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Der Buzzer Effekt

Verhaltensveränderungen verankern
Der Buzzer Effekt

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Marcus Morlinghaus Foto: Christian Hartmann
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„Mit Unternehmen­sthe­ater erobern neue Sichtweisen die Luftho­heit in den Werk­shallen und Büros“, behauptet Mar­cus Mor­ling­haus. Wie es zu diesen Verän­derun­gen kommt, erk­lärt der kün­st­lerische Leit­er von The­ater Inter­ak­tiv im Inter­view.

Herr Mor­ling­haus, Sie schreiben und insze­nieren Unternehmen­sthe­ater. In Ihrem Stück „Der Sicher­heits-Sim­u­la­tor“ set­zen sie einen Buzzer Sound ein – was hat es damit auf sich?

Es ist ein dra­matur­gis­ch­er und auch ein psy­chol­o­gis­ch­er Effekt: Ver­hält sich die Haupt­fig­ur des Stück­es riskant, erklingt ein Com­e­dy-Buzzer: „Mööp! – Das geht auch anders!“ … und dann gibt der Sim­u­la­tor eine zweite Chance, es in der näch­sten Runde bess­er zu machen. Kun­den bericht­en mir immer wieder, dass der Buzzer auch Monate nach der Show noch im Arbeit­sall­t­ag „zitiert“ wird. Die Mitar­beit­er „buzzern“ sich qua­si gegen­seit­ig, wenn jemand es mit der Sicher­heit nicht so genau nimmt. Es ist also ein Ele­ment, das lange in Erin­nerung bleibt. Ein ähn­lich­er Effekt entste­ht auch bei unserem Humor­vor­trag „Helden der Arbeitssicher­heit“, in dem wir eine Gefährdungs­beurteilung anhand des Märchens von Rotkäp­pchen durchex­erzieren. „Ich mach den Kuchen-und-Wein-Job jet­zt seit fünf Jahren und bin noch nie mit Haut und Haar gefressen wor­den,“ meint Rotkäp­pchen, kurz bevor sie der Wolf ver­schlingt. Das sind Sätze und Bilder, die bleiben. Mit Humor wer­den Ref­eren­zen ver­ankert, die jed­er ver­ste­ht und mit Erin­nerung an gemein­samen Spaß verbindet. Wider­stände wer­den leichter aufgegeben.

The­ater, Spaß und Humor, um Wider­stände zu lösen? Funk­tion­iert das auch bei einem ern­sten The­ma wie Arbeitssicher­heit?

Gegen Wider­stände hil­ft nur Kom­mu­nika­tion. Hier gibt es ver­schieden­ste Ansätze. Natür­lich ist es sin­nvoll, auch mit Dat­en und Fak­ten an die Ver­nun­ft zu appel­lieren. Aber der Men­sch denkt oft nicht in Fak­ten und Tabellen, son­dern in Geschicht­en und Bildern. Er muss täglich viele kleine Entschei­dun­gen tre­f­fen und trifft diese sel­ten nach ratio­nalen Gesicht­spunk­ten, son­dern oft intu­itiv.

Fataler­weise wider­sprechen Intu­ition und Wirk­lichkeit einan­der oft. Gefährlich­es fühlt sich manch­mal harm­los an und Harm­los­es gefährlich. Wir fühlen uns auf dem Fahrrad sicher­er als im Flugzeug, wir fahren kurz vernün­ftiger, wenn wir ger­ade einen Unfall gese­hen haben und schreiben wenig später eine SMS bei 130 Stun­denkilo­me­tern. Lei­der sind selb­st pro­fes­sionelle Psy­cholo­gen und Sta­tis­tik­er nicht gegen solche Urteilsverz­er­run­gen gefeit, umso weniger gestresste Mitar­bei­t­ende, die im Arbeit­sall­t­ag schnell zu Potte kom­men müssen.

Schlechte Nachricht­en für Arbeitss­chutza­k­teure …

Die gute Nachricht: Der Effekt funk­tion­iert auch umgekehrt. Mit der richti­gen Geschichte und den richti­gen Bildern kann man sich die intu­itiv­en Ten­den­zen von Men­schen zunutze machen und sie in Ein­klang mit dem Ratio­nalen brin­gen.

Hier set­ze ich mit meinen Stück­en an. Mit Humor wer­den auch unan­genehme Wahrheit­en verin­ner­licht – Geschicht­en ver­ankern Ver­hal­tensän­derun­gen – und der Spaß­fak­tor sorgt dafür, dass Verän­derung nicht als Ver­lust erlebt wird.

Wie ent­stand die Idee des The­ater­sim­u­la­tors?

Bei den szenisch-inter­ak­tiv­en Train­ings­for­mat­en ist die Mitwirkung des Pub­likums entschei­dend. Die Teil­nehmer dür­fen zum Beispiel „Stopp!“ rufen, um die Hand­lung zu unter­brechen und das Ver­hal­ten von Fig­uren zu verän­dern.

Wenn die Zeit zu knapp oder das Pub­likum für diese Meth­ode zu groß ist, set­zen wir fer­tige Stücke wie zum Beispiel den Sim­u­la­tor ein. Hier wird das „Stopp“ aus dem Pub­likum dann durch den Buzzer erset­zt. Statt Pub­likum oder Mod­er­a­tor erläutert die Stimme des Sim­u­la­tors den Vor­gang. Ein For­mat, das sich mehrfach bewährt hat.

Insze­nierte Inter­ak­tion und Par­tizipa­tion, sozusagen …

Ja. Wir begeg­nen immer neuen kom­mu­nika­tiv­en Her­aus­forderun­gen in der Arbeitssicher­heit, an die wir unsere For­mate anpassen. Auch in einem Kabarettpro­gramm zum The­ma Psy­cholo­gie der Arbeitssicher­heit flechte ich in die vorge­fer­tigten Texte inter­ak­tive Pas­sagen ein, in denen das Pub­likum zu bes­timmten Fra­gen abstim­men kann, wodurch ihm die eige­nen Wider­sprüche deut­lich wer­den.

Unsere Stücke haben sich so über die Jahre zu einem eige­nen Genre entwick­elt, bei dem sich entschei­dungs- und lernpsy­chol­o­gis­che Para­me­ter mit Spiel- und Erzähltech­niken zu ein­er effek­tiv­en Mis­chung verbinden. Die Inhalte wer­den jew­eils in Zusam­me­nar­beit mit Fach­leuten des Auf­tragge­bers erar­beit­et. Wir erre­ichen so eine max­i­male
inhaltliche Dichte bei hohem Unter­hal­tungs­fak­tor. „Erleb­nis mit Ergeb­nis“ sozusagen – auch für sehr große Grup­pen.

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