HSE in einem weltweit agierenden Konzern - Beispiel Linde AG
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Global vernetzt – lokal sicher

HSE in einem welt­weit agie­ren­dem Konzern

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Die Arbeits­si­cher­heit der Beschäf­tig­ten der Engi­nee­ring Divi­sion der Linde AG wird von der Anlagenbau‐Zentrale in Pullach bei München aus gesteu­ert. Zwei Sicher­heits­ex­per­tin­nen geben Einbli­cke, wie sich die Fach­leute welt­weit vernet­zen und unter­stüt­zen. Sie verra­ten zudem, wie sie die Sicher­heits­leis­tung deut­lich verbes­sern konn­ten.

Nicht alle unse­rer Kolle­gin­nen und Kolle­gen auf den Baustel­len haben eine genaue Vorstel­lung davon, wie wir unser gemein­sa­mes Ziel von null Unfäl­len aktiv unter­stüt­zen und errei­chen wollen“, sagt Virgi­nie Méti­vier, Global HSE1 Mana­ger. Sie erklärt weiter, dass es entschei­dend sei, den Beschäf­tig­ten nahe zu brin­gen, welchen Beitrag jede Mitar­bei­te­rin und jeder Mitar­bei­ter indi­vi­du­ell leis­ten kann um das Ziel „sichere Arbeit“ zu errei­chen.

Virgi­nie Méti­vier promo­vierte in Frank­reich im Fach Natur­wis­sen­schaf­ten zum Thema HSE‐Management Systeme. Sie ist Inge­nieu­rin für ange­wandte Biolo­gie und heute bei Linde Engi­nee­ring Teil eines fünf­köp­fi­gen inter­na­tio­na­len HSE‐Teams, dessen Multi­kul­tu­ra­li­tät sie sehr schätzt. Vom baye­ri­schen Haupt­sitz des Unter­neh­mens aus arbei­ten sie mit Kolle­gin­nen und Kolle­gen in Toch­ter­ge­sell­schaf­ten auf der ganzen Welt – etwa in den USA, in Russ­land, in Indien oder in China. „Wenn wir Audits bei den Toch­ter­un­ter­neh­men durch­füh­ren, soll dies nicht nur einen Kontroll‐Charakter haben. Es handelt sich viel­mehr um einen kolle­gia­len Austausch, um Schwach­stel­len zu finden und zu behe­ben“, führt Sara del Barrio aus. Die Chemie‐Ingenieurin ist seit 2013 Teil des Teams und verant­wor­tet die Sicher­heit von Monta­ge­pro­jek­ten in Europa, in Russ­land und in den USA. Dabei ist sie auch auf den Baustel­len tätig.

Die räum­li­che Distanz verschwin­det

Beson­ders profi­tie­ren die Team­mit­glie­der vom konti­nu­ier­li­chen fach­li­chen Austausch. Ganz gleich an welchem Ort der Welt sie gerade beschäf­tigt sind, regel­mä­ßige Team­mee­tings im Abstand von zwei Wochen mit Sicher­heits­ver­ant­wort­li­chen der Zentrale und der inter­na­tio­na­len Toch­ter­ge­sell­schaf­ten werden konse­quent abge­hal­ten. Wer nicht vor Ort sein kann, schal­tet sich per Video­chat dazu. Im Rahmen dieser Tref­fen kam der Wunsch auf, sich noch stär­ker unter­ein­an­der zu vernet­zen. Gemein­sam mit der IT‐Abteilung wurde ein Instant Messa­ging System als Pilot­pro­jekt einge­führt, das platt­form­über­grei­fend – über Rech­ner und Smart­phone – genutzt wird.

Mit dieser Soft­ware lässt sich in einer Gruppe chat­ten, so dass ein sehr spon­ta­ner Austausch möglich ist. Seit eini­gen Wochen arbei­ten rund 40 Sicher­heits­ver­ant­wort­li­che mit dem Tool und teilen ihr Wissen in verschie­de­nen virtu­el­len Diskus­si­ons­ver­läu­fen. „Wir erhal­ten sehr unmit­tel­bar Antwor­ten auf Fragen aus dem Team. Ich kann etwa ein Foto schi­cken und fragen ‚Habt Ihr so etwas schon einmal gese­hen?‘ und bekomme schnell hilf­rei­che Antwor­ten“, erzählt Sara del Barrio. Über das System werden auch aktu­elle Infor­ma­tio­nen verbrei­tet oder Erfolge geteilt. Im Herbst fand beispiels­weise ein Kinder‐Tag mit etwa 200 Kindern am Stand­ort Pullach statt, an dem auch die Arbeits­si­cher­heit ein Thema war. Das HSE‐Team teilte Kinder­zeich­nun­gen von der erfolg­rei­chen Aktion als Impuls für die Kolle­gin­nen und Kolle­gen aus. Virgi­nie Méti­vier schätzt die Möglich­kei­ten der Vernet­zung und die dyna­mi­sche Kommu­ni­ka­tion mithilfe des Tools. „Beim Chat­ten ist der Austausch infor­mel­ler als über E‐Mail. Die Kommu­ni­ka­tion über diesen Kanal lebt von der Spon­ta­ni­tät und die räum­li­che Distanz verschwin­det quasi“, schil­dert die Global HSE Mana­ge­rin.

Andere Länder …

Welche Beson­der­hei­ten gilt es in unter­schied­li­chen Ländern zu beach­ten? Auf diese Frage antwor­tet Sara del Barrio: „Zunächst sind die Themen bei allen Projek­ten ähnlich – etwa Gerüst­bau, Brand­schutz oder Höhen­ar­bei­ten. Die spezi­fi­schen Schwer­punkte passen wir entspre­chend den spezi­el­len Anfor­de­run­gen an.“

Für jedes Projekt berei­tet das Arbeits­si­cher­heits­team die länder­spe­zi­fi­schen Unter­la­gen vor und unter­weist die Beschäf­tig­ten. Um dabei in allen Ländern auf dem aktu­el­len Stand zu sein, bezieht Linde Engi­nee­ring über einen Provi­der die natio­na­len HSE‐Regelwerke. In der Daten­bank sind Vorschrif­ten und Gesetze jeweils in der Landes‐ und in engli­scher Spra­che zu finden. Virgi­nie Méti­vier weist auf eine schein­bare Klei­nig­keit hin: Beson­de­res Augen­merk ist auf das jeweils verwen­dete Maßsys­tem zu legen – etwa beim anglo­ame­ri­ka­ni­schen im Gegen­satz zum inter­na­tio­na­len Einhei­ten­sys­tem, da sich sonst erheb­li­che Unter­schiede erge­ben würden.

Kultu­relle Beson­der­hei­ten der Regio­nen spie­len auch bei der Arbeits­si­cher­heit und dem Gesund­heits­schutz eine Rolle. So gilt es etwa bei Arbei­ten im Mitt­le­ren Osten während des Rama­dans Zeiten für Gebete einzu­pla­nen und für den nöti­gen Schat­ten zu sorgen. Und auch der recht­li­che Rahmen muss berück­sich­tigt werden: In den USA müssen die Beschäf­tig­ten beispiels­weise eine Occupa­tio­nal Safety and Health Admi­nis­tra­tion (OSHA)-Schulung durch­lau­fen und in Südafrika werden beson­dere Pflich­ten­über­tra­gun­gen aus der Occupa­tio­nal Health and Safety Verord­nung (OHS‐Act) benö­tigt.

Auch länder­spe­zi­fi­sche Gefah­ren werden in einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung berück­sich­tigt. Dabei wird etwa auch der Reise­weg betrach­tet, die Infek­ti­ons­ge­fah­ren oder die gesund­heit­li­che Versor­gung vor Ort. „Bevor wir unsere Leute losschi­cken, sensi­bi­li­sie­ren wir sie zudem für siche­res Verhal­ten. Wir geben etwa Tipps, dass sie sich die Tele­fon­num­mer ihres Fahrers notie­ren oder aus welchem Stock­werk ihres Hotels sie bei einem Brand noch gut geret­tet werden können – es ist der sechste“, weiß Sara del Barrio.

Asbest – ein wich­ti­ges Thema

Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen durch Asbest sind in Deutsch­land nur noch bei Abbruch‐, Sanierungs‐ und Instand­hal­tungs­ar­bei­ten ein Thema. „In Ländern wie Russ­land und China wird der krebs­er­re­gende Stoff auch heute noch verbaut“, erklärt Sara del Barrio.

Zu ihren Aufga­ben zählt unter ande­rem sicher­zu­stel­len, dass keine Mitar­bei­te­rin­nen und kein Mitar­bei­ter von Linde Engi­nee­ring durch Asbest zu Scha­den kommen. Die gesetz­li­che Grund­lage dafür bildet unter ande­rem das Arbeitnehmer‐Entsendegesetz (siehe Kasten rechts). Um möglichst jede Gefahr auszu­schlie­ßen, wird das Thema Asbest früh in der Ange­bots­phase bespro­chen und vertrag­lich verein­bart. Bei der Umset­zung der Schutz­maß­nah­men unter­stützt das Linde Team auch seine Kunden. „Gleich­zei­tig schu­len wir unsere Kolle­gin­nen und Kolle­gen und zeigen, wo Asbest einge­setzt wird und wie sie es erken­nen können“, berich­tet Virgi­nie Méti­vier.

Coaching statt Schu­lung

Mithilfe der Linde‐internen Kampa­gne „BeSafe“ sensi­bi­li­siert das HSE‐Team von Linde Engi­nee­ring für das über­ge­ord­nete Ziel „0‐Unfälle“. Verhal­tens­ori­en­tierte Arbeits­si­cher­heit soll dazu beitra­gen, dieses Ziel zu errei­chen. Der Name der Kampa­gne spielt mit den Worten „Beha­viour“ und „Safety“, um die Verknüp­fung von indi­vi­du­el­lem Verhal­ten und Sicher­heit zu verdeut­li­chen. Das Beson­dere dabei ist, dass die Beschäf­tig­ten nicht wie früher geschult – sondern gecoacht werden. Indem ihnen persön­li­che, offene und „kraft­volle“ Fragen gestellt werden, soll ein gestei­ger­tes Bewusst­sein für Gefah­ren und Risi­ken erreicht werden, was letzt­lich in erhöh­ter Eigen­ver­ant­wor­tung für die eigene Sicher­heit mündet. „Mit dieser neuen Sicher­heits­phi­lo­so­phie vermit­teln wir den Beschäf­tig­ten, dass Sicher­heit nicht nur ein Thema der Abtei­lung für Arbeits­si­cher­heit ist. Wir wollen keine Verbote ausspre­chen, sondern mit den Menschen so reden, dass sie sich aus eige­nem Antrieb in unse­rem BeSafe‐Programm enga­gie­ren“, erklärt Sara del Barrio und führt weiter aus. „Nur so können wir die beste Sicher­heits­leis­tung und die nied­rigs­ten Unfall­ra­ten errei­chen.“

Anhand einer Kenn­zahl konnte gezeigt werden, dass sich durch den Ansatz der verhal­tens­ori­en­tier­ten Arbeits­si­cher­heit die Unfall­zah­len weiter redu­zie­ren lassen. „Bisher konn­ten die Unfall­zah­len nur auf ein bestimm­tes Level gesenkt werden. Durch den verhal­tens­ori­en­tier­ten Ansatz und unser BeSafe Programm sind wir dabei, diese Hürde zu über­win­den“, freut sich Virgi­nie Méti­vier.

Neuer Ansatz für die HSE Themen

Die beiden Sicher­heits­ex­per­tin­nen sind begeis­tert, dass sie einen neuen Ansatz für die HSE Themen nutzen können. In der ersten Phase haben sie die Beschäf­tig­ten über die neue Heran­ge­hens­weise infor­miert. Jetzt reisen sie, um Kolle­gin­nen und Kolle­gen sowie Linde‐Auftragnehmer (Kontrak­to­ren) welt­weit vor Ort zu coachen. Zudem evalu­ie­ren sie, welche Effekte erzielt werden. Entschei­dend ist, die persön­li­che und empa­thi­sche Anspra­che. Durch das Coaching wird beispiels­weise den Mitar­bei­tern auf der Baustelle klar, dass sie auch selbst dafür verant­wort­lich sind, gesund zu blei­ben und gesund nach Hause zu kommen.

1 HSE – Health, Safety and Envi­ron­ment – Gesund­heit, Sicher­heit und Umwelt


Über Linde Engi­nee­ring

Die Engi­nee­ring Divi­sion ist im inter­na­tio­na­len Anla­gen­bau tätig. Welt­weit hat Linde Engi­nee­ring bereits mehr als 4000 Anla­gen fertig­ge­stellt. Dabei reicht das Ange­bots­spek­trum von der Entwick­lung über Projekt­ma­nage­ment und Procu­re­ment bis zur schlüs­sel­fer­ti­gen Indus­trie­an­lage. Das Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men errich­tet etwa schlüs­sel­fer­tige petro­che­mi­schen Anla­gen, Luft­zer­le­ger, CO2‐, Absorptions‐, Membran‐ und Wasser­stoff­pro­duk­ti­ons­an­la­gen.

Mit neuen „Construc­tion Safety Services“ unter­stützt Linde Engi­nee­ring jetzt auch andere Unter­neh­men bei allen Aspek­ten rund um die Arbeits­si­cher­heit in Bau‐ und Monta­ge­pro­jek­ten. Dabei greift das Team auf lang­jäh­rige Erfah­run­gen aus Linde‐internen Projek­ten zurück. Heute ist das Programm Teil des umfas­sen­den Service­an­ge­bots „Linde Plant­serv“, das alle Leis­tun­gen des frühe­ren Custo­mer Services von Linde Engi­nee­ring enthält. Das neue Ange­bot setzt sich aus drei inein­an­der­grei­fen­den Baustei­nen zusam­men:

  1. verhal­tens­ori­en­tierte Arbeits­si­cher­heit Services
    (Beha­viour Based Safety Services)
  2. Arbeitssicherheits‐ und Umwelt Manage­ment­sys­teme Services
  3. Project & Execu­tion Safety Services

Arbeitnehmer‐Entsendegesetz

Gesetz über zwin­gende Arbeits­be­din­gun­gen für grenz­über­schrei­tend entsandte und für regel­mä­ßig im Inland beschäf­tigte Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer (Arbeitnehmer‐Entsendegesetz – AEntG)

www.gesetze-im-internet.de/aentg_2009


Sara del Barrio

Bevor wir unsere Leute losschi­cken, sensi­bi­li­sie­ren wir sie zudem für siche­res Verhal­ten.“


 

Autorin: Dipl.-Ing. Andrea Stickel

Jour­na­lis­tin für Tech­nik und
Wissen­schaft (BJV)

andrea@stickel-online.net

Foto: © Rolf Schür­mann
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