Startseite » Sicherheit » Arbeitsschutzorganisation » So gelingt die Imple­men­tie­rung der ISO 45001

Tipps für die Praxis

So gelingt die Imple­men­tie­rung der ISO 45001

AdobeStock_164633519.jpg
Foto: © jozsitoeroe – stock.adobe.com
Anzeige
Ende 2013 wurde von der Inter­na­tio­nal Orga­ni­za­tion for Stan­dar­di­za­tion (ISO) der Entschluss gefasst, einen neuen Stan­dard für Arbeits­schutz­ma­nage­ment (ISO 45001) heraus zu geben. Als Grund­lage diente die bewährte BS 18001 OHSAS. Seit März 2018 kann die ISO 45001 ange­wen­det werden. Was soll­ten Sie im Hinblick auf die Imple­men­tie­rung beach­ten?

Zual­ler­erst sollte die Führungs­riege in einem Unter­neh­men schrift­lich ihre Verpflich­tung, Verant­wor­tung und über­ge­ord­nete Rechen­schafts­pflicht erklä­ren, und dann kann es losge­hen. Die Projekt­orga­ni­sa­tion und –planung können bis zu einem gewis­sen Grade sofort in Angriff genom­men werden.

Für all jene, die die BS 18001 bereits anwen­den, wird sich nicht viel Neues erge­ben. Ein Augen­merk sollte dennoch auf die Begriffe Unfall/Vorfall, Risiko, Kontext, Beschäf­tig­ter, Betei­li­gung und die neue Struk­tur gelegt werde. Ebenso auf die genaue Wort­wahl, vor allem der engli­schen Version. Eine sorg­fäl­tige Delta‐Analyse zwischen dem bereits imple­men­tier­ten Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem und der neuen ISO 45001 ist jedoch Pflicht.

Exis­tiert eine Umset­zung der neuen ISO 9001, ISO 14001 oder ande­rer Management‐Normen mit der neuen High Level Struc­ture (HLS) aus der ISO Direk­tive 1, dann umso besser! Die sich daraus erge­ben­den Schnitt­stel­len (u.a. Beschaf­fung, Bemus­te­rung, Liefe­ran­ten­be­ur­tei­lung, QM‐/UM‐/ASA‐Meetings, etc.) soll­ten unbe­dingt genutzt werden. Die Adap­tion von Metho­den (Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und FMEA; Bege­hung und Audit; etc.) und die Einbe­zie­hung von Fach­leu­ten, die andere Manage­ment­sys­teme (QM/UM/…) anwen­den, sollte in Betracht gezo­gen werden. Die bestehende Orga­ni­sa­tion und gege­be­nen­falls deren Revi­sion, ist ein weite­rer Anknüp­fungs­punkt zur Nutzung von Syner­gien bestehen­der Systeme.

Pionier­ar­beit

Können Sie sich weder auf ein imple­men­tier­tes Manage­ment­sys­tem, noch auf eine lang­jäh­rige bewährte Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion stüt­zen, so ist echte Pionier­ar­beit zu leis­ten. Achten Sie unbe­dingt auf die Verpflich­tung der Führung und ausrei­chen­der Ausstat­tung von Ressour­cen (Perso­nal, Mate­rial, Finan­zen, Zeit, …). Ein klei­ner Steue­rungs­kreis kann bei Bedarf zeit­lich begrenzt erwei­tert werden. Eine Projekt­dauer von neun bis zwölf Mona­ten sollte nach Möglich­keit nicht über­schrit­ten werden. Defi­nie­ren Sie erreich­bare und klar verständ­li­che Meilen­steine – und halten Sie diese konse­quent ein. Immer wieder ist auch die Pareto‐Regel (80/20) nütz­lich, denn nicht alles muss auf Anhieb perfekt sein. Lassen Sie Raum und Zeit für eine konti­nu­ier­li­che Verbes­se­rung (KVP). Begin­nen Sie, opti­mie­ren Sie und betei­li­gen Sie die, deren Tages­ge­schäft es ist. Sorgen Sie für eine syste­ma­ti­sche Umset­zung der Anfor­de­run­gen der ISO 45001 mittels Planung‐Durchführung‐Kontrolle‐Agieren (PDCA).

Zerti­fi­zie­rer einbin­den?

Möch­ten Sie die Imple­men­tie­rung auch nach Außen doku­men­tie­ren, soll­ten Sie unter ande­rem an eine Zerti­fi­zie­rung durch eine akkre­di­tierte Stelle denken. Hier­bei gilt: verglei­chen Sie, achten Sie auf die Repu­ta­tion und Serio­si­tät der exter­nen Zerti­fi­zie­rer, die Bekannt­heit in Ihrer Bran­che und bei Ihren Kunden. Und achten Sie auch auf die Kosten, die Geschäfts­füh­rung wird es Ihnen danken.

Selbst­er­klä­rung

Es steht natür­lich jeder Orga­ni­sa­tion frei, eine Selbst­er­klä­rung abzu­ge­ben. Hier­bei stellt sich ledig­lich die Frage, inwie­weit diese von den Ziel­grup­pen (Kunden, Behör­den, etc.) akzep­tiert wird. Klären Sie dies mit den wich­tigs­ten Ziel­grup­pen vorher – und doku­men­tie­ren Sie es.

Wer soll´s machen?

In Zeiten von „Lean‐Organisation“ ist es inzwi­schen der Normal­fall, dass Fach­kräfte wenig zusätz­li­che Zeit haben. Selbst wenn zum Beispiel Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit, Qualitäts‐ und/oder Umwelt­ma­na­ger vorhan­den sind, sind deren Ressour­cen meist so bemes­sen, dass ledig­lich der Regel­be­trieb aufrecht­erhal­ten werden kann. Stehen Projekte wie die Imple­men­tie­rung der neuen ISO 45001 an, werden zusätz­li­che Ressour­cen benö­tigt. Dies muss unbe­dingt der Unter­neh­mens­füh­rung deut­lich gemacht werden. „Mal eben so und neben­bei“ geht zwar, wird aber nicht funk­tio­nie­ren. Suchen Sie sich Unter­stüt­zung aus der Nähe, nutzen Sie moderne Medien wie Inter­net und Video‐Konferenz. Diese unter­stütz­ten zwar, den persön­li­chen Kontakt und die Kennt­nisse vor Ort erset­zen sie aber nicht. Bewer­ten Sie diese mindes­ten nach den Krite­rien Quali­tät, Termin und Kosten (QTK), und genau in dieser Reihen­folge. Fragen Sie nach der Art und den Umfang der Doku­men­ta­tion (Beispiele) die erstellt werden soll. Passt die Leis­tung zu Ihrer Geschäfts­kul­tur, ihrem hoch­wer­ti­gem Produkt oder Dienst­leis­tung?

Weiter­bil­dung

Die ISO 45001 wird sich den etablier­ten Management‐Normen ISO 9001, ISO 14001 und weite­ren annä­hern und damit auch deren Anwen­dung und Metho­den. Sofern nicht bereits vorge­se­hen und geplant, soll­ten Unter­neh­men jetzt auch daran denken, in die entspre­chende Quali­fi­zie­rung ihres Perso­nals zu inves­tie­ren.


Autor: Dipl.-Ing. (FH) Stefan Hund­ham­mer

Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Geschäfts­füh­rer von baiMENTO.de

Inge­nieur­büro für Qualitäts‐, Umwelt‐ und Arbeitsschutz‐Management

info@baimento.de

www.baimento.de

Anzeige

News­let­ter

Unsere Dosis Wissens­vor­sprung für Sie. Jetzt kosten­los abon­nie­ren!

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 5
Ausgabe
5.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 5
Ausgabe
5.2019
ABO
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de