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Check­point Betriebs­an­wei­sung

Ausgezeichnetes Digitalisierungskonzept
Check­point Betriebs­an­wei­sung

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Beim Nahver­kehrs­un­ter­neh­men Boges­tra können Mitar­bei­ter Betriebs­an­wei­sun­gen für Gefahr­stoffe digi­tal an Touchscreen-Terminals abru­fen. Für dieses fort­schritt­li­che Konzept erhielt das Unter­neh­men den Präven­ti­ons­preis der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), mit dem jähr­lich beson­ders inno­va­tive Arbeits­schutz­pro­jekte ausge­zeich­net werden.

Die Bochum-Gelsenkirchener Stra­ßen­bah­nen Akti­en­ge­sell­schaft Boges­tra zählte zu den rund hundert Unter­neh­men, die bis Ende März 2018 ihre Ideen für mehr Sicher­heit von Beschäf­tig­ten in der Online-Innovationsbörse VBG_NEXT veröf­fent­licht hatten. Die Akti­en­ge­sell­schaft, in der die Städte Bochum und Gelsen­kir­chen die Mehr­heit halten, betreibt den öffent­li­chen Perso­nen­nah­ver­kehr in Bochum, Gelsen­kir­chen und Witten und ist mit jähr­lich über 145 Millio­nen Fahr­gäs­ten sowie rund 2.200 Mitar­bei­tern eines der größ­ten Nahver­kehrs­un­ter­neh­men in Nordrhein-Westfalen.

Wie die Idee entstand

Was war der Inno­va­ti­ons­fak­tor, der die Jury vom Projekt der Boges­tra über­zeugte? Beim Unter­neh­men aus dem mitt­le­ren Ruhr­ge­biet können die Beschäf­tig­ten im Rahmen eines Pilot­pro­jekts ihre Gefahrstoff-Betriebsanweisungen tages­ak­tu­ell an Touchscreen-Monitoren abru­fen. Dies funk­tio­niert mittels Barcode-Scanning oder bei großen Gebin­den oder nicht vorhan­de­nem Barcode per Text­ein­gabe. Die Auto­ma­ten mit den elek­tro­ni­schen Betriebs­an­wei­sun­gen bestehen aus einem Touchscreen-Monitor, einem Einpla­ti­nen­com­pu­ter sowie einem Barcode-Scanner. Die erfor­der­li­che Soft­ware namens „BORG“ entwi­ckel­ten unter­neh­mens­ei­gene Infor­ma­ti­ker.

Bekannt aus Super­märk­ten

Die Idee, Produkt­in­for­ma­tio­nen über einge­scannte Barcodes anzu­zei­gen, ist aller­dings nicht neu“, meint Bogestra-Sicherheitsingenieur Uwe Josten. „So etwas gibt es bereits in vielen Super­märk­ten, wo beispiels­weise Preise und Herkunfts­land ange­zeigt werden. Im Super­markt kamen wir auch auf die Idee, die Barcodes auf den Gefahr­stoff­ge­bin­den für das Anzei­gen von Betriebs­an­wei­sun­gen zu nutzen.“ Auf Basis dieser Idee erfolgte dann haus­in­tern ein erster Austausch mit der IT-Abteilung, ob ein derar­ti­ges Projekt über­haupt reali­siert werden könne. Nach­dem alle Fach­ab­tei­lun­gen „grünes Licht“ gege­ben hatten und auch die Verant­wort­li­chen über den Arbeits­schutz­aus­schuss zustimm­ten, star­tete das Projekt mit der Program­mie­rung. Schon nach kurzer Zeit war ein Test­ge­rät einsatz­be­reit und wurde in einer Werk­statt erprobt.

18 Termi­nal­ein­hei­ten aufge­stellt

Dieses erste, in der Werk­statt Bochum-Riemke aufge­stellte Gerät, stieß laut Josten auf viel Inter­esse und ebenso breite Akzep­tanz bei den Beschäf­tig­ten. Anfang 2019 wurden die letz­ten der geplan­ten 18 Termi­nal­ein­hei­ten an zentra­len Punk­ten in den Werk­stät­ten und der Mate­ri­al­aus­gabe ange­bracht, um den schnel­len Zugang zu den Betriebs­an­wei­sun­gen für die Beschäf­tig­ten sicher­zu­stel­len. „Die Aufstell­orte sind natür­lich nicht zufäl­lig in den Werk­stät­ten“, meint Josten, „denn die meis­ten Gefahr­stoffe werden schließ­lich in unse­ren sieben Werk­statt­stand­or­ten verwen­det.“

Die Betriebs­an­wei­sun­gen werden bei entspre­chen­den Produkt­ein­füh­run­gen neu erstellt oder, sofern sich Rahmen­be­din­gun­gen ändern, über­ar­bei­tet – zum Beispiel aufgrund eines neuen Sicher­heits­da­ten­blatts oder ange­sichts geän­der­ter Expo­si­ti­ons­zei­ten, Mengen oder Aufbe­wah­rungs­orte. Verant­wort­lich für das Erstel­len und die Aktua­li­sie­rung der Betriebs­an­wei­sun­gen ist die Unter­neh­mens­stabs­stelle Umwelt­schutz und Arbeits­si­cher­heit, wo Sicher­heits­fach­kräfte mit entspre­chen­der Zusatz­qua­li­fi­ka­tion für Gefahr­stoffe beschäf­tigt sind.

Vorteile gegen­über Druck­ver­sion

Doch was sind die Vorteile von digi­ta­len gegen­über gedruck­ten Betriebs­an­wei­sun­gen? Da ist zum einen die geringe Inves­ti­ti­ons­summe von rund 500 Euro pro Termi­nal­ein­heit. Mit der digi­ta­len Anzeige auf Moni­to­ren entfal­len zukünf­tig orga­ni­sa­ti­ons­be­dingte Verlust­zei­ten zwischen Erstel­lung und Aushang, genauso wie die Produk­ti­ons­kos­ten für Druck und Lami­nie­rung. Darüber hinaus gibt es keine Zeit­ver­luste für Beschäf­tigte, die die Betriebs­an­wei­sun­gen regel­mä­ßig aushän­gen müssen oder zu kontrol­lie­ren haben, ob die Anwei­sun­gen noch aushän­gen.

Umge­hend im Bilde

Josten sieht aber die größ­ten Vorteile eindeu­tig in der schnel­len Infor­mie­rung der Mitar­bei­ter: „Sie verlie­ren keine Zeit mehr mit Suchen der für sie rele­van­ten Betriebs­an­wei­sun­gen, denn sie müssen nicht mehr an den Aushän­ge­ta­feln nach den notwen­di­gen Infor­ma­tio­nen schauen. Sie können nun einfach den Barcode hinhal­ten oder ein Stich­wort einge­ben und schon haben sie die Infor­ma­tio­nen, die sie brau­chen.“

Zukunfts­über­le­gun­gen

Die auf den Moni­to­ren ange­zeig­ten Betriebs­an­wei­sun­gen werden immer den aktu­ells­ten Bear­bei­tungs­stand haben. Aber nicht nur das macht die Attrak­ti­vi­tät der digi­ta­len Betriebs­an­wei­sun­gen aus, findet Josten: „Tech­nik macht neugie­rig. Es ist davon auszu­ge­hen, dass die Mitar­bei­ter zukünf­tig allein schon wegen der neuen attrak­ti­ven Tech­no­lo­gie viel häufi­ger auf eine Betriebs­an­wei­sung schauen werden als heute – ein wert­vol­ler Sicher­heits­aspekt im tägli­chen Umgang mit Gefahr­stof­fen!“

Ob weitere Termi­nal­ein­hei­ten aufge­stellt werden, soll in naher Zukunft entschie­den werden. Zudem gebe es bereits erste Über­le­gun­gen, die Infor­ma­ti­ons­an­ge­bote der Termi­nals hinsicht­lich des Themas Arbeits­schutz auszu­bauen. Uwe Josten erklärt: „Den Bild­schirm­scho­ner der Moni­tore könn­ten wir für aktu­elle Botschaf­ten rund um das Thema Arbeits­si­cher­heit nutzen. Auch andere Betriebs­an­wei­sun­gen für sons­tige Gefähr­dun­gen oder Maschi­nen sind denk­bar. Aber vom Grund­satz her wollen wir das System nicht über­frach­ten. Denn es lebt von seiner schnel­len und einfa­chen Hand­ha­bung.“


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Foto: privat

Autor: Dr. Joerg Hensiek

Fach­au­tor und freier Jour­na­list


Ist eine digi­tale Betriebs­an­wei­sung erlaubt?

Mancher Leser mag sich fragen: Ist eine digi­tale Betriebs­an­wei­sung eigent­lich recht­lich erlaubt? Muss sie selbst in der heuti­gen Zeit nicht ausschließ­lich in Print­form vorlie­gen?

Eine Gefahrstoff-Betriebsanweisung hat das Ziel, vor Ort und vor Aufnahme einer Tätig­keit mit Gefahr­stof­fen über die notwen­di­gen Schutz­maß­nah­men bei Tätig­kei­ten mit Gefahr­stof­fen zu infor­mie­ren. Sie bildet damit aber auch die Grund­lage für münd­li­che Unter­wei­sun­gen sowie die nach­träg­li­che Wieder­ho­lung der Unter­wei­sungs­in­halte für die Mitar­bei­ter. Daher dient sie gewis­ser­ma­ßen auch als Nach­schla­ge­werk für die Beschäf­tig­ten. Der Arbeit­ge­ber hat daher laut Arbeits­schutz­ge­setz sicher­zu­stel­len, dass den Beschäf­tig­ten eine schrift­li­che Betriebs­an­wei­sung in einer für die Beschäf­tig­ten verständ­li­chen Form und Spra­che zugäng­lich gemacht wird – für Beschäf­tigte mit schlech­ten Deutsch­kennt­nis­sen gege­be­nen­falls in deren Spra­chen.

Ob diese aber nun in Print oder Online zu verfas­sen ist, darüber gibt das Gesetz keine Auskunft. Anders dage­gen die TRGS 555 „Betriebs­an­wei­sung und Infor­ma­tion der Beschäf­tig­ten“. In ihr heißt es: „Elek­tro­ni­sche Medien können zur Unter­stüt­zung und Vorbe­rei­tung der Beschäf­tig­ten auf die Unter­wei­sung genutzt werden. Die Unter­wei­sung der Beschäf­tig­ten muss dane­ben aber stets auch münd­lich erfol­gen.“ Da eine Betriebs­an­wei­sung bei jeder maßgeb­li­chen Verän­de­rung der Arbeits­be­din­gun­gen aktua­li­siert werden muss, bietet sich aus prak­ti­schen Grün­den sogar eine Digi­tal­ver­sion an, da man sie viel leich­ter und schnel­ler verän­dern kann.

www.komnet.nrw.de


Blaue“ und „rote“ Betriebs­an­wei­sun­gen

Betriebs­an­wei­sun­gen für Fahr­zeuge, Maschi­nen, Arbeits­ver­fah­ren und Arbeits­ab­läufe und solche für (chemi­sche) Gefahr­stoffe unter­schei­den sich nicht nur in den Inhal­ten, sondern auch im Ausse­hen. Denn Betriebs­an­wei­sun­gen aus der ersten Gruppe haben blaue Rahmen und Quer­bal­ken. Betriebs­an­wei­sun­gen für Gefahr­stoffe dage­gen weisen rote Rahmen und Quer­bal­ken auf. Für biolo­gi­sche Arbeits­stoffe (Biostoffe) gibt es noch keine allge­mein akzep­tierte farb­li­che Fest­le­gung. Aktu­ell schei­nen sich aber grüne Farb­kenn­zeich­nun­gen durch­zu­set­zen. Aller­dings: Auch die bereits etablier­ten Farb­kenn­zeich­nun­gen sind recht­lich nicht verbind­lich. Die berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Regel­werke empfeh­len in jedem Fall ein einheit­li­ches Farb­sys­tem in Unter­neh­men zu verwen­den. Keines­falls sollte jeder Stand­ort oder Einzel­be­trieb sein eige­nes Farb­sys­tem pfle­gen.

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