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Zu Besuch im Chemiepark Knapsack

Sicher­heits­be­auf­trag­ter – Weit mehr als eine bloße Funk­tion

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Die Zeiten, in denen Unfälle in der Chemie­in­dus­trie an der Tages­ord­nung waren, sind zum Glück vorbei. Bei Infra­Serv Knap­sack hat dies auch mit einer Arbeits­schutz­kul­tur zu tun, in der die Rolle und Funk­tion der Sicher­heits­be­auf­trag­ten hoch geschätzt wird. „Opti­male Arbeits­be­din­gun­gen also“, freut sich Florian Zech, Spre­cher der Sicher­heits­be­auf­trag­ten.

Dr. Joerg Hensiek

Florian Zech ist seit 2009 Mitar­bei­ter von Infra­Serv Knap­sack. Der 38-jährige Indus­trie­meis­ter Elek­tro­tech­nik, der zuvor in einem klei­ne­ren Hand­werks­be­trieb beschäf­tigt war, schätzt den hohen Stel­len­wert der Sicher­heits­kul­tur bei seinem jetzi­gen Arbeit­ge­ber: „Hier bei Infra­Serv Knap­sack gehört die Sicher­heit bei der Arbeit zu den Top-Prioritäten der Unter­neh­mens­füh­rung. Das ist natür­lich eine ganz andere Welt im Vergleich zu den Klein­be­trie­ben, in denen ich meine Ausbil­dung gemacht habe.“

Der Fami­li­en­va­ter gehört zur „Betriebs­ori­en­tier­ten Instand­hal­tung“ von Infra­serv Knap­sack und ist verant­wort­lich für die Elek­tro­tech­nik der Gebäude des Faci­lity Manage­ments im Chemie­park Knap­sack.

Wäch­ter über alle Gebäude

Der Chemie­park Knap­sack in Hürth-Knapsack, rund zehn Kilo­me­ter südwest­lich von Köln gele­gen, ist ein in sich geschlos­se­ner, zugangs­ge­schütz­ter Indus­trie­park für Unter­neh­men insbe­son­dere aus der Chemie­bran­che. Betrei­ber des Chemie­parks ist seit 1997 die aus der Hoechst AG hervor­ge­gan­gene Infra­Serv GmbH & Co. Knap­sack KG. Aktu­ell erstreckt sich der Chemie­park über eine Fläche von rund 180 Hektar. Sechs große Produ­zen­ten im Bereich Chemie sowie mehr als 20 weitere Dienst­leis­ter sind hier ange­sie­delt. Zech und seine Kolle­gen von der Instand­hal­tung sind also nicht nur für die Gebäude von Infra­Serv Knap­sack zustän­dig, sondern halten auch die der ande­ren Unter­neh­men am Stand­ort elek­tro­tech­nisch auf dem neues­ten Stand. Ein span­nen­der Job, der natur­ge­mäß auch einige Gefah­ren­po­ten­ziale mit sich bringt. Zech drückt es so aus: „Strom hört, riecht und sieht man nicht – man spürt ihn nur“. Strom­schläge oder Körper­durch­strö­mun­gen sind die strom­spe­zi­fi­schen Gefah­ren seiner Arbeit, ein weite­res Unfall­ri­siko ist der Absturz aus großer Höhe bei den Instal­la­ti­ons­ar­bei­ten.

Kommu­ni­ka­tive Stär­ken

Zech ist bereits seit 2010 Sicher­heits­be­auf­trag­ter, seit eini­gen Jahren auch einer der beiden Spre­cher für die rund 30 Sicher­heits­be­auf­trag­ten bei Infra­Serv Knap­sack und damit ein wich­ti­ges Sprach­rohr in Rich­tung Geschäfts­füh­rung, wenn es um die Inter­es­sen der Sicher­heits­be­auf­trag­ten im Spezi­el­len und um die Sicher­heit der Mitar­bei­ter im Allge­mei­nen geht. Der begeis­terte Hobby-Sportler erzählt: „Somit vertrete ich die Sicher­heits­be­auf­trag­ten im AGSA, dem vier­tel­jähr­lich statt­fin­den­den Arbeits­schutz­aus­schuss. In der Regel gibt es bei Sicher­heits­the­men schnell einen Konsens mit der Geschäfts­füh­rung – wir bekom­men da volle Rücken­de­ckung.“

Wie in jedem ande­ren Bereich gebe es natür­lich auch hier mitun­ter „kommu­ni­ka­tive Heraus­for­de­run­gen“, vor allem, wenn die Sicher­heits­be­auf­trag­ten sich nicht ange­mes­sen berück­sich­tigt oder infor­miert sähen. „Aber auch dann finden wir schnell eine Lösung.“ Zechs kommu­ni­ka­tive Quali­tät war es auch, die den Ausschlag für seine Bestel­lung zum Sicher­heits­be­auf­trag­ten gege­ben hat. Früher, erin­nert sich Zech, als er noch rela­tiv neu im Unter­neh­men war, wurde er hin und wieder mit den Vorur­tei­len der älte­ren Kolle­gen konfron­tiert. Sie woll­ten sich von einem jungen Mann wie ihm partout nicht „vorschrei­ben“ lassen, wie man eine Arbeit sicher und unfall­frei verrich­tet. Aber dieses Problem habe sich längst erle­digt, so Zech – größere Diskus­sio­nen gäbe es heute, wenn über­haupt, höchs­tens noch mit Vertre­tern von Fremd­fir­men, die für Kurz­ein­sätze auf dem Stand­ort arbei­te­ten.

Selbst­er­kennt­nis durch Videos

Und dennoch kann selbst ein „Kommu­ni­ka­tor“ wie Zech immer noch dazu lernen, wenn es darum geht, Kolle­gen für mehr Acht­sam­keit bei der Arbeits­si­cher­heit zu moti­vie­ren – oder sie „abzu­ho­len, ohne dass diese sich belehrt und zurecht­ge­wie­sen fühlen“, wie er es formu­liert. In spezi­el­len Schu­lun­gen wird den Sicher­heits­be­auf­trag­ten beigebracht, wie man mit Kolle­gen gleich­zei­tig einfühl­sam kommu­ni­ziert, dabei aber auch bestimmt und vorbild­haft auftritt. Insbe­son­dere die Analy­sen von Videos, in denen die Schu­lungs­teil­neh­mer im Umgang mit Mitar­bei­tern gefilmt werden, waren für Zech sehr erkennt­nis­reich: „Da lernt man schon eine ganze Menge über das eigene Auftre­ten. Man denkt ja gemein­hin, dass man im Umgang mit den Kolle­gen zumeist sicher, kompe­tent und hoffent­lich auch ein wenig sympa­thisch auftritt. Da hilft es unge­mein, wenn man sich von Zeit zu Zeit mal selbst beob­ach­ten kann und sieht, dass man an der einen oder ande­ren Stelle noch Verbes­se­rungs­po­ten­zial hat.“

Neue Sicher­heits­kul­tur

Der zuneh­mend unkom­pli­zier­ter werdende Umgang mit den Kolle­gen zum Thema Sicher­heit ist nicht nur dem Umstand geschul­det, dass Zech nun selbst etwas älter und erfah­re­ner ist und mitt­ler­weile ein gewis­ses Stan­ding im Unter­neh­men genießt. Das habe, so der 38-Jährige, auch mit einer fort­schrei­ten­den Verän­de­rung in der Sicher­heits­kul­tur im Unter­neh­men zu tun: „Das Thema Sicher­heit bezie­hungs­weise siche­res Verhal­ten hat heute einfach einen noch höhe­ren Stel­len­wert. Ein konkre­tes Beispiel: Wenn ich früher eine Beleuch­tung austau­schen wollte, wurde gesagt, dass ich einfach die Leiter nehmen und hoch­stei­gen solle – verbun­den mit dem Hinweis, dass es schon immer so gemacht wurde. Heute bestel­len diesel­ben Kolle­gen extra einen Hubstei­ger, damit ich den Job maxi­mal sicher erle­di­gen kann. Das zeigt, dass das Thema Sicher­heit präsent ist und dass die Kolle­gen sich darüber verstärkt Gedan­ken machen.“

Anschub durch Projekt

Dies habe unter ande­rem auch mit dem Projekt „Verhal­tens­ori­en­tier­ter Arbeits­schutz“ zu tun, das die Unter­neh­mens­füh­rung 2014 einlei­tete (siehe Beitrag in der Juli-Ausgabe der Zeit­schrift Sicher­heits­be­auf­trag­ter). Zech kommen­tiert: „Das Thema Sicher­heit, ohne­hin nie stief­müt­ter­lich im Unter­neh­men behan­delt, hat seit 2011 noch weiter an Fahrt aufge­nom­men und durch das Projekt „Verhal­tens­ori­en­tier­ter Arbeits­schutz“ einen zusätz­li­chen Schub erfah­ren.“

Das zeige sich auf allen Ebenen im Betrieb, so zum Beispiel auch bei den neu einge­stell­ten Mitar­bei­tern. Diese werden in ihrem ersten Jahr niemals allein zu Arbeits­ein­sät­zen geschickt. Im Zwei­er­team, zu dem gerade in der Anfangs­zeit immer ein erfah­re­ner Kollege gehöre, könn­ten poten­zi­elle Gefah­ren schnel­ler iden­ti­fi­ziert werden als allein.

Auch das Thema psychi­sche Gefähr­dun­gen werde nicht totge­schwie­gen – für Indus­trie­un­ter­neh­men immer noch eher unge­wöhn­lich: „Im Rahmen unse­rer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen wird der Faktor Stress in allen Berei­chen selbst­ver­ständ­lich mitbe­rück­sich­tigt“, betont Zech. Weitere Verbes­se­run­gen im Arbeits­schutz werden im bereits erwähn­ten AGSA-Treffen, in den eben­falls alle drei Monate statt­fin­den­den Tref­fen der Sicher­heits­be­auf­trag­ten sowie im konti­nu­ier­li­chen Austausch mit den Mitglie­dern des acht­köp­fi­gen Teams Arbeits­si­cher­heit disku­tiert, geplant und umge­setzt. Letz­te­rem gehört Zech eben­falls an.

PSA-Auswahl

Ein wich­ti­ges Thema, gerade auch für Elek­tro­ni­ker und Beschäf­tigte der chemi­schen Indus­trie, ist bei diesen Tref­fen die Auswahl der rich­ti­gen Persön­li­chen Schutz­be­klei­dung. Taugt die aktu­elle PSA? Müssen neue Produkte ange­schafft werden? Die Auswahl der PSA-Produkte bei Infra­Serv Knap­sack erfolgt auf drei Wegen: Wünsche und Vorschläge der Beleg­schaft werden gesam­melt und geprüft, auf Messen werden neue Produkte ausge­sucht und schließ­lich besu­chen Herstel­ler den Betrieb, um Inno­va­tio­nen vorzu­stel­len.

Kommt neue PSA auf diesem Weg in das Unter­neh­men, testen zunächst einige Mitar­bei­ter die neuen Produkte und berich­ten dann von ihren Erfah­run­gen. Es gebe aller­dings auch Fälle, so Zech, in denen statt einer Neuan­schaf­fung gering­fü­gige Modi­fi­zie­run­gen der bestehen­den PSA voll­kom­men ausreich­ten: „So hatten wir mal das Problem mit unse­ren Helmen, die bei fast jeder Tätig­keit verrutscht sind. Aber anstatt neue Helme zu kaufen, die viel Geld gekos­tet hätten, haben wir einfach neue Dreh­ver­schlüsse für wenig Geld in den Helmen anbrin­gen lassen – das Problem war somit gelöst und die Helme sind nun deut­lich komfor­ta­bler und vor allem siche­rer.“

Dabei sei die Trag­bar­keit bezie­hungs­weise Effek­ti­vi­tät der PSA nicht unbe­dingt die größte Heraus­for­de­rung, viel­mehr beschäf­tig­ten sich die Kolle­gen auch mit orga­ni­sa­to­ri­schen Aspek­ten: Wohin etwa mit der ganzen PSA, die man stän­dig am Mann bezie­hungs­weise an der Frau haben muss? Zech: „Mitar­bei­ter fragen sich beispiels­weise, was mit der Korb­schutz­brille zu tun ist, wenn man diese mal nicht aufset­zen muss. Auf dem Helm sollte man sie nicht anbrin­gen, weil sie auf diese Weise schnell auslei­ert und dort zudem konta­mi­niert werden könnte. Von daher gehört sie in den Spind.“

Zukunfts­per­spek­ti­ven

Die Sicher­heits­be­auf­trag­ten bei Infra­Serv Knap­sack verfü­gen über ein geson­der­tes Zeiten­konto für dies­be­züg­li­che Tätig­kei­ten, so wie es auch in ande­ren Betrie­ben gehand­habt wird. Aber im Gegen­satz zu manch ande­rem Unter­neh­men sei die Funk­tion der Sicher­heits­be­auf­trag­ten hier weit mehr als „nur“ eine formelle oder sogar aufge­zwun­gene Sache. Für Florian Zech ist sie ein Teil des Funda­ments, auf dem spätere Führungs­po­si­tio­nen aufbauen könn­ten: „Die Quali­tä­ten, die wir für diese Tätig­keit brau­chen und stän­dig weiter­ent­wi­ckeln – wie zum Beispiel Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, Einsatz­be­reit­schaft und Flexi­bi­li­tät – sind aus meiner Sicht Kompe­ten­zen, die einem dabei helfen können, im Unter­neh­men voran­zu­kom­men. Meine Zeit als Sicher­heits­be­auf­trag­ter sehe ich deshalb auch als eine Art Vorbe­rei­tung auf mögli­che spätere Heraus­for­de­run­gen.“


Steck­brief

  • Florian Zech
  • 38 Jahre
  • Tech­ni­scher Sach­be­ar­bei­ter Instand­hal­tung
  • Bran­che: Indus­trie­dienst­leis­tun­gen
  • Sicher­heits­be­auf­trag­ter seit 2010

Infra­Serv GmbH & Co. Knap­sack KG

Infra­Serv Knap­sack ist Dienst­leis­ter für die Planung, den Bau und Betrieb von Anla­gen und Betrei­ber­ge­sell­schaft des Chemie­parks Knap­sack in Hürth.

  • Gegrün­det 1997 als Ausglie­de­rung des Stand­orts aus der Hoechst AG
  • Mehr als 1.000 Beschäf­tigte
  • www.infraserv-knapsack.de
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