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Unterweisungen

Die richtige Vorbereitung, Durchführung und Nachbearbeitung
Sicherheitsunterweisungen

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Eine Mas­chine abzu­sich­ern, ist für den Kon­struk­teur ver­hält­nis­mäßig ein­fach. Voraus­ge­set­zt, ihm ste­hen die finanziellen und materiellen Ressourcen zur Ver­fü­gung. Einen Mitar­beit­er zum sicheren Arbeit­en zu ver­an­lassen, ist wesentlich schwieriger. Beson­ders dann, wenn das dauer­haft und möglichst ohne ständi­ge Kon­trolle erre­icht wer­den soll. Die Mitar­beiterun­ter­weisung sollte daher gut vor­bere­it­et, pro­fes­sionell durchge­führt und kon­se­quent nach­bear­beit­et wer­den.

Die rechtliche Notwendigkeit der Mitar­beiterun­ter­weisung sollte jedem Vorge­set­zten klar sein. Der Fachkraft für Arbeitssicher­heit sind die Rechts­grund­la­gen ohne­hin bekan­nt. Man unter­schei­det zwis­chen der Erstun­ter­weisung (zum Beispiel Neulinge im Betrieb, Arbeit­splatzwech­sel, neue Maschi­nen oder Anla­gen) und der Wieder­hol­ung­sun­ter­weisung (zum Beispiel regelmäßig, nach beson­deren Ereignis­sen, bei Fehlver­hal­ten eines Mitar­beit­ers).

Ziel aller Unter­weisun­gen ist es, sicher­heits- und gesund­heits­gerechte Zustände und Ver­hal­tensweisen zu erre­ichen beziehungsweise zu erhal­ten. Eine gut geplante Unter­weisung kann

  • Ken­nt­nisse erweit­ern,
  • Fähigkeit­en ver­mit­teln,
  • pos­i­tive Ein­stel­lun­gen erzeu­gen und
  • zu sicherem Ver­hal­ten motivieren.

Eben­so kann die richtige Ver­wen­dung der per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung (PSA) ver­mit­telt wer­den. Unter­weisun­gen benöti­gen eine sorgfältige Vor­bere­itung. Die The­me­nauswahl ergibt sich aus der betrieblichen Gefährdungs­beurteilung. Außer­dem sind der jew­eilige Teil­nehmerkreis und die Ter­mine der Unter­weisung (Zeit­punkt, Dauer) vor­ab festzule­gen. Nicht jed­er Mitar­beit­er benötigt die gle­iche Unter­weisung. Empfehlenswert ist ein mod­u­lares Unter­weisungskonzept, beispiel­sweise für die Bere­iche Ver­wal­tung, Fer­ti­gung und Kun­den­di­enst (Außen­di­enst). Andere betriebliche Ein­teilun­gen sind natür­lich möglich.

Sin­nvoll ist es, die Unter­weisung gle­ich nach Arbeits­be­ginn oder Arbeitspausen durchzuführen. Wenig erfol­gre­ich sind Unter­weisun­gen vor Pausen oder kurz vor dem Arbeit­sende, da die Teil­nehmer dann eventuell müde oder gedanklich abge­lenkt sind. Unter­weisun­gen soll­ten üblicher­weise nicht länger als 45 Minuten dauern. Erfordert das gewählte The­ma mehr Zeit, sind zwin­gend kleine Pausen einzu­pla­nen. Grund­sät­zlich sind kurze, prob­le­mori­en­tierte Unter­weisun­gen erfol­gre­ich­er als Ver­anstal­tun­gen von mehrstündi­ger Dauer. Für diesel­ben Inhalte sind dann jedoch mehrere soge­nan­nte „Sicher­heits-Kurzge­spräche“ notwendig. Auch die Räum­lichkeit­en für Unter­weisun­gen sind sorgfältig zu pla­nen. Die Zusam­menkün­fte kön­nen im Besprechungs- oder Pausen­raum, im Meis­ter­büro oder am unmit­tel­baren Arbeit­splatz (Mas­chine, Labor usw.) erfol­gen. Let­z­tendlich bee­in­flusst auch das Unter­weisungs­the­ma den Ver­anstal­tung­sort. Störun­gen jeglich­er Art wie Lärm oder Tele­fonate soll­ten grund­sät­zlich ver­mieden wer­den. Die Teil­nehmerzahl ist auf etwa 15 Per­so­n­en zu begren­zen. Bei Unter­weisun­gen an Maschi­nen beträgt die Teil­nehmerzahl ide­al­er­weise vier bis sechs Per­so­n­en. Gle­ich­es gilt für Unter­weisun­gen mit prak­tis­chen Übun­gen, beispiel­sweise zur richti­gen Ver­wen­dung der PSA.

Unterweisungen professionell durchführen

Unter­weisun­gen soll­ten in drei Phasen durchge­führt wer­den. Hierzu gehören

  1. die Ein­stiegsphase,
  2. die Infor­ma­tion­sphase und
  3. die Abschlussphase.

Die Ein­stiegsphase dient dazu, den per­sön­lichen Kon­takt zu den Teil­nehmern herzustellen. Nach der Begrüßung wird das The­ma sowie dessen Bedeu­tung für den eige­nen Betrieb und jeden Einzel­nen erläutert. Wichtig ist eine klare Zielset­zung: „Was wollen wir mit der heuti­gen Unter­weisung erre­ichen?“

Danach fol­gt die Infor­ma­tion­sphase. Der Vorge­set­zte informiert die Beschäftigten über das erforder­liche Wis­sen, um das geforderte Sicher­heitsver­hal­ten zu verdeut­lichen. Das Vor­wis­sen und die Erfahrun­gen der Teil­nehmer sind dabei natür­lich zu berück­sichti­gen. Je aktiv­er die Teil­nehmer in diesen Teil der Ver­anstal­tung einge­bun­den wer­den, desto nach­haltiger ist der Unter­weisungser­folg!

Übri­gens: „Um eine Kul­tur zu schaf­fen, genügt es nicht, mit dem Lin­eal auf die Fin­ger zu klopfen.“ (Albert Camus, franz. Schrift­steller und Philosoph)

Der Führungskraft ste­hen zur Wis­sensver­mit­tlung ver­schiedene Meth­o­d­en und Medi­en zur Ver­fü­gung. Ein Wech­sel der Meth­o­d­en wie Vor­trag, Lehrge­spräch, Grup­pe­nar­beit und der­gle­ichen ist sin­nvoll, um möglichst jedem Lern­typ (audi­tiv, visuell, kom­mu­nika­tiv oder manuell) gerecht zu wer­den. Die meis­tens Men­schen sind übri­gens Mis­chtypen, was die bevorzugten Lern­for­men bet­rifft.

Visu­al­isierende Medi­en wie Flipchart, Bilder und Grafiken sind hil­fre­ich, um die Lern­in­halte bess­er zu ver­an­schaulichen. Mot­to: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“ Sofern es das The­ma zulässt, sind prak­tis­che Übun­gen in die Unter­weisung zu inte­gri­eren. Bekan­nter­maßen ist der Lern­er­folg am größten, wenn selb­st etwas „erar­beit­et“ oder „prak­tisch aus­ge­führt“ wird. Beispiel: Das Wis­sen um die Funk­tion­sweise eines Feuer­lösch­ers ist kein Garant dafür, dass dieser im Ern­st­fall richtig einge­set­zt wird. Eine Löschübung hinge­gen erhöht die Wahrschein­lichkeit, dass ein Feuer auch tat­säch­lich erfol­gre­ich bekämpft wird.

Mit der Abschlussphase endet die Mitar­beiterun­ter­weisung schließlich. Die wichtig­sten Aspek­te wer­den hier noch ein­mal zusam­menge­fasst. Außer­dem sind verbindliche Regelun­gen zu vere­in­baren: „Was soll ich tun oder unter­lassen?“

Keine Unterweisung ohne Nachbereitung

Ob die Vere­in­barun­gen in der Prax­is später beachtet wer­den, ist durch den Vorge­set­zten regelmäßig zu kon­trol­lieren. Bei Bedarf müssen Abwe­ichun­gen ange­sprochen, unter­bun­den und gegebe­nen­falls „abgemah­nt“ wer­den. Kaum erfol­gre­ich sind Unter­weisun­gen immer dann, wenn keine Ver­hal­tenskon­trolle durch die Führungskraft erfol­gt.

Natür­lich ist der Vorge­set­zte aber auch Vor­bild! Für ihn gel­ten die gle­ichen Ver­hal­tensregeln wie für die übri­gen Beschäftigten. Die Mitar­beit­er besitzen meist ein feines Gefühl dafür, ob die Lehrin­halte ernst gemeint oder nur „lästige Pflichter­fül­lung“ des Vorge­set­zten waren. Ein bis­lang unsicheres Ver­hal­ten wird in der Regel auch nicht durch ein­ma­liges Unter­weisen geän­dert. Der Vorge­set­zte sollte daher etwas Geduld haben. Sicheres und gesund­heitlich­es Ver­hal­ten von Mitar­beit­ern wird durch ehrlich­es Lob und aufrichtige Anerken­nung gefördert. Erst durch häu­figes Wieder­holen entste­hen sichere Gewohn­heit­en, die dauer­haft beibehal­ten wer­den.

Nach­bere­itun­gen helfen auch, das eigene Unter­weisungskonzept zu prüfen:

  • Was war gut beziehungsweise was ist zu verbessern?
  • Welche Medi­en und Übun­gen waren geeignet?
  • Wodurch wur­den die Teil­nehmer motiviert?
  • Worauf ist zukün­ftig (noch mehr) zu acht­en?
  • Welche Vorschläge der Mitar­beit­er soll­ten unbe­d­ingt berück­sichtigt wer­den?
  • Wur­den die geset­zten Ziele erre­icht?

Durchge­führte Unter­weisun­gen sind grund­sät­zlich zu doku­men­tieren. Die Doku­men­ta­tion bein­hal­tet das Unter­weisungs­the­ma, Ort und Datum der Ver­anstal­tung sowie die Namen und Unter­schriften des Vorge­set­zten / der Beschäftigten. Durchge­führte prak­tis­che Übun­gen sind eben­falls schriftlich festzuhal­ten. Gle­ich­es gilt für diejeni­gen Per­so­n­en, die den Vorge­set­zten bei speziellen Fachthe­men (z.B. beim Umgang mit Gefahrstof­fen) bei der Unter­weisung unter­stützten.

Lei­der muss immer wieder darauf hingewiesen wer­den, dass die Fachkraft für Arbeitssicher­heit nicht für die Unter­weisung der Mitar­beit­er ver­ant­wortlich ist. Als Berater und Unter­stützer kann die Fachkraft für Arbeitssicher­heit der Führungskraft bei der Unter­weisung gerne helfen. Ver­ant­wortlich ist und bleibt aber der Arbeit­ge­ber beziehungsweise der Vorge­set­zte. Zwecks ein­deutiger Zuständigkeit­en im Betrieb soll­ten deshalb Pflicht­enüber­tra­gun­gen vom Arbeit­ge­ber auf die Führungskräfte ver­an­lasst wer­den.

Elektronische Hilfsmittel

Elek­tro­n­is­che Hil­f­s­mit­tel zur Unter­weisung sind Lern­pro­gramme auf CD/DVD sowie Online-Lern­plat­tfor­men. Sie bieten die Möglichkeit, Lern­in­halte mith­il­fe ver­schieden­er Mod­ule zu ver­mit­teln. Meis­tens sind Erfol­gskon­trollen im Lehrsys­tem inte­gri­ert. Der wesentliche Vorteil dieser Pro­gramme ist die Unter­weisung der Beschäftigten unab­hängig von Ort und Zeit. Geeignete Lehrsys­teme soll­ten aber min­destens fol­gende Kri­te­rien erfüllen:

  • Anpas­sung der Inhalte an den jew­eili­gen Arbeit­splatz
  • Durch­führung ein­er Ver­ständ­nis­prü­fung (z. B. Erfol­g­stest)
  • Ein­wand­freie Doku­men­ta­tion der durchge­führten Aktio­nen
  • Uneingeschränk­te Kom­mu­nika­tion zwis­chen dem Vorge­set­zten und den Mitar­beit­ern ermöglichen

Unter­weisun­gen mit elek­tro­n­is­chen Hil­f­s­mit­teln sollen und kön­nen die per­sön­liche Unter­weisung und Sicher­heits-Kurzge­spräche nicht erset­zen. Außer­dem ist zu beacht­en, dass Online-Lern­mod­ule nicht für alle Ziel­grup­pen gle­icher­maßen geeignet sind. Zur Bear­beitung der The­men mit elek­tro­n­is­chen Hil­f­s­mit­teln müssen die Mitar­beit­er über die notwendi­gen Kom­pe­ten­zen (Bedi­enung der Lern­soft­ware, Umgang mit Eingabegeräten usw.) ver­fü­gen. Darüber hin­aus sind entsprechende Arbeit­splätze einzuricht­en, damit eine Bear­beitung der Lern­mod­ule in angemessen­er Weise ermöglicht wird. Die Bear­beitung der Unter­weisungsin­halte außer­halb der Arbeit­szeit ist im Übri­gen rechtlich unzuläs­sig.

Tipp: Einige Beruf­sgenossen­schaften bieten ihren Mit­glieds­be­trieben kosten­lose Lern­mod­ule zu unter­schiedlichen The­men an. Diese kön­nen aber nicht nur alleine, son­dern auch als Part­ner- oder Grup­pe­nar­beit genutzt wer­den. Erfol­gre­ich ist die Unter­weisung nur, wenn sie inter­es­sant, infor­ma­tiv und verbindlich gestal­tet ist.


Foto: © Dägling

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Markus Tis­chen­dorf
Fachau­tor für gewerblich-tech­nis­che Medi­en
tischendorf.markus@t‑online.de

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