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Ausstieg aus der VUCA-Welt

Gesunde Selbstführung
Ausstieg aus der VUCA-Welt

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Die VUCA-Welt ist volatil, unsicher, complex und ambivalent. Achtsamkeitsübungen helfen, dem alltäglichen Wahnsinn zu entkommen. Foto: © Andrey Popov - Fotolia
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Inspiri­eren, motivieren, für ein gesun­des Arbeit­sum­feld sor­gen: Die Erwartun­gen an Führungskräfte sind hoch. Gesund­heit als Führungsauf­gabe set­zt einen acht­samen Umgang mit der eige­nen Gesund­heit voraus. Der Beitrag zeigt, wie gesunde Selb­st­führung gelingt.

Gesund­heits­gerechte Führung – so viel lässt der Begriff erwarten – soll einen förder­lichen Ein­fluss auf die Gesund­heit der Beschäftigten haben. Dass gesund­heits­gerechte Führung auch die Gesund­heit der Führungskräfte selb­st zum Ziel haben muss, wird dabei häu­fig vergessen. In Coach­ings wird der Bedarf deut­lich: hohe Leis­tungsan­forderun­gen, das inten­sive Erleben von Druck­si­t­u­a­tio­nen und Stress sind dort immer wieder The­ma. Die Bewäl­ti­gung kann allein durch Stan­dard­maß­nah­men, wie sie für Mitar­beit­er ohne Führungsver­ant­wor­tung herange­zo­gen wer­den, nicht gelin­gen. Soziale Unter­stützung, Beteili­gungsmöglichkeit­en und Mitar­beit­eror­i­en­tierung wer­den in diesem Zusam­men­hang genan­nt. Ihnen ist gemein, dass Ken­nt­nisse über konkret beschreib­bare Wirk­mech­a­nis­men vorliegen.

Die Wahrschein­lichkeit, gesund­heitliche Beschw­er­den durch arbeits­be­d­ingte Belas­tun­gen zu entwick­eln, wird entwed­er durch einen geziel­ten Abbau von Fehlbe­las­tun­gen oder die mod­erierende Wirkung als Ressource ver­ringert. Ressourcen stärken das Erleben von Selb­st­wirk­samkeit, min­dern das Stresser­leben und damit arbeits­be­d­ingte Erkrankungsrisiken. Diese Wirk­mech­a­nis­men lassen sich auf Grund­lage empirisch­er Forschung gut nachvol­lziehen. Die großan­gelegte Stan­dortbes­tim­mung zur psy­chis­chen Gesund­heit in der Arbeitswelt, die im Auf­trag der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) erstellt wurde (Mon­tano et. al. 2016), verdeut­licht dies.

Wer führt, hat viele Belastungen

Für Führungskräfte gilt dies selb­stver­ständlich eben­so wie für alle Beschäftigte. Jedoch kann mit einigem Recht behauptet wer­den, dass Führungskräfte ein­er größeren Vielfalt von Belas­tungs­fak­toren aus­ge­set­zt sind. Sie wer­den deut­lich häu­figer mit schwieri­gen Entschei­dun­gen kon­fron­tiert. Auch die Fähigkeit, mit para­dox­en Sit­u­a­tio­nen und Dilem­ma­ta umge­hen zu kön­nen, gehört zum Anforderung­spro­fil. Erfahrun­gen, Men­schenken­nt­nis und ein „dick­es Fell“ sind zwar eine gute Voraus­set­zung um Prob­leme zu lösen, sie schützen aber nicht vor den seel­is­chen oder kör­per­lichen Beanspruchun­gen, die durch Stress aus­gelöst werden.

„Sonderfall“ Führungskraft?

Müssen also Führungskräfte beson­ders geschützt wer­den und bedür­fen ein­er beson­deren Behand­lung? Sowohl als auch. Schein­bar wird mit dem Ein­ver­ständ­nis, eine Führungsrolle zu übernehmen, auch das „Ja“ zu lan­gen Arbeit­sta­gen, ständi­ger Erre­ich­barkeit, lan­gen Sitzun­gen und Kon­flik­ten an allen Fron­ten gegeben. Belas­tun­gen, die durch einen Zugewinn an Geld, Sta­tus, Ein­fluss und Hand­lungsspiel­raum in der indi­vidu­ellen Bilanz als hin­nehm­bar gel­ten kön­nen, kön­nen in Krisen­si­t­u­a­tio­nen zum Risiko wer­den. Beispiel­sweise wenn der Erfolg aus­bleibt und immer mehr Aufwand nötig ist, um ein Pro­jekt aus ein­er Sack­gasse zu führen. Es wer­den nicht nur zehn oder zwölf Stun­den gear­beit­et, son­dern es wird auch zu Hause weit­erge­grü­belt – die Prob­leme set­zen sich im Kopf fest. Fehlt dann die Zeit, um Kraft zu schöpfen und den Akku wieder aufzu­laden, ist die Gesund­heit ern­sthaft bedro­ht. In dem Fall umfasst die Verpflich­tung des Arbeit­ge­bers zur Gestal­tung gesund­heits­gerechter Arbeits­be­din­gun­gen auch, dass er Maß­nah­men ergreift, um der­ar­tige Fehlbe­las­tun­gen zu ver­mei­den. In der Prax­is ist jedoch nicht zu erwarten, dass eine Führungskraft abge­zo­gen wird, wenn es kom­pliziert wird, son­dern erst, wenn ihr der Erfolg nicht mehr zuge­traut wird.

Führungskräfte hegen und pflegen

Führungskräfte sind in der Regel nicht prob­lem­los zu erset­zen; der Erfolg des Unternehmens hängt nicht sel­ten direkt von ihrer Leis­tungs­fähigkeit ab. Ihr Wage­mut, ihre Neugi­er, Kreativ­ität, Diplo­matie und ihre Entschei­dungs­freudigkeit sind Werte, die – auch wenn sie nicht in der Bilanz auf­tauchen – die Zukun­ft des Unternehmens bes­tim­men. Viele Pro­jek­te scheit­ern, wenn entschei­dende Per­so­n­en aus­fall­en. Daher wird von vie­len Unternehmen ein großer Aufwand betrieben, um die Gesund­heit der Führungskräfte zu fördern. Dabei wird oft ein bre­ites Maß­nah­men­bün­del geschnürt. Das macht auch dur­chaus Sinn, denn Work-Life-Bal­ance lässt sich nicht allein durch eine Opti­mierung von betrieblichen Ange­boten, zum Beispiel zur Vere­in­barkeit von Beruf und Fam­i­lie, erre­ichen. Gestal­tungs­maß­nah­men im Bere­ich von Arbeit­sauf­gabe und Unter­stützung sind effek­tiv­er als im Bere­ich Arbeit­sor­gan­i­sa­tion. Ide­al erscheint die gegen­seit­ige Bere­icherung von Arbeit und Pri­vatleben. Sie ist erfol­gver­sprechen­der als die reine Belas­tungsre­duk­tion (Wöhrmann 2016, S. 76). Zu den Voraus­set­zun­gen, dass die betrieblichen Möglichkeit­en zum Erhalt der Gesund­heitsvor­sorge von den Führungskräften auch genutzt wer­den, gehört ein­er­seits eine Unternehmens- und Führungskul­tur, die wirk­sam ökonomis­che Ziele durch gesund­heitliche ergänzt, sowie ander­er­seits auch indi­vidu­elle Gesundheitskompetenz.

Wissen, was gut tut

Es gibt ver­schiedene Ansätze, um Gesund­heit­skom­pe­tenz gezielt aufzubauen. Dazu gehören beispiel­sweise Gesund­heits-Check-ups, spezielle gesund­heits­be­zo­gene Qual­i­fizierungsange­bote oder Gesund­heitscoach­ings. Der Grundgedanke sollte jew­eils sein, dass auf den beste­hen­den indi­vidu­ellen Ressourcen aufge­baut wird. Es ist nicht zu erwarten, dass die Ange­bote von jedem angenom­men wer­den. Eine nach­haltige Ori­en­tierung der Führungskräfte an Gesund­heit­szie­len hängt für Franke und Kol­le­gen (2011, S. 382) von indi­vidu­ellen gesund­heits­be­zo­ge­nen Kog­ni­tio­nen und Emo­tio­nen ab:

  • dem Erleben, dass die eigene Gesund­heit bedro­ht ist,
  • der Moti­va­tion, den eige­nen Gesund­heit­szu­s­tand zu ändern,
  • dem Wis­sen um entsprechende Maß­nah­men zum Schutz
    der Gesundheit,
  • dem Zutrauen in sich selb­st, entsprechende Maß­nah­men auch auszuführen (Selb­st­wirk­samkeit).

Diese Aspek­te wer­den von den Ansätzen zum Auf­bau von Gesund­heit­skom­pe­tenz in unter­schiedlich­er Weise berück­sichtigt. Gesund­heits-Check-ups kön­nen zwar Aufrüt­teln und Erkrankun­gen und das Erkrankungsrisiko aufdeck­en, sie kön­nen aber – selb­st wenn sie mit Beratungsange­boten kom­biniert wer­den – nur wenig zum Auf­bau indi­vidu­eller gesund­heits­be­zo­gen­er Kom­pe­ten­zen beitragen.

Gesund­heit­squal­i­fizierungs­maß­nah­men umfassen, soweit sie sich an Führungskräfte richt­en, meist die fol­gen­den Bausteine:

  • Analyse der eige­nen Gesund­heit, Führungs-und Selbstführungsverhalten,
  • Wis­sensver­mit­tlung zum Entste­hen von Krankheit und
    Gesundheit,
  • Entspan­nungs- und Stress­be­wäl­ti­gung­stech­niken sowie
  • Trans­fer­sicherung und weit­ere betriebliche und außer­be­triebliche Hil­fen und Angebote.

Coach­ings bieten den Vorteil, dass mehr auf die indi­vidu­elle Sit­u­a­tion der Führungskraft einge­gan­gen wer­den kann und der Entwick­lungsver­lauf begleit­et wird. Im Coach­ing kann die Verän­derung der Lebens­bal­an­cen ziel­ge­nau unter­stützt wer­den. Erst im Ver­lauf aufk­om­mende Hin­dernisse wer­den bear­beit­et, wenn sie rel­e­vant wer­den. Wis­sensver­mit­tlung, Reflex­ions- und Übungsphasen wech­seln sich bedarf­s­gerecht ab. Ob sich der höhere finanzielle Aufwand rech­net, lässt sich nach dem heuti­gen Stand nur schw­er beurteilen. Gesund­heits- und Stress­man­age­ment­coach­ings sind dafür noch immer zu schlecht vali­diert (Greif 2011, S. 368).

Weniger Stress durch Achtsamkeit

Als rel­a­tiv neuer Ansatz kön­nen Acht­samkeit­strain­ings gel­ten. Sie verbinden die Ver­mit­tlung von Gesund­heitswis­sen, Tech­niken zur Entspan­nung und Stress­be­wäl­ti­gung mit Ele­menten der Selb­stre­flex­ion wie im Coach­ing. Der Erfolg set­zt ein hohes Maß an Selb­stver­ant­wor­tung voraus für die regelmäßige Übung und Bear­beitung von Reflex­ion­sauf­gaben. Liegt der Schw­er­punkt auf dem The­ma Acht­samkeit am Arbeit­splatz, wird in beson­derem Maße Führungskom­pe­tenz entwick­elt. Neben dem Auf­bau eigen­er Gesund­heit­skom­pe­tenz kann das Führungsver­hal­ten in Bezug auf die Stärkung organ­i­sa­tionaler und sozialer Ressourcen der Mitar­beit­er beziehungsweise die Präven­tion­skul­tur im Unternehmen in die Reflex­ion mit ein­be­zo­gen werden.

Eines der am besten erforscht­en Achtsamkeitsprogramme
wurde 1979 an der Uni­ver­sität­sklinik von Mass­a­chu­setts durch Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn entwick­elt. Mind­ful­ness Based Stress Reduc­tion (MBSR), also Stress­be­wäl­ti­gung durch Acht­samkeit, verbindet Med­i­ta­tions­for­men mit Wurzeln im Bud­dhis­mus mit Ele­menten der kog­ni­tiv­en Psy­cholo­gie. Dabei sind alle Acht­samkeit­sübun­gen frei von religiösen oder eso­ter­ischen For­men. Auf der Suche nach Aus­gle­ich, Entschle­u­ni­gung und Weit­er­en­twick­lung des eige­nen Führungspoten­zials nehmen bere­its viele Führungskräfte neben per­sön­lichen Coach­ings auch Ange­bote zum The­ma Lead­er­ship wahr. Die Reflex­ion der eige­nen Hal­tung und Rolle als Vor­bild, das Erleben von Sinnhaftigkeit, Klarheit und Authen­tiz­ität und die Stärkung gesund­heits­förder­lich­er Ele­mente wie Gelassen­heit und innere Bal­ance sind dabei zen­trale Inhalte. Unter­stützend für die Akzep­tanz im Unternehmen ist die inten­sive Forschung zum The­ma Acht­samkeit, die in den ver­gan­genen Jahren einen regel­recht­en Boom an inter­es­san­ten wis­senschaftlichen Stu­di­en verzeichnet.

Im „Hier und Jetzt“ leben

Was aber ist Acht­samkeit über­haupt? Der Begriff beschreibt die bewusste Lenkung der Aufmerk­samkeit auf den gegen­wär­ti­gen Moment ohne zu bew­erten. Auf diese Weise wer­den Gedanken, Gefüh­le, Sin­ne­sein­drücke und Kör­perempfind­un­gen mit ein­er inneren Dis­tanz beobach­t­end wahrgenom­men. Dabei wer­den auch unan­genehme Erfahrun­gen hier und jet­zt in die Acht­samkeit inte­gri­ert. Die Her­aus­forderung beste­ht darin, die Dinge so sein zu lassen, wie sie sind, ohne in diesem Moment eine Verän­derung erzwin­gen zu wollen. Ganz gle­ich ob Ter­min­druck, Ärg­er oder Nack­en­schmerzen – in der Acht­samkeitsmed­i­ta­tion beste­ht die Möglichkeit, den Raum zwis­chen Stres­saus­lösern und automa­tis­chen Reak­tio­nen ohne Anstren­gung und Opti­mierungs­druck zu öff­nen. Hier geht es zunächst darum, in diesem Raum absicht­s­los und bew­er­tungs­frei zum Beispiel die fol­gen­den Fra­gen anzuschauen:

  • Wie fühlt sich Zeit­druck, Über­las­tung, widersprüchliche
    Infor­ma­tion oder Erschöp­fung im Kör­p­er an?
  • Was geschieht, wenn der Kopf schmerzt, der Atem flach wird oder die Gedanken immer wieder im Kreis gehen?

Ver­schiedene Acht­samkeit­sübun­gen fördern ein Ver­ankern im gegen­wär­ti­gen Moment und ermöglichen auch im Kon­text von schwieri­gen Erfahrun­gen die Wahl­frei­heit für Reak­tio­nen. Damit bleibt der eigene Gestal­tungsspiel­raum erhal­ten. Statt mit Autopi­lot immer wieder in der­sel­ben Sack­gasse zu lan­den, wer­den Per­spek­tivwech­sel möglich. Ein Mot­to wie „Love it! Change it! Leave it!“ kann mit der Fähigkeit, innere Dis­tanz und gedanklichen Überblick zu hal­ten kreativ umge­set­zt werden.

VUCA-Welt: Alltäglicher Wahnsinn

Die mod­erne Arbeitswelt wird oft ver­glichen mit ein­er Gefecht­slage, die im Mil­itär als VUCA beze­ich­net wird. Die Buch­staben ste­hen für „volatil“, „unsich­er“, „com­plex“ und „ambiva­lent“. In diesem alltäglichen Wahnsinn müssen Führungskräfte ver­ant­wortlich Entschei­dun­gen tre­f­fen. Die Forschung zeigt, dass regelmäßig prak­tizierte Acht­samkeit­sübun­gen die Fähigkeit zur Selb­streg­u­la­tion verbessern.

Achtsam innehalten – so geht´s

Voraus­set­zung für eine sou­veräne Selb­streg­u­la­tion ist die Fähigkeit zur Selb­st­wahrnehmung, die in der Med­i­ta­tion auch als Selb­st­ge­wahr­sein beze­ich­net wird. Die bewusst geübte Aus­rich­tung auf das eigene Erleben in Bezug auf Gedanken, Gefüh­le und Kör­perempfind­un­gen hil­ft inmit­ten des per­ma­nen­ten Ver­suchs von Mul­ti­task­ing, häu­figer Unter­brechung und Infor­ma­tions­flut wieder Verbindung mit sich selb­st zu find­en. Statt in der ständi­gen Verbindung mit allem und jedem unterzuge­hen wird so Klarheit und Präsenz gefördert. Eine Übung, die sich auch für Kurz­pausen im Arbeit­sall­t­ag eignet, ist das acht­same Innehal­ten: Innehal­ten, Wahrnehmen von Gedanken, Gefühlen und Kör­perempfind­un­gen. Ins­beson­dere das Ver­bun­den­sein mit aktuellen Kör­persig­nalen schafft Chan­cen zur Aus­bal­ancierung des autonomen veg­e­ta­tiv­en Systems.

Pause im Kopfkino

Das Üben der Acht­samkeit verbessert die Aufmerk­samkeit­sreg­u­la­tion. Inmit­ten von schnell wech­sel­nden, oft unberechen­baren und mehrdeuti­gen Anforderun­gen sowie ein­er Reizüber­flu­tung im Laufe eines Arbeit­stages gelingt es damit, den roten Faden zu behal­ten. In Gesprächssi­t­u­a­tio­nen oder beim Bear­beit­en der schi­er unendlichen E‑Mail-Schwemme wer­den Stör­reize von außen erfol­gre­ich aus­ge­blendet. Darüber hin­aus fördert das Train­ing der Aufmerk­samkeits­fähigkeit die sou­veräne Reg­u­la­tion der vie­len assozia­tiv­en gedanklichen Inter­pre­ta­tio­nen im ständig laufend­en Kopfki­no. Statt sich im Ver­gan­genen oder Zukün­fti­gen zu ver­lieren, gelingt durch die bewusste Lenkung der Aufmerk­samkeit auf das Hier und Jet­zt das Abschal­ten. Als Tech­nik eignet sich eine ein­fache Fokussierung auf das Beobacht­en der eige­nen Atmung: Innehal­ten, Atem beobacht­en, so wie er von selb­st ger­ade fließt (vgl. Übung).

Lernen, Gefühle zu kontrollieren

Eine dritte Fähigkeit, die sich im Rah­men von Acht­samkeit­strain­ings verän­dert, ist die Emo­tion­sreg­u­la­tion. Gefüh­le sind von entschei­den­der Bedeu­tung im Ver­lauf der ganz nor­malen „Fight-Flight-Freeze“-Reaktion, die mit jed­er Stress­si­t­u­a­tion ein­herge­ht. Ärg­er, Angst oder Hil­flosigkeit kön­nen schnell die Kon­trolle übernehmen, wenn durch das Auss­chüt­ten von Stresshormo­nen kog­ni­tive Prozesse eingeschränkt wer­den. In Acht­samkeit­sübun­gen wird außer­halb von Stress­si­t­u­a­tio­nen immer wieder trainiert, die Aufmerk­samkeit auch auf Gefüh­le zu richt­en und zwar auf eine nicht bew­er­tende, offene und akzep­tierende Art und Weise. So verbessert sich im Gehirn der Aus­tausch zwis­chen dem präfrontal­en Cor­tex – dem Entste­hung­sort von Gedanken – und der Amyg­dala – dem Entste­hung­sort von Emo­tio­nen. In vie­len her­aus­fordern­den Arbeitsmo­menten hil­ft eine gute Kom­mu­nika­tion im Gehirn nach ein­er ersten kurzen Stress­reak­tion über kog­ni­tive Impulse wieder emo­tionale Dis­tanz zu gewin­nen, um sich­er und gelassen hand­lungs­fähig zu bleiben. Solch ein Impuls kann ein bewusst for­muliert­er Gedanke sein: „Nicht ich als gesamte Per­son bin der Ärg­er (die Angst oder Hil­flosigkeit); ich nehme in diesem Augen­blick Ärg­er wahr, aber ich bin es nicht.“ Emo­tio­nen sind Sig­nale, die immer wieder wech­seln und nicht dauer­haft fortbeste­hen. Gelingt solch eine Beobachter­per­spek­tive, fällt es anschließend sehr viel leichter, neu­trale Gedanken zu haben und ver­schiedene Aspek­te der Sit­u­a­tion im Sinne ein­er ziel­gerichteten Lösung zu erkennen.

Eine gute Selb­streg­u­la­tion ist für Führungskräfte eine wichtige per­sön­liche Ressource zur Stärkung der eige­nen Gesund­heit­skom­pe­tenz. Neben den pos­i­tiv­en Auswirkun­gen auf das Ver­hal­ten in Stress­si­t­u­a­tio­nen selb­st, wer­den auch Belas­tungs­gren­zen bess­er erkan­nt, so dass eine entsprechende selb­stver­ant­wortliche Sorge zum Erhalt der eige­nen gesund­heitlichen Bal­ance nach­haltig in den All­t­ag inte­gri­ert wird.


Lesen Sie auch:


Lit­er­atur:

- Franke, F., Vin­cent, S. & Felfe, J. (2011): Gesundheitsbezogene
Führung. In E. Bam­berg, A. Duc­ki & A.-M. Metz (Hrsg.), Gesund­heits­förderung und Gesund­heits­man­age­ment in der Arbeitswelt.
Ein Hand­buch (S. 371–391). Göt­tin­gen: Hogrefe.

- Greif, S. (2011): Gesund­heits- und Stressmanagementcoaching.
In E. Bam­berg, A. Duc­ki & A.-M. Metz (Eds.), Hand­buch Gesund­heits­förderung und Gesund­heits­man­age­ment in der Arbeitswelt – Ein Hand­buch (pp. 341–369). Göt­tin­gen: Hogrefe.

- Koht­es, P.J. & Ross­mann, N. (2014): Mit Acht­samkeit in Führung. Stuttgart: Klett-Cotta.

- Mon­tano, D., Reeske, A. & Franke, F. (2016): Psy­chis­che Gesundheit
in der Arbeitswelt – Führung. Dort­mund: Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedizin.

- Ott, U. (2010): Medi­a­tion für Skep­tik­er. Ein Neurowissenschaftler
erk­lärt den Weg zum Selb­st. München: O.W. Barth.

- Wöhrmann, A. M. (2016): Psy­chis­che Gesund­heit in der Arbeitswelt – Work-Life-Bal­ance. Dort­mund: Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedizin.


Achtsamkeitsübung

Hal­ten Sie kurz inne und wen­den Sie sich bewusst dem gegen­wär­ti­gen Moment zu:

Die Aufmerk­samkeit zum Atem brin­gen und ein­fach zuschauen – ein Einat­men in diesem Moment, ein Ausat­men in diesem Moment …. den Atem dabei fließen lassen, so wie er es jet­zt ger­ade ganz von alleine tun möchte, ganz egal ob dies schnell, langsam, tief, flach, regelmäßig oder unregelmäßig geschieht …. ein Einat­men in diesem Moment, ein Ausat­men in diesem Moment … die Aufmerk­samkeit bewusst zu den Gedanken brin­gen: wahrnehmen welch­er Gedanke da ist in diesem Moment … und welch­er Gedanke da ist in diesem Moment … ganz ohne zu bew­erten oder irgen­deinem Gedanken weit­er nachzuge­hen … die Aufmerk­samkeit bewusst zu den Gefühlen brin­gen: wahrnehmen welche Stim­mung da ist in diesem Moment … ganz ohne zu bew­erten oder sich anzus­tren­gen … es ist auch in Ord­nung, wenn sich ger­ade kein Gefühl benen­nen lässt … die Aufmerk­samkeit bewusst zum Kör­p­er brin­gen: wahrnehmen welche Kör­perempfind­un­gen da sind in diesem Moment … alle Sig­nale des Kör­pers ohne zu bew­erten anschauen von Moment zu Moment … die Aufmerk­samkeit noch ein­mal für einige Atemzüge bewusst zum Atem brin­gen und die Pause dann mit einem tiefen Ein- und Ausat­men been­den. Sich den Auf­gaben bewusst wieder zuwenden.


Dr. Just Mields
Arbeitspsychologe,

Beruf­sgenossen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Medienerzeugnisse

Mields.Just@bgetem.de

Foto: privat

Maria Köhne
Diplom-Psy­cholo­gin, selb­st­ständig in der
psychologischen
Gesundheitsförderung

info@maria-koehne.de

Foto: privat


Link-Tipps


„Mit unseren Handys und elektronischen

Orga­niz­ern sind wir inzwis­chen in der Lage, mit allem und jedem in Kon­takt zu treten. In diesem Prozess laufen wir jedoch Gefahr, niemals in Kon­takt mit uns selb­st zu sein.“

Jon Kobat-Zinn, Achtsamkeitsforscher

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