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Rappen gegen Sucht

Aktion „Jugend will sich-er-leben“ 2019/20
Rappen gegen Sucht

Auf­grund der Coro­n­akrise gab es in diesem Jahr keine öffentliche Preisver­lei­hung, Sieger bei der diesjähri­gen „Jugend will sich-er-leben“-Aktion unter dem Mot­to „Frei sein! Leben ohne Sucht“ der Lan­desver­bände der DGUV aber schon. Zwei der erfol­gre­ichen Beruf­ss­chulen set­zen in ihren aus­geze­ich­neten Pro­jek­ten vor allem auf den Rap.

Dr. Joerg Hensiek

Beruf­san­fänger sind am Arbeit­splatz beson­ders gefährdet: In allen Län­dern der Europäis­chen Union (EU) liegt die Arbeit­sun­fal­lquote bei Arbeit­nehmern zwis­chen 18 und 24 Jahren deut­lich höher als in allen anderen Alters­grup­pen. Die Auszu­bilden­den müssen also gezielt dazu motiviert wer­den, das The­ma Sicher­heit und Gesund­heit im Job ernst zu nehmen und ihm die notwendi­ge Beach­tung im Arbeit­sall­t­ag zu schenken – eine Her­aus­forderung nicht nur für die aus­bilden­den Betriebe, son­dern auch für die Berufsschulen.

Diese Erken­nt­nis ist nicht neu. Bere­its 1972 haben die Lan­desver­bände der heuti­gen Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung (DGUV) eine Ini­tia­tive ins Leben gerufen, um die Beruf­ss­chulen in den ver­schiede­nen Regio­nen hier­bei zu unter­stützen: die Aktion „Jugend will sich-er-leben“. Sie soll die jun­gen Men­schen bei ihrem Start ins Beruf­sleben mit den Risiken der Arbeitswelt ver­traut machen und zu sicher­heits- und gesund­heits­be­wusstem Ver­hal­ten motivieren.

Wettbewerbe als Kernelement

Die Schulen bekom­men im Rah­men dieser Aktion zu jährlich wech­sel­nden, branchen- und beruf­süber­greifend­en The­men Unter­richts­ma­te­ri­alien zur Ver­fü­gung gestellt, so zum Beispiel DVDs mit Film­beiträ­gen, Arbeits- und Infoblät­tern sowie Anleitun­gen für die Lehrer, wie sie die The­men im Unter­richt span­nend und alters­gerecht ver­mit­teln kön­nen. Ker­nele­ment der Aktion sind aber die Wet­tbe­werbe, an denen die Schulen in den Kat­e­gorien Kreativwet­tbe­werb, Schul­wet­tbe­werb und Quizwet­tbe­werb teil­nehmen kön­nen. Die Sieger und Best­platzierten jed­er Region wer­den von den jew­eili­gen Lan­desver­bän­den aus­geze­ich­net und erhal­ten Sach- und Geld­preise für ihre erfol­gre­ichen Projekte.

Thema 2020: Sucht und Drogen

Im Schul­jahr 2019/20 lautete das Wet­tbe­werb­s­the­ma „Frei sein! Leben ohne Sucht“ – ein The­ma von immer noch hoher Bedeu­tung: Die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion (WHO) schätzt, dass zwis­chen 20 und 25 Prozent aller Arbeit­sun­fälle unter dem Ein­fluss von Alko­hol oder anderen Sucht­mit­teln zus­tande kom­men. Ein Forschungs­bericht der Bun­deszen­trale für gesund­heitliche Aufk­lärung kon­nte 2016 fest­stellen, dass immer noch elf Prozent aller Jugendlichen und jun­gen Erwach­se­nen bis 21 Jahren im Beruf­ss­chu­lal­ter min­destens ein­mal pro Woche Alko­hol trinken. Jed­er siebte Jugendliche (14 Prozent) trinkt sich min­destens ein­mal im Monat einen Rausch an. Jed­er zehnte Jugendliche und mehr als jed­er dritte junge Erwach­sene hat­te der Studie zufolge schon ein­mal Cannabis konsumiert.

Neue Suchtformen hinzugekommen

Diese Werte lagen in der Ver­gan­gen­heit wohl schon höher, zumin­d­est bezüglich des Alko­holkon­sums. Doch dafür sind in den ver­gan­genen Jahren neue Sucht­ge­fahren für die jun­gen Men­schen hinzugekom­men, die in früheren Gen­er­a­tio­nen unbekan­nt waren – allen voran die Onli­ne­sucht und die Sucht nach Videospie­len. Auch diese Gefährdun­gen standen daher beim aktuellen Wet­tbe­werb im Fokus, auch bei ihnen soll die Risikowahrnehmung und Risikokom­pe­tenz der Jugendlichen durch die Teil­nahme geschult werden.

Eine weit­ere Botschaft der Aktion ist, dass Ver­bote bei jun­gen Men­schen kaum zum Erfolg führen. Ins­beson­dere nicht beim The­ma Dro­gen und Sucht, denn Ver­botenes wird für diese Ziel­gruppe eher noch inter­es­san­ter. Das meint auch die diesjährige Schirmher­rin der Aktion Daniela Lud­wig, Dro­gen­beauf­tragte der Bun­desregierung: „Ver­bote allein brin­gen nichts. Präven­tion ist wichtig und trägt dazu bei, Abhängigkeit­en zu ver­hin­dern. Es hil­ft, mit jun­gen Leuten offen und ehrlich über Sucht zu reden, sie zu sen­si­bil­isieren, auf sich und andere achtzugeben.“

Rap und Poetry Slam

Beson­ders erfol­gre­ich war das Beruf­skol­leg Hat­tin­gen, das in der Kat­e­gorie Kreativwet­tbe­werb des DGUV-Lan­desver­ban­des West sowohl den ersten als auch den zweit­en Preis belegte. Beate Dit­tert, Ärztin und Fach­lehrerin für Gesund­heit im Bil­dungs­gang „Berufs­fach­schule für Gesundheit/Erziehung und Soziales“ des Hat­tinger Beruf­skol­legs, hat­te schon ein­mal mit ein­er Klasse am DGUV-Wet­tbe­werb teilgenom­men, damals zum The­ma Rück­enge­sund­heit.: „Mir liegt es sehr am Herzen, bei den Jugendlichen ein Bewusst­sein für eine gesunde Lebensweise und einen gesun­den Kör­p­er und Geist zu fördern. Zudem bin ich an unser­er Schule sowohl für Gesund­heit als auch Sicher­heit zuständig. Bei vie­len Wet­tbe­werb­s­the­men der DGUV sind diese bei­den Aspek­te, Sicher­heit und Gesund­heit, wun­der­bar miteinan­der verknüpft, daher ist der Wet­tbe­werb für mich ohne­hin schon sehr attraktiv.“

Mit Thema mehrfach konfrontiert

Das The­ma des diesjähri­gen Wet­tbe­werbs, Dro­gen und Sucht, war zusät­zliche Moti­va­tion, dieses Jahr wieder mit dabei zu sein. Denn Dit­terts Schü­lerin­nen und Schüler hat­ten am Ende des ersten Hal­b­jahres ihres ein­jähri­gen Bil­dungs­ganges ein Prak­tikum in ein­er Ein­rich­tung des Sozial- und Gesund­heitswe­sens absolviert und wur­den dort auch mit diesem The­menkom­plex kon­fron­tiert. Dro­gen, Alko­hol und Sucht bilde­ten aber auch in der Schule ständi­gen Gesprächsstoff für die Jugendlichen. Zusam­men mit zwei Kol­legin­nen hat Dit­tert daher eine Unter­richt­srei­he zum The­ma durchge­führt, wobei auch das Unter­richts­ma­te­r­i­al der DGUV genutzt wurde.

In diesem Rah­men wur­den den Schülern auch die DGUV, deren Auf­gaben sowie der Kreativwet­tbe­werb vorgestellt und ihnen vorgeschla­gen, daran teilzunehmen. Die jun­gen Leute stimmten mit viel Begeis­terung zu. Danach startete die Pro­jek­tar­beit. Dabei ging es zum einen um das The­ma Sucht und Dro­gen, also die eigentlichen Inhalte, zum anderen um ihre kün­st­lerisch-kreative Ver­ar­beitung. Dit­tert erin­nert sich: „Erst wurde besprochen, was Sucht über­haupt ist, wie sie typ­is­cher­weise ver­läuft und im schlimm­sten Fall in ein­er end­losen Sucht­spi­rale endet. Schließlich wur­den die Prob­leme des Dro­genkon­sums am Arbeit­splatz disku­tiert, ins­beson­dere vor dem Hin­ter­grund des Prak­tikums, das die jun­gen Leute ger­ade absolviert hatten.

Entwicklung und Auswahlprozess

Im zweit­en Schritt wur­den die ver­schiede­nen kün­st­lerischen Beitragsmöglichkeit­en für die Umset­zung der Wet­tbe­werb­spro­jek­te vorgestellt, zum Beispiel Rap-Musik, Videos, Plakate, Visuelle State­ments oder Com­ic. Die Klassen BFS 1 und 3 wur­den in Grup­pen zu fünf oder sechs Schülern eingeteilt, die ihre jew­eils eige­nen Beiträge entwick­el­ten. Dit­tert: „Die einzel­nen Grup­pen haben ihre Beiträge dann ihrer jew­eili­gen Klasse präsen­tiert. Jede Klasse hat zum Abschluss jew­eils einen Beitrag aus­gewählt, den wir in der Folge bei der DGUV ein­gere­icht haben.“

Was waren nun die siegre­ichen Beiträge der west­fälis­chen Beruf­ss­chule? Der Beitrag der Klasse BFS1 machte den ersten Platz mit einem Rap zu „Fehler bei der Arbeit unter Droge“. Die Klasse BFS 3 erre­ichte den zweit­en Platz mit einem Poet­ry Slam. Die Veröf­fentlichung der Pro­jek­te auf Youtube entschädigt die jun­gen Men­schen ein wenig für die ent­gan­gene öffentliche Siegerehrung, die wegen der Coro­na-Pan­demie aus­fall­en musste.

Gerappter Kontrollverlust

Auch in Bay­ern gewann ein „Rap­per-Pro­jekt“ den ersten Platz. Unter dem Titel „Ist das wirk­lich was du willst?“ pro­duzierte die ober­fränkische Staatliche Beruf­ss­chule Licht­en­fels einen Song zu einem vor­pro­gram­mierten Absturz und machte das dazuge­hörige Video eben­falls im Inter­net ver­füg­bar. Für die teil­nehmenden Schüler der WKE 10A im Fach­bere­ich „Kau­fleute im E‑Commerce“ war die dargestellte Prob­lematik dabei keine reine The­o­rie. Einige der Schüler ken­nen sie sog­ar schon aus „semi-pro­fes­sioneller“ Per­spek­tive – so etwa der Sänger des Rap­songs, Paul Hack­er: „Das The­ma Sucht ist für mich seit vie­len Jahren etwas All­ge­gen­wär­tiges. Ich denke, jed­er von uns hat in seinem Umfeld oder sog­ar bei sich selb­st mal mehr, mal weniger aus­geprägte Fälle von Kon­trol­lver­lust erlebt – und auch, was die Kon­se­quen­zen sein kön­nen. Spätestens seit einem Neben­job als Bar­keep­er weiß ich, dass ger­ade Alko­hol den Weg nach ganz unten ebnen kann, weswe­gen ich für unser Pro­jekt auch diese The­matik gewählt habe.“

Ohne erhobenen Zeigefinger

Auch die Licht­en­felser Schule wollte die Botschaft ihres Pro­jek­ts bloß nicht mit erhoben­em Zeigefin­ger und neun­malk­lu­gen Belehrun­gen ver­mit­teln, son­dern auf kün­st­lerische Art und Weise überzeu­gen. In diesem Jahr beteiligten sich gle­ich sieben Klassen aus den
Bere­ichen Lager­l­ogis­tik, Touris­mus, E‑Commerce, Bank und Einzel­han­del am Kreativwet­tbe­werb, von denen vier prämiert wur­den. Zusam­men mit den Deutschlehrerin­nen Clau­dia Engel­brecht-Saal, Christi­na Allin und Kathrin Het­zel wur­den die Ideen für die Pro­jek­te vor­ab im Unter­richt mith­il­fe von ver­schiede­nen Kreativ­ität­stech­niken entwick­elt. Dabei ent­standen neben Song und Videos auch Plakate, Poet­ry Slam und sog­ar Brettspiele. Eine schriftliche Doku­men­ta­tion run­dete das Ergeb­nis der Grup­pen ab.

Das neue Thema: Kommunikation

Am 17. Sep­tem­ber fand anstelle ein­er großen Siegerehrung eine Abschlussver­anstal­tung mit der Bun­des­dro­gen­beauf­tragten Daniela Lud­wig statt. Das The­ma für den Wet­tbe­werb des Jahres 2020/21 ste­ht auch bere­its fest: Es wird im 49. Jahr des Beste­hens von JWSL „Kom­mu­nika­tion – durch eine gute Kom­mu­nika­tion Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit voran­brin­gen“ heißen. Der Gedanke dazu: Oft ver­birgt sich hin­ter Unfällen eine fehlende oder man­gel­nde Kom­mu­nika­tion. Je bess­er ein Arbeit­steam funk­tion­iert, desto leichter kön­nen Gefährdun­gen und Unfälle ver­mieden wer­den. Deutsch­lands Beruf­ss­chüler haben also wieder ein reizvolles The­ma, um ihrer Fan­tasie freien Lauf zu lassen.


Link-Tipps

Die im Beitrag erwäh­n­ten Siegerpro­jek­te sind im Inter­net unter den fol­gen­den Links zu finden:

Beruf­skol­leg Hattingen

Beruf­ss­chule Lichtenfels


Materialien zum Themenjahr

Alle aktuellen Unter­richts­ma­te­ri­alien und Medi­en des The­men­jahres „Sucht­präven­tion“ sowie Infor­ma­tio­nen zu den Wet­tbe­wer­ben sind auf der Web­site des Präven­tion­spro­gramms „Jugend will sich-er-leben“ zu find­en. Für Beruf­ss­chullehrkräfte und Aus­bildende gibt es eine kosten­freie DVD mit Unter­richts- und Unter­weisungsme­di­en zum The­ma „Sucht­präven­tion“.

www.jwsl.de

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