Wenn der Arbeitgeber schnüffelt, soziale Interaktionen
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Studie warnt vor Missbrauchsmöglichkeiten

Wenn der Arbeit­ge­ber schnüf­felt

Die Möglichkeiten für Arbeitgeber, Mitarbeiter zu überwachen nehmen immer mehr zu. Foto: ©nmann77 - stock.adobe.com
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Durch elek­tro­ni­sche Kommu­ni­ka­tion fallen in Unter­neh­men immer mehr Daten an, die Inter­ak­tio­nen unter Beschäf­tig­ten doku­men­tie­ren. Tech­nisch ist es für Arbeit­ge­ber bereits möglich, daraus soziale Bezie­hungs­ge­flechte oder „soziale Graphen“ der Beleg­schaft zu konstru­ie­ren und für Perso­nal­ent­schei­dun­gen einzu­set­zen, zeigt eine aktu­elle, von der Hans‐Böckler‐Stiftung geför­derte Studie*.   

 

Bei wem laufen die Fäden zusam­men? Wer ist ein gefrag­ter Ansprech­part­ner und Ratge­ber? Wer steht eher am Rande und bekommt selten Antwor­ten auf seine Mails oder Beiträge im firmen­in­ter­nen Social Network? In klei­nen Betrie­ben weiß das jeder. In Groß­un­ter­neh­men hat das Manage­ment aber keinen Einblick in die sozia­len Detail­struk­tu­ren, die viel über Koope­ra­tion, Konflikte und Moti­va­tion unter den Beschäf­tig­ten aussa­gen. Doch das ist viel­leicht nur noch eine Frage der Zeit …

Denn was für Laien nach Science‐Fiction klingt, ist tech­nisch bereits möglich und prak­tisch in einzel­nen Unter­neh­men schon Reali­tät. Viel­fach wird der „soziale Graph“ schon unent­wegt gefüt­tert, ohne dass Auswer­tun­gen erfol­gen: Mit jeder E‐Mail, mit jedem Chat, mit jedem Tweet und jedem Like wird der Graph um eine Bezie­hung zwischen Kolle­gen ergänzt. Und erste Soft­ware­pro­dukte kommen auf den Markt, um persön­li­che Stel­lun­gen und soziale Bezie­hun­gen in diesem Graphen zu analy­sie­ren. Systeme wie „Work­place Analy­tics“ von Micro­soft oder „Orga­ni­sa­tio­nal Analy­tics“ von IBM haben dieses Poten­zial.  Darauf weisen die Studi­en­au­toren, der Infor­ma­ti­ker Prof. Dr. Heinz‐Peter Höller und der Jurist Prof. Dr. Peter Wedde hin.

 

Bist Du nicht vernetzt, fliegst Du raus

Die Profes­so­ren von der Hoch­schule Schmal­kal­den bezie­hungs­weise der Frank­furt Univer­sity of Applied Scien­ces warnen: Solche Metho­den könn­ten vom Manage­ment künf­tig verstärkt genutzt werden, „um in die Beleg­schaft hinein­zu­hor­chen“. In einem fikti­ven, aber unter rein tech­ni­schen Gesichts­punk­ten realis­ti­schen Szena­rio, stel­len sie die Möglich­keit in den Raum, dass Arbeit­ge­ber, die Entlas­sun­gen planen, sich an den Ergeb­nis­sen solcher Analy­sen orien­tie­ren: Wer nicht hinrei­chend vernetzt ist, riskiert beruf­li­che Nach­teile oder sogar eine Kündi­gung.

Damit es nicht so weit kommt, seien neben der Poli­tik die Betriebs­räte gefor­dert, Arbeit­ge­bern genau auf die Finger zu sehen, wenn es um das Sammeln und Auswer­ten von Daten mit „sozia­len Graphen“ geht. Recht­lich sind derar­ti­gen Formen der Vorrats­da­ten­spei­che­rung zwar rela­tiv enge Gren­zen gezo­gen. Das geltende Recht müsse aber auch effek­tiv durch­ge­setzt werden, so Höller und Wedde.

 

Daten­schutz im Focus

Auswer­tun­gen der Hans‐Böckler‐Stiftung zeigen, dass Betriebs­ver­ein­ba­run­gen zu Daten­nut­zung und -schutz längst einen Schwer­punkt der Betriebs­rats­ar­beit bilden. Doch nur knapp die Hälfte der Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer in Deutsch­land hat einen Betriebs­rat an ihrer Seite – obwohl in jedem Betrieb mit mindes­tens fünf Beschäf­tig­ten eine Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung gegrün­det werden kann. Zudem sei es notwen­dig, die Mitbe­stim­mungs­rechte auszu­bauen, beto­nen die beiden Wissen­schaft­ler. Sie empfeh­len die Schaf­fung eines neuen Mitbe­stim­mungs­rechts zum Daten­schutz, da vorhan­dene Mitbe­stim­mungs­rechte dieses Thema bisher nicht direkt beinhal­ten.

 

*Heinz‐Peter Höller, Peter Wedde: Die Vermes­sung der Beleg­schaft, Mitbe­stim­mungs­re­port Nr. 10, Januar 2018. Down­load: https://www.boeckler.de/pdf/p_mbf_praxis_2018_010.pdf

 

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