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Best Practice: Ideen-Treffen bei RBS

Best Practice: Ideen-Treffen bei RBS
Mehr Trans­pa­renz – zufrie­de­nere Mitar­bei­ter

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Wo tonnen­weise Kies abge­baut, verla­den und verar­bei­tet wird, hat man viele Gefähr­dun­gen vor Augen. Zuletzt würde man hier an psychi­sche Belas­tun­gen denken – die jedoch immer da auftre­ten können, wo Menschen arbei­ten. Um diese zu mini­mie­ren, führen die Rhei­ni­schen Baustoff­werke seit 2018 mit großem Erfolg Ideen-Treffen durch.

Der Anstoß liegt rund drei Jahre zurück: Bei einem Führungs­kräf­te­se­mi­nar des Baustoff­pro­du­zen­ten Rhei­ni­sche Baustoff­werke GmbH im Jahr 2016 mit dem Titel „Gesun­des Führen“ wurde auch die gesetz­lich gefor­derte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu psychi­schen Belas­tun­gen thema­ti­siert. Die leitende Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit Udo Felde­werth erin­nert sich: „Bei uns als tech­ni­sche Betriebe ist dieser Bereich eher vernach­läs­sigt worden, da die spezi­elle Exper­tise nicht im Haus ist. Trotz­dem musste das Thema ange­gan­gen werden.“ Also star­tete er mit einer Frage­bo­gen­ak­tion zur Erfas­sung psychi­scher Belas­tun­gen und Bean­spru­chun­gen in der Beleg­schaft. Durch­ge­führt wurde die Befra­gung mit dem COPSOQ-Standardfragebogen. Die Erhe­bung und Auswer­tung der quan­ti­ta­ti­ven Daten erfolgte durch die Frei­bur­ger Forschungs­stelle für Arbeits­wis­sen­schaf­ten GmbH (siehe Kasten).

Um adäquat auf die Rück­mel­dun­gen aus der Beleg­schaft reagie­ren zu können, holte sich der Arbeits­si­cher­heits­lei­ter Unter­stüt­zung bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie (BG RCI), die eine Aufsichts­per­son und Coach Evelyn Heinen vermit­telte (Inter­view auf Seite 27). Schließ­lich entschied sich das Unter­neh­men, die Methode der Ideen-Treffen mit Unter­stüt­zung von Evelyn Heinen umzu­set­zen. Bei der Präsen­ta­tion der Fragebogen-Ergebnisse im Rahmen der Betriebs­ver­samm­lung wurde dieses System zur Bear­bei­tung der ermit­tel­ten Schwach­stel­len vorge­stellt. Anfang 2018 star­te­ten dann die ersten Ideen-Treffen.

Sibe als Mode­ra­to­ren

Der Teil­neh­mer­kreis wurde aus allen Werken gemischt rekru­tiert. In erster Linie waren die jewei­li­gen Sicher­heits­be­auf­trag­ten betei­ligt, mit dem Ziel, dass sie im Laufe der Zeit die Mode­ra­tion der Ideen-Treffen über­neh­men können. Anfangs sei es für manche schwie­rig, vor einer Gruppe zu mode­rie­ren, weiß Udo Felde­werth. Deshalb unter­stützt nach wie vor Evelyn Heinen den Prozess. Einer der heuti­gen Mode­ra­to­ren ist der Sicher­heits­be­auf­tragte Jens Kino­w­ski vom Werk Kaarst. Sein Betrieb geht ins achte unfall­freie Jahr. „Das macht stolz. Ich kenne ja auch viele der Beschäf­tig­ten privat – und möchte nicht irgend­wann mal der Ehefrau eines Kolle­gen sagen müssen, dass etwas Schlim­mes passiert ist.“

Auftei­lung nach Berei­chen

Bereits nach dem ersten Tref­fen stellte sich heraus, dass die Werke an den einzel­nen Stand­or­ten sehr unter­schied­li­che Themen einbrach­ten. Daher wurde ab Mitte 2018 dazu über­ge­gan­gen, die Ideen-Treffen nach den Betriebs­lei­ter­be­rei­chen aufzu­tei­len. Damit soll­ten die stand­ort­spe­zi­fi­schen Gege­ben­hei­ten eine stär­kere Berück­sich­ti­gung finden. Seit Anfang dieses Jahres führt jeder dieser Berei­che jähr­lich mindes­tens zwei Ideen-Treffen durch.

Karrie­re­per­spek­ti­ven eröff­net

Wie sieht das nun in der Praxis aus? Jedes Tref­fen star­tet damit, dass die Teil­neh­mer „sagen, wo ihnen der Schuh drückt“, erzählt Udo Felde­werth. So arbei­ten die Teil­neh­mer die Punkte rund um das Thema psychi­sche Belas­tun­gen ab, die sich aus der Frage­bo­gen­ak­tion erge­ben haben. Anschlie­ßend prio­ri­sie­ren sie die gesam­mel­ten Themen. „Es wurde beispiels­weise deut­lich, dass einige Kolle­gen Quali­fi­zie­rungs­mög­lich­kei­ten vermiss­ten“, berich­tet Jens Kino­w­ski. Der Sicher­heits­be­auf­tragte führt aus: „Das Unter­neh­men hat darauf reagiert und finan­zi­elle Mittel bereit­ge­stellt.“ So können sich die Mitar­bei­ter jetzt beispiels­weise zum Meis­ter ausbil­den lassen und sich mit dieser Quali­fi­zie­rung neue Karrie­re­per­spek­ti­ven eröff­nen. Sie müssen sich jedoch für eine gewisse Zeit verpflich­ten, im Unter­neh­men zu blei­ben. Mitt­ler­weile haben zwei Mitar­bei­ter an einer solchen Ausbil­dung, die das Unter­neh­men finan­ziert, teil­ge­nom­men.

Kommu­ni­ka­ti­ons­pro­bleme

Über alle Werke hinweg zeigte sich, dass zwischen dem Betrieb und Vertrieb – also zwischen tech­ni­schem und kauf­män­ni­schem Bereich – erheb­li­che Defi­zite in der Kommu­ni­ka­tion bestan­den. Schwie­rig wurde es immer dann, wenn unter­schied­li­che Wissens­stände über Aufträge und Lager­be­stände vorla­gen. „Diese Kommu­ni­ka­ti­ons­pro­bleme haben wir abge­stellt, indem wir beide Parteien zu den Ideen-Treffen einge­la­den haben. Allein dieses ´Auf-den-Tisch-bringen‘ der Probleme hat schon zu einem ‚Aha-Effekt‘ geführt“, verdeut­licht Udo Felde­werth. Wenn die Kolle­gen der unter­schied­li­chen Berei­che Verständ­nis fürein­an­der entwi­ckeln, wirke dies sehr entlas­tend. Darauf­hin wurde auch fest­ge­legt, dass die Innen­dienst­mit­ar­bei­ter den Werken regel­mä­ßige Besu­che abstat­ten, um vor Ort aktu­elle Themen zu bespre­chen. „Das muss nicht immer ein Riesen­pro­gramm sein. Aber schon bei einer Tasse Kaffee können wich­tige Punkte geklärt werden.“

Vertrieb in Urlaubs­pla­nung invol­viert

Viele weitere Anlie­gen der Beleg­schaft wurden inzwi­schen ange­gan­gen. Dies betrifft auch die Urlaubs­pla­nung, die jetzt in enge­rer Abspra­che mit den Beschäf­tig­ten erfolgt. Auch wenn Über­stun­den ange­ord­net werden müssen, wird – soweit möglich – dies länger­fris­tig bekannt­ge­ge­ben. Um hier zu einer mitar­bei­ter­freund­li­chen Rege­lung zu kommen, muss wiederum der Vertrieb invol­viert werden, da er als erstes vom Kunden­be­darf Kennt­nis erhält.

Trans­pa­renz durch Infor­ma­tio­nen

Weitere Reiz­the­men waren immer wieder die Anga­ben zu den Lager­be­stän­den, die von der Werks­lei­tung täglich geschätzt und an den Vertrieb weiter­ge­lei­tet werden. Zur Verdeut­li­chung: Von jeder Mate­ri­al­frak­tion lagern durch­schnitt­lich pro Werk 500 bis 5.000 Tonnen. Bis zu 6.000 Tonnen werden je Werk täglich umge­schla­gen. Bedingt durch den Bauboom müssen die Vertriebs­kol­le­gen teil­weise Mate­rial zurück­hal­ten bezie­hungs­weise die Abgabe auf andere Werke umdis­po­nie­ren, um das vertrag­lich verein­barte Auftrags­vo­lu­men ihrer Kunden bedie­nen zu können. Wenn dazu nicht eindeu­tige Infor­ma­tio­nen vom Vertrieb an die einzelne Betriebs- bezie­hungs­weise Werks­lei­tung und umge­kehrt gelang­ten, führte dies bisher viel­fach zu Irri­ta­tio­nen. „Das ist eigent­lich eine banale Sache. Aber erst seit wir über die Ursa­chen für unter­schied­li­che Infor­ma­tio­nen disku­tiert und dann gemein­sam mit Vertrieb und Betrieb fest­ge­legt haben, wie der Infor­ma­ti­ons­fluss ausse­hen soll, sind dies­be­züg­li­che Belas­tun­gen nahezu ausge­schlos­sen“, betont Udo Felde­werth. Auch das ermög­lich­ten die Ideen-Treffen.

Hand­feste Verbes­se­run­gen

Aber auch ganz hand­feste Verbes­se­run­gen setzte das Unter­neh­men um – etwa um den Infor­ma­ti­ons­fluss für die Kunden zu opti­mie­ren. Inzwi­schen läuft ein Versuch mit Kunden­bild­schir­men, auf denen die Fahrer der Kunden über aktu­elle Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Werks infor­miert werden. Dies können etwa Repa­ra­tu­ren oder eine Verle­gung der Verla­de­stelle sein. Somit verliert der Fahrer keine Zeit beim Ansteu­ern und der Vertrieb wird entlas­tet, da er diese Infor­ma­tio­nen nicht an die Fahrer weiter­ge­ben muss. „Alle diese Punkte sparen Zeit. Wir spüren hier, dass es besser wird“, sagt Udo Felde­werth.

Höhere Mitar­bei­ter­zu­frie­den­heit

Insge­samt seien die Mitar­bei­ter zufrie­de­ner. Das wurde bei einer Abfrage bei den ersten Idee-Treffen in diesem Jahr deut­lich. Die posi­tive Stim­mung rührt daher, dass die erkann­ten Probleme konse­quent bear­bei­tet wurden. „Die Kommu­ni­ka­tion ist das A und O. Wenn die Leute verste­hen, warum bestimmte Entschei­dun­gen getrof­fen werden und an diesen mitar­bei­ten, können sie diese gut akzep­tie­ren“, bilan­ziert der Sicher­heits­be­auf­tragte Jens Kino­w­ski.

Andrea Stickel


COPSOQ-Fragebogen

Der COPSOQ (Copen­ha­gen Psycho­so­cial Ques­ti­onn­aire) ist ein branchen- und berufs­über­grei­fen­der Frage­bo­gen, der welt­weit zur Messung psychi­scher Belas­tun­gen bei der Arbeit einge­setzt wird. Er umfasst die Anfor­de­run­gen, Einfluss- und Entwick­lungs­mög­lich­kei­ten und sozia­len Bezie­hun­gen bei der Arbeit sowie damit verbun­dene Aspekte der Arbeits­zu­frie­den­heit und psychi­schen Gesund­heit.

  • Der COPSOQ-Fragebogen zur Erfas­sung psychi­scher Belas­tun­gen und Bean­spru­chun­gen sowie weitere Mate­ria­lien können kosten­los herun­ter­ge­la­den werden unter www.copsoq.de.
  • Auf Basis der aktu­el­len deut­schen Stan­dard­ver­sion des COPSOQ unter­stützt die Frei­ber­ger Forschungs­stelle für Arbeits­wis­sen­schaf­ten GmbH wissen­schaft­lich fundiert Betriebe bei der Analyse von Belas­tun­gen und Bean­spru­chun­gen im Sinne des Arbeits­schutz­ge­set­zes (§5ff, ArbSchG) und des Betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments (BGM). Das Ziel: die Felder mit beson­de­rem Hand­lungs­be­darf zu erken­nen, aber auch die Stär­ken des Betriebs sicht­bar zu machen. Mehr dazu unter www.ffaw.de.

Sicher­heit bei den Rhei­ni­schen Baustoff­wer­ken

Die Rhei­ni­sche Baustoff­werke GmbH (RBS), eine 100-prozentige Toch­ter der RWE Power AG, hat sich in den letz­ten Jahren von einem reinen Kies- und Sand­pro­du­zen­ten zu einem breit gefä­cher­ten Baustoff­pro­du­zen­ten und Entsor­ger entwi­ckelt.

  • Die Beleg­schaft umfasst rund 160 Mitar­bei­ter, die an 20 Stand­or­ten
    zwischen Krefeld und Euskir­chen beschäf­tigt sind.
  • In jedem der elf Kies­werke wurde ein Sicher­heits­be­auf­trag­ter ernannt,
    damit alle über einen eige­nen Sicher­heits­be­auf­trag­ten vor Ort verfü­gen.
  • Karriere über Sicher­heit: Die Arbeits­si­cher­heit ist bei RBS sehr hoch ange­sie­delt. Die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des Unter­neh­mens ist schlank und effek­tiv. Es gibt für die drei regio­na­len Berei­che je einen Betriebs­lei­ter und in jedem Kies­werk einen Werks­meis­ter und Vorar­bei­ter, die das Team führen. „Bereits vor Jahren haben wir fest­ge­legt, dass die Karrie­re­lei­ter nur über das Thema Arbeits­si­cher­heit hoch­ge­stie­gen werden kann“, erläu­tert der Betriebs­lei­ter und leitende Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit Udo Felde­werth.

www.rheinischebaustoffwerke.de

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