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GS, CE und Co. im Arbeitsschutz

Eine kleine Zeichenkunde
GS, CE und Co. im Arbeitsschutz

Was bedeuten die verschiedenen Zeichen, wie geht der Einkauf im Unternehmen vor, und was hat das alles mit der neuen ISO 45001 zu tun?
Foto: © bluedesign – stock.adobe.com
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Die Schnittstelle zwis­chen Einkauf und Arbeitssicher­heit wird durch die Mitte März 2018 erschienene ISO 45001 aufgew­ertet. Der Gedanke, bes­timmte Kri­te­rien der Arbeitssicher­heit im Einkauf von Anfang an fest zu instal­lieren ist nicht kom­plett neu1, son­dern hat sich in anderen Man­age­mentsys­te­men (Qual­ität, Umwelt, usw.) bewährt. Hier­bei spie­len auch bes­timmte Zeichen ein Rolle, die beachtet aber auch nicht über­be­w­ertet wer­den dür­fen, indem sie als alleiniges Kri­te­rien ange­se­hen werden.

 

Wichtige Phasen im Bestel­lvor­gang sind die Fest­stel­lung der Beschaf­fungsart, STOP-Prü­fun­gen, Anforderun­gen, Auf­bere­itung von Alter­na­tiv­en, Vor­abprü­fung und ‑auswahl, Erprobungsphase und schließlich die Freiga­be – auch durch die Fachkraft für Arbeitssicher­heit. Während der Nutzung im Betrieb sollte anschließend eine kon­tinuier­liche Überwachung und Beurteilung des Pro­duk­tes und der Liefer­an­ten erfolgen.

Dies alles ist kein triv­ialer Prozess. Zumal die Ver­gle­ich­barkeit der einzel­nen Pro­duk­te, Dien­stleis­tun­gen beziehungsweise Ange­bote oft nicht gegeben ist. Und auch die Meta-Ebene darüber, die Güte­siegel, Zeichen, etc. ähneln eher einem Urwald, als ein­er klar gegliederten und struk­turi­erten Baum­schule. Und der Urwald bet­rifft nicht nur die Logos, son­dern auch, wie sie erlangt wer­den kön­nen, wie sie genutzt wer­den dür­fen und was sie denn nun wirk­lich bedeuten — oder auch nicht.

Stu­di­en2 zeigen ein­deutig, dass den Emit­ten­ten von Zeichen gerne eine ‚Staatlichkeit‘ unter­stellt wird, dass die Kaufwahrschein­lichkeit durch ein Zeichen ansteigt und dass ein höher­er Preis akzep­tiert wird. Zeichen sind aber oft nur eine Erk­lärung des Her­stellers oder der Her­steller zahlt für die Prü­fung und für das Zeichen an einen Anbi­eter — in der Hoff­nung, dies im Ver­laufe des Pro­duk­tlebens wieder zu erwirtschaften.

CE/GS alles OK?

Gerne wird in der Prax­is darauf ver­wiesen, dass das Arbeitsmit­tel doch ein CE-Zeichen und GS-Siegel hätte und somit alles in Ord­nung ist. Aus Sicht des Her­stellers mag dies stim­men, aber stimmt dies auch für die eige­nen Anforderun­gen aus Kundensicht?

Wie bei der Gefährdungs­beurteilung, so ist auch bei den ange­bote­nen Kon­for­mitäts­be­w­er­tun­gen die Umset­zung auf die eige­nen Anforderun­gen drin­gend geboten. Und dies gilt es gegebe­nen­falls regelmäßig zu über­prüfen. Denn hin und wieder ändern sich Ver­fahren. Oder wurde beispiel­sweise Miss­brauch des Pro­duk­ts bekan­nt? Was hat sich am Pro­dukt geändert?

Blue Guide, RAPEX & ISO/IEC 17067

Das CE-Zeichen wird oft als „Reisep­a­ss“ inner­halb der EU beze­ich­net. Es ist kein Güte­siegel! Zumal es ohne Num­mer, lediglich vom Her­steller selb­st stammt (Selb­sterk­lärung). Die CE-Richtlin­ien schreiben vor, welche Doku­mente für Behör­den vorzuhal­ten sind. Als Kunde beste­hen nur geringe bis keine Möglichkeit­en auf diese Dat­en zu zugreifen. Unab­hängig davon, ist die Qual­ität dieser Doku­ment min­destens genau­so unter­schiedlich, wie die Qual­ität der meis­ten Gefährdungs­beurteilun­gen. Die Überwachung der Daten­bank RAPEX (Schnell­warn­sys­tem) ist drin­gend zu empfehlen (siehe Kasten).

So wie sich die CE-Richtlin­ien des mod­u­laren Bausatzes des Blue Guides (siehe Kas­ten) bedi­enen, so kön­nen alle anderen (frei­willi­gen) Zeichen, den Bausatz der ISO/IEC 17067 (Kon­for­mitäts­be­w­er­tung – Grund­la­gen der Pro­duk­tzer­ti­fizierung und Leitlin­ien für Pro­duk­tzer­ti­fizierung­spro­gramme) nutzen um Kon­for­mitäts­be­w­er­tun­gen durchzuführen. Begin­nend mit dem Pro­gramm, Ermit­tlung der Eigen­schaften, Bew­er­tung, Kon­for­mität­snach­weis, Bestä­ti­gung, Genehmi­gung bis zur Überwachung.

Prüfprogramm

Das GS-Zeichen dürfte eines der bekan­ntesten Zeichen (in Deutsch­land) sein. Die GS-Prüf­stelle legt dabei das Prüf­pro­gramm fest. Hier­bei wird geprüft, ob die geforderten Eigen­schaften erfüllt wur­den bzw. ob die Kon­for­mität des Prüf­musters bestätigt wird. Die Fer­ti­gungsüberwachung kann durch Her­steller- oder Mark­t­muster erfol­gen. Die Möglichkeit gegen Miss­brauch vorzuge­hen sollte existieren. Neben den Labels, wie zum Beispiel CE, GS, Blauer-Engel, TCO, Stiftung War­entest, usw., existieren noch weit­ere Labels, deren Schw­er­punkt eher im Bere­ich des Mar­ket­ings² zu sehen ist (siehe Kasten).

Zusammenfassung

Beachtet man einige Punk­te wie den Zeichen-Emit­ten­ten, das Prüf­pro­gramm und ‑ver­fahren, Miss­brauchs­bekämp­fung und Beschw­erdesys­tem, einen Gültigkeit­szeitraum, kann schnell über die Ver­wen­dungs­fähigkeit eines Labels im eige­nen Beschaf­fungsablauf getrof­fen wer­den. Wer­den diese Infor­ma­tion und Erken­nt­nisse noch selb­st anhand von Kri­te­rien bew­ertet, kön­nen Zeichen eine nüt­zliche Unter­stützung darstellen. Diese soll­ten aber nie unbe­w­ertet oder unre­flek­tiert über­nom­men werden.

1BAUA Pub­lika­tion ‚Auswahl von Arbeitsmit­teln‘ – Christof Barth; 2012

2 https://www.splendid-research.com/guetesiegel.html


Autor: Dipl.-Ing. (FH) Ste­fan Hundhammer

Fachkraft für Arbeitssicher­heit und

Geschäfts­führer von baiMENTO.de

Inge­nieur­büro für Qualitäts‑, Umwelt- und

Arbeitss­chutz-Man­age­ment

info@baimento.de, www.baimento.de

Foto: privat

Blue Guide

Der „Blue Guide“ ist ein europäis­ch­er Leit­faden für die Umset­zung der ver­fassten Richtlinien.
Er wurde im Jahr 2000 veröf­fentlicht und ist sei­ther zu einem der wichtig­sten Ref­eren­z­doku­mente gewor­den. In der aktuellen Ver­sion von 2016 wird erläutert, wie ver­fasste Rechtsvorschriften umzuset­zen sind. Die aktuelle Fas­sung des Leit­fadens baut auf der Vorgängerver­sion auf, umfasst aber auch neue Kapi­tel, wie zum Beispiel jenes über die Pflicht­en der Wirtschaft­sak­teure oder die Akkred­i­tierung, sowie voll­ständig über­ar­beit­ete Kapi­tel, wie zum Beispiel jene über die Nor­mung und die Mark­tüberwachung. Mit diesem Leit­faden soll ein Beitrag zum besseren Ver­ständ­nis der Pro­duk­tvorschriften der EU sowie zu ihrer ein­heitlicheren und kohärenteren Anwen­dung in den ver­schiede­nen Bere­ichen und im gesamten Bin­nen­markt geleis­tet wer­den. Der Leit­faden richtet sich an die Mit­glied­staat­en sowie an all jene, die mit den Vorschriften zur Gewährleis­tung des freien Waren­verkehrs und eines hohen Schutzniveaus inner­halb der Union ver­traut sein soll­ten (z. B. Han­dels- und Ver­braucherver­bände, Nor­mung­sor­gan­i­sa­tio­nen, Her­steller, Ein­führer, Händler, Kon­for­mitäts­be­w­er­tungsstellen und Gewerkschaften).


GS und Co.

Mit dem Siegel Geprüfte Sicher­heit (GS-Zeichen) wird einem ver­wen­dungs­fer­ti­gen Pro­dukt bescheinigt, dass es den Anforderun­gen des § 21 des Pro­duk­t­sicher­heits­ge­set­zes (ProdSG) entspricht. Diese Anforderun­gen sind nach „Maß und Zahl“ vor allem in DIN-Nor­men und Europäis­chen Nor­men oder anderen all­ge­mein anerkan­nten Regeln der Tech­nik konkretisiert. Die im Jahr 1977 einge­führte Zer­ti­fizierung soll den Benutzer und Dritte bei bes­tim­mungs­gemäßer und vorherse­hbar­er Ver­wen­dung (im nichthar­mon­isierten Bere­ich, d.h. ohne eine europäis­che Vor­gabe) und durch Ein­hal­tung der europäis­chen Vor­gaben (im har­mon­isierten Bere­ich) vor Schä­den an Leib und Leben schützen.
Das GS-Zeichen ist noch das einzig geset­zlich geregelte Prüfze­ichen in Europa für Pro­duk­t­sicher­heit. Die CE-Kennze­ich­nung wird für bes­timmte Pro­duk­te gefordert, ist aber eine Erk­lärung des Her­stellers oder Inverkehrbringers, dass er alle europäis­chen Vor­gaben (Richtlin­ien und/oder Verord­nun­gen) ein­hält. Alle anderen Zeichen wie ENEC, VDE, ÖVE, TÜV, BG sind pri­vate Zeichen von einzel­nen Prüf- oder Zer­ti­fizier­stellen oder Vere­in­barun­gen zwis­chen Prüfhäusern.

Quelle: Wikipedia


RAPEX

Das Rapid Exchange of Infor­ma­tion Sys­tem (RAPEX) ist das Schnell­warn­sys­tem der Europäis­chen Union für gefährliche Kon­sumgüter. Ausgenom­men hier­von sind Nahrungs- und Arzneimit­tel sowie medi­zinis­che Geräte. Im RAPEX-Sys­tem wird über Maß­nah­men informiert, die zur Ver­mei­dung oder Ein­schränkung der Ver­wen­dung von gefährlichen Pro­duk­ten getrof­fen wur­den. Dies kön­nen zum Beispiel Rück­nahme- oder Rück­r­u­fak­tio­nen sein. Dabei erfasst RAPEX sowohl Maß­nah­men der einzel­staatlichen Mark­tüberwachungs­be­hör­den als auch frei­willige Maß­nah­men von Her­stellern und Händlern. Jeden Fre­itag veröf­fentlicht die Europäis­che Kom­mis­sion eine Über­sicht über gefährliche Pro­duk­te, die ihr aus den Mit­glied­staat­en gemeldet wur­den. Jed­er kann sich hier informieren, ob er es mit einem gefährlichen Pro­dukt zu tun hat oder nicht. Viele Unternehmen nutzen die RAPEX-Über­sicht mit­tler­weile auch, um sich grund­sät­zlich über mögliche Pro­duk­trisiken zu informieren, beispiel­sweise weil sie ger­ade eine Risikobe­w­er­tung für ein eigenes
Pro­dukt erstellen wollen.
Direk­ter Link: www.baua.de/DE/Themen/Anwendungssichere-Chemikalien-und-Produkte/
Produktsicherheit/Marktueber wachung/Rapex.html

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