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Arbeitsschutzmaßnahmen bei Risiken an Arbeitsplätzen, die von Tieren ausgehen

Tierische Gefahren
Vom stampfenden Bullen bis zur haarigen Raupe

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Ob Ihnen ein Bulle auf den Fuß tritt oder ein Lar­ven­haar Ihre Haut und Atemwege reizt – die Gefahren, die von Tieren aus­ge­hen, sind höchst unter­schiedlich und hän­gen nicht unbe­d­ingt von ihrer Größe ab. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige Risiken vor, die an ver­schiede­nen Arbeit­splätzen von Tieren aus­ge­hen kön­nen und geben Hin­weise zu Arbeitsschutzmaßnahmen.

Um die Gefahren und Risiken bess­er ver­an­schaulichen zu kön­nen, wer­den im Fol­gen­den beispiel­hafte Vorkomm­nisse aus der Arbeitswelt beschrieben. Die han­del­nden Per­so­n­en und Tiere sind frei erfun­den, das Geschehen an sich entspricht jedoch realen Ereignissen.

Wenn der Stubentiger Krallen zeigt

Petra K. ist medi­zinis­che Fachangestellte und arbeit­et in ein­er Tier­arzt­prax­is. Behan­delt wer­den hier soge­nan­nte Klein­tiere, also Hund, Katze, Meer­schweinchen und Co. Die Tiere wer­den von ihren Besitzern gebracht, wenn sie krank oder ver­let­zt sind, kas­tri­ert oder geimpft wer­den sollen. Oft sind die Tiere nervös, wenn sie in die Prax­is kom­men. Auch den Besitzern merkt man an, dass es für sie eine stres­sige Sit­u­a­tion ist.

Petra K. ist es gewöh­nt, Herrchen/Frauchen und die „kleinen Lieblinge“ zu beruhi­gen und gelassen dem Tier­arzt zu assistieren. Kür­zlich war sie jedoch für einen Moment abge­lenkt. Die Katze, die nach einem Autoun­fall unter­sucht wer­den sollte, nutze die Unaufmerk­samkeit und den zu lock­eren Griff von der Arzthelferin. Sie kratzte Petra K. am Unter­arm und biss ihr zudem in den Fin­ger. Das war sehr schmerzhaft, blieb aber zum Glück darauf beschränkt. Petra K. war den­noch froh, dass dies ihr und nicht etwa ihrer schwan­geren Kol­le­gin passiert ist. Und sie ver­stand nun auch, warum die Kol­le­gin nur noch am Emp­fang tätig sein darf, seit­dem sie mit­geteilt hat, dass sie ein Kind erwartet.

Vorsicht auf der Bullenweide

Ludger M. ist auf dem Bauern­hof sein­er Eltern groß gewor­den. Vor drei Jahren hat er den Betrieb über­nom­men, der auf Bul­len­zucht spezial­isiert ist. Ludger arbeit­et gern und viel allein. Let­ztes Jahr wäre ihm das fast zum Ver­häng­nis gewor­den. Er hat­te für einen Moment das Risiko, von einem Bullen ange­grif­f­en zu wer­den, unter­schätzt. Denn auch Tiere, die schon von klein auf im Betrieb sind oder mit der Flasche großge­zo­gen wur­den, sind eine poten­zielle Gefahr für Men­schen. Ins­beson­dere Bullen kön­nen plöt­zlich aggres­siv reagieren.

Ludger M. war nur kurz auf die Bul­len­wei­de gegan­gen, um eine kleine Arbeit zu erledi­gen. Wie „aus dem Nichts“ war ein Bulle los­ger­an­nt und hat­te ihn umgestoßen. Der Land­wirt kon­nte sich schw­er ver­let­zt und mit let­zter Kraft auf die andere Seite des Zaunes retten.

Zum Umgang mit Bullen rät die Sozialver­sicherung für Land­wirtschaft, Forsten und Garten­bau (SVLFG):

  • Betreten Sie Wei­den oder Ställe mit Bullen nur zusam­men mit Helfern.
  • Führen Sie immer eine Treib­hil­fe mit. Gut aus­ge­bildete Hunde ermöglichen es, Rinder so zu treiben, dass zwis­chen Tier und Men­sch eine aus­re­ichende räum­liche Dis­tanz gewahrt bleibt.
  • Über­legen Sie, was bei Gefahr hil­fre­ich sein kann. Bei Wei­dear­beit­en kann zum Beispiel der Ack­er­schlep­per als Ret­tungsin­sel dienen.
  • Acht­en Sie beim Führen durch Türöff­nun­gen und in engen Gän­gen darauf, dass Sie vor dem Bullen gehen. Son­st beste­ht die Gefahr, dass Sie einge­quetscht werden.
  • Mit zunehmen­dem Alter des Tieres steigt das Risiko, dass es seine Ver­hal­tensweise ändert.
  • Unter­weisen Sie alle Mitar­beit­er und son­sti­gen Helfer im Betrieb im Umgang mit Bullen und kon­trol­lieren Sie, ob die Sicher­heits- und Ver­hal­tens­maß­nah­men stets einge­hal­ten werden.

Mäuse sind harmlos? Von wegen!

Tom B. ist Elek­trik­er. Seine Fir­ma schickt ihn regelmäßig in den Bäck­ereigroß­be­trieb bei ihnen im Land­kreis. Dort nimmt er die Wartungsar­beit­en der Maschi­nen vor. Bei seinem let­zten Ein­satz war ihm aufge­fall­en, dass die Hygiene im Betrieb deut­lich nachge­lassen hat­te. Es gab mehrere Eck­en, in denen Schmutz lag. Eine ältere Mas­chine, die schon länger nicht mehr im Ein­satz war, fand er stark einges­taubt vor. Mit einem Lap­pen wis­chte er die Staub­schicht weg, bevor er sich die Mas­chine genauer anschaute.

Etwa eine Woche nach seinem Ein­satz in der Großbäck­erei bekam Tom B. Rück­en­schmerzen und Durch­fall. Ihm war übel und er fühlte sich schwach. Der Hausarzt diag­nos­tizierte einen grip­palen Infekt. Am näch­sten Tag trat­en Sehstörun­gen und knapp 40 Grad Fieber auf. Nach der sta­tionären Auf­nahme im Kranken­haus ver­schlechterte sich der Zus­tand weit­er bis hin zum akuten Nieren­ver­sagen. Der behan­delte Arzt diag­nos­tizierte eine Infek­tion mit dem Han­tavirus. Bei den Wartungsar­beit­en hat­te Tom ohne Staub­maske gear­beit­et und deshalb wahrschein­lich das Virus eingeatmet.

Das Han­tavirus wird von Nagern mit Spe­ichel, Urin und Kot aus­geschieden. Auch noch nach Wochen sind die Viren in den vertrock­neten Exkre­menten infek­tiös. Gegen das Han­tavirus gibt es keinen Impf­schutz. So schützen Sie sich vor ein­er Infektion:

  • Tra­gen Sie Ein­weghand­schuhe und eine Staub­maske, wenn Sie einen durch Nag­er verun­reinigten Raum säubern.
  • Gegen Stauben­twick­lung beim Säu­bern hil­ft Befeuchten.
  • Bevor Sie tote Nagetiere ent­fer­nen, durch­lüften Sie den Raum gut.
  • Benet­zen Sie Kadav­er und Exkre­mente mit Desin­fek­tion­s­mit­tel, bevor Sie diese entsorgen.

Draußen lauern Zeckenbiss und Nesselgift

Sara P. pflegt als Land­schafts­gärt­ner­in zusam­men mit ihren Kol­le­gen die städtis­chen Grü­nan­la­gen. Gefahren gehen für sie unter anderem von Zeck­en aus, etwa wenn sie durch hohes Gras oder Büsche geht. Denn Zeck­en fall­en meist nicht von den Bäu­men, wie viele glauben, son­dern gelan­gen durch Abstreifen auf den Menschen.


Mehr dazu in den Beiträ­gen “Zeck­en-Alarm – Was ist dran an den Warn­mel­dun­gen?” und “So schützen Betriebe ihre Out­door-Work­er vor Gefahren durch Zecken”


Im Früh­jahr und Som­mer ist zudem die Gefahr groß, mit den Brennhaaren der Rau­pen des Eichen­prozes­sion­sspin­ners in Berührung zu kom­men. Da die Härchen leicht abbrechen und vom Wind weit­er­ge­tra­gen wer­den kön­nen, find­en sie sich nicht nur in der Nähe von befal­l­enen Eichen. Für den Men­schen gefährlich sind die Haare des drit­ten Lar­ven­sta­di­ums, das von Mai bis Juli dauert. Die Härchen kön­nen allerd­ings auch noch nach Jahren ihr Nes­sel­gift abgeben. Die Brennhaare enthal­ten das Nes­sel­gift Thaume­topoein, das beim Men­schen inner­halb von 24 Stun­den nach Kontakt …

  • aller­gis­che Hautreak­tio­nen wie Quad­deln oder starken Juckreiz,
  • Binde­hau­t­entzün­dun­gen,
  • Reizun­gen und Entzün­dun­gen der Atemwege und zum Teil sogar
  • Fieber, Schwindel oder Schockzustände

aus­lösen kann. Beim Ver­dacht auf eine Vergif­tung durch die Brennhaare der Eichen­prozes­sion­sspin­nerraupe sollte man am besten sofort einen Arzt auf­suchen. So kön­nen Sie sich vor der Raupe und ihren Brennhaaren schützen:

  • Hal­ten Sie sich nicht in befal­l­enen Bere­ichen auf.
  • Sper­ren Sie befal­l­ene Bere­iche ab.
  • Bekämpfen Sie den Befall mit biol­o­gis­chen oder chemis­chen Bioziden.
  • Saugen Sie Gespin­sternester vom Boden oder von ein­er Hebe­bühne aus ab.
  • Tra­gen Sie dabei eine Atem­maske FFP2 mit Ausatemven­til, eine Korb­brille und einen Ganzkör­per­schutzanzug mit Kopfbedeckung.
  • Ziehen Sie geschlossenes Schuh­w­erk, zum Beispiel Nitril­stiefel, und Schutzhand­schuhe an.
  • Reini­gen Sie nach dem Ein­satz die Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung und das Einsatzfahrzeug.

Mutterschutz bei Kontakt mit Tieren

Wer­dende oder stil­lende Müt­ter dür­fen nicht mit Tätigkeit­en beschäftigt wer­den, die mit erhöht­en Unfall­ge­fahren ver­bun­den sind – zum Beispiel durch Abwehrreak­tio­nen von Tieren wie Beißen, Kratzen, Treten.


So schützen Sie sich vor Zecken

Damit die Zeck­en erst gar nicht an und in die Haut gelan­gen, soll­ten Sie …

  • feste Schuhe, lange Hosen, langärm­lige Jack­en und Hem­den aus hellem Stoff und mit Abschluss­bünd­chen tra­gen und
  • Insek­ten­ab­wehrmit­tel benutzen.

Nach Arbeit­sende soll­ten Sie den Kör­p­er – beson­ders die Kniekehlen, Achsel­höhlen und die Leis­ten­re­gion – nach Zeck­en absuchen. Zeck­en kön­nen Erkrankun­gen wie Bor­re­liose oder Früh­som­mer-Menin­goen­zephali­tis (kurz FSME) über­tra­gen. Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Das emp­fiehlt sich vor allem in Risikogebieten.


Weitere Informationen

  • Tech­nis­che Regeln für Biol­o­gis­che Arbeitsstoffe, TRBA 230 „Schutz­maß­nah­men bei Tätigkeit­en mit biol­o­gis­chen Arbeitsstof­fen in der Land- und Forstwirtschaft und bei ver­gle­ich­baren Tätigkeiten“,
    abruf­bar unter www.baua.de (Such­wort TRBA 230)
  • DGUV Infor­ma­tion 214–078 „Vor­sicht Zecken!“,
    erhältlich in der Pub­lika­tions­daten­bank der DGUV unter https://publikationen.dguv.de

Foto: privat

Autorin: Bet­ti­na Bruck­er M.A.

Freie Autorin und Journalistin

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