Vorsicht kommt vor dem Fall. Zu Besuch bei Merck in Darmstadt -
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Zu Besuch bei Merck in Darmstadt

Vorsicht kommt vor dem Fall

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Seit den 1980er Jahren hat sich viel bei Merck verän­dert. Auch die Aufga­ben von Silke Klotz, eine von rund 570 Sicher­be­auf­trag­ten des Chemie‐ und Phar­ma­kon­zerns: Der Compu­ter hat nicht nur die Schreib­ma­schine ersetzt. Die gesamte Arbeits­welt hat sich gewan­delt.

Merck blickt auf 350 Jahre Geschichte zurück. 36 davon ist Silke Klotz schon dabei. „Damals war die Kugel­kopf­schreib­ma­schine das Heilig­tum im Büro“, erin­nert sich Klotz. Mit 17 hat sie ihre Lehre zur Industrie‐Kauffrau beim Darm­städ­ter Phar­ma­kon­zern begon­nen. Über die Verwal­tung von Phar­ma­re­fe­ren­ten und das Manage­ment von Außen­dienst­ta­gun­gen landet Klotz in der Abtei­lung für externe Kommu­ni­ka­tion. Dort kümmert sie sich um die Geschäfts­be­richte, orga­ni­siert die Bilanz­pres­se­kon­fe­renz und die Haupt­ver­samm­lung und berei­tet die Q&As, die soge­nannte Fragen und Antwor­ten für die Analysten‐Calls vor.

Im tradi­tio­nel­len Fami­li­en­un­ter­neh­men Merck achten alle aufein­an­der, gehen aber auch mit der Zeit: „Heute sind die Aufga­ben­ge­biete wesent­lich spezi­fi­scher und jeder Beschäf­tigte muss die Ziele errei­chen, die im Mitar­bei­ter­ge­spräch mit ihm verein­bart wurden.“

Umsich­tig und rück­sichts­voll

Ich finde, über eine Matte sollte keiner zwei­mal stol­pern“, sagt Klotz. So dachte sie schon immer. Dass sie rück­sichts­voll und umsich­tig agiert, ist auch ihrem Vorge­setz­ten aufge­fal­len. Seit zwei Jahr­zehn­ten beklei­det Klotz nun schon das Ehren­amt der Sicher­heits­be­auf­trag­ten. Doch ihr Enga­ge­ment beschränkt die gebür­tige Darm­städ­te­rin nicht allein auf die Firma. Für die Initia­tive „von Herzen zu Herzen“ näht sie regel­mä­ßig herz­för­mige Kissen, die sich an Brust­krebs erkrankte Frauen nach der OP zur Entlas­tung unter die Achsel legen können. Bei der „Tour der Hoff­nung“ tritt die sport­li­che Frau zudem jedes Jahr mit dem Rad für schwer­kranke Kinder an. Über die 35 Jahre des Bestehens von „Tour der Hoff­nung“ wurden insge­samt 35 Millio­nen Euro „erfah­ren“ und über Spon­so­ren, zu denen auch Merck gehört, einge­sam­melt. „Der Impuls für die Aktion kam aus der Firma“, so Klotz. „Die Tour ist sehr schön und wer einmal dabei war, ist direkt ange­fixt und will wieder mitma­chen.“

In ihrer Anfangs­zeit als Sicher­heits­be­auf­tragte hat die heute 53‐Jährige viele Schu­lun­gen besucht. Bis vor eini­gen Jahren wurden auch den Mitar­bei­tern die akuten Sicher­heits­be­lange über Schu­lun­gen vermit­telt. Mit dabei waren eine Sicher­heits­fach­kraft und manch­mal auch der Betriebs­arzt, wenn es beispiels­weise um Impfun­gen ging. Heute gibt es einmal jähr­lich eine Unter­wei­sung über das Tool Medus. Die Mitar­bei­ter müssen die Trai­nings­in­halte konzen­triert durch­le­sen und anschlie­ßend Fragen beant­wor­ten. Um zu sehen, welche sicher­heits­re­le­van­ten Themen andere Unter­neh­men beschäf­ti­gen bezie­hungs­weise wie diese damit umge­hen, machen die Sicher­heits­be­auf­trag­ten von Merck einmal im Jahr einen Ausflug. „Wir waren da beispiels­weise schon beim Reifen­her­stel­ler Pirelli oder bei Hitra­dio FFH.“

Kein Pardon bei einem „No‐Go“

Klotz kümmert sich um alle Themen – von der Ergo­no­mie am Arbeits­platz bis hin zu solchen Ange­le­gen­hei­ten, dass niemand eine private Lich­ter­kette im Büro aufhängt. Alle elek­tro­ni­schen Geräte bei Merck werden einmal jähr­lich über­prüft. „Ich bin ja im Prin­zip nur der verlän­gerte Arm unse­rer Sicher­heits­fach­kräfte. Aber in dieser Rolle bin ich sehr nach­hal­tig. Und wenn ich mal etwas gesagt habe, dann wird das auch gemacht. Manch­mal kommt die Werks­feu­er­wehr unan­ge­mel­det zur Kontrolle durch die Büros. Dann sollte alles vorbild­haft sein.“

Das letzte „Sibe‐Großprojekt“ ist noch nicht lange her. Das Jahr 2015 hat Merck genutzt, um nicht nur sein Logo zu erneu­ern, sondern auch sonst konse­quent umzu­bauen. Aus dem Pharma‐ und Chemie­kon­zern ist ein Wissenschafts‐ und Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men gewor­den. Das äußert sich auch in bauli­chen Maßnah­men. Die Plätze vor den Merck‐Gebäuden in Darm­stadt wurden trans­pa­ren­ter und offe­ner gestal­tet. „Im Prin­zip kann jetzt jeder rein bei uns“, so Klotz. Wegen der fehlen­den Schran­ken hat man während des Umbaus dann beispiels­weise die Türen von außen verschlos­sen – ein „No‐Go“ für die Sicher­heits­be­auf­tragte – denn im Notfall hätte auch keiner von innen nach außen gelan­gen können. Oder die Glas­wände, die kaum zu erken­nen waren, sodass man leicht dage­gen laufen konnte. (Flucht)Wege änder­ten sich manch­mal täglich.

Büro‐Ergonomie voran­ge­trie­ben

Doch all das liegt hinter dem großen Merck‐Team, das allein in Darm­stadt 10.000 Mitar­bei­ter zählt. Die Straße zwischen den zahl­rei­chen Firmen­ge­bäu­den wurde von vier auf zwei Spuren verengt, dafür der Gehsteig deut­lich verbrei­tert. Die Bauar­bei­ten sind fast abge­schlos­sen. Im Rahmen dieser Verän­de­run­gen wurden auch die Büro­stühle ausge­tauscht. „Mein Chef beispiels­weise ist über zwei Meter groß, der hat sogar einen extra Stuhl bekom­men.“ Die neuen Modelle haben fünf anstelle von vier Rollen, höhen­ver­stell­bare Armleh­nen und eine justier­bare Rücken­ver­stär­kung. Einen höhen­ver­stell­ba­ren Schreib­tisch hat bereits jeder Beschäf­tigte; wer also im Stehen arbei­ten will, muss nur einen Knopf drücken. Nicht alle im Unter­neh­men sind von solchen Erneue­run­gen gleich begeis­tert. „Den Merck’ser muss man gele­gent­lich ein biss­chen schub­sen“, so die Erfah­rung von Klotz. Auch in ande­rer Hinsicht zeigt sich Merck mitar­bei­ter­ori­en­tiert: Nach Abspra­che mit dem Vorge­setz­ten darf über das Tool „My Works“ jeder grund­sätz­lich so arbei­ten, wie und wo er möchte.

Sinn für exakte Vorga­ben

Vor 20 Jahren hat es nieman­den geküm­mert, wenn eine Tür ein biss­chen klemmte oder der Wasser­ko­cher „hyper­ven­ti­lierte“. Heute gibt es exakte Vorga­ben, wie ein PC zum Licht­ein­fall posi­tio­niert sein muss. Steck­do­sen, Kabel und feuer­feste Unter­la­gen werden regel­mä­ßig über­prüft. Drucker werden in einem Raum gebün­delt – bezie­hungs­weise über einen Erken­nungs­code können mehrere Mitar­bei­ter auf einen Drucker zugrei­fen. Ist dieser defekt, wird der Raum geschlos­sen. So versucht man, die Belas­tung durch Fein­staub so gering wie möglich zu halten.

Was manchem viel­leicht über­trie­ben erscheint, findet Silke Klotz rich­tig. Die begeis­terte Jazz‐Tänzerin, die vor zwan­zig Jahren sogar einen eige­nen Tanz­ver­ein ins Leben geru­fen hat, hat dafür eine einleuch­tende Erklä­rung: „Ich habe in meinen Leben schon so viele Menschen fallen sehen, nicht nur beim Sport. Das hat mich wahr­schein­lich geprägt.“


Autorin:

Kirs­ten Rein, Fach­jour­na­lis­tin


Ich finde, über eine Matte sollte keiner zwei­mal stol­pern“


Den Merck’ser muss man gele­gent­lich ein biss­chen schub­sen“


Steck­brief

  • Silke Klotz
  • 53 Jahre
  • Sach­be­ar­bei­te­rin in der exter­nen Kommu­ni­ka­tion
  • Bran­che: Chemie‐ und Pharma
  • Sicher­heits­be­auf­tragte seit 18 Jahren

Merck

Merck ist ein globa­les Wissenschafts‐ und Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men in den drei Berei­chen Health­care, Life Science und Perfor­mance Mate­ri­als.

  • Ältes­tes pharmazeutisch‐chemisches Unter­neh­men der Welt
  • Fried­rich Jakob Merck legte 1668 mit Grün­dung der Engel Apotheke den Grund­stein für das Unter­neh­men, das sich bis heute mehr­heit­lich im Fami­li­en­be­sitz befin­det
  • Insge­samt 55.000 Mitar­bei­ter in 66 Ländern
  • 10.000 Beschäf­tigte am Stamm­sitz in Darm­stadt
  • www.merckgroup.com/de
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