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Hand- und Haut­schutz in der Praxis

Hautschutzorganisation
Hand- und Haut­schutz in der Praxis

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Auch häufiges Händewaschen kann der Haut schaden. Foto: © rcfotostock – stock.adobe.com
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Die Haut ist mehr als nur die Hülle des Körpers: Sie ist ein wich­ti­ges Sinnes­or­gan, das rund 20 Prozent des Gesamt­kör­per­ge­wichts eines Menschen ausmacht, vor Austrock­nung, Strah­lung und Kälte schützt und die Körper­tem­pe­ra­tur regu­liert. Wie kann sie bei der Arbeit geschützt werden und wie kann dabei arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge unter­stüt­zen?

Im Betrieb wird die Haut viel­fäl­ti­gen Belas­tun­gen ausge­setzt. Betrof­fen sind Arbeits­plätze in nahezu allen Bran­chen, wobei die Schwer­punkte in Berei­chen mit erhöh­ten Hygie­ne­an­for­de­run­gen (Gesund­heits­dienst, Lebens­mit­tel­ver­ar­bei­tung) und im verar­bei­ten­den Gewerbe zu finden sind.1 Wie bei allen Gefähr­dun­gen am Arbeits­platz bildet auch bei Gefähr­dun­gen der Haut die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 5 Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) die Grund­lage für die Entschei­dung über die zu ergrei­fen­den Schutz­maß­nah­men. Haut­schutz – insbe­son­dere in Form von Hand­schu­hen als Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung (PSA) – kann erfor­der­lich sein bei

  • chemi­schen Gefähr­dun­gen (zum Beispiel Säuren, Laugen, Gifte, entfet­tende Medien),
  • mecha­ni­schen Gefähr­dun­gen (zum Beispiel Kanten, Grate, abra­sive Medien),
  • ther­mi­schen Gefähr­dun­gen (zum Beispiel heiße oder kalte Gegenstände/Medien),
  • biolo­gi­sche Gefähr­dun­gen (zum Beispiel Umgang mit erre­ger­hal­ti­gem Mate­rial wie Blut, Para­si­ten wie Krätz­mil­ben; sensi­bi­li­sie­rende Substan­zen) und
  • physi­ka­li­sche Gefähr­dun­gen (zum Beispiel UV-Strahlen).

Haut­schutz in Form von Haut­schutz­mit­teln, aber auch in Form von Haut­pfle­ge­pro­duk­ten kann erfor­der­lich oder ergän­zend sinn­voll sein. Dies ist bei der Nutzung persön­lich wirk­sa­mer Schutz­maß­nah­men der Fall, also

  • insbe­son­dere bei Verwen­dung von flüs­sig­keits­dich­ten Hand­schu­hen,
  • beim regel­mä­ßi­gen Umgang mit Desin­fek­ti­ons­mit­teln und
  • bei erfor­der­li­cher häufi­ger Haut­rei­ni­gung.

Neben der für alle Arbeit­neh­mer glei­cher­ma­ßen vorhan­de­nen Gefähr­dung am Arbeits­platz kann es auch erfor­der­lich sein, indi­vi­du­elle Gefähr­dun­gen für einzelne Mitar­bei­ter zu ermit­teln und zu bewer­ten. Dies ist aber nicht immer einfach: Gerade bei Reak­tio­nen auf Haut­ge­fähr­dun­gen können sehr große indi­vi­du­elle Unter­schiede bestehen. Berichte von Beschäf­tig­ten ohne jegli­che Anzei­chen einer Haut­schä­di­gung trotz jahre­lan­ger Feucht­ar­beit oder trotz des Umgangs mit Kühl­schmier­stof­fen sind ebenso bekannt wie die nahezu sofort auftre­tende schwere Reak­tion der Haut eines Mitar­bei­ters auf die glei­che Noxe.

Haut­er­kran­kun­gen und ‑schä­di­gun­gen

Nach einer adäqua­ten Belas­tung rege­ne­riert sich bean­spruchte Haut norma­ler­weise inner­halb von sechs bis 24 Stun­den. Ein häufi­ger Kontakt mit Noxen – zum Beispiel durch andau­ern­den Kontakt mit Kühl­schmier­stof­fen oder beruf­lich beding­tes häufi­ges Hände­wa­schen – kann jedoch zu einer Über­be­las­tung der Schutz- und Rege­ne­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten der Haut führen. Eine trockene und schup­pende Haut ist ein erster und ernst­zu­neh­men­der Hinweis. Anzei­chen für eine fort­ge­schrit­tene Haut­schä­di­gung sind Rötun­gen, aber auch Riss- und Bläs­chen­bil­dung.

Präven­tion von Haut­er­kran­kun­gen

Auch beim Hand- und Haut­schutz rich­tet sich die Reihen­folge der zu ergrei­fen­den Schutz­maß­nah­men nach dem „STOP- Prin­zip“. Blei­ben nach der Substi­tu­ti­ons­prü­fung und der Umset­zung tech­ni­scher Schutz­maß­nah­men noch Gefähr­dun­gen übrig, sind geeig­nete orga­ni­sa­to­ri­sche und/oder persön­lich wirk­same Schutz­maß­nah­men erfor­der­lich. Ein Haut­schutz­plan (bezie­hungs­weise ein kombi­nier­ter Hand(schuh)- und Haut­schutz­plan) ist als orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnahme obli­ga­to­risch. Weitere geeig­nete Maßnah­men bestehen darin, geeig­nete Schutz­hand­schuhe, aber auch Haut­schutz­pro­dukte bereit­zu­stel­len.

Einschlä­gig ist hier die DGUV Infor­ma­tion 2012-017 „Allge­meine Präven­ti­ons­leit­li­nie Haut­schutz“. Dabei gilt, dass Schutz­hand­schuhe vorran­gig einzu­set­zen sind, wenn persön­li­che wirk­same Maßnah­men erfor­der­lich sind. Der Einsatz von Haut­schutz­mit­teln ist in der Regel Tätig­kei­ten mit schwach haut­schä­di­gen­den Arbeits­stof­fen wie Kühl­schmier­stof­fen, Ölen oder Fetten vorbe­hal­ten, wenn es ein Trage­ver­bot für Hand­schuhe gibt (zum Beispiel an Maschi­nen mit offen rotie­ren­den Teilen, Einzugs­stel­len). Unter­stüt­zend soll­ten dann auch geeig­nete Pfle­ge­pro­dukte zur Verfü­gung gestellt werden.

Der Haut­schutz­plan

Bei der Haut­schutz­or­ga­ni­sa­tion müssen den Beschäf­tig­ten die konkre­ten Schutz­maß­nah­men am jewei­li­gen Arbeits­platz vermit­telt werden. Neben der obli­ga­to­ri­schen Unter­wei­sung ist der Hand- und Haut­schutz­plan das bewährte Hilfs­mit­tel. Ziel ist, dass der Arbeit­neh­mer dem Plan einfach entneh­men kann, für welche Arbei­ten in bestimm­ten Arbeits­be­rei­chen welche Hand­schuhe und welche Haut­mit­tel zu benut­zen sind. Die Infor­ma­tion der Mitar­bei­ter erfolgt meis­tens über einen Aushang.

Arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge

Wann eine Pflicht- und Ange­bots­vor­sorge bei bestimm­ten haut­ge­fähr­den­den Tätig­kei­ten erfor­der­lich ist, wird in Teil 1 des Anhangs der Verord­nung zur Arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge (ArbMedVV) aufge­führt. Pflicht­vor­sor­gen sind erfor­der­lich bei

  • Feucht­ar­beit von regel­mä­ßig vier Stun­den oder mehr pro Tag,
  • Tätig­kei­ten mit Belas­tun­gen durch Isocya­nate, bei denen ein regel­mä­ßi­ger Haut­kon­takt nicht vermie­den werden kann, oder bei Über­schrei­ten einer Luft­kon­zen­tra­tion von 0,005mg/m3,
  • Tätig­kei­ten mit Belas­tung durch unaus­ge­här­tete Epoxid­harze oder Kontakte über die Haut/Atemwege und bei
  • Tätig­kei­ten mit Benut­zung von Natur­gum­mi­la­tex­hand­schu­hen mit mehr als 30 µg Protein je Gramm im Hand­schuh­ma­te­rial.

Als Ange­bots­vor­sorge bei haut­be­las­ten­den Tätig­kei­ten wird Feucht­ar­beit von regel­mä­ßig mehr als zwei Stun­den pro Tag genannt.

Darüber hinaus können auch bei Vorlie­gen ande­rer Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen Angebots- oder Pflicht­un­ter­su­chun­gen erfor­der­lich werden (zum Beispiel bei Tätig­kei­ten mit haut­re­sorp­ti­ven Stof­fen). Wunsch­un­ter­su­chun­gen können bei einem vermu­te­ten Zusam­men­hang zwischen Tätig­keit und Erkran­kung durch­ge­führt werden, sofern eine Gefähr­dung besteht. Beschäf­tigte, die Haut­ver­än­de­run­gen bei sich fest­stel­len, soll­ten sich umge­hend mit dem Betriebs­arzt in Verbin­dung setzen. Prin­zi­pi­ell gilt, dass bereits bei gerin­gen Haut­ver­än­de­run­gen eine haut­ärzt­li­che Behand­lung sinn­voll ist. Geprüft werden sollte auch eine Betreu­ung im soge­nann­ten Haut­arzt­ver­fah­ren. Dies ermög­licht – mit Unter­stüt­zung durch den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger – mit allen geeig­ne­ten Mitteln dem Entste­hen einer Berufs­krank­heit entge­gen­zu­wir­ken.

1 Vgl. www.mit-heiler-haut.de (Webcode: H961)


Foto: F. v. Heyden, Univer­si­tät Wupper­tal

Autor: Dr. Andreas Witt­mann
Leitende Sicher­heits­fach­kraft,
Gedore Werk­zeug­fa­brik GmbH & Co. KG
andreas.wittmann@gedore.com


Weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen

  • Mehr Infor­ma­tio­nen zum Thema Haut­schutz­plan sind auf den Inter­net­sei­ten der DGUV abruf­bar: www.dguv.de (Webcode d1083947)
  • Unter www.sifa-sibe.de (direk­ter Link: http://hier.pro/xniE6QR ) steht außer­dem eine Über­sicht zur Verfü­gung, welche die Möglich­kei­ten von persön­lich wirk­sa­men Haut­schutz­maß­nah­men in Abhän­gig­keit von der Gefähr­dung sche­ma­tisch darstellt. Neben einem Lite­ra­tur­ver­zeich­nis sind hier auch Ausfüh­run­gen zum Thema Schutz­hand­schuh­nor­men abruf­bar.
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