte Verteilung der Arbeit.

Bei der Ver­fahrens­gerechtigkeit ste­hen der faire Umgang mit Kun­den und Part­nern, ver­trauenswürdi­ge Infor­ma­tio­nen durch Vorge­set­zte und Geschäft­sleitung sowie gerechte Lösun­gen bei Kon­flik­ten im Mit­telpunkt. Die inter­per­son­elle Gerechtigkeit zeich­net sich durch einen fairen und respek­tvollen Umgang miteinan­der aus.

Wissen, was wichtig ist

Um das Gerechtigkeit­sempfind­en am Arbeit­splatz zu gewährleis­ten, müssen Führungskräfte wis­sen, was ihren Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­ern wichtig ist. Anerken­nung, Ver­trauen und eine faire Stre­itkul­tur ste­hen ganz oben auf der Liste der Befragten. Die Stu­di­energeb­nisse zeigen allerd­ings, dass es in diesen Bere­ichen Nach­holbe­darf gibt. 46,4 Prozent der Befragten sagten, dass es bei ihnen im Betrieb an gerecht­en Kon­flik­tlö­sun­gen fehle. 40,8 Prozent bemän­gel­ten zu wenig oder keine Wertschätzung und 32,9 Prozent ver­mis­sten Rück­endeck­ung durch Vorge­set­zte und die Geschäftsleitung.

Eine gerechte Führungskraft zeich­net sich durch Fair­ness, Rol­len­klärung und Integrität aus. So ein kor­rek­tes Ver­hal­ten lohnt sich für alle, denn es bewirkt weniger Beschw­er­den und gerin­gere Arbeit­sun­fähigkeit­szeit­en. Das hat übri­gens auch damit etwas zu tun, dass Beschäftigte, die sich fair behan­delt fühlen, sel­tener krank und gegen ärztlichen Rat zur Arbeit kom­men. Sie kuri­eren sich zu Hause aus und fall­en so länger­fristig weniger aus.


Foto: privat

Autorin: Bet­ti­na Bruck­er M.A.

Freie Autorin und Journalistin


Praxis-Tipps für mehr Gerechtigkeit am Arbeitsplatz

  • Führen Sie ein anonymisiertes Bewer­bungsver­fahren ein, damit neue Mitar­bei­t­ende auss­chließlich nach ihrer Qual­i­fika­tion und Kom­pe­tenz aus­gewählt werden.
  • Prüfen Sie, ob es notwendig ist, eine(n) Gleichstellungsbeauftragte(n) zu benen­nen, um die Gle­ich­be­hand­lung von Män­nern und Frauen zu gewährleisten.
  • Sor­gen Sie für ein­heitliche Rah­menbe­din­gun­gen und Leitlin­ien hin­sichtlich Gehäl­tern, Beförderun­gen und Stellenbesetzungen.
  • Geben Sie den Beschäftigten die Möglichkeit, sich an wichti­gen fir­menin­ter­nen Entschei­dun­gen zu beteiligen.
  • Bezahlen Sie Ihre Mitar­bei­t­en­den gerecht und geschlechtsunabhängig.
  • Zeigen Sie Ihre Anerken­nung und Wertschätzung.
  • Verteilen Sie Auf­gaben und Aufmerk­samkeit fair.
  • Stellen Sie ein­deutige und trans­par­ente Kri­te­rien für ein Beloh­nungssys­tem auf.
  • Geben Sie Feed­back zeitnah.
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