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Vor Ort bei der Molkerei Gropper

Gesund zur Arbeit, gesund nach Hause“

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Florian Bren­ner liebt seinen Job als Molke­rei­fach­mann beim Unter­neh­men Grop­per. Zuver­läs­sig­keit und Pflicht­ge­fühl zeich­nen ihn auch bei seiner Aufgabe als Sicher­heits­be­auf­trag­ter aus. Zu seinen Kolle­gen und seinem Vorge­setz­ten in der Arbeits­si­cher­heit hat er einen guten Draht – und keine Scheu, auf poten­zi­elle Gefah­ren hinzu­wei­sen.

Günter Stauch

Jeden Arbeits­tag kommt Florian Bren­ner an ihr vorbei: Eine Milch­kuh steht als Werbe­mas­kott­chen vor dem nüch­tern gehal­te­nen Verwal­tungs­ge­bäude der Firma Grop­per. Dahin­ter blit­zen in der Sonne riesige silber­far­bene Tanks um die Wette. Sie stehen auf
einem Betriebs­ge­lände inmit­ten des lieb­li­chen Kessel­tals bei der bayerisch-schwäbischen Markt­ge­meinde Bissin­gen. Die länd­li­che, ans Allgäu erin­nernde Umge­bung scheint als Stand­ort gut getrof­fen für ein großes Fami­li­en­un­ter­neh­men, das seit nahezu hundert Jahren mit der Natur produ­ziert. Florian Bren­ner, gleich „um die Ecke“, im 30-Einwohner-Dorf Buggen­ho­fen zu Hause, arbei­tet hier als Molke­rei­fach­mann. Und seit acht Jahren zusätz­lich als Sicher­heits­be­auf­trag­ter (Sibe).

Sein Arbeit­ge­ber gilt als ein führen­der deut­scher Anbie­ter von Handels­mar­ken mit einem jähr­li­chen Milch­aus­stoß von fast 350 Millio­nen Litern. Packun­gen und Flaschen mit Frisch­milch kommen ebenso vom Band wie Misch­säfte oder Kaffee-Milch-Mischgetränke. Bei Grop­per legt man aber nicht nur Wert auf die Produkte, sondern achtet auch auf eine nach­hal­tige Ferti­gung. Und Sicher­heit: Dafür stehen neben dem Mann aus Dillin­gen an der Donau noch weitere 14 Sicher­heits­be­auf­tragte, die in den Berei­chen Instand­hal­tung, Produk­tion, Prozess­tech­nik, Verla­dung, Labor und dem Lager für Roh‑, Hilfs- und Betriebs­stoffe nach dem Rech­ten sehen.

Nicht lange gefa­ckelt

Die Frage, ob ich diese wich­tige Aufgabe über­neh­men wolle, empfand ich als eine beson­dere Aner­ken­nung meiner bishe­ri­gen Arbeit“, bekun­det Bren­ner, wenn er ans Jahr 2011 zurück­denkt. Damals wurde der lang­jäh­rige Mitar­bei­ter in der soge­nann­ten Schalt­warte, dem Leit­stand des Betriebs, auf das Thema ange­spro­chen. „Da musste ich nicht lange über­le­gen.“ Das Ehren­amt empfin­det er bis heute nicht als Last, denn „ich bin ja noch Molke­rei­fach­mann zu hundert Prozent“. Aber die Zusatz­auf­gabe ändere schon etwas die Sicht auf die Dinge: Gedank­lich sei man immer wieder bei der Sicher­heit.

Dass die Wahl auf den 46-Jährigen fiel, hat viele Gründe. Neben seiner langen Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit seit 1991, wodurch er sich im Hause Grop­per bestens auskennt, spielt vor allem seine gründ­li­che und gewis­sen­hafte Art eine Rolle. Diese Verläss­lich­keit zeigt sich auch im Privat­le­ben, wo er als Kirchen­pfle­ger die Finan­zen der Gemeinde regelt und entspre­chen­des Vertrauen genießt. Auch bei seinen Gängen durch die Produk­ti­ons­an­la­gen ist Florian Bren­ner stets mit wachem Auge und Verstand unter­wegs. Auf Schritt und Tritt prak­ti­ziert er, was er zu den wich­tigs­ten Aufga­ben eines Sicher­heits­be­auf­trag­ten zählt: das „Abwä­gen und Einschät­zen von Gefah­ren und Gefah­ren­po­ten­zial“ und denkt dabei auch an seinen Beglei­ter. „Immer auf sich und seinen Neben­mann achten“, rät er entspre­chend den Kolle­gen, die seine umsich­tige, kolle­giale Art zu schät­zen wissen. „Der Kontakt unter­ein­an­der ist sehr gut, wir pfle­gen ein gutes Verhält­nis.“ Kein neben­säch­li­cher Aspekt – schließ­lich hält Bren­ner jeden einzel­nen Beschäf­tig­ten für einen wich­ti­gen Faktor in Sachen Unter­neh­mens­si­cher­heit.

Hofnarr“ mit dem nöti­gen Ernst

Diese Sicht entstammt einer gehö­ri­gen Portion Sozi­al­kom­pe­tenz, die sich der lebens­frohe Mitar­bei­ter über viele Jahre erwer­ben konnte, unter ande­rem beim lang­an­dau­ern­den Enga­ge­ment in einem der bekann­tes­ten Faschings­ver­eine der Region. Seine dama­lige Rolle als „Hofnarr“ lässt darauf schlie­ßen, dass Florian Bren­ner kein Kind von Trau­rig­keit ist.

Doch Obacht: Die Aufgabe als Sicher­heits­be­auf­trag­ter bei einem regel­mä­ßig zerti­fi­zier­ten Unter­neh­men versieht er nicht aus Jux und Tolle­rei, sondern weiß um seine große Verant­wor­tung durch das Ehren­amt. „Ich werde meine Firma bei der Durch­füh­rung von Maßnah­men zur Verhü­tung von Arbeits­un­fäl­len, Berufs­krank­hei­ten und arbeits­be­ding­ten Gesund­heits­ge­fah­ren unter­stüt­zen“, sieht sich Bren­ner in der Pflicht und als Binde­glied zwischen Abtei­lungs­lei­tung und Sicher­heits­fach­kraft (Sifa).

Riecher für Gefah­ren entwi­ckelt

Sein ganz persön­li­cher Leit­satz lautet: „Gesund zur Arbeit kommen, gesund nach Hause gehen.“ Damit das immer so bleibt, hat Bren­ner mit der Zeit eine ausge­klü­gelte Senso­rik, gewis­ser­ma­ßen einen „Riecher“ für Risi­ken und Gefah­ren entwi­ckelt. Sei es, dass der ganz in einen weißen Schutz­an­zug gehüllte Mitar­bei­ter ein Stück loses Elek­tro­ka­bel am Boden sofort auf die Seite legt – Achtung, Stol­per­falle! – oder sich mit größ­tem Respekt den soge­nann­ten CIP-Räumen nähert, die gerade zur Prozess­rei­ni­gung benö­tigt werden – Verbrennungs- oder Verbrü­hungs­ri­siko. Die drei Buch­sta­ben CIP stehen für „cleaning-in-process“, ein beson­de­res Reini­gungs­sys­tem, das dort gefragt ist, wo höchste Anfor­de­run­gen an die Hygiene und Produkt­si­cher­heit gestellt werden – wie es in einer Molke­rei der Fall ist. Dabei werden Tanks und Rohre mit Laugen oder Säuren durch­spült, ohne dass dafür Kompo­nen­ten der Anlage demon­tiert werden müssen.

Der System­be­die­ner aus der Schalt­zen­trale scheut sich auch nicht, mal in „brenz­li­gen“ Ecken der riesi­gen Anlage nach­zu­se­hen: „Einen guten Sicher­heits­be­auf­trag­ten zeich­net aus, dass er nahe am Gesche­hen und mit den Gege­ben­hei­ten vertraut ist.“ Florian Bren­ner, dem man seine Freude an der Ehren­auf­gabe deut­lich anmerkt, weiß auch: Vertrauen ist zwar gut, Kontrolle aber noch besser. So knöpft sich der Ange­stellte regel­mä­ßig die Erhit­zer­sys­teme mit ihren Rohr­lei­tun­gen und Venti­len vor. Und würde sich auch nicht vornehm zurück­hal­ten, wenn auf Mängel hinge­wie­sen werden müsste. „Es sind oft die vielen klei­nen Sachen, die zur Verbes­se­rung der Arbeits­si­cher­heit beitra­gen können“, meint Bren­ner und weist zum Beispiel auf die vorge­schla­ge­nen Schutz­git­ter an heißen Rohren hin. Oder den Metall­rost auf feuch­ten Leitun­gen, um die Rutsch­ge­fahr einzu­däm­men. Apro­pos: Bei der PSA-Auswahl hat der Beauf­tragte ebenso ein Wört­chen mitzu­re­den: „Vorschläge, die ich mache, werden nach Möglich­keit umge­setzt.“ Zur Ausstat­tung von Mitar­bei­tern, die mit Gefahr­stof­fen hantie­ren müssen, zählen spezi­elle Korrek­ti­ons­schutz­bril­len, die auf die opti­schen Werte ihrer Nutzer ausge­legt werden.

Thema genießt großen Stel­len­wert

Jeder bekommt bei uns die Ausrüs­tung, die er braucht“, betont Bren­ners Ansprech­part­ner Markus Straß, stell­ver­tre­ten­der Abtei­lungs­lei­ter Instand­hal­tung und Sicher­heits­fach­kraft. „Ich bin ein recht umgäng­li­cher Mensch, zu mir kann man jeder­zeit kommen“, zwin­kert der gelernte Mecha­ni­ker, seit elf Jahren bei Grop­per, Florian Bren­ner zu. Dieser beschei­nigt seinem Vorge­setz­ten, „stets ein offe­nes Ohr“ für seine Anlie­gen zu haben und große Unter­stüt­zung zu leis­ten. Vier­mal pro Jahr trifft man sich zur Bespre­chung mit der Geschäfts­füh­rung und ande­ren im Arbeits­schutz­aus­schuss, kurz ASA. Dort können Sicher­heits­as­pekte beim Drei-Schicht-Betrieb – rund um die Uhr mit nur einer kurzen Unter­bre­chung an Heilig­abend – erör­tert werden. Laut Straß sei es von der Vorschrif­ten­lage her zwar nicht notwen­dig gewe­sen, gleich 15 Beauf­tragte in der Firma zu haben. „Aber der Arbeits­schutz ist uns sehr wich­tig und da haben wir eini­ges vorzu­wei­sen, was sonst nur Groß­kon­zerne bieten“, betont die Sifa und präsen­tiert stolz die OHRIS-Urkunde. Sie beschei­nigt dem Unter­neh­men die Prüfung durch das inter­na­tio­nal aner­kannte Arbeits­schutz­ma­nage­ment der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung für mehr Gesund­heit bei der Arbeit und Sicher­heit tech­ni­scher Anla­gen. Ein renom­mier­tes Zerti­fi­kat, das alle drei Jahre erneu­ert wird. „So eine Auszeich­nung kommt bei unse­ren Kunden gut an.“

Eige­nes Hand­buch verfasst

Dafür hat Straß ein spezi­el­les Hand­buch verfasst, in dem Stan­dards aufge­stellt und Verant­wort­lich­kei­ten im Betriebs­all­tag gere­gelt werden. Dort sind zum Beispiel eine „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung psychi­scher Belas­tun­gen“ und regel­mä­ßige Mitar­bei­ter­be­fra­gun­gen vorge­schrie­ben. Zudem ist dem 30-seitigen Werk die Verpflich­tung zu entneh­men, ein „möglichst hohes Niveau“ beim Arbeits- und Gesund­heits­schutz zu verwirk­li­chen und aufrecht­zu­er­hal­ten. „Wir werden alles uns Mögli­che tun, um unsere Mitar­bei­ter vor Verlet­zun­gen und sons­ti­gen gesund­heit­li­chen Schä­den zu schüt­zen.“

Dieser Satz könnte auch aus der Feder von Florian Bren­ner stam­men, dessen Arbeits­grund­sätze auf Seite 13 des Hand­buchs fest­ge­schrie­ben wurden. Dem Aufga­ben­pa­pier zufolge soll er Kolle­gen anspre­chen, die sich „sicher­heits­wid­rig“ verhal­ten. Der Sibe mit dem guten Draht zu den Kolle­gen leis­tet dies auf freund­li­che, höchst kolle­giale Weise, und: „Ich versu­che vorzu­le­ben, was ich vermit­teln möchte.“ Ob der ehren­amt­li­che Hüter der Sicher­heit nach so vielen Jahren auch im Priva­ten stets auf Nummer sicher und als zwei­fa­cher Vater kritisch prüfend durchs Leben geht, vermag Florian Bren­ner nicht zu sagen. Aber: „Kann schon sein, dass man das von der Arbeit in bestimm­ter Weise in die Frei­zeit einflie­ßen lässt, etwa in Hinblick auf meine geliebte Garten­ar­beit.“


Steck­brief

  • Florian Bren­ner
  • 46 Jahre
  • Molke­rei­fach­mann
    Abtei­lung Schalt­warte / Prozess­tech­nik
  • Bran­che: Lebens­mit­tel­in­dus­trie
  • Sicher­heits­be­auf­trag­ter seit 2011

Molke­rei Grop­per GmbH & Co. KG

Grop­per ist ein auf Handels­mar­ken spezia­li­sier­tes Fami­li­en­un­ter­neh­men, dessen Ursprünge ins Jahr 1929 zurück­rei­chen. Neben dem Haupt­stand­ort in Bissin­gen gibt es noch einen Stütz­punkt in Stock­ach am Boden­see. Im Mittel­punkt stehen vor allem Milch­pro­dukte sowie Kaffee­milchmisch­ge­tränke, Direkt­säfte und Smoot­hies.

  • Mitar­bei­ter: 885
  • Jahres­her­stel­lung: 270 Millio­nen Liter konven­tio­nelle Milch; 75 Millio­nen Liter Bio-Milch
  • Milch­er­zeu­ger: 870
  • www.gropper.de
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