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Handlungshilfe für Telearbeitsplätze der Uni Wuppertal

Die SafetyCard
Handlungshilfe für Telearbeitsplätze

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Abb. 1: SafetyCard für Telearbeitsplätze; Vorderseite ... Grafik: designed by Vanessa Schüppel
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Auf­grund ein­er immer stärk­er zunehmenden Dig­i­tal­isierung der Arbeitswelt steigt auch in Zukun­ft die Anzahl der Telear­beit­splätze an. Darum ist es notwendig, klare Regelun­gen für diese Arbeit­splätze in die Nov­el­lierung der Arb­StättV vom 3. Dezem­ber 2016 aufzunehmen. Die Safe­ty­Card hil­ft, den Arbeitss­chutz am Telear­beit­splatz regelkon­form umzusetzen.


(18.03.2019) Die aktu­al­isierte SafetyCard
Das Fachge­bi­et Arbeitssicher­heit der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal hat die zwei­seit­ige Safe­ty­Card für Telear­beit­splätze über­ar­beit­et und auf den aktuellen Stand der Arbeitss­chutzvorschriften (inklu­sive psy­chis­ch­er Belas­tun­gen) für häus­liche Arbeit­splätze gebracht. Darüber hin­aus wurde sie ins Englis­che übersetzt. 

Die aktu­al­isierte Ver­sion der Safe­ty­Card ste­ht für Inter­essente auf der Fachge­bi­et­shome­page zum Down­load zur Ver­fü­gung. Die dazu benötigten Zugangs­dat­en kön­nen bei Stef­fi Lorenz per Mail ange­fragt werden:
slorenz@uni-wuppertal.de


Für Telear­beit­splätze sind § 3 „Gefährdungs­beurteilung“ und § 6 „Unter­weisung“ sowie Anhang Nr. 6 „Maß­nah­men zur Gestal­tung von Bild­schir­mar­beit­splätzen“ umzuset­zen. Dabei gilt § 3 lediglich für die erst­ma­lige Beurteilung der Arbeits­be­din­gun­gen und ‑plätze. Außer­dem wird die Beurteilung nur notwendig, wenn sich der Bild­schir­mar­beit­splatz im Pri­vat­bere­ich von dem im Betrieb unter­schei­det (§ 1 Abs. 3). Hier offen­bart sich eine arbeitss­chutzspez­i­fis­che Her­aus­forderung für eine bre­it­flächige prak­tis­che Umset­zung, die es zu lösen gilt.

Telear­beit­splätze sind in der Regel in den pri­vat­en Räu­men des Beschäftigten ange­siedelt, wodurch der Arbeit­ge­ber nur begren­zte Möglichkeit­en zur Bee­in­flus­sung auf die Sicher­heit und den Gesund­heitss­chutz der Beschäftigten hat. § 6 Arbeitsstät­ten­verord­nung verpflichtet den Arbeit­ge­ber zur regelmäßi­gen Unter­weisung bei Telear­beit­splätze. Eine mögliche Lösung zur Ergänzung der Unter­weisung bietet eine soge­nan­nte Safe­ty­Card (SC), welche den Fokus auf die Durch­führung sicher­er Tätigkeit­en sowie Arbeit­sumge­bung an Telear­beit­splätzen legt und in Anlehnung an die bere­its in der Luft­fahrt ver­wen­de­ten Safe­ty­Cards konzip­iert ist. Sie sen­si­bil­isiert den Beschäftigten hin­sichtlich der ihm obliegen­den täglichen sicheren Arbeitsweise und den sicheren Umgang mit aus­gewählten Arbeitsmit­teln an seinem Telearbeitsplatz.

Wie funktioniert die SafetyCard?

Die Safe­ty­Card arbeit­et auss­chließlich mit Neg­a­tiv- und Pos­i­tiv-Pik­togram­men, deren Sicher­heit­saus­sagen durch die Far­bgestal­tung unter­stützt wer­den (rot = nicht geeignete, gefährliche Arbeitsweise, grün = richtige, sichere Arbeitsweise). Die Safe­ty­Card zeigt rel­e­vante Gefährdun­gen auf, die im Tätigkeits­bere­ich eines Telear­beit­splatzes entste­hen kön­nen und verknüpft diese unmit­tel­bar mit den sicher­heits­gerecht­en Arbeitsweisen und Lösun­gen. Die Stärke der Safe­ty­Card als Instru­ment des ter­tiären Arbeitss­chutzes liegt darin, dass sie für den Beschäftigten die rel­e­van­ten Sicher­heitsin­for­ma­tio­nen in konzen­tri­ert­er und ver­ständlich­er Form (als Eye­catch­er) bereithält.

Für die Entwick­lung der Safe­ty­Card wur­den beispiel­hafte Telear­beit­splätze ein­er Gefährdungs­beurteilung unter­zo­gen und die Bedin­gun­gen aus­gew­ertet. Die ermit­tel­ten Gefährdun­gen und poten­tiellen Gestal­tungs­be­darfe wur­den gewichtet und für die Safe­ty­Card auf­bere­it­et. Nicht einge­bun­den in die Aus­gestal­tung der Safe­ty­Card wur­den mögliche Gefährdun­gen, die durch kon­struk­tiv­en Eigen­schaften des Raums (zum Beispiel die Raum­größe) beziehungsweise die kor­rek­te Ein­rich­tung und zudem indi­vidu­elle Anpas­sung des Arbeit­splatzes vorgegeben sind.

Dem The­ma Nudg­ing [1] kam bei der Gestal­tung ein beson­der­er Stel­len­wert zu. In der Arbeitssicher­heit kann man Nudges ein­set­zen, um Men­schen dazu zu bewe­gen sich sicher­heits­gerecht zu ver­hal­ten. Mit der Safe­ty­Card soll der Beschäftigte beim täglichen Beginn der Telear­beit visuell auf die sicher­heits­gerechte Arbeitsweise an seinem Telear­beit­splatz erin­nert beziehungsweise hingewiesen wer­den. Damit dies auch gelingt, ist der betriebliche Prozess zur Ein­führung der Safe­ty­Card klar zu beschreiben und entsprechend umzusetzen.

Die SafetyCard richtig rüberbringen

Um Akzep­tanz bei den Betrof­fe­nen zu erlan­gen ist es notwendig, die Safe­ty­Card nicht nur an den Beschäftigten zu übergeben, son­dern die Inhalte im Rah­men der Erstun­ter­weisung zu disku­tieren und gle­ichzeit­ig die Funk­tion der Safe­ty­Card zu erläutern. Das Ein­führungskonzept beruht daher auf der per­sön­lichen Über­gabe der Safe­ty­Card durch z. B. die Fachkraft für Arbeitssicher­heit im Rah­men der Erstun­ter­weisung. Die Safe­ty­Card soll nicht nur dazu dienen auf mögliche rel­e­vante Gefährdun­gen hinzuweisen, son­dern soll auch als Kom­mu­nika­tion­sin­stru­ment zwis­chen Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Beschäftigten ver­standen wer­den. Beste­hen Fra­gen bezüglich der Sicher­heit und dem Gesund­heitss­chutz am Telear­beit­splatz, kann sich der Mitar­beit­er über die auf der Safe­ty­Card ste­hen­den Kon­tak­t­möglichkeit­en an die Fachkraft wen­den. Um die Hin­weise der Safe­ty­Card täglich im visuellen Fokus zu haben, bietet sich eine fest ange­brachte Tafel mit Mag­net­band an, an welche die Safe­ty­Card entsprechend befes­tigt wird.

Gemein­sam mit dem Beschäftigten wird am Arbeit­splatz eine geeignete Stelle fest­gelegt, an dem die Safe­ty­Card gut sicht­bar posi­tion­iert wird. Wird diese zum Beispiel an der Bürotür flex­i­bel befes­tigt, wird die Safe­ty­Card regelmäßig in Erin­nerung gerufen. Zum Abschluss der Erstun­ter­weisung wird die Safe­ty­Card durch den Beschäftigten unter­schrieben. Durch die Unter­schrift erfol­gt eine Selb­stverpflich­tung des Beschäftigten, sich an die gel­tenden Arbeitss­chutzvorschriften und damit die Inhalte der Safe­ty­Card zu hal­ten. Die Unter­schrift trägt neben der sicht­baren Zus­tim­mung damit auch zur per­sön­lichen Verbindlichkeit der Inhalte bei. Es han­delt sich hier­bei um einen Nudge [1], der in dieser Safe­ty­Card umge­set­zt wurde.

Mehrere Maßnahmen kombinieren

Die Safe­ty­Card sollte nicht als Maß­nah­men­solitär Anwen­dung find­en, es ist sin­nvoll, sie mit weit­eren Meth­o­d­en zu kom­binieren, zum Beispiel mit regelmäßige Online-Unter­weisung oder Pop-Ups am Com­put­er, die auf die Safe­ty­Card hin­weisen (Nudg­ing). Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass elek­tro­n­is­che Hil­f­s­mit­tel nicht die per­sön­liche Unter­weisung und das Mitar­beit­erge­spräch erset­zten kön­nen (BGI 527).

Die Safe­ty­Card nimmt für sich in Anspruch ein Werkzeug zu sein, das die The­matik des Arbeitss­chutzes am Telear­beit­splatz einge­hend behan­delt. Sollte die per­sön­liche Über­gabe der Safe­ty­Card aus organ­isatorischen Grün­den nicht umset­zbar sein, so ist eine Alter­na­tive in Form eines Videotele­fonats denkbar. Die Effek­tiv­ität dieser behelf­s­mäßi­gen Lösung ist ver­mut­lich geringer als die hier vorgestellte und zu bevorzu­gende Vorge­hensweise der per­sön­lichen Übergabe.

Persönliche Unterweisung muss sein

Eine weit­ere Lösung stellt ein inter­ak­tives Video dar, das in seinen Inhal­ten das per­sön­liche Gespräch zur Über­gabe der Safe­ty­Card wider­spiegelt. Begren­zt wird die Wirk­samkeit der Safe­ty­Card dadurch, dass sie auf wesentliche Gefährdun­gen beschränkt ist und nicht als Ersatz für eine per­sön­liche Unter­weisung Ver­standen wer­den darf.

Es bleibt festzuhal­ten, dass mit der vorgestell­ten Safe­ty­Card ein Werkzeug geschaf­fen wurde, dass den Beschäfti­gen befähigt in aus­re­ichen­der Art und Weise, Eigen­ver­ant­wor­tung für den Schutz sein­er Gesund­heit und der Sicher­heit am Telear­beit­splatz zu sor­gen. Überdies wird auch ein enger­er Kon­takt zur Fachkraft für Arbeitssicher­heit geschaffen.

Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Safe­ty­Card auch für nor­male Bild­schir­mar­beit­splätze ver­wen­det wer­den kann, um gezielt auf Gefährdun­gen an diesen Arbeit­splätzen hinzuweisen. Notwendig für den Erfolg der Safe­ty­Card ist jedoch auch die Erstel­lung ein­er an die Telear­beit­splätze und die Safe­ty­Card angepasste Erstunterweisung.

[1] Nudg­ing bedeutet von der Wortbe­deu­tung her (englisch „to nudge“) san­ft schub­sen oder leicht in die Rip­pen stoßen. Ein Nudge ist als Fak­tor definiert, der das Ver­hal­ten von Men­schen sig­nifikant verän­dert, während eine Mas­chine diesen Fak­tor ignori­eren würde.

 


Dieser Beitrag stammt aus der Zeitschrift “Sicher­heitsin­ge­nieur”. Hier kön­nen Sie zwei aktuelle Aus­gaben kosten­los bestellen


Georg Prasch, Ber­gis­che Uni­ver­sität Wup­per­tal Fachge­bi­et Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit

Foto: Studioline

 

Fabi­an Rüping
Ber­gis­che Uni­ver­sität Wuppertal

Fachge­bi­et Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit

Foto: privat

Lisa Vera Schaffrath, Ber­gis­che Uni­ver­sität Wup­per­tal Fachge­bi­et Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit

Foto: privat

 

 

Jonas Franken, Ber­gis­che Uni­ver­sität Wup­per­tal Fachge­bi­et Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit

Foto: privat

 

 

Prof. Dr. Anke Kahl

Ber­gis­che Uni­ver­sität Wuppertal

Fachge­bi­et Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit

akahl@uni-wuppertal.de

Foto: privat
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