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Erste Hilfe in Zeiten der Corona-Pandemie gewährleisten

Organisation und Eigenschutz
Erste Hilfe in Zeiten der Corona-Pandemie

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Auch in Pandemie-Zeiten kommt es zu Unfällen. Eine sofortige Erste Hilfe muss jederzeit gewährleistet sein. Foto: © akf - stock.adobe.com
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Eine funk­tio­nie­rende Erste Hilfe im Betrieb muss auch in Pandemie-Zeiten sicher­ge­stellt sein. Die Erste-Hilfe-Ausstattung sollte über­prüft und bei Bedarf um Schutz­aus­rüs­tung ergänzt werden. Bei Hilfe­leis­tun­gen müssen sich die Erst­hel­fen­den auf einige wenige Ände­run­gen zur Vermei­dung von Infek­tio­nen einstel­len.

Viele Unter­neh­men steu­ern nach den Einschrän­kun­gen durch die Corona-Pandemie wieder lang­sam auf den „Normal­be­trieb“ zu. Vermehrt kommen Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter aus dem Home­of­fice zurück ins Büro und manche Produk­tion wird Stück für Stück wieder hoch­ge­fah­ren. Dies ist die rich­tige Zeit, um sich neben vielen ande­ren neuen Abstands- und Hygie­ne­re­geln um die betrieb­li­che Erste Hilfe zu kümmern. Auch hier gibt es die eine oder andere Beson­der­heit zu berück­sich­ti­gen.

Wie schon zuvor gelten die übli­chen Mindest­zah­len für Erst­hel­fende im Betrieb. In Verwaltungs- und Handels­be­trie­ben sind fünf Prozent der anwe­sen­den Beleg­schaft als Erst­hel­fer zu bestel­len, in allen ande­ren Betrie­ben zehn Prozent. Sind noch nicht alle Mitar­bei­ten­den wieder vor Ort, redu­ziert sich entspre­chend auch die notwen­dige Anzahl der Erst­hel­fen­den.

Versor­gung sicher­stel­len

In jedem Fall muss versucht werden, eine Mindest­ver­sor­gung sicher­zu­stel­len, denn Unfälle und plötz­li­che Erkran­kun­gen werden auch in Pandemie-Zeiten weiter passie­ren. Bei einer gut funk­tio­nie­ren­den Notfall­orga­ni­sa­tion und nach­weis­lich gerin­gen Unfall­zah­len im Betrieb kann im Einver­neh­men mit der zustän­di­gen Berufs­ge­nos­sen­schaft bezie­hungs­weise dem Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger die Mindest­an­zahl der Erst­hel­fer auch herab­ge­setzt werden.

In jedem Fall gilt:

  • Im Inter­esse aller Betei­lig­ten darf keine Lücke in der Rettungs­kette entste­hen.
  • Die sofor­tige Erste Hilfe muss jeder­zeit gewähr­leis­tet sein.

Mit Planungs­stab abstim­men

In vielen Unter­neh­men gibt es spätes­tens seit „Corona“ Planungs- oder Krisen­stäbe, die sich mit der Weiter­füh­rung oder Wieder­auf­nahme des Betrie­bes beschäf­ti­gen. Häufig über­nimmt dies auch der ohne­hin vorhan­dene Arbeits­schutz­aus­schuss (ASA). Wich­tige Ansprech­part­ner sind hier insbe­son­dere die Betriebs­ärz­tin oder der Betriebs­arzt und die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit. In diesen Gremien sollte die Versor­gung mit Erst­hel­fen­den möglichst mitbe­dacht werden. So kann beispiels­weise geplant werden, wann welche Erst­hel­fer in welchem Unter­neh­mens­teil anwe­send sind. Der Blick über den Teller­rand des eige­nen Unter­neh­mens kann eben­falls hilf­reich sein: Gibt es Perso­nen ande­rer Unter­neh­men, zum Beispiel am Empfang, an der Pforte, im gemein­sam genutz­ten Restau­rant etc., die als ausge­bil­dete Erst­hel­fer vor Ort sind, können diese even­tu­ell mitge­zählt werden. Dies setzt natür­lich Abspra­chen zwischen den Betei­lig­ten voraus.

Fort­bil­dungs­kurse nach­ho­len

Inner­halb von zwei Jahren müssen die Erst­hel­fer und Erst­hel­fe­rin­nen fort­ge­bil­det werden. Sollte das Erste-Hilfe-Training während des Corona-Lockdowns ausge­fal­len sein, kann es zeit­nah nach­ge­holt werden. Die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger akzep­tie­ren in der Regel
eine coro­nabe­dingte Verlän­ge­rung der Fort­bil­dungs­frist bis zu sechs weite­ren Mona­ten. Voraus­set­zung ist, dass sich die Erst­hel­fen­den in einem guten Ausbildungs- und Erfah­rungs­stand befin­den. Dies ist zum Beispiel häufig der Fall, wenn bereits eine lang­jäh­rige Bestel­lung zum Erst­hel­fer vorliegt und an mehre­ren Fort­bil­dun­gen teil­ge­nom­men wurde.

Zusatz­ma­te­rial bereit­stel­len

Bei Erste-Hilfe-Leistungen musste schon immer der eigene Schutz vor Infek­tio­nen berück­sich­tigt werden. Die Ausstat­tung mit genü­gend Einmal­hand­schu­hen ist daher nichts Neues. Zusätz­lich macht es Sinn, die Erst­hel­fer mit Mund-Nasen-Bedeckungen oder Schutz­mas­ken auszu­stat­ten. Bei einer Erste-Hilfe-Leistung kann der Mindest­ab­stand zwischen den Betei­lig­ten meist nicht einge­hal­ten werden. Daher soll­ten zwei Mund-Nasen-Bedeckungen mitge­führt werden, um im Notfall sowohl sich selbst als Erst­hel­fer als auch die hilfs­be­dürf­tige Person damit ausstat­ten zu können. Weiter­hin kann über­legt werden, eine einfa­che Schutz­brille im Verband­kas­ten bereit­zu­stel­len. Dass der eige­nen Hände­hy­giene gerade in Pande­mie­zei­ten eine noch größere Bedeu­tung zukommt und dass benutz­tes Mate­rial, zum Beispiel eine Erste-Hilfe-Liege, desin­fi­ziert werden muss, versteht sich inzwi­schen von selbst.

Beleg­schaft infor­mie­ren

Bei der Rück­kehr zum Regel­be­trieb des Unter­neh­mens wird es erfah­rungs­ge­mäß hier und dort Beson­der­hei­ten geben. Neue Hygie­ne­re­geln müssen bekannt sein. Ebenso müssen alle Perso­nen wissen, wer als Erst­hel­fer zur Verfü­gung steht. Auch die Erst­hel­fer selbst soll­ten über die Unter­schiede zur bisher bekann­ten Notfall­orga­ni­sa­tion infor­miert sein. In vielen Firmen finden daher entspre­chende anlass­be­zo­gene Unter­wei­sun­gen für alle Mitar­bei­ter statt, die wieder zum gewohn­ten Arbeits­ort zurück­keh­ren.

Eigen­schutz beden­ken

Die drama­ti­schen (und zum Glück selte­nen) lebens­be­droh­li­chen Fälle erfor­dern ein kurzes zusätz­li­ches Nach­den­ken zum Eigen­schutz der Erst­hel­fen­den. Bei der Kontrolle der Atmung sollte der Abstand zwischen Mund/Nase der betrof­fe­nen Person und dem eige­nen Ohr möglichst vergrö­ßert werden. Hier kann alter­na­tiv auch auf Brust­korb­be­we­gun­gen geach­tet werden. Sind keiner­lei Bewe­gun­gen sicht­bar und spür­bar, ist die Reani­ma­tion einzu­lei­ten. Bestehen bei der Atem­spende Beden­ken in Hinblick auf ein eige­nes Infek­ti­ons­ri­siko, liegt es im Ermes­sen des Erst­hel­fen­den, die Atem­spende wegzu­las­sen. Statt­des­sen muss dann durch­ge­hend die Herz­druck­mas­sage ausge­übt werden. Einen erhöh­ten Infek­ti­ons­schutz kann man mit den soge­nann­ten „Taschen­mas­ken“ errei­chen. Diese haben ein einge­bau­tes Ventil, sodass der Erst­hel­fende nicht direkt mit der Ausatem­luft der betrof­fe­nen Person in Kontakt kommt. Die Anwen­dung dieser Beatmungs­hil­fen sollte möglichst vorab geübt werden.

Kontakt­da­ten ange­ben

Bei schwe­re­ren Notfäl­len wird wie üblich der öffent­li­che Rettungs­dienst verstän­digt. Bestand bei der Erst­ver­sor­gung länge­rer direk­ter Kontakt zwischen Erst­hel­fen­den und Verletz­tem, soll­ten dem Rettungs­dienst­per­so­nal nach der Über­nahme der verletz­ten Person die eige­nen Kontakt­da­ten mitge­teilt werden, um bei einer nach­träg­lich fest­ge­stell­ten Infek­tion eine schnelle Infor­ma­tion der Kontakt­per­so­nen zu ermög­li­chen.


Foto: privat/Jochen Taub­ken

Autor: Jochen Taub­ken

Leiter des Sach­ge­bie­tes „Betrieb­li­ches Rettungs­we­sen“

im Fach­be­reich „Erste Hilfe“ der DGUV


Weitere Infor­ma­tio­nen

Wich­tige Empfeh­lun­gen zu den Beson­der­hei­ten der Ersten Hilfe im Zusam­men­hang mit der Corona-Pandemie hat der Fach­be­reich Erste Hilfe der DGUV unter folgen­der Adresse zusam­men­ge­stellt:

www.dguv.de/erstehilfe


Erste Hilfe in Zeiten der Corona-Pandemie
Foto: © Sherry Young – stock.adobe.com

Zusatz­ma­te­rial für Erst­hel­fende zum Infek­ti­ons­schutz: Einmal­hand­schuhe, Schutz­mas­ken und bedarfs­weise Schutz­bril­len

Das Wich­tigste in Kürze

  • Anzahl der Erst­hel­fer und Erst­hel­fe­rin­nen prüfen
  • Koor­di­na­tion im Krisenstab/ASA
  • Fort­bil­dungs­kurse zeit­nah nach­ho­len
  • Zusatz­ma­te­rial für Erst­hel­fende bereit­stel­len: Einmal­hand­schuhe, Mund-
    Nasen-Bedeckungen bezie­hungs­weise Schutz­mas­ken, gege­be­nen­falls Schutz­bril­len, Desin­fek­ti­ons­mit­tel
  • Erst­hel­fende und Mitar­bei­tende in anlass­be­zo­ge­nen Unter­wei­sun­gen zu Beson­der­hei­ten aufklä­ren
  • Eigen­schutz bei der Über­prü­fung der Atmung und bei der Wieder­be­le­bung: gege­be­nen­falls Verzicht auf Atem­spende, Nutzung von Taschen­mas­ken. Tipp: Die Anwen­dung dieser Beatmungs­hil­fen sollte vorab geübt werden
  • Bei der Über­gabe von Erst­ver­sorg­ten an den Rettungs­dienst an Infek­ti­ons­ket­ten denken: Kontakt­da­ten ange­ben
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