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Die Arbeitsschutznorm DIN ISO 45001:2018

Für Einstei­ger und Umstei­ger

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Mit Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen werden poten­ti­elle Gesund­heits­ge­fah­ren erkannt, Beschäf­tigte unter­wie­sen und arbeits­me­di­zi­nisch betreut. Leider sind allzu oft die einzel­nen Akti­vi­tä­ten nicht aufein­an­der abge­stimmt und insbe­son­dere mit zuneh­men­der Größe einer Orga­ni­sa­tion steigt die Notwen­dig­keit einer syste­ma­ti­schen Koor­di­nie­rung. Die neue DIN ISO 45001 setzt genau hier an.

Der Bedarf für eine syste­ma­ti­sche Struk­tu­rie­rung des Vorge­hens im Arbeits­schutz ist nicht neu. Bereits im Jahr 1999 entwi­ckelte die British Stan­dard Insti­tu­tion (BSI) den British Stan­dard Occupa­tio­nal Health- and Safety Assess­ment Series 18001, kurz OHSAS 18001. Diese Norm verbrei­tete sich weit über Groß­bri­tan­nien hinaus und wurde welt­weit zum Stan­dard für Zerti­fi­zie­run­gen des Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems.

Aufgrund der welt­wei­ten Verbrei­tung der OHSAS 18001 schlug die BSI im März 2013 der Inter­na­tio­nal Orga­ni­za­tion for Stan­dar­di­za­tion (ISO) die Erar­bei­tung einer inter­na­tio­na­len Arbeitsschutz-Norm, auf Basis der OHSAS 18001 vor. Begrün­det durch die hohe Komple­xi­tät des Arbeits­schut­zes und den großen Unter­schie­den der Sicher­heits­ni­veaus der einzel­nen Staa­ten nahmen die Bera­tun­gen deut­lich mehr Zeit in Anspruch, als sonst bei inter­na­tio­na­len Normen üblich. So gingen zum ersten Norm­ent­wurf über 3.000 Kommen­tare ein. Der DIS 1 wurde von 28 Prozent der natio­na­len Normungs­gre­mien abge­lehnt und verfehlt damit die notwen­dige Dreiviertel-Mehrheit.

Der darauf­hin erstellte DIS 2 orien­tierte sich stär­ker als der erste Norm­ent­wurf an der High Level Struc­tur (HLS), die allen Management­nor­men zugrunde liegt um die Kombi­na­tion unter­schied­li­cher Manage­ment­sys­teme beispiel­weise aus den Berei­chen Ener­gie, Quali­tät oder Umwelt zu ermög­li­chen. So wurde DIS 2 im Septem­ber 2017 mit einer Zustim­mung von 88 Prozent von der inter­na­tio­na­len Norm­kom­mis­sion ange­nom­men.

Die im Juni 2018, fünf Jahre nach dem offi­zi­el­len Vorschlag der BSI, veröf­fent­lichte Norm trägt den deut­schen Titel Manage­ment­sys­teme für Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit – Anfor­de­run­gen mit Anlei­tung zur Anwen­dung (DIN ISO 45001:2018).

Inhalte der ISO 45001

Durch die HLS ist der Aufbau der Norm in wesent­li­chen Zügen vorge­ge­ben. Inhalt­lich orien­tiert sich die DIN ISO 45001 an der OHSAS 18001. Dessen unge­ach­tet setzt die DIN ISO 45001 eigene Akzente und Schwer­punkte. So werden die für das Manage­ment­sys­tem für Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit (SGAMS) rele­van­ten Begriffe defi­niert, beispiels­weise Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit (SGA), Risi­ken, Chan­cen, Kompe­tenz sowie Betei­li­gung und Konsul­ta­tion der Beschäf­tig­ten.

Der Kontext der Orga­ni­sa­tion muss neben den inter­nen, inter­es­sier­ten Parteien auch externe, inter­es­sierte Parteien berück­sich­ti­gen. Interne, inter­es­sierte Parteien sind neben den Beschäf­tig­ten, den Führungs­kräfte und der obers­ten Leitung beispiels­weise der Betriebs­arzt, die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und, falls vorhan­den, der Betriebs- respek­tive Perso­nal­rat. Zu den exter­nen, inter­es­sier­ten Parteien zählen neben den staat­li­chen Behör­den (zum Beispiel Gewer­be­auf­sichts­äm­ter) und den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten beispiels­weise Kunden, Liefe­ran­ten und Anwoh­ner. Je nach Konstel­la­tion können sich auch benach­barte Unter­neh­men, Vermie­ter, Gewerk­schaf­ten, natio­nale und inter­na­tio­nale Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, oder die Ange­hö­ri­gen der Beschäf­ti­gen für das Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem einer Orga­ni­sa­tion inter­es­sie­ren.

Führung und Betei­li­gung der Beschäf­tig­ten

Viel stär­ker als bisher liegt die Verant­wor­tung für das SGAMS bei der obers­ten Leitung einer Orga­ni­sa­tion. Sie muss nicht nur die SGA-Politik bestim­men, aus der SGA-Ziele abge­lei­tet werden, sondern sich darüber hinaus auch zum SGAMS beken­nen und die Rechen­schafts­pflicht dafür über­neh­men.

Die oberste Leitung kann Aufga­ben auf Führungs­kräfte und andere Mitar­bei­ter dele­gie­ren und diesen bestimmte Rollen inner­halb des SGAMS zuwei­sen. Unge­ach­tet der Rollen­zu­wei­sung verbleibt die Gesamt­ver­ant­wor­tung bei der obers­ten Leitung, welche die Führungs­kräfte bei der Ausübung ihrer Rollen kontrol­liert und unter­stützt.

Die Beschäf­tig­ten sind viel mehr als bisher in die Gestal­tung siche­rer und gesun­der Arbeits­be­din­gun­gen einzu­be­zie­hen. Die DIN ISO 45001 unter­schie­det dabei zwischen der bloßen Einho­lung der Ansich­ten der Beschäf­tig­ten vor der Entschei­dung, der soge­nann­ten Konsul­ta­tion, und der Einbe­zie­hung der Beschäf­tig­ten in die Entschei­dungs­fin­dung, der Betei­li­gung. Bei welchen Prozes­sen eine Konsul­ta­tion oder Betei­li­gung der Beschäf­tig­ten zu erfol­gen hat, ist in der Norm expli­zit fest­ge­legt. Dies ist als Mini­mal­an­for­de­rung zu verste­hen. Selbst­ver­ständ­lich können die Beschäf­tig­ten auch bei allen ande­ren Prozes­sen betei­ligt werden. Dafür ist es nicht zwin­gend notwen­dig, alle Beschäf­tig­ten einzeln zu befra­gen, die Einbe­zie­hung kann auch über die Vertre­ter der Beschäf­tig­ten wie den Betriebs- oder Perso­nal­rat, oder bei spezi­el­len Frage­stel­lun­gen die Erst­hel­fer und Sicher­heits­be­auf­trag­ten gesche­hen.

Unab­hän­gig davon, für welche Art und welches Ausmaß der Einbe­zie­hung der Beschäf­tig­ten sich eine Orga­ni­sa­tion entschie­det, sind die dabei auftre­ten­den Hinder­nisse zu iden­ti­fi­zie­ren und zu besei­ti­gen bzw. auf das kleinst­mög­li­che Maß zu redu­zie­ren. Hinder­nisse bei der Einbe­zie­hung der Beschäf­tig­ten können beispiels­weise der Zugang zu Infor­ma­tio­nen oder die termin­li­che Über­schnei­dung von Schicht­ar­beit und Bespre­chun­gen sein.

Planung und Betrieb

Vor der Planung zur Errei­chung der SGA-Ziele ist eine Bestands­auf­nahme notwen­dig. Nur wenn eine Orga­ni­sa­tion weiß, welche Gefähr­dun­gen und Risi­ken bei der Arbeit für ihre Beschäf­tig­ten bestehen, kann sie darauf reagie­ren. Klas­si­sches Instru­ment zur Iden­ti­fi­zie­rung von SGA-Gefährdungen und Beur­tei­lung von SGA-Risiken ist die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. In ihr werden die auftre­ten­den Gefah­ren ermit­telt, die daraus resul­tie­ren­den Gefähr­dun­gen beur­teilt und mögli­che Sicher­heits­maß­nah­men abge­lei­tet, ausge­wählt, umge­setzt und auf ihre Wirk­sam­keit kontrol­liert. Damit geht die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung deut­lich über die im Kapi­tel 6 der Norm gefor­derte Planung hinaus und greift schon auf die Kapi­tel 8 und 9, in denen die Umset­zung der Maßnah­men sowie deren Wirk­sam­keits­kon­trolle beschrie­ben sind, vor. Diese „Zerstü­cke­lung“ der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung auf mehrere Norm­ka­pi­tel ist der HLS der Management­nor­men geschul­det und hat für die prak­ti­sche Umset­zung im tagtäg­li­chen Betrieb keiner­lei Folgen.

Neu ist, dass neben den Gefähr­dun­gen und Risi­ken auch Chan­cen ermit­telt werden müssen. Mit Chan­cen ist nicht etwa die Einhal­tung gesetz­li­cher Vorga­ben durch wirk­same Umset­zung der Sicher­heits­maß­nah­men sondern viel­mehr eine Stei­ge­rung der Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten bei der Arbeit durch geson­derte Maßnah­men gemeint. Beispiels­weise müssen gemäß der Arbeits­stät­ten­richt­li­nie A3.5 – Raum­tem­pe­ra­tu­ren (ASR A3.5) „zusätz­li­che Maßnah­men“ bei Über­schrei­ten der Luft- und Raum­tem­pe­ra­tur von 26 °C ergrif­fen werden. Bei Über­schrei­ten dieser Tempe­ra­tur sind sinkende Leis­tungs­fä­hig­keit und Arbeits­lust, erhöhte Müdig­keit und Konzen­tra­ti­ons­schwä­che sowie vermehrte Herz-Kreislaufbelastungen die Folgen. Korrek­tur­maß­nah­men können gemäß ASR A3.5 eine effek­tive Steue­rung des Sonnen­schut­zes, das Abschal­ten nicht dauer­haft benö­tig­ter Elek­tro­ge­räte, die Lüftung in den Morgen­stun­den und die Bereit­stel­lung geeig­ne­ter Getränke sein. In diesem Fall kann die Instal­la­tion einer Klima­an­lage als Chance betrach­tet werden, da sie zu einer Erhö­hung der Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten über das gesetz­lich gefor­derte Maß hinaus führen.

Auch bei Beschaf­fun­gen sind die mögli­chen SGA-Risiken und ‑Chan­cen im Vorhin­ein zu betrach­ten. Bei der Beschaf­fung neuer Arbeits­mit­tel ist es inzwi­schen etablierte Praxis, die mögli­chen Auswir­kun­gen auf die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten bei der Arbeit zu berück­sich­ti­gen. Bei Dienst­leis­tun­gen findet eine solche Betrach­tung häufig unter dem Schlag­wort Fremd­fir­men­ma­nage­ment erst nach der Auswahl eines Leis­tungs­er­brin­gers, jedoch vor der Erbrin­gung der Leis­tung statt. Durch Vorgabe eines einheit­li­chen Beschaf­fungs­pro­zes­ses sowohl für Waren und Güter als auch für Dienst­leis­tun­gen soll dies zukünf­tig ange­gli­chen werden und die SGA-Risiken und ‑Chan­cen bereits in die Auswahl mögli­cher Leis­tungs­er­brin­ger einflie­ßen.

Der Über­gang von der Beschaf­fung exter­ner Dienst­leis­tun­gen zur Ausglie­de­rung vormals betriebs­in­ter­ner Prozesse ist häufig flie­ßend. Daher fordert die DIN ISO 45001 einen Prozess zur Steue­rung ausge­glie­der­ter Prozesse. Art und Umfang der Steue­rung ausge­glie­der­ter Prozesse sind in erheb­li­chem Maß von den Prozes­sen selbst abhän­gig und werden von der Orga­ni­sa­tion eigen­ver­ant­wort­lich fest­legt.

Unter­stüt­zungs­pro­zesse im SGAMS

Für den Aufbau, die Verwirk­li­chung, Aufrecht­erhal­tung und Verbes­se­rung des SGAMS sind weitere Prozesse notwen­dig. So sind beispiels­weise alle Beschäf­tig­ten, die Einfluss auf das SGAMS nehmen können, entspre­chend zu schu­len. Dies gilt selbst­ver­ständ­lich insbe­son­dere für die Beschäf­tig­ten, denen die oberste Leitung bestimmte Rollen mit dazu­ge­hö­ri­gen Verant­wor­tung und Befug­nis­sen zuge­wie­sen hat. Neben dem Wissen über das SGAMS werden in den meis­ten Fällen weitere Kompe­ten­zen, beispiels­weise die Ausbil­dung zum betrieb­li­chen Erst­hel­fer oder Sicher­heits­be­auf­trag­ten, notwen­dig sein. Die notwen­di­gen Kompe­ten­zen sind zu ermit­teln, mit den vorhan­de­nen abzu­glei­chen und gege­be­nen­falls weitere Schu­lun­gen durch­zu­füh­ren.

Wer, wann, mit wem, wie, worüber kommu­ni­ziert ist auch für klei­nere und mitt­lere Unter­neh­men eine nicht zu unter­schät­zende Frage­stel­lung. Denn was trivial klingt, entpuppt sich im Detail häufig als sehr komple­xes Thema. Dies gilt nicht nur für den Bereich der Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit sondern darüber hinaus in allen Belan­gen der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion. Bei der norma­len Kommu­ni­ka­tion sind neben sprach­li­chen Aspek­ten, die Spra­che selbst (bei einem global agie­ren­den, deut­schen Konzern könn­ten dies neben Deutsch und Englisch auch die Landes­spra­che der jewei­li­gen Zweig­stelle sein) und dem sprach­li­chen Niveau (Fach­be­griffe, Verständ­lich­keit) auch Aspekte der Diver­si­tät, der Lese- und Schreib­fä­hig­keit und der jewei­li­gen Kultur zu berück­sich­ti­gen.

Insbe­son­dere in Notfall­si­tua­tio­nen ist wich­tig, dass möglichst exakt und nach­voll­zieh­bar fest­ge­legt ist, wer wie kommu­ni­ziert. Bereits bei einem vergleichs­weise klei­nen Arbeits­un­fall mit einer anschlie­ßen­den Arbeits­un­fä­hig­keit von mehr als drei Tagen aber ohne Folge­schä­den muss gere­gelt sein, wer mit der Berufs­ge­nos­sen­schaft in Kontakt tritt, wer die ande­ren Beschäf­tig­ten infor­miert und wer in der konkre­ten Notfall­si­tua­tion Ansprech­part­ner für die Rettungs­kräfte ist.

Wie jedes Manage­ment­sys­tem stützt sich auch das SGAMS auf doku­men­tierte Infor­ma­tio­nen. Dies sind neben den in der DIN ISO 45001 fest­ge­leg­ten auch die von der Orga­ni­sa­tion zusätz­lich als wich­tig erach­te­ten Prozesse beispiels­weise aufgrund recht­li­cher Verpflich­tun­gen und ande­rer Anfor­de­run­gen zu doku­men­tie­ren Infor­ma­tio­nen wie Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen oder Unter­wei­sungs­nach­weise. Es ist ein Prozess zur Steue­rung dieser doku­men­tierte Infor­ma­tio­nen aufzu­bauen, zu verwirk­li­chen und aufrecht­zu­er­hal­ten. Darin ist beispiels­weise fest­zu­le­gen, wie die Doku­mente hinsicht­lich Daten­schutz (kein unbe­fug­ter Zugriff) und Daten­si­cher­heit (kein Daten­ver­lust)] gesteu­ert sowie in welchem Medium (Papier, elek­tro­ni­sche Datei, Mikro­film etc.) und in welchem Format (Prosa, Tabel­len, Diagramme etc.) die Infor­ma­tio­nen doku­men­tiert werden sollen. Auch Zugriffs- und Ände­rungs­be­rech­ti­gun­gen, sowie die Nach­voll­zieh­bar­keit und Revi­si­ons­ver­läu­fen sind zu regeln.

Bewer­tung und Verbes­se­rung

Ist das SGAMS umge­setzt, so ist regel­mä­ßig dessen Funk­tion zu über­prü­fen. Dazu ist zu defi­nie­ren, was wie über­wacht und anhand welcher Ziel­vor­ga­ben bewer­tet wird. Zur Bestim­mung der SGA-Leistung können die SGA-Risiken und ‑Chan­cen über­wacht sowie die Wirk­sam­keit der durch­ge­führ­ten Sicher­heits­maß­nah­men gemes­sen werden. Auch die Einhal­tung der recht­li­chen Verpflich­tun­gen und ande­rer Anfor­de­run­gen ist zu über­wa­chen, um möglichst proak­tiv auf Ände­run­gen reagie­ren zu können.

Durch Audits in Anleh­nung an die DIN EN ISO 19011 kann syste­ma­tisch über­prüft werden, in wie weit die Anfor­de­run­gen der Norm erfüllt werden und wo noch Verbes­se­rungs­po­ten­tial besteht. Sind alle Norman­for­de­run­gen erfüllt, steht einer Zerti­fi­zie­rung durch eine akkre­di­tierte Stelle nichts im Wege. Erfah­rungs­ge­mäß empfiehlt es sich, ein Zerti­fi­zie­rungs­au­dit durch interne Audits vorzu­be­rei­ten.

Darüber hinaus soll­ten regel­mä­ßige Manage­ment­be­wer­tun­gen durch die oberste Leitung erfol­gen. So kann über­prüft werden, ob das SGAMS noch den eige­nen Anfor­de­run­gen, die auch über den (Mindest-)Anforderungen der DIN ISO 45001 liegen können, erfüllt. Auch hier können Verbes­se­rungs­po­ten­tiale und Risi­ken für das SGAMS iden­ti­fi­ziert werden.

Durch regel­mä­ßige Audits und Manage­ment­be­wer­tun­gen ist eine früh­zei­tige Fest­stel­lung von Soll-Ist-Abweichungen möglich. Dadurch können recht­zei­tig Korrek­tur­maß­nah­men ergrif­fen und die Ursa­chen für even­tu­elle Nicht-Konformitäten analy­siert werden. Durch Nutzung des PDCA-Zyklus ist eine konti­nu­ier­li­che Verbes­se­rung des SGAMS und der SGA-Leistung möglich, um so die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten bei der Arbeit weiter zu stei­gern.

Schnitt­men­gen mit ande­ren Normen

Aufgrund der bereits erwähn­ten HLS hat die DIN ISO 45001 einen iden­ti­schen Aufbau wie die ISO 9001 (Quali­täts­ma­nage­ment) und die ISO 14001 (Umwelt­ma­nage­ment) sowie zur DIN Spec 91020 (Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment). Dies ist auch so beab­sich­tigt, um die Kombi­na­tion mehre­rer Manage­ment­sys­teme zu einem inte­grier­ten Manage­ment­sys­tem zu ermög­li­chen.

Dabei stellt die DIN SPEC 91020 keinen eigen­stän­di­gen Stan­dard für Gesundheits- und Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme dar, sondern soll es einer Orga­ni­sa­tion ermög­li­chen, die betrieb­li­chen Struk­tu­ren und Prozesse dafür zu schaf­fen, dass die Arbeits­be­din­gun­gen gesund­heits­ge­recht und leis­tungs­för­dernd gestal­tet und die Beschäf­tig­ten zu gesund­heits­för­dern­den Verhal­ten geschult und moti­viert werden. Entspre­chend gibt es inhalt­li­che Über­schnei­dun­gen zwischen der DIN ISO 45001, welche als eigen­stän­dige Norm ohne Rück­griff auf andere Normen umge­setzt werden kann, und der DIN SPEC 91020. Die mitein­an­der verbun­de­nen Themen Arbeits­si­cher­heit und Gesund­heit werden als zusam­men­ge­hö­rig betrach­tet. So ist es mit der DIN ISO 45001 gelun­gen, die künst­li­che Tren­nung der Themen des tradi­tio­nel­len Arbeits­schut­zes und des betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ments aufzu­he­ben und diese Berei­che zusam­men­zu­füh­ren, ohne die DIN SPEC 91020 obso­let zu machen.

Prak­ti­sche Umset­zung

Durch die Veröf­fent­li­chung der DIN ISO 45001 als Ersatz für die OHSAS 18001:2007, ist die OHSAS 18001 zurück­ge­zo­gen worden. Es gilt ein drei­jäh­ri­ger Umstel­lungs­zeit­raum, in dem die bishe­ri­gen Zerti­fi­kate, welche auf Basis der OHSAS 18001:2007 ausge­stellt worden sind, ihre Gültig­keit behal­ten. Eine Neu- oder Re-Zertifizierung auf Basis der OHSAS 18001:2007 ist nach Februar 2020 nicht mehr möglich. OHSAS-Zertifikate haben eine entspre­chend verkürzte Gültig­keit.

Der Umstieg auf die DIN ISO 45001 ist also in diesem Jahr drin­gend anzu­ra­ten. Dafür empfiehlt es sich, zunächst die Lücken zu iden­ti­fi­zie­ren und anschlie­ßend einen Umset­zungs­plan aufzu­stel­len. Schu­lun­gen und die Bewusst­seins­bil­dung für alle Beschäf­tig­ten über das SGAMS und ihren Einfluss darauf werden sicher­lich die meiste Zeit in Anspruch nehmen. Die inter­nen Audi­to­ren und die Führungs­kräfte soll­ten beson­ders inten­siv geschult werden. Sind die zusätz­li­chen Prozesse beschrie­ben und alle Mitar­bei­ter geschult, muss die Wirk­sam­keit veri­fi­ziert werden. Dies kann durch ein inter­nes Audit oder eine Manage­ment­be­wer­tung der obers­ten Leitung gesche­hen. So können „böse Über­ra­schun­gen“ im Zerti­fi­zie­rungs­au­dit verhin­dert werden.

Für Orga­ni­sa­tio­nen, die die Einfüh­rung der DIN ISO 45001 zum Anlass nehmen, ihr bereits vorhan­de­nes Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem erst­ma­lig zerti­fi­zie­ren zu lassen oder ein komplett neues Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem einzu­füh­ren ist zu empfeh­len, damit noch einige Zeit zu warten, da sich erfah­rungs­ge­mäß die Abläufe erst einspie­len müssen und die Zerti­fi­zie­rungs­stel­len mit Anfra­gen über­häuft werden. Mit ausrei­chend Vorlauf kann eine stress­freie Zerti­fi­zie­rung nach DIN ISO 45001 erfol­gen.


Aufbau der DIN ISO 45001

  1. Anwen­dungs­be­reich
  2. Norma­tive Verwei­sun­gen
  3. Begriffe
  4. Kontext der Orga­ni­sa­tion
  5. Führung und Betei­li­gung der Beschäf­tig­ten
  6. Planung
  7. Unter­stüt­zung
  8. Betrieb
  9. Bewer­tung der Leis­tung
  10. Verbes­se­rung

Weitere Infor­ma­tio­nen

Infor­ma­tio­nen zur DIN ISO 45001:

Zur Einfüh­rung und Zerti­fi­zie­rung:


Foto: IfG GmbH

Autor:

Dr. Chris­tian Mess­ner

IfG GmbH

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