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Schutzhandschuhe mit Touch-Funktionalität gefragt

Neue Anforderungen
Schutzhandschuhe mit Touch-Funktionalität gefragt

Mit der Dig­i­tal­isierung find­en berührungsempfind­liche Dis­plays an immer mehr Arbeit­splätzen Ver­bre­itung – auch dort, wo Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung (PSA) getra­gen wer­den muss. Daraus ergeben sich neue Anforderun­gen an Schutzhand­schuhe: Zusät­zlich zu ihren schützen­den Eigen­schaften sollen sie die Bedi­enung von Touch­screens erlauben. Doch was muss ein solch­er Hand­schuh kön­nen und wie lassen sich geeignete Pro­duk­te erkennen?

Die Indus­trie 4.0 hält Einzug in den betrieblichen All­t­ag. Ein sicht­bares Anze­ichen dafür sind berührungsempfind­liche Bild­schirme. Durch das Fehlen mech­a­nis­ch­er Teile sind indus­trielle „Touch“-Steuerungen und ‑Dis­plays an Maschi­nen staub- und wasser­re­sistent und erlauben jed­erzeit Zugriff auf eine Vielzahl dig­i­taler Infor­ma­tio­nen durch neue Eingabe­möglichkeit­en per Touchscreen.

Verschiedene Technologien

Für Touch­screens existieren ver­schiedene Tech­nolo­gien (siehe Infokas­ten). Auf­grund ihrer Vorteile ist die kapaz­i­tive Tech­nolo­gie am weitesten ver­bre­it­et: Sie ist gün­stig, robust und gut in die etablierten Ver­fahren der Dis­play­her­stel­lung inte­gri­ert. Ein Nachteil ist jedoch, dass bei kapaz­i­tiv­en Dis­plays eine Ableitung erfol­gen muss. Somit funk­tion­ieren elek­trisch isolierende Mate­ri­alien, aus denen die meis­ten Schutzhand­schuhe beste­hen, nicht oder nur unzu­ver­läs­sig als Eingabemedium.

Im All­t­ag führt dies dazu, dass Mitar­beit­er zur Touch­screen-Bedi­enung den Schutzhand­schuh ausziehen und nach der Eingabe wieder anziehen müssen. Das ist nicht nur lästig und prozessverzögernd, son­dern erhöht auch das Risiko von Kon­t­a­m­i­na­tio­nen oder Ver­let­zun­gen, da in diesem Zeitraum die Hände nicht mehr geschützt sind. Gle­ichzeit­ig wird in der Mon­tage zunehmend mit Bauteilen und Kom­po­nen­ten hantiert, die empfind­lich auf elek­trische Ent­ladun­gen (ESD – elec­tro­sta­t­ic dis­charge) reagieren. Auch der klas­sis­che Mon­tage­hand­schuh soll deshalb elek­tro­sta­tis­che Ent­ladun­gen zuver­läs­sig ver­hin­dern. Noch kri­tis­ch­er sind Anwen­dungs­felder, in denen sta­tis­che Aufladun­gen abgeleit­et wer­den müssen, um eine Bran­dentste­hung oder Explo­sion zu verhindern.

Anforderungen und Kennzeichnung

Die Vielzahl an beste­hen­den Nor­men, Regel­w­erken der Beruf­sgenossen­schaften und unternehmensin­ter­nen Prüfvorschriften bezieht sich nur zum Teil konkret auf Schutzhand­schuhe. Die Nor­men­rei­he DIN EN 1149 und die DIN EN 16350 entstam­men dem Explo­sion­ss­chutz und definieren Schutzk­lei­dung beziehungsweise ‑hand­schuhe, die über eine aus­re­ichende Ableit­fähigkeit ver­fü­gen, um die Bil­dung zünd­fähiger Ent­ladun­gen zu ver­hin­dern. Jedoch ist nur die Anti­s­ta­ti­knorm DIN EN 16350 expliz­it für Schutzhand­schuhe anzuwen­den. Eine entsprechende Kennze­ich­nung mit Pik­togram­men ist für geprüfte Schutzhand­schuhe allerd­ings bish­er nicht vorge­se­hen. Die Nutzung des Pik­togramms, das in der DIN EN 1149 für Schutzk­lei­dung existiert, wird mit der Ende Feb­ru­ar bere­its als ISO veröf­fentlicht­en Über­ar­beitung der Schutzhand­schuh­norm 21420 für mehr Klarheit sorgen.

ESD-Eignung als Anhaltspunkt

Auch fehlt bis­lang eine konkrete Norm für die „Touch“-Funktionalität. Allerd­ings sind Schutzhand­schuhe, die nach ein­er oder mehreren der genan­nten Nor­men geprüft sind, prak­tisch touch-fähig: Die Gren­zw­erte sind üblicher­weise hin­re­ichend, um berührungsempfind­liche Geräte zuver­läs­sig bedi­enen zu kön­nen. Die Anforderun­gen für ESD und „Touch“ sind näm­lich ähn­lich: Um das Wech­selfeld bei kapaz­i­tiv­en Dis­plays zu bee­in­flussen, muss der Schutzhand­schuh – genau wie für ESD – eine gewisse elek­trische Leit­fähigkeit besitzen. Die men­schliche Haut reicht dafür, sodass es genü­gen kann, wenn der Schutzhand­schuh dünn genug ist. Untrikotierte Hand­schuhe funk­tion­ieren deshalb eher als beschichtete Strick­hand­schuhe. Auch die Mate­ri­alien spie­len eine Rolle: Gar­ne, die Feuchtigkeit aufnehmen, so etwa Baum­wolle oder Bam­bus, sind leit­fähiger als syn­thetis­che Tex­tilien wie zum Beispiel Polyester.

Schwarze Beschich­tun­gen wer­den oft­mals mit Ruß gefärbt, der leit­fähig ist und eine „Touch“-Fähigkeit begün­stigt. Geschäumte Beschich­tun­gen wirken durch die enthal­te­nen Luft­blasen hinge­gen eher isolierend. Auch die ver­wen­de­ten Geräte spie­len eine Rolle: Der Auf­bau der Schicht­en im Bild­schirm, die elek­tro­n­is­che Ans­teuerung und die soft­ware-seit­ige Kalib­rierung ver­schieden­er kapaz­i­tiv­er Dis­plays bee­in­flussen die „Touch“-Funktion. Deshalb kann es sein, dass ein Hand­schuh auf dem Smart­phone funk­tion­iert, die Anla­gen­s­teuerung jedoch nicht sofort reagiert.

Hersteller geben Hilfestellung

Die „Touch“-Anforderungen über­schnei­den sich bei PSA in vie­len Punk­ten mit ESD-Pro­duk­tschutz und Explo­sion­ss­chutz. Da es keine genormten Prüfver­fahren für „Touch“ im Schutzhand­schuh­bere­ich gibt, behelfen sich Her­steller mit den vorhan­de­nen Nor­men und bekan­nten Sym­bol­en für diese Prüf­bere­iche, um dem Anwen­der Hil­festel­lung zu geben. Entsprechend geprüfte Schutzhand­schuhe bein­hal­ten somit auch die gewün­schte „Touch“-Funktionalität.

Vorsicht vor Umkehrschluss

Allerd­ings bedeutet eine reine „Touch“-Ausstattung, die manche PSA-Her­steller durch selb­st kreierte Sym­bole oder Mar­ket­ing-Begriffe anzeigen, nicht zwin­gend, dass der Schutzhand­schuh auch über eine ESD-Eig­nung ver­fügt oder in Ex-Schutzarealen anwend­bar ist! Hier­für ist weit­er­hin auf die Her­stellerangaben zur Zer­ti­fizierung gemäß der jew­eili­gen Norm zu achten.

Alle drei Anforderun­gen sind erfüllt, wenn Schutzhand­schuhe der Anti­s­ta­ti­knorm DIN EN 16350 entsprechen: In diesem Fall kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass Touch-Funk­tion­al­ität, ESD-Pro­duk­tschutz und Explo­sion­ss­chutz abgedeckt sind. Als Sym­bol für die ESD-Eig­nung nutzen einige Hand­schuh­her­steller das aus anderen Norm­bere­ichen bekan­nte ESD-Siegel.

Diese Kennze­ich­nung ist jedoch nicht verbindlich, son­dern nur eine Ori­en­tierung­shil­fe für die Anwen­der. Klarheit gibt hier nur die Gebrauch­san­weisung des Handschuhs.


Foto: Uvex

Dr. Matthias Bartusch

Pro­duk­ten­twick­lung /
Beschichtungstechnologie

Uvex Safe­ty Gloves GmbH & Co. KG


Display-Technologien für Touchscreens

So funk­tion­ieren die ver­schiede­nen Tech­nolo­gien für Touchscreens:

  • Optis­che Sys­teme detek­tieren nicht die Berührung, son­dern Fin­ger oder Stift in der Nähe der Dis­play­ober­fläche. Dies geschieht zum Beispiel, wenn ein Git­ter aus IR-Lichtschranken durch­brochen wird oder indem die Bewe­gung von ein­er Kam­era erkan­nt wird.
  • Resis­tive Dis­plays basieren auf zwei dün­nen, voneinan­der isolierten, leit­fähi­gen Schicht­en. Durch Berührung wer­den diese zusam­menge­presst, was eine mess­bare Unter­brechung der Iso­la­tion bewirkt.
  • Die kapaz­i­tive Tech­nolo­gie erlaubt mehrere gle­ichzeit­ige Eingaben und kann sog­ar Fin­gergesten zuver­läs­sig erfassen. Tech­nisch wird dazu zwis­chen zwei dün­nen, leit­fähi­gen Schicht­en ein elek­trisches Wech­selfeld gener­iert, das bei Annäherung eines Fin­gers durch Ableit­en eines Teils der Ladung seine Kapaz­ität verändert.

Optis­che Sys­teme und resis­tive Dis­plays kön­nen mit Fin­ger, Hand­schuh oder Stift bedi­ent wer­den. Die kapaz­i­tive Tech­nolo­gie ver­langt nach einem Eingabe­medi­um mit aus­re­ichen­der Leitfähigkeit.

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