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Mobile Luftreiniger: Die technische Lösung im Kampf gegen Corona?

Mobile Luftreiniger
Die technische Lösung im Kampf gegen Corona?

Coro­n­aviren ver­bre­it­en sich auf Aerosolen in der Luft beson­ders effek­tiv. Reicht regelmäßiges Stoßlüften aus, um die Konzen­tra­tion von Aerosolen in Räu­men möglichst ger­ing zu hal­ten? Oder sollte man bei der Bekämp­fung der Coro­n­aviren auf mobile Luftreiniger set­zen – zumin­d­est als Ergänzung? Zwei aktuelle Stu­di­en leg­en dies nahe.

Aerosole spie­len eine wichtige Rolle für die Über­tra­gung des Coro­n­avirus, ins­beson­dere in geschlosse­nen Räu­men. Die richtige Lüf­tung von Innen­räu­men gilt neben Gesichts­masken und der Abstand­wahrung als wichtig­stes Mit­tel, um die Wahrschein­lichkeit ein­er Über­tra­gung über Aerosole zu ver­ringern – egal, ob es sich bei den Räum­lichkeit­en um Schul­räume, Sport- und Fes­thallen oder um Arbeitsstät­ten handelt.

Das Prinzip Lüften stößt jedoch nicht sel­ten an Gren­zen beziehungsweise hat auch Nachteile: Viele mod­erne Gebäude wie auch etliche Alt­baut­en ver­fü­gen nicht über eine aus­re­ichende Anzahl an Fen­stern, die zu Lüf­tungszweck­en geöffnet wer­den kön­nen – oft dienen diese lediglich zur Ver­sorgung mit Tages­licht. Des Weit­eren unter­bricht das Öff­nen der Fen­ster regelmäßig die Arbeits- oder Lern­prozesse. Ins­beson­dere im Win­ter kann es darüber hin­aus den Raum auskühlen und schafft dann nicht nur eine unan­genehme Arbeit­sat­mo­sphäre, son­dern leis­tet wom­öglich auch Erkäl­tungskrankheit­en Vorschub. Und schließlich hängt die Effizienz der Lüf­tung auch davon ab, wie stark die Luft­be­we­gung im Außen­raum ist und wie groß der Tem­per­atu­run­ter­schied zwis­chen drin­nen und draußen ausfällt.

Deshalb schla­gen einige Wis­senschaftler min­destens als Ergänzung zum Lüften tech­nis­che Lösun­gen vor, ins­beson­dere durch Raum­luftreini­gungs­geräte beziehungsweise Luftreini­gungs­geräte. Diese saugen die Raum­luft an, schick­en sie durch einen mehrlagi­gen Fil­ter und stoßen sie gere­inigt wieder aus. Dabei arbeit­en sie mit motor­getriebe­nen Ven­ti­la­toren, sodass je nach Gerät ein Geräusch­pegel entste­ht, der bei der Arbeit natür­lich auch stören kann.

Stationäre / mobile Luftreiniger

Bei der Diskus­sion um diese Luftreini­gungs­geräte geht es in erster Lin­ie um mobile Luftreiniger. Dabei kann es sich dur­chaus um recht große Geräte han­deln, die aber in der Regel Rollen besitzen und somit bequem von Ein­sat­zort zu Ein­sat­zort geschoben wer­den kön­nen. Die Reini­gungsleis­tung wird durch die soge­nan­nte Clean Air Deliv­ery Rate (CADR) gemessen. Dieser Wert gibt das Vol­u­men der gefilterten Luft an, das von einem Luftreiniger abgegeben wird. Die Luftumwälzung vari­iert und sollte entsprechend der Raum­größe gewählt wer­den. Geräte von ver­schiede­nen Anbi­etern unter­schei­den sich stark in diesem Punkt.

Im Gegen­satz dazu han­delt es sich bei sta­tionären Anla­gen um fest instal­lierte Kli­ma- und Belüf­tungsan­la­gen, die in der Gebäudekon­struk­tion ver­baut sind – soge­nan­nte Raum­luft­tech­nis­che Anla­gen (RTA). Diese Anla­gen ver­fü­gen auch über Fil­tere­in­heit­en, aber man kann in ihnen nur in sel­te­nen Fällen hochef­fiziente Schweb­stoff­fil­ter der Güte HEPA 14 (HEPA ste­ht für High-Effi­cien­cy Par­tic­u­late Air, kurz H14) ein­set­zen. Es gibt darüber hin­aus aber auch dezen­trale mobile Geräte, die fest in Raum­luft­tech­nis­chen Anla­gen ver­baut sind.

Konträre Meinungen

Viele namhafte Insti­tu­tio­nen und Experten war­nen allerd­ings vor ein­er Über­schätzung dieser tech­nis­chen Lösung. Sie argu­men­tieren vor allem, dass die Luftreiniger zwar die Virenkonzen­tra­tion in der Luft mehr oder weniger senken, jedoch nicht alle Erreger töten kön­nten. Auch bei Bak­te­rien sei die Wirkung von Luftreinigern begren­zt. So sieht das Umwelt­bun­de­samt in den Geräten allen­falls eine Ergänzung, aber keinen Ersatz fürs Lüften. „Mobile Luftreini­gungs­geräte sind nicht dafür aus­gelegt, ver­brauchte Raum­luft abzuführen beziehungsweise Frischluft von außen her­anzuführen; sie leis­ten daher keinen nen­nenswerten Beitrag, das entste­hende Kohlen­diox­id, über­schüs­sige Luft­feuchte und andere Stoffe aus dem Klassen­raum zu ent­fer­nen“, heißt es in ein­er Han­dre­ichung des Umwelt­bun­de­samts zum Thema.

Zu den Ver­fechtern der Luftreiniger gehören unter anderem Wis­senschaftler der Uni­ver­sität der Bun­deswehr München. In ein­er Studie aus dem Okto­ber 2020 erk­lären sie: „Alle Schulen in Deutsch­land müssen mit einem ordentlichen Raum­luftreiniger und Tren­nwän­den gegen die direk­te Infek­tion aus­ges­tat­tet wer­den.“ Lüften ist ihnen zufolge zwar auch gut und wichtig, aber zwei- bis dreimal in der Stunde zu lüften reiche eben nicht aus.

DGUV äußert sich verhalten zu Luftreinigern

Die Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung e.V. (DGUV) gehört eben­falls eher zu den „Skep­tik­ern“, wenn es um die Bedeu­tung der Luftreiniger für die Pan­demiebekämp­fung geht. Ihr Posi­tion­spa­pi­er vom Okto­ber 2020 benen­nt dafür vor allem zwei Gründe: Zum einen wirk­ten Luftreiniger nur punk­tuell. Dieser Nachteil müsse stets durch höhere Luftvol­u­men­ströme, geschick­te Auf­stel­lung im Raum oder den Ein­satz mehrerer im Raum verteil­ter Geräte aus­geglichen wer­den. Zum anderen kön­nten lediglich hochef­fiziente H14-Fil­ter gewährleis­ten, dass Aerosol­par­tikel mit einem Durchmess­er von 0,1 bis 0,3 μm zu 99,995 Prozent aus der Raum­luft abgeschieden wür­den. Zum Ver­gle­ich: Coro­n­aviren haben einen Durchmess­er von 0,12 — 0,16 μm. Von dieser Fil­ter­leis­tung könne aber nur dann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn die Fil­ter nach der Norm DIN EN 1822 geprüft seien.

Stand Feb­ru­ar 2021 hat sich an dieser Ein­schätzung nichts geän­dert: „Mobile Raum­luftreiniger kön­nen eine aus­re­ichende Lüf­tung nicht erset­zen und soll­ten nur in Aus­nah­me­fällen ergänzend einge­set­zt wer­den“, erk­lärt Dr. Simone Peters vom Insti­tut für Arbeitss­chutz der DGUV (IFA). Dafür gibt sie fol­gen­des Beispiel: „Kön­nen die Vor­gaben der ASR A3.6 ‚Lüf­tung‘ nicht einge­hal­ten wer­den, muss die weit­ere Nutzung dieser Räume in ein­er Gefährdungs­beurteilung betra­chtet wer­den. Auf dieser Basis sind dann weit­ere Maß­nah­men festzule­gen, wie zum Beispiel die Reduzierung der Per­so­n­e­nan­zahl im Raum oder gegebe­nen­falls auch die Ver­wen­dung von Raum­luftreinigern.“ Kämen let­ztere zum Ein­satz, sei der Luftvol­u­men­strom entschei­dend: „Soll­ten ein oder mehrere dezen­trale Raum­luftreiniger – egal ob mobil oder sta­tionär – aufgestellt wer­den, muss auf einen aus­re­ichen­den Luftvol­u­men­strom der Geräte geachtet wer­den“, erk­lärt Dr. Peters. Maßge­blich dafür seien ins­beson­dere die Raum­größe und ‑geome­trie sowie die Anzahl der Per­so­n­en im Raum.

Neue Studien

Sind Luftreiniger also im Kampf gegen die Pan­demie nur Bei­w­erk, auf das gut und gerne verzichtet wer­den kann? Zwei aktuelle Stu­di­en, die Anfang des Jahres veröf­fentlicht wur­den, weisen ihnen mehr Bedeu­tung zu: Studie Num­mer Eins wurde vom Hygien­e­in­sti­tut Hybe­ta im Auf­trag des Uni­ver­sität­sklinikums Mün­ster durchge­führt. Dabei kam der Luftreiniger Blue.care+ des Unternehmens Hengst Fil­tra­tion zum Ein­satz. Das Gerät wurde in einem „Stresstest“ mit unter­schiedlichen Lüf­tungsin­ter­vallen geprüft.

Beim Ver­such­sauf­bau im Uni­ver­sität­sklinikum wurde der Aufen­thalt von sechs Per­so­n­en in einem geschlosse­nen Raum durch beheizte Dum­mies simuliert. Das Luftreini­gungs­gerät wurde dabei in der Mitte der läng­sten Wand posi­tion­iert. Jed­er Dum­my wurde mit einem Aeroso­laus­lass verse­hen, um die reale Aerosolab­gabe von Men­schen nachzustellen. Die Wirk­samkeit der Luftreiniger wurde durch die Prü­fung der Aerosolkonzen­tra­tion an fest definierten Punk­ten im Raum gemessen – zum einen bei geschlosse­nen Fen­stern, zum anderen in Kom­bi­na­tion mit ver­schiede­nen Lüftungsintervallen.

Wirksamer als Lüftung

Das Ergeb­nis: Bei geschlosse­nen Fen­stern kon­nten die Luftreiniger die Aerosolkonzen­tra­tion nach 45 Minuten auf 200.000 Par­tikel pro Kubik­fuß (Abkürzung Par­tikel / cft.) reduzieren. Zum Ver­gle­ich: Ohne Luftreini­gung und Lüften erre­ichte die Aerosol­be­las­tung im gle­ichen Zeitraum einen Spitzen­wert von 1.950.000 Par­tikel / cft. Durch Lüften nach 20 Minuten wiederum kon­nte die bis dahin erre­ichte Belas­tung von 1.200.000 Par­tikeln / cft. zwar kurzfristig auf unter 600.000 Par­tikel / cft. reduziert wer­den, doch unmit­tel­bar nach dem Schließen der Fen­ster stieg sie erneut auf den Aus­gangswert. Damit fiel die Aerosol­be­las­tung beim Ein­satz des Luftreinigers auch im Ver­gle­ich zum Stoß- und Quer­lüften in 20-minüti­gen Inter­vallen geringer aus beim Lüften.

Let­zteres ist aber auch aus anderen Grün­den notwendig, denn Lüften sorgt für aus­re­ichend Sauer­stoff und unver­brauchte Luft im Raum. Daher wurde auch das Szenario mit fünfminüti­gen Fen­ster­lüf­tun­gen nach 45 und 95 Minuten bei gle­ichzeit­ig eingeschal­tetem Luftreiniger getestet. Bei dieser Kom­bi­na­tion wurde die Aerosolkonzen­tra­tion auf etwa 300.000 Par­tikel / cft. reduziert – ein etwa dop­pelt so großer Effekt wie bei alleini­gen Fen­ster­lüf­tun­gen im Abstand von 20 Minuten.

„Luftreiniger ver­ringern das Risiko ein­er Infek­tion durch viren­be­lastete Aerosole deut­lich – sowohl in geschlosse­nen als auch in belüfteten Räu­men“ bilanziert Raum­luft­tech­niker Dirk Peltzer von der Hybe­ta GmbH. Das bedeute zwar nicht, dass die Fen­ster gar nicht mehr geöffnet wer­den soll­ten, doch die Lüf­tungsin­ter­valle ließen sich ver­längern – ein Vorteil ger­ade in den kalten Win­ter­monat­en. Wichtig sind nach Auf­fas­sung Peltzers dabei die Aus­rüs­tung und der Auf­bau der Geräte. Neben entsprechen­den Par­tikelfil­tern der Klasse H14 seien hier vor allem eine Luftwech­sel­rate von mehr als fünf Mal pro Stunde sowie das Ein­saugen auf dem Boden erforder­lich, um eine möglichst große Wirkung zu entfalten.

Bundeswehr testet auch zu Luftreinigern

Auch an der Uni­ver­sität der Bun­deswehr München wurde ein Luftreiniger einge­hend getestet, dies­mal der Virosafe 2000/F800 der Fir­ma Viromed. Für Pro­jek­tleit­er Pro­fes­sor Chris­t­ian Käh­ler war das Ergeb­nis ein­deutig: „Die Analyse verdeut­licht, dass sich mit dem von uns erprobten Raum­luftreiniger die Konzen­tra­tion der Aerosol­par­tikel im Raum sehr effizient reduzieren lässt. In einem Raum mit einem Vol­u­men von 200 Kubik­me­ter kon­nten im reinen Umluft­be­trieb bei max­i­malem Vol­u­men­strom über acht Luftwech­sel pro Stunde erre­icht wer­den. Das bedeutet, dass die Viren­last in dem Raum inner­halb von 5,4 Minuten hal­biert wurde.“

Dass der Auf­stel­lung­sort des Geräts rel­a­tiv frei gewählt wer­den kon­nte und der Lüf­tungser­folg auch nicht wesentlich durch Möbel oder bewegte Per­so­n­en im Raum behin­dert wurde, kon­nte eben­falls gezeigt wer­den. Per­so­n­en im Raum seien sog­ar vorteil­haft, so Käh­ler, da sie die Ver­mis­chung der Luft im Raum durch Bewe­gung, Atmung und die Kör­per­wärme befördern und für eine gle­ich­mäßige Abnahme der Viren in allen Raum­bere­ichen sor­gen. Die Raum­luftreiniger ver­set­zten die Luft zusät­zlich in Bewe­gung, sodass eine effiziente Reduk­tion der Viren­last im Raum gewährleis­tet sei. Die Luft­be­we­gun­gen im Raum fie­len dabei so ger­ing aus, dass sie nicht spür­bar seien. Lediglich direkt am Ansaug- und Aus­blas­bere­ich macht­en sie sich bemerk­bar, wie es auch bei der Fen­ster­lüf­tung der Fall sei – bei let­zter­er jedoch im gesamten Raum.

In einem weit­eren Ver­suchss­chritt wurde ein Bypass, also eine Umge­hungsleitung, genutzt, um neben dem Umluft­be­trieb kon­trol­liert Außen­luft in den Raum zu führen. Hier­bei zeigte sich, dass neben der Virenkonzen­tra­tion auch der Anstieg von Kohlen­diox­id im Raum verzögert oder je nach Per­so­nen­zahl und Aktiv­ität sog­ar ganz ver­hin­dert wer­den kon­nte. Wurde der Bypass über den Lüfter im Gerät betrieben, so ver­ringerte sich der Vol­u­men­strom gegenüber dem Fall ohne Bypass ger­ingfügig, da der Lüfter zusät­zliche Strö­mungswider­stände durch die Zuleitung von draußen erfährt. Wurde der zusät­zliche Lüfter allerd­ings am Geräteauf­satz für den Bypass zugeschal­tet, kon­nten in dem 80 Quadrat­meter großen Raum auch Luftwech­sel­rat­en nahe zehn erre­icht wer­den. Eine Hal­bierung der Schad­stoff- oder Viren­last wurde somit inner­halb von 4,2 Minuten erre­icht. „Dem oft vorge­bracht­en Kri­tikpunkt, dass mobile Raum­luftreiniger nicht in der Lage sind, dem Raum Außen­luft zuzuführen, muss somit aus­drück­lich wider­sprochen wer­den“, kom­men­tiert Käh­ler diesen Effekt.

Einsatz in Arbeitsstätten

Welche Schlüsse kön­nen durch die Ergeb­nisse bei­der Stu­di­en speziell für Arbeitsstät­ten gezo­gen wer­den? Christoph Schings, Direc­tor Mar­ket­ing & Com­mu­ni­ca­tion bei Hengst SE in Mün­ster: „Wesentlich für die Qual­ität der Luftreini­gung ist der Umwälz­fak­tor der Luft­menge im Raum. Stu­di­en leg­en eine fünf- bis sechs­fache Luftwech­sel­rate als sin­nvoll zugrunde. Es ist daher zweitrangig, für welche Zwecke ein Raum genutzt wird. Es kommt in erster Lin­ie auf das Raumvol­u­men an.“ Mobile Geräte böten in der Regel die besten Lösun­gen für Räume von 30 bis 140 Quadrat­meter. Für größere Räume wie Pro­duk­tion­shallen kämen zwei Möglichkeit­en in Betra­cht: Man könne darin entwed­er mehrere mobile Ein­heit­en auf­stellen, oder aber eine eventuell bere­its vorhan­dene sta­tionäre Anlage, soweit tech­nisch möglich, umrüsten. Schings hält hier­bei die Auf- und Umrüs­tung für den besseren Weg.

Fast wichtiger als in den Arbeit­sräu­men ist Schings zufolge jedoch der Ein­satz der Geräte in Pausen­räu­men, Kan­ti­nen, Besprechungsräu­men und Umk­lei­dek­abi­nen, wo sich erfahrungs­gemäß auf rel­a­tiv kleinen Raum beson­ders viele Beschäftigte aufhal­ten. Hier sei es nach sein­er Erfahrung die beste Lösung, mehrere Geräte gut posi­tion­iert aufzustellen.

Lärmbelastung das kleinere Übel

Ein weit­er­er wichtiger Aspekt hin­sichtlich der Ver­wen­dung von Luftreinigern in Arbeitsstät­ten ist die Laut­stärke. Chris­t­ian Käh­ler von der Uni­ver­sität der Bun­deswehr hält trotz dieses Prob­lems den Ein­satz von beson­ders leis­tungsstarken und damit auch laut­starken Geräten auf­grund der beson­deren aktuellen Lage für empfehlenswert: „Da Geräte dieser Größe bei max­i­malem Vol­u­men­strom recht laut sind, eignet sich dieser Vol­u­men­strom für lär­minten­sive Arbeits­bere­iche, beispiel­sweise in Werk­stät­ten. Aber auch in kleineren Räu­men, in denen nor­maler­weise deut­lich gerin­gere Vol­u­men­ströme aus­re­ichend sind, ist es sin­nvoll, ein der­art leis­tungsstarkes Gerät zu nutzen, damit bei Bedarf die Viren­last sehr schnell reduziert wer­den kann.“ So kön­nte in den Pausen oder vor der Nutzung eines Besprechungsraumes das Gerät für ein paar Minuten mit max­i­malem Vol­u­men­strom betrieben wer­den, um eine mögliche Viren­last schnell abzubauen. Während der Arbeit oder der Sitzung könne der Vol­u­men­strom dann reduziert wer­den, sodass noch das sechs­fache des Raumvol­u­mens pro Stunde gefiltert oder mit Außen­luft ver­set­zt werde.

Baustein im Infektionsschutz

Die Ergeb­nisse der beschriebe­nen Stu­di­en weck­en Hoff­nung – speziell vor dem Hin­ter­grund möglich­er neuer Pan­demien in der näheren oder ferneren Zukun­ft. Kann man beim Ein­satz der Luftreiniger sog­ar ganz auf das Lüften oder andere Instru­mente verzichten?

Pro­fes­sor Chris­t­ian Käh­ler sieht das zumin­d­est ansatzweise so: „Auf­grund der Leis­tungs­fähigkeit der Raum­luftreiniger kön­nen diese auch ohne zusät­zliche Fen­ster­lüf­tung und Raum­luft­tech­nis­che Anla­gen für eine deut­liche Reduzierung der Gefahr vor ein­er indi­rek­ten Infek­tion sor­gen, da sie in der Regel viel effizien­ter arbeit­en als die zwis­chen­zeitliche Fen­ster­lüf­tung.“ Der Grund dafür sei, so Käh­ler, dass die mobilen Raum­luftreiniger kon­tinuier­lich für eine ver­lässliche Abschei­dung der Viren sor­gen, unab­hängig davon, ob draußen Wind gehe oder der Tem­per­atu­run­ter­schied zwis­chen drin­nen und draußen aus­re­ichend groß sei.

Für das Mün­ster­an­er Forschung­steam hinge­gen ist die Kom­bi­na­tion das Ide­al: „Ein Verzicht aufs Lüften ist nicht rat­sam, unter­stre­icht Dirk Peltzer: „Luftreiniger sind vor allem als ein Hil­f­sin­stru­ment zum nor­malen Lüften anzuse­hen.“ Stu­di­enini­tia­tor Prof. Stephan Lud­wig sieht durch die Testergeb­nisse bestätigt, dass wirk­same Luftreiniger einen weit­eren wichti­gen Baustein zur Eindäm­mung der Coro­na-Pan­demie darstellen. Sie soll­ten fol­glich die bere­its etablierten Maß­nah­men zur Pan­demieaus­bre­itung Hygiene, Masken, Abstand­sregeln und Lüften ergänzen.

Sinnvoll und zuverlässig

Als Ergeb­nis der wis­senschaftlichen Unter­suchun­gen – so viel lässt sich sagen – stellen Raum­luftreiniger mit großem Vol­u­men­strom und hochw­er­ti­gen Fil­tern der Klasse H14 eine sin­nvolle tech­nis­che Lösung dar, um die indi­rek­te Infek­tion­s­ge­fahr durch Aerosole zu ver­ringern. Dabei spricht auch ein psy­chol­o­gis­ch­er Fak­tor für tech­nis­che Lösun­gen: Maß­nah­men, die allein auf die Ver­nun­ft und Bere­itschaft der Men­schen zum Han­deln set­zen, wer­den nicht immer und über­all voll­ständig und kon­se­quent umge­set­zt. Tech­nis­che Lösun­gen kön­nen zumin­d­est dafür sor­gen, dass auch in diesen Fällen präven­tive Maß­nah­men zum Zuge kom­men und das Risiko eingedämmt wird.


Alles im grü­nen Bereich …
Foto: Proxi-cube

Aerosole messen mit dem „Mannheimer Würfel“

Wurde der Raum wirk­lich gründlich genug gelüftet? Ab wann ist die Aerosolkonzen­tra­tion durch die anwe­senden Per­so­n­en kri­tisch? Die Hochschule Mannheim hat eine Lösung entwick­elt, die dies unmit­tel­bar anzeigt: Am dort ange­siedel­ten Cen­ter for Mass Spec­trom­e­try and Opti­cal Spec­troscopy (CeMOS) ent­stand bere­its vor eini­gen Jahren ein bat­teriebe­triebenes, trag­bares Gerät zur Fein­staubmes­sung, das nun kurz­er­hand zum Aerosol-Detek­tor umfunk­tion­iert wurde.

CeMOS-Forsch­er Dr. Thomas Schäfer erk­lärt, warum das so ein­fach geht: „Der optis­che Sen­sor macht keinen Unter­schied zwis­chen Staub­par­tikeln und winzi­gen Flüs­sigkeit­stropfen. Er zählt jedes Teilchen zwis­chen 300 Nanome­tern und 10 Mikrom­e­tern Größe, das die Lichtschranke in seinem Inneren passiert.“ Das han­dliche Gerät funk­tion­iert so: Es saugt Raum­luft ein und leit­et sie an zwei Sen­soren vor­bei. Ein­er davon misst lediglich die Menge an einge­saugter Luft, der zweite heizt sie so weit auf, dass Flüs­sigkeit­en ver­dun­sten. Aus der Dif­ferenz bei­der Mes­sun­gen errech­net das Gerät dann die Menge an wäss­ri­gen Tröpfchen, die sich in der Luft befinden.

Die Mess­dat­en wer­den zum Beispiel als Graphiken aus­gegeben, sodass man die Atem-Aerosolkonzen­tra­tion über län­gere Zeiträume hin­weg beobacht­en und doku­men­tieren kann. Die Ver­mark­tung der Erfind­ung ist bere­its ange­laufen. Die Prox­iVi­sion GmbH als Koop­er­a­tionspart­ner der Hochschule hat die ersten Geräte mit dem Namen Prox­i­Cube fertiggestellt.

Hochschule Mannheim; www.hs-mannheim.de; www.proxi-cube.com


Checkliste Luftreiniger

Fol­gende Fak­toren sind entschei­dend für die Wirkung von Luftreinigern:

Die Luftwech­sel­rate

Die Luftwech­sel­rate ist das Ver­hält­nis aus dem Vol­u­men­strom des Gerätes und dem Raumvol­u­men (also Grund­fläche mal Höhe des Raumes). Anzu­rat­en ist eine Luftwech­sel­rate von 6. Bei einem Raum von acht mal acht Metern Grund­fläche und ein­er Raumhöhe von drei Metern (also einem Raumvol­u­men von 192 m³) ergibt sich beispiel­sweise eine sechs­fache Luftwech­sel­rate bei einem Vol­u­men­strom von 1.152 m³/h. Der Vol­u­men­strom ist unter den tech­nis­chen Dat­en aufgeführt.

Der Fil­ter

Nur hochab­schei­dende HEPA-Fil­ter der Fil­terk­lassen H13 oder H14 sind wirk­lich wirk­sam. Lediglich in großen Geräten haben die wichti­gen HEPA-Fil­ter eine aus­re­ichende Fil­ter­fläche, um einen langfristi­gen Schutz ohne ständi­gen Fil­ter­wech­sel zu gewährleisten.

Die Funk­tion­sweise

Die Geräte müssen so kon­stru­iert sein, dass die Aerosole boden­nah ange­saugt wer­den und die gere­inigte Luft über Kör­p­er- und Kopfhöhe wieder aus­gestoßen wird. Durch das boden­na­he Ansaugen der Schweb­par­tikel wird das Infek­tion­srisiko best­möglich reduziert.

Die Laut­stärke

Der Schall­druck­pegel sollte unter­halb von 55 db (A) liegen. Um eine geringe Laut­stärke sicherzustellen, muss eine aus­re­ichende Schalldäm­mung ver­baut sein, die eben­falls nur in größeren Geräten Platz findet.

Die Raum­größe

Nur Luftreiniger mit einem bis zu sechs­fachen Luftaus­tausch pro Stunde sind für den Betrieb in Innen­räu­men mit ein­er Größe von mehr als 50 Quadrat­meter geeignet.

Die Platzierung

Das Gerät kann über­all im Raum platziert wer­den. Einzige Einschränkung:
Der Luftein- und ‑aus­lass sollte nicht direkt zugestellt oder verdeckt wer­den und einen Min­destab­stand von 30 Zen­time­tern zu den Wän­den aufweisen.

Quelle: Hybe­ta GmbH


JoergHensiek_2021_(2).jpg
Foto: pri­vat

Foto: pri­vat

Autor: Dr. Joerg Hensiek

Fachau­tor und freier Journalist

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