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Stürze aus Höhen

Gefährliche Kanten
Stürze aus Höhen

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Stürze aus der Höhe stel­len immer noch eine der Haupt­ur­sa­chen für Todes­fälle am Arbeits­platz dar. Sicher­heits­ver­ant­wort­li­che müssen also wach­sam blei­ben. Die Zeit­schrift Sicher­heits­be­auf­trag­ter sprach mit Coren­tin Barbieux, Produkt­ma­na­ger für Absturz­si­che­rungs­lö­sun­gen bei Honey­well Indus­trial Safety, über die Risi­ken, die mit Arbei­ten in der Höhe und in der Nähe von Kanten einher­ge­hen, und wie Höhen­ar­bei­ter möglichst gut gesi­chert werden können.

Warum sind Arbei­ten in der Nähe von Kanten so risi­ko­reich?

Mit Arbei­ten in der Höhe und in der Nähe von Kanten ist ein höhe­res Risiko für tödli­che Unfälle durch Stürze verbun­den. Dies gilt selbst dann, wenn die rich­tige Sicher­heits­aus­rüs­tung vorhan­den ist.

Es kann ohne jede Vorwar­nung zu einem Absturz kommen: Weil der Arbei­ter kurz abge­lenkt oder müde ist, nicht auf die Platz­ver­hält­nisse oder auf den Ort achtet, wo er hintritt, spon­tan auf ein uner­war­te­tes lautes Geräusch reagiert oder das Gleich­ge­wicht verliert – was noch fata­lere Folgen haben kann, wenn er schwere Lasten trägt.

Aber auch Stürze aus rela­tiv gerin­ger Höhe können zu schwe­ren Verlet­zun­gen führen, gerade weil die Höhe nicht als signi­fi­kant genug ange­se­hen wird, um Sicher­heits­vor­keh­run­gen zu tref­fen.

Welche Sicher­heits­vor­keh­run­gen werden für Arbei­ter empfoh­len, die in der Nähe von Kanten arbei­ten?

Zunächst sollte immer versucht werden, Arbei­ten in Höhen komplett zu vermei­den. Wenn das nicht möglich ist, sollte Kollek­tiv­schutz­aus­rüs­tung (KSA) in Form von Schutz­ge­län­dern und Netzen Vorrang vor Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung gegen Absturz (PSAgA) gege­ben werden.

Zusätz­lich wird das Sicher­heits­ni­veau stark durch den Einsatz von PSAgA verbes­sert, zum Beispiel durch ein Höhen­si­che­rungs­ge­rät, das eine unter­bre­chungs­freie Verbin­dung herstellt und gleich­zei­tig die Hände des Arbei­ters für die Ausübung seiner Tätig­keit frei lässt. Derar­tige Vorkeh­run­gen sind beson­ders dann wich­tig, wenn die Kollek­tiv­schutz­aus­rüs­tung noch nicht bereit­ge­stellt wurde.

Aus welchen Kompo­nen­ten setzt sich ein wirkungs­vol­les persön­li­ches Auffang­sys­tem (PAS) zusam­men?

Eine essen­ti­elle Rolle spie­len Anschlag­vor­rich­tung, Auffang­gurt und Verbin­dungs­mit­tel. Auffang­gurte bestehen in der Regel aus einem Gurt, der spezi­ell dafür konstru­iert wurde, die Sturz­kräfte gleich­mä­ßig auf Brust, Schul­tern, Ober­schen­kel und Becken zu vertei­len. Befes­ti­gungs­punkt und Auffang­gurt müssen mit Sorg­falt ausge­wählt werden. Es ist jedoch auch unbe­dingt erfor­der­lich, der Auswahl des rich­ti­gen Verbin­dungs­mit­tels die glei­che Aufmerk­sam­keit zu schen­ken. Dieses wird bei einem Sturz am stärks­ten belas­tet.

Verbin­dungs­mit­tel lassen sich in zwei Haupt­ty­pen unter­tei­len: Auffang­seile mit Fall­dämp­fer und Höhen­si­che­rungs­ge­räte. Auffang­seile mit Fall­dämp­fer sind so konstru­iert, dass sie den Sturz auffan­gen und dabei die auf den Körper der Person im Auffang­gurt und auf den Befes­ti­gungs­punkt wirken­den Kräfte mini­mie­ren. Höhen­si­che­rungs­ge­räte ande­rer­seits sind opti­mal, wenn die Absturz­höhe proble­ma­tisch ist, denn sie funk­tio­nie­ren auf Längen von zwei bis über 20 Metern.

Was ist bei der Auswahl und Instand­hal­tung eines Höhen­si­che­rungs­ge­rä­tes zu beach­ten?

Man sollte Produkte von namhaf­ten Herstel­lern kaufen. Damit Höhen­si­che­rungs­ge­räte opti­ma­len Schutz gewäh­ren, müssen sie einer Kanten­prü­fung unter realis­ti­schen Bedin­gun­gen an einer Reihe unter­schied­li­cher Kanten­ma­te­ria­lien unter­zo­gen worden sein. Bei der Auswahl der Ausrüs­tung sollte man darauf achten, dass in der Produkt­do­ku­men­ta­tion die Prüfungs­leis­tung, die Zerti­fi­zie­rung durch unab­hän­gige Prüfer und die Einhal­tung von ISO-Qualitätsstandards nach­ge­wie­sen ist.

Außer­dem muss die Ausrüs­tung regel­mä­ßig Nach­prü­fun­gen unter­zo­gen werden, um sicher­zu­stel­len, dass die Schutz­leis­tung nicht im Laufe der Zeit nach­ge­las­sen hat.

Wie kann sicher­ge­stellt werden, dass Arbei­ter bei der Arbeit in Höhen mit einer zweck­dien­li­chen Schutz­aus­rüs­tung ausge­stat­tet sind?

Bei der Auswahl von Auffang­sei­len mit Fall­dämp­fer oder Höhen­si­che­rungs­ge­rä­ten soll­ten Sicher­heits­ex­per­ten zunächst den firmen­ei­ge­nen Absturz­si­che­rungs­plan berück­sich­ti­gen, der zusätz­lich zu den behörd­li­chen Vorschrif­ten weitere bestimmte Anfor­de­run­gen vorse­hen kann. Die Auswahl der Ausrüs­tung muss sich auch an der auszu­füh­ren­den Arbeit und der Arbeits­um­ge­bung orien­tie­ren. Wenn Hitze, Feuch­tig­keit, Fett oder Schmutz zu berück­sich­ti­gen sind, könn­ten zum Beispiel Seile aus Stahl­draht die beste Wahl sein. Diese wären aber nicht geeig­net, wenn die Arbeit in der Nähe von elek­tri­schen Hoch­span­nungs­strom­krei­sen auszu­füh­ren ist, denn das Mate­rial könnte als Leiter wirken und somit die Gefahr eines Strom­schlags erhöht sein. Und schließ­lich ist vor einer Kauf­ent­schei­dung die Kompa­ti­bi­li­tät der Auffang­seile mit Fall­dämp­fer oder Höhen­si­che­rungs­ge­räte mit ande­ren System­kom­po­nen­ten wie Befes­ti­gungs­punk­ten und Auffang­gur­ten zu beur­tei­len, damit die PSAgA opti­ma­len Schutz bieten kann.

Was gilt bei der Ermitt­lung des rich­ti­gen Befes­ti­gungs­punk­tes für das Höhen­si­che­rungs­ge­rät?

Die euro­päi­sche Norm EN 795, durch welche die PSAgA gere­gelt ist, unter­schei­det fünf verschie­dene Arten von Befes­ti­gungs­punk­ten: an bauli­chen Einrich­tun­gen; trans­por­ta­bel, vorüber­ge­hend ange­bracht; mit hori­zon­ta­lem Führungs­seil; mit hori­zon­ta­ler Führungs­schiene und durch Eigen­ge­wicht gehal­tene Befes­ti­gungs­punkte.

Den am besten geeig­ne­ten Befes­ti­gungs­punkt zu finden, hat entschei­dende Bedeu­tung, weil dieser die Leis­tung eines Höhen­si­che­rungs­ge­rä­tes bei einem Sturz drama­tisch beein­flus­sen kann. Bei der Wahl des Befes­ti­gungs­punk­tes gilt die erste Über­le­gung der Stre­cke, die für die Funk­tion des Höhen­si­che­rungs­ge­räts erfor­der­lich ist, also der Posi­tion und der Entfer­nung zum Boden, die auch als verti­ka­ler Mindest­ab­stand bezeich­net wird. Ansons­ten könnte der Arbei­ter nach einem Absturz auf den Boden aufschla­gen, bevor das Höhen­si­che­rungs­ge­rät ihn auffan­gen kann.

Außer­dem muss die Art und Weise des Stur­zes kontrol­liert werden: Wenn der Befes­ti­gungs­punkt nicht korrekt posi­tio­niert ist – also nicht direkt ober­halb der Arbeits­stätte –, kann der Arbei­ter dem soge­nann­ten Pendel­ef­fekt ausge­setzt werden, bei dem er während eines Stur­zes hin- und herschwingt. Dies kann zu schwe­ren Verlet­zun­gen führen, falls er dabei auf in der Nähe befind­li­che Flächen wie Wände oder vorste­hende Balken prallt. Je größer der Winkel der Verbin­dungs­li­nie zwischen Arbei­ter und Befes­ti­gungs­punkt ist, desto länger dauert es, bis der Arbei­ter im Fall eines Stur­zes die Posi­tion genau unter dem Befes­ti­gungs­punkt erreicht, in der das Höhen­si­che­rungs­ge­rät den Sturz stop­pen kann. Deshalb sollte der Befes­ti­gungs­punkt direkt über dem Arbeits­be­reich einge­baut und der kriti­sche Winkel von 30 Grad auf keinen Fall über­schrit­ten werden.

Wie wird sich die Absturz­si­che­rung in Zukunft verän­dern?

Insbe­son­dere die Vernet­zung wird sich posi­tiv auf die Absturz­si­cher­heit auswir­ken. Arbeit­ge­ber und Sicher­heits­ver­ant­wort­li­che können die Verwen­dung kriti­scher Ausrüs­tungs­ele­mente wie PSAgA jetzt in Echt­zeit über­wa­chen. Durch vernetzte Sicher­heits­lö­sun­gen wie Stur­z­er­ken­nungs­ge­räte mit Alarm­funk­tion, bei denen die Benach­rich­ti­gung von Erst­hel­fern auto­ma­tisch erfolgt, kann schnel­ler auf Unfälle reagiert werden.

Gleich­zei­tig werden Bestand­teile der herkömm­li­chen Persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung wie Auffang­gurte immer häufi­ger mit intel­li­gen­ten Gerä­ten ausge­stat­tet, die Infor­ma­tio­nen über den Benut­zer und die Umge­bung sammeln. Es können beispiels­weise Senso­ren in Auffang­gurte inte­griert werden, die eine Straf­fung des Höhen­si­che­rungs­ge­räts auslö­sen, wenn sich ein Arbei­ter zu dicht an einer Kante bewegt.

Aktu­elle tech­no­lo­gi­sche Fort­schritte machen es inzwi­schen möglich, RFID-Chips in die PSAgA zu inte­grie­ren, mit denen Sicher­heits­ver­ant­wort­li­che im Arbeits­all­tag Daten sammeln, an denen sie sich bei Entschei­dun­gen im Hinblick auf Ausrüs­tungs­aus­wahl, Schu­lung, Einsatz und Instand­hal­tung orien­tie­ren können.

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