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Arbeitsschutz „salonfähig“ gemacht

Zu Besuch beim Verband Region Rhein-Neckar
Arbeitsschutz „salonfähig“ gemacht

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Ganz oder gar nicht, lautet das Mot­to von Michael Hof­mann. Dass der Ver­band Region Rhein-Neckar heute in Sachen Arbeitssicher­heit so gut aufgestellt ist, ist zu einem Großteil sein Ver­di­enst. Seit sein­er Ernen­nung zum Sicher­heits­beauf­tragten im Jahr 2011 kam vieles in Gang, das weit­er Kreise zieht: Immer mehr sein­er Kol­le­gen sind bere­it, Ver­ant­wor­tung und Auf­gaben im Arbeitss­chutz zu übernehmen.

Ein Drit­tel der 30 Mitar­bei­t­en­den des Ver­bands engagiert sich inzwis­chen in der Arbeitssicher­heit. „Das ursprüngliche Ziel war, in jedem Stock­w­erk min­destens einen Gefahren­schutzhelfer – so heißen bei uns die Brand­schutzhelfer – und einen Ers­thelfer zu haben. Jet­zt gibt es unten beim Emp­fang und den Kon­feren­zräu­men jew­eils zwei Ers­thelfer und Gefahren­schutzhelfer, von denen ein­er bei­des macht. Die anderen verteilen sich auf das dritte und vierte Geschoss“, erk­lärt Hof­mann. In seine Freude über die Entwick­lung von „Null auf 100 Plus“ mis­cht sich auch ein wenig Stolz. Nicht von unge­fähr, denn schließlich ist so gut wie alles, was an seinem Arbeit­splatz mit Arbeitssicher­heit zu tun hat, „auf seinem Mist gewachsen“.

Hof­mann küm­mert sich beim Ver­band Region Rhein-Neckar (VRRN) haupt­beru­flich um die Kasse sowie das IT- und Facil­i­ty­man­age­ment. Bei dem Träger für gren­züber­schre­i­t­ende Region­alpla­nung und ‑entwick­lung, der damals noch Rau­mord­nungsver­band Rhein-Neckar hieß, ist er seit März 2003 angestellt. Zum bedeut­samen Auf­gaben­zuwachs in sein­er Tätigkeit kam es vor rund acht Jahren: „2011 stellte man fest, dass in Sachen Arbeitssicher­heit noch einiges zu tun ist. Die Ver­band­sleitung trat deshalb mit der Frage an mich her­an, ob ich das Amt des Sicher­heits­beauf­tragten übernehmen wolle.“

30 Jahre beim Deutschen Roten Kreuz

Die Wahl sei wohl auf ihn gefall­en, weil er damals beim Deutschen Roten Kreuz aktiv war, ver­mutet Hof­mann. „Ins­ge­samt war ich 30 Jahre ehre­namtlich für die Organ­i­sa­tion im Ein­satz, zunächst als ein­fach­er Helfer, zulet­zt als Vor­sitzen­der.“ Als er Vater wurde, been­dete er dieses Engage­ment und legte alle damit ver­bun­de­nen Ämter nieder. „Bei kleinen Kindern ver­passt man ja so viel!“, begrün­det er den Ausstieg. Wenn die Kinder größer seien, werde er sich „sicher­lich wieder irgend­wo als Helfer ein­brin­gen“, ist Hof­mann überzeugt. Aber nicht unbe­d­ingt beim Roten Kreuz, denn es gebe ja noch sehr viele andere Möglichkeiten.

Mit Fam­i­lien­leben, Beruf und dem Amt des Sicher­heits­beauf­tragten ist Hof­mann derzeit jeden­falls aus­ge­lastet. Denn die kurz­er­hand über­nommene Auf­gabe ent­pup­pte sich als weit größere Her­aus­forderung als gedacht – zumin­d­est für einen wie ihn, der keine hal­ben Sachen mag. „In mein­er ersten Fort­bil­dung 2011 habe ich große Augen bekom­men: Alle anderen hat­ten schon so viel – ein struk­turi­ertes Auf­gabenge­bi­et, eine Fachkraft für Arbeitssicher­heit, einen Betrieb­sarzt. Wir mussten in dieser Hin­sicht bei Null anfan­gen“, erin­nert sich Hof­mann. So galt es zunächst ein­mal aufzuar­beit­en, was alles zu ein­er guten Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion gehört. „Das hat mich ein ganzes Jahr gekostet, denn ich bin ja zeitlich nicht dafür freigestellt.“

Dann ging es jedoch Schlag auf Schlag: Der Ver­band schloss eine Koop­er­a­tion mit der Stadt Mannheim. „Deren Fachkraft für Arbeitssicher­heit ist nun auch für uns zuständig.“ Zudem wurde eine Betrieb­särztin von einem arbeitsmedi­zinis­chen Dien­stleis­ter bezo­gen. Im Jahr 2013 erfol­gte die erste ASA-Sitzung mit Sifa und Ärztin. „Da wur­den alle offe­nen The­men ange­sprochen.“ Kurz darauf wurde das Sicher­heit­skonzept von der Ver­band­sleitung beschlossen.

Informationsfluss organisiert

Hof­mann bringt gerne Men­schen an einen Tisch: Nach der Devise „Alle kön­nen, kein­er muss“ wer­den zweimal im Jahr Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Arbeitss­chutzes bei The­men­sitzun­gen gesam­melt. Der Input dazu stammt unter anderem aus abon­nierten Newslet­tern oder Fachzeitschriften wie dem „Sicher­heits­beauf­tragten“. Wichtige Infor­ma­tio­nen ver­bre­it­et Hof­mann zudem mit­tels Umlaufmap­pen oder über den Verteil­er „Arbeitss­chutz“.

Bei der einge­führten jährlichen Sicher­heit­sun­ter­weisung hält er regelmäßig Vorträge, etwa zu den The­men Feuer­lösch­er, Fluchtwege und Erste Hil­fe. Die Unter­weisung erfol­gt prak­tis­cher­weise in Kom­bi­na­tion mit der Per­son­alver­samm­lung: „Wenn schon mal alle zusam­men­sitzen.“ Zudem wird jed­er neue Mitar­beit­er oder Prak­tikant von Michael Hof­mann bei einem Rundgang auf poten­zielle Gefährdun­gen hingewiesen. Diese hal­ten sich an den Ver­wal­tungsar­beit­splätzen zwar in Gren­zen, aber bei genauem Hin­se­hen à la Hof­mann kommt den­noch einiges zusam­men: Ton­er­staub ist giftig, den großen Schnei­de­maschi­nen im Tech­nikraum gebührt Respekt, seit­dem die Betrieb­sküche zur Ver­fü­gung ste­ht, gibt es weit­ere Brandquellen wie den Herd, im Brand­fall darf der Fahrstuhl nicht benutzt wer­den … Eine Ein­weisung gibt es auch für das Dienst-E-Bike, „kor­rekt Ped­elec“, und die weit­eren Dien­st­fahrzeuge. „Ein Großteil unseres Per­son­als geht regelmäßig auf Dien­streisen“, erk­lärt der Sicherheitsbeauftragte.

Schon bei der Beschaf­fung achtet Hof­mann auf umweltverträgliche und möglichst sichere Geräte. Der Kopier­er im Tech­nikraum etwa arbeit­et mit reduziertem Ton­er­staub, das Falzgerät hat eine Sicher­heitssperre: „Man weiß ja nie, wo die Leute ihre Fin­ger haben.“ Die elek­trischen Geräte in jedem Raum sind an Mehrfach­steck­dosen mit zen­tralem Aus-Schal­ter angeschlossen, mit dem zum Dien­stschluss alles kurz­er­hand vom Netz getren­nt wird. Rauch­melder gibt es in jedem Büro wie auch auf den Fluren. „Der Ver­mi­eter hat eine Brand­meldean­lage für das Haus ein­gerichtet. Alle Brand­schutztüren fall­en bei Alarm zu“, ergänzt Hof­mann. Außer­dem ste­ht ein­mal im Jahr eine Evakuierungsübung an.

Telefonschaltung für Ersthelfer

Um schnell­st­möglich auf gesund­heitliche Not­fälle reagieren zu kön­nen, wurde haus­in­tern ein Not­fall­tele­fon ein­gerichtet. Durch eine spezielle Schal­tung klin­gelt es gle­ichzeit­ig bei allen Ers­thelfern. „Der erste, der abn­immt, wird aktiv – es kann ja sein, dass jemand ger­ade nicht am Platz ist.“ Auf jedem Stock­w­erk befind­et sich eine Not­fall­säule mit Feuer­lösch­er, Ver­band­kas­ten, Infor­ma­tio­nen zu den Ers­thelfern, Notrufnum­mer und Erste-Hil­fe-Plakat. Im drit­ten Obergeschoss neben dem Sozial­raum – „es gibt ja viele Aus­drücke für den Pausen­raum, wir nen­nen ihn Sozial­raum“ – ist zusät­zlich eine Ret­tungsliege deponiert.

Auch ein Defib­ril­la­tor ste­ht zur Ver­fü­gung – selb­stre­dend haben alle Mitar­beit­er eine Schu­lung im Umgang mit dem Gerät erhal­ten. Im Novem­ber 2019 wurde zudem das Pro­jekt „Helden. Ret­ten. Leben.“ inner­be­trieblich aus­gerollt, das auf eine weltweite betriebliche Gesund­heitsini­tia­tive der BASF im Jahr 2018 zurück­ge­ht. Mit dem Schu­lungskonzept „Prüfen! Rufen! Drück­en!“ wur­den alle Mitar­beit­er dazu ermuntert, im Ern­st­fall Hil­fe zu leisten.

Eigenes Budget für Arbeitssicherheit

Für Anschaf­fun­gen wie Warn­west­en, Ver­bands­büch­er und Co. kann Hof­mann inzwis­chen auf ein eigenes Bud­get für Arbeitssicher­heit zugreifen. 6.000 Euro ste­hen jährlich zur Ver­fü­gung. „Das zeigt den Wert, den die Ver­band­sleitung dem The­ma beimisst. Außer­dem müssen wir nun nicht mehr bei jed­er Kleinigkeit nach­fra­gen.“ Im Vor­jahr hat der Sicher­heits­beauf­tragte aus diesem Topf erst­mals auch ein kleines Dankeschön für seine ehre­namtlichen Mitstreiter
finanziert. Sie haben einen „Schlem­merblock“ mit Restau­rantgutscheinen bekom­men. „Wichtig war mir, dass die Ver­band­sleitung dabei zuge­gen ist“, erk­lärt Hof­mann. Aktuell liegen die Ergeb­nisse der Mitar­beit­er­be­fra­gung auf dem Tisch, die zur psy­chis­chen Gefährdungs­beurteilung gemacht und anonym aus­gew­ertet wurde. Hof­mann freut sich über die sehr gute Rück­laufquote von nahezu hun­dert Prozent: Von den 30 Frage­bö­gen kamen 29 zurück. Die meis­ten Rück­mel­dun­gen fie­len pos­i­tiv aus, aber es zeigten sich auch einige Prob­leme mit der Arbeits­be­las­tung oder im sozialen Umgang. Wichtig sei, jet­zt auch darauf zu reagieren, weiß Hof­mann. „Wir erk­lären nun, welche Erken­nt­nisse wir aus der Befra­gung gewon­nen haben und was wir zur Prob­lem­lö­sung anbi­eten – zum Beispiel Kurse zum besseren Umgang mit Stress.“ Auch bei den Sicher­heits­bege­hun­gen mit der Fachkraft für Arbeitssicher­heit und der Betrieb­särztin wer­den Erken­nt­nisse gesam­melt und die Kol­le­gen direkt angehört.

Einstieg für andere erleichtert

Manche Fra­gen oder Anre­gun­gen muss Hof­mann allerd­ings zurück­stellen, da ihm schlicht die Zeit für eine Bear­beitung fehlt – schließlich hat er auch noch einen Haupt­beruf. Auch aus diesem Grund ist er sehr daran inter­essiert, dass sich Auf­gaben und Engage­ment für die Arbeitssicher­heit auf mehrere Schul­tern verteilen. Mit Erfolg: Das Team um ihn wächst, außer­dem bekommt er neuerd­ings Unter­stützung durch eine Pro­tokollführerin. „Das ist schon mal eine große Entlastung.“

Doch noch laufen die Fäden bei ihm zusam­men. „Ich erin­nere die Ers­thelfer und Gefahren­schutzhelfer alle zwei Jahre daran, ihre Fort­bil­dung aufzufrischen und melde sie zu den entsprechen­den Kursen an.“ Nur hin­fahren müssten sie noch selb­st, schmun­zelt Hof­mann. Er macht das aber ein­deutig gern, denn das Organ­isieren liegt ihm. Außer­dem ist sein Ein­satz an dieser Stelle nicht ganz uneigen­nützig: Mit dieser kleinen Hil­festel­lung senkt er bei den nachrück­enden Kräften die Hemm­schwelle, in das The­ma einzusteigen.

Keine „One-Man-Show“

„Ich bin keine One-Man-Show. Ich halte mich nicht für uner­set­zbar“, betont der engagierte Arbeitss­chützer. „Wenn ich mal weg bin, soll das hier auch weit­er funk­tion­ieren.“ Zu diesem Zweck baut er ger­ade zwei poten­zielle Nach­fol­ger auf. Außer­dem hat er eine klare Posi­tion bezo­gen, als das The­ma Betrieblich­es Gesund­heits­man­age­ment aufkam: Ein solch­es einzuführen, hätte seine Kapaz­itäten über­stiegen – und für halbe Sachen ist er nun mal nicht zu haben. „Entwed­er ganz oder gar nicht, damit kon­nte ich leben.“ Doch inzwis­chen ist auch dafür eine gute Lösung gefun­den: Das Betriebliche Gesund­heits­man­age­ment wurde bei der Öffentlichkeit­sar­beit ange­siedelt. „Nach dem ersten Anstoß habe ich mich dort herausgezogen.“

Sein Engage­ment habe viel mit Kom­mu­nika­tion und uner­müdlich­er Ansprache zu tun, weiß Hof­mann. Auch darum ist er nicht ver­legen: „Ich rede viel und schnell, bre­ite gerne Infor­ma­tio­nen aus“, ver­rät er mit einem Augen­zwinkern. „Die meis­ten ertra­gen mich aber“, fügt er schmun­zel­nd hinzu.

Dass dem so ist, wird auch während des Gesprächs deut­lich: Mehrere Kol­le­gen kom­men zwis­chen­durch an seine Tür, erhal­ten aber dies­mal einen dezen­ten Wink, dass es ger­ade nicht passt. Sich­er haben sie es später noch ein­mal versucht.

Petra Jauch


Steckbrief

  • Michael Hof­mann
  • 46 Jahre
  • Beruf Ver­wal­tungs­fachangestell­ter
  • Posi­tion Kassen­ver­wal­ter, IT-Admin­is­tra­tion, Organisation
  • Sicher­heits­beauf­tragter seit 2011
  • Branche: Ver­wal­tung

Verband Region Rhein-Neckar

Am 28. April 2005 wurde die Region Rhein-Neckar offiziell zur „Europäis­chen Metropol­re­gion“ ernan­nt. Auf Grund­lage des zweit­en Staatsver­trages zwis­chen den Län­dern Baden-Würt­tem­berg, Hes­sen und Rhein­land-Pfalz nahm der Ver­band Region Rhein-Neckar (VRRN) am 1. Jan­u­ar 2006 seine Arbeit auf. Die oper­a­tiv­en Auf­gaben des Ver­bands erfüllt die Verbandsverwaltung.

  • Kör­per­schaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Mannheim
  • Träger der gren­züber­schre­i­t­en­den Region­alpla­nung und Rau­mord­nung sowie Regiona­len­twick­lung in der Metropol­re­gion Rhein-Neckar
  • 30 Mitar­beit­er
  • www.vrrn.de
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