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Schwierige Gespräche

Auszu­bil­dende auf Augen­höhe anspre­chen

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Wenn Jugend­li­che mit ihrer Ausbil­dung begin­nen, ist für sie vieles neu und fremd. Für einen reibungs­lo­sen Einstieg und eine erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit ist es insbe­son­dere wich­tig, bei der Kommu­ni­ka­tion mit den jungen Mitar­bei­tern den rich­ti­gen Ton zu tref­fen.

Bettina Brucker

Am besten erreicht man Auszu­bil­dende mit Glaub­wür­dig­keit. Aufge­setzte Kumpel­haf­tig­keit und Jugend­spra­che wirken bei älte­ren Vorge­setz­ten und Kolle­gen eher lächer­lich. Denn „cool“ wollen vor allem die Jungen sein. Auch sollte man die Jugend­li­chen nicht unter­schät­zen. Oft sind sie besser infor­miert als voran­ge­gan­gene Genera­tio­nen. Aller­dings fehlt ihnen die Praxis und so kommt es nicht selten zu Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen.

Rund ein Vier­tel der Ausbil­dun­gen in Deutsch­land enden unglück­lich: Sie werden abge­bro­chen oder der Ausbil­dungs­ver­trag wird vorzei­tig gelöst. Wie Studien des Bundes­in­sti­tuts für Berufs­bil­dung (BIBB) zeigen, leiden die Jugend­li­chen vor allem unter Konflik­ten mit ihrem Ausbil­der, dem Chef, den Kolle­gen oder ande­ren Azubis. Manche klagen über Arbei­ten, die nichts mit ihrer Ausbil­dung zu tun haben, oder sie sind unzu­frie­den damit, wie sie Ausbil­dungs­in­halte vermit­telt bekom­men. Andere fühlen sich über- oder unter­for­dert. Aber auch die Ausbil­dungs­be­triebe sind nicht immer zufrie­den. Sie bekla­gen, dass junge Menschen zum Beispiel mangelnde Ausbil­dungs­reife mitbrin­gen, sich schlecht konzen­trie­ren können oder dass es ihnen an Durch­hal­te­ver­mö­gen fehlt. Viele der „Knack­punkte“ ließen sich in Gesprä­chen klären.

Auszu­bil­dende ernst nehmen

Auszu­bil­dende soll­ten vom ersten Tag an mit der glei­chen Ernst­haf­tig­keit und Klar­heit behan­delt werden wie alle andere Mitar­bei­ter im Betrieb. Für eine wert­schät­zende Kommu­ni­ka­tion auf Augen­höhe gelten folgende allge­mei­nen Verhal­tens­re­geln:

  • Schaf­fen Sie zu Beginn des Gesprächs eine ange­nehme und lockere Atmo­sphäre.
  • Halten Sie beim Gespräch Augen­kon­takt.
  • Seien sie freund­lich und signa­li­sie­ren Sie Inter­esse.
  • Setzen Sie eine posi­tive Körper­spra­che ein.
  • Drücken Sie sich verständ­lich aus.
  • Stel­len Sie Fragen.
  • Legen Sie Wert auf die Meinung des Auszu­bil­den­den.
  • Hören Sie aktiv zu – bestä­ti­gen Sie zum Beispiel Aussa­gen durch Nicken.
  • Lassen Sie den Auszu­bil­den­den ausre­den.
  • Beant­wor­ten Sie Fragen klar und eindeu­tig.

Unbe­liebt: Thema Arbeits­si­cher­heit

Junge Mitar­bei­ter bewer­ten Sicher­heits­maß­nah­men oft als über­flüs­sig und „uncool“. Jugend­li­cher Über­mut, Uner­fah­ren­heit und falsche Selbst­ein­schät­zung erhö­hen aber gerade bei ihnen das Unfall­ri­siko.

Hier kommt der Sicher­heits­be­auf­trage ins Spiel: Haben Sie einen guten Zugang zu den Azubis, kann es Ihnen gelin­gen, das notwen­dige Wissen zum Arbeits- und Gesund­heits­schutz zu vermit­teln. Voraus­set­zung ist, dass Sie sich gegen­über dem „Neuling“ respekt­voll und gerecht verhal­ten und eine Portion Einfüh­lungs­ver­mö­gen mitbrin­gen. Vor allem wenn Sie auf Mängel hinwei­sen, kann es passie­ren, dass sich ein Auszu­bil­den­der ange­grif­fen fühlt, die „Schot­ten dicht­macht“ und über­re­agiert. Unsi­cher­heit oder Stur­heit können das Gespräch dann zusätz­lich schwie­rig machen.

Zeit für klare Worte

Tritt ein Auszu­bil­den­der sehr selbst­be­wusst auf, fällt er Ihnen stän­dig ins Wort, vertritt er einen star­ren Stand­punkt, kommu­ni­ziert er unfair oder kontert er mit Kritik, heißt es vor allem: Ruhe bewah­ren. Kommen Sie aller­dings mit Freund­lich­keit und einem „norma­len“ Gespräch nicht mehr weiter, ist es Zeit für klare Worte. Beson­ders wenn eine Situa­tion geklärt werden muss, um die Sicher­heit zu gewähr­leis­ten. Dann kann es notwen­dig sein, den Auszu­bil­den­den nicht nur sach­lich mit seinem Fehl­ver­hal­ten zu konfron­tie­ren, sondern als letz­tes Mittel mit einem „Schuss vor den Bug“ Einsicht zu erzeu­gen und so eine nach­hal­tige Verhal­tens­än­de­rung zu bewir­ken. Auf so ein heik­les Gespräch – immer unter vier Augen! – soll­ten Sie sich gut vorbe­rei­ten. Ideal ist es, wenn der Azubi eigene Lösungs­ideen entwi­ckeln darf.

Verständ­nis­fra­gen stel­len

Wer als Sicher­heits­be­auf­trag­ter mit Auszu­bil­den­den erfolg­reich kommu­ni­zie­ren will, muss sich immer wieder bewusst machen, welche Unter­schiede es zu älte­ren, erfah­re­nen Kolle­gen gibt. So ist es auch bei der regel­mä­ßi­gen Unter­wei­sung wich­tig, sich auf den Auszu­bil­den­den einzu­stel­len. Am besten befra­gen Sie vorab seinen direk­ten Ausbil­der zum Moti­va­ti­ons­stand und zu seinem Verhal­ten in Sachen Arbeits­si­cher­heit. Bei der Unter­wei­sung selbst empfiehlt es sich, dem Auszu­bil­den­den Verständ­nis­fra­gen zu stel­len. So stel­len Sie sicher, dass er alles rich­tig verstan­den hat. Fehlende Erfah­run­gen vor allem mit falschen Verhal­tens­wei­sen lassen sich gut mit Video- und Bild­ma­te­rial ausglei­chen. Denn Bilder wirken nach­hal­ti­ger als sach­li­che Worte.


Autorin:

Bettina Brucker

Fach­jour­na­lis­tin

Foto: privat

Link­tipps

Weitere Empfeh­lun­gen für eine gute Gesprächs­füh­rung mit Auszu­bil­den­den finden sich

  • in der VBG-Broschüre „Sicher­heit und Gesund­heit in der Ausbil­dung – Praxis­tipps und Hilfen für Ausbil­der“, herun­ter­zu­la­den unter www.vbg.de
  • im Newsletter-Beitrag „Alles andere als lang­wei­lig – Arbeits­schutz in der Berufs­aus­bil­dung“ der Berufs­ge­nos­sen­schaft Handel und Waren­lo­gis­tik (BGHW) unter www.bghw.de/presse/newsletter/newsletter-april-2017
  • auf der Inter­net­seite der Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall (BGHM) in der Rubrik Azubis, www.bghm.de/azubis

Früh­zei­tig mitein­an­der spre­chen

Damit es erst gar nicht zu schwie­ri­gen Gesprä­chen kommt, ist eine zeit­nahe Kommu­ni­ka­tion wich­tig.

  • Stel­len Sie mit Verständ­nis­fra­gen sicher, dass der Auszu­bil­dende Sinn und Bedeu­tung einer Sicher­heits­maß­nahme erkannt und verstan­den hat.
  • Moti­vie­ren Sie den Auszu­bil­den­den dazu, Sicher­heits­maß­nah­men umzu­set­zen und loben Sie ihn bei korrek­tem Verhal­ten.
  • Hält ein Auszu­bil­den­der Sicher­heits­vor­schrif­ten nicht ein, soll­ten Sie in sofort darauf aufmerk­sam machen. So kann sich das Fehl­ver­hal­ten gar nicht erst einschlei­fen.
  • Ermu­ti­gen Sie den Auszu­bil­den­den bei einem Fehler, es noch­mals zu versu­chen. Denn Fehler gehö­ren zum Lernen dazu und sind keine Kata­stro­phe.
  • Sind Wissens­lü­cken beim Arbeits­schutz offen­sicht­lich, soll­ten Sie diese in einem Gespräch mit dem Hinweis auf weitere Infor­ma­ti­ons­mög­lich­kei­ten schlie­ßen. Über­prü­fen Sie nach weni­gen Tagen, zum Beispiel mit einem Kurz­test, ob der Auszu­bil­dende die Proble­ma­tik bezie­hungs­weise Gefähr­dung nun verstan­den hat.
  • Vernach­läs­sigt ein Auszu­bil­den­der dauer­haft den Arbeits- und Gesund­heits­schutz, soll­ten Sie mit seinem direk­ten Ausbil­der spre­chen. Entwi­ckeln Sie gemein­sam eine Stra­te­gie, um den Auszu­bil­den­den nach­hal­tig zu unter­wei­sen.
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