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Die Bedeutung der Unterweisung vor dem Hintergrund einer neuen Sicherheitskultur

Manipulation von Schutzeinrichtungen
Die Bedeutung der Unterweisung vor dem Hintergrund einer neuen Sicherheitskultur

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In vie­len Fir­men wer­den noch immer Schutzein­rich­tun­gen an Maschi­nen manip­uliert. Eine Meth­ode Manip­u­la­tion von vorne here­in einzudäm­men ist die frühzeit­ige Kom­mu­nika­tion der Anforderun­gen an die Mas­chine, so dass Verkäufer ein pass­ge­naues Ange­bot inklu­sive geeigneter Schutz­maß­nah­men machen kön­nen. Eine weit­ere Meth­ode sind gezielte Unter­weisun­gen unter Mitein­beziehung der Unter­wiese­nen – mit dem Ziel ein­er Sicher­heit­skul­tur im Unternehmen, die jedem Beschäftigten Raum gibt, seine Arbeit und die sein­er Kol­le­gen sich­er zu gestalten.

Oft wer­den Schutzein­rich­tun­gen an Maschi­nen aus Grün­den der Zeit­erspar­nis manip­uliert, zum Beispiel, um die Pro­duk­tiv­itätsvor­gaben zu erre­ichen, und wer­den teil­weise stillschweigend von Vorge­set­zten geduldet. Doch das bewusste oder auch nur geduldete Umge­hen von Schutzein­rich­tun­gen ist kein Kava­liers­de­likt und führt im Falle eines Unfalls oft zu schw­eren oder sog­ar tödlichen Ver­let­zun­gen mit entsprechen­den strafrechtlichen Kon­se­quen­zen für die Ver­ant­wortlichen. Auch kann es zu finanziellen Ein­bußen durch Pro­duk­tion­saus­fälle oder ‑still­stände kommen.

Ursachen ermitteln, Maßnahmen ergreifen

Wenn fest­gestellt wird, dass in einem Betrieb Schutzein­rich­tun­gen manip­uliert sind oder wur­den, muss die Mas­chine sofort wieder in einen sicheren Zus­tand ver­set­zt wer­den. Darüber hin­aus sind die Gründe zu analysieren, die zu der Manip­u­la­tion geführt haben. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisun­gen, son­dern darum, im Gespräch mit den Beteiligten die Ursachen für die Manip­u­la­tion herauszufinden.

Als Hil­festel­lung für die Analyse und Doku­men­ta­tion ste­ht auf www.stopp-manipulation.org eine Check­liste zur Ermit­tlung von Manip­u­la­tion­sur­sachen zur Ver­fü­gung. Außer­dem müssen gegebe­nen­falls tech­nis­che Maß­nah­men zur Besei­t­i­gung der Ursachen ergrif­f­en wer­den. Es kann sin­nvoll sein, für die Entwick­lung eines alter­na­tiv­en Schutzkonzepts die Unter­stützung des Her­stellers oder der Liefer­fir­ma einzu­holen. Das Nachrüsten ein­er Betrieb­sart zum Ein­richt­en der Mas­chine kann den Manip­u­la­tion­san­reiz und das durch Manip­u­la­tion entste­hende Risiko senken.

Manipulation bereits im Vorfeld verhindern

Allerd­ings kön­nen Manip­u­la­tion­shand­lun­gen an Schutzein­rich­tun­gen von Maschi­nen von Anfang an erfol­gre­ich eingedämmt wer­den, wenn bere­its vor der Beschaf­fung die maschi­nen­spez­i­fis­chen Tätigkeit­en in allen Phasen des Leben­szyk­lus ein­er Mas­chine bedacht wer­den. Eine wichtige Grund­lage für die Entwick­lung von Mas­chine und Schutzkonzept ist das soge­nan­nte Las­ten­heft. Darin wer­den Anforderun­gen an die Mas­chine durch die betreibende Fir­ma definiert. Es emp­fiehlt sich daher, das Las­ten­heft unter Berück­sich­ti­gung aller Leben­sphasen der Mas­chine zu erstellen.

Auf Basis dieses Las­ten­heftes ist der Verkäufer in der Lage, den speziellen Bedarf des Kun­den zu erken­nen und kann ihm dadurch eine Mas­chine mit einem passenden Schutzkonzept anbi­eten. Bestandteil des Ange­botes ist in der Regel ein Pflicht­en­heft. Darin legt der Her­steller dar, wie er die Anforderun­gen aus dem Las­ten­heft erfüllen will. Für den späteren Betreiber beste­ht somit eine trans­par­ente Möglichkeit, zu prüfen, ob das Ange­bot seinen Anforderun­gen entspricht und an welch­er Stelle gegebe­nen­falls noch Anpas­sungs­be­darf besteht.

Manipulation durch Unterweisungen unterbinden

Auch Unter­weisun­gen kom­men in diesem Gefahren­bere­ich eine hohe Bedeu­tung zu. In regel- oder anlass­be­zo­ge­nen Unter­weisun­gen kön­nen die Beschäftigten für die Gefahren eines sicher­heitswidri­gen Arbeit­ens, das häu­fig mit schw­eren Ver­let­zun­gen oder gar dem Tod ein­herge­ht, sen­si­bil­isiert wer­den. Vor Ort an der Mas­chine kann ver­an­schaulicht wer­den, wie eine unbe­dachte Idee, Sicher­heitsvorkehrun­gen zu über­brück­en, auszuhe­beln oder abzuschrauben, schnell in der Hek­tik des All­t­ags zu ein­er eige­nen Gefährdung oder zu ein­er Gefährdung der Kol­le­gen wird.

Damit ver­bun­dene Anord­nun­gen allein wirken aber oft­mals nicht. Über den Aus­tausch in der Kle­in­gruppe über die aus ihrer Sicht „trifti­gen“ Gründe für ver­botene Ver­hal­tensweisen kön­nen die Beschäftigten sichere Maß­nah­men besprechen und einüben. Anweisun­gen des Vorge­set­zten, eine Manip­u­la­tion zu unter­lassen, wer­den von ihnen dann nicht mehr als Schikane erlebt, son­dern als ern­sthaft gemeintes Ver­hal­tens­ge­bot zur Erhal­tung ihrer Gesundheit.

Es kommt also vor allem auf die Akzep­tanz ein­er gemein­sam entwick­el­ten Maß­nahme bei den betrof­fe­nen Beschäftigten an. Diese ist nach­weis­lich beson­ders hoch, wenn Beschäftigte in Analyse- und Entschei­dung­sprozesse aktiv ein­be­zo­gen wur­den. Wer­den Beschäftigte beteiligt oder, mehr noch, wer­den sie zu Pro­tag­o­nis­ten von Gestal­tung­sprozessen, dann sind Unter­weisun­gen beson­ders wirkungsvoll und nachhaltig.

Unterweisungen und eine sich entwickelnde Sicherheitskultur

Unter­weisun­gen mit ein­er hohen Beteili­gung der Beschäftigten set­zen eine gelebte Ver­trauens- sowie Fehlerkul­tur voraus. Im Unternehmen muss ein Kli­ma vorhan­den sein, in dem die Auseinan­der­set­zung mit den Grün­den für ein Fehlver­hal­ten pos­i­tiv bew­ertet und als kon­tinuier­lich­er Verbesserung­sprozess auf dem Weg hin zur Sicher­heit­skul­tur ver­standen wird. In den Beschäftigten wird das Ver­trauen gelegt, dass er selb­st daran arbeit­et, sicher­heitswidriges Ver­hal­ten nicht zu dulden. Wird der Sachver­halt „Manip­u­la­tion von Schutzein­rich­tun­gen“ anhand dieser Begriffe dif­feren­ziert und gle­ichzeit­ig mit Hil­fe des Stufen­mod­ells der kom­m­mit­men­sch-Kam­pagne entwick­elt, ergeben sich neue Möglichkeit­en der Gefahren­ab­wehr (siehe Abbil­dung 1).

Das Ziel im Mod­ell ist es, eine wertschöpfende Hand­lungs-Ebene zu erre­ichen: Das bedeutet, dass Sicher­heit und Gesund­heit ein ander­er Wert beigemessen wird. Eine hohe Sicher­heits- und Gesund­heit­skul­tur, die Abwe­ichun­gen auf den Grund geht, trägt maßge­blich zur Leis­tungs­fähigkeit und damit zur Wertschöp­fung bei. Mitar­bei­t­ende tauschen sich eigen­ständig über rel­e­vante The­men aus. Führungskräfte schaf­fen Raum dafür.


Weitere Informationen


Autoren:

  • Christoph Mey­er: Abteilung Maschi­nen, Robotik, Holzver­ar­beitung, Beruf­sgenossen­schaft Holz und Metall 
  • Har­ald Sefrin: Abteilung Maschi­nen, Robotik, Holzver­ar­beitung, Beruf­sgenossen­schaft Holz und Metall

  • Rein­er Ste­fan, Abteilung Qual­i­fizierung, Beruf­sgenossen­schaft Holz und Metall

  • Ursu­la Willem­sen: Abteilung Qualifizierung,Berufsgenossenschaft Holz und Metall

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