Alle Jahre wieder .... Interview zum Brandschutz -
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Interview zum Brandschutz

Alle Jahre wieder …

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… schmü­cken Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter ihre Arbeits­plätze in der Vorweih­nachts­zeit gerne mit Kerzen, Advents­krän­zen oder ähnli­chem, um etwas besinn­li­che Stim­mung zu erzeu­gen. Trotz­dem muss der Brand­schutz beach­tet werden. Welche Maßnah­men wich­tig sind, erklärt Gerhard Spren­ger, Leiter des Sach­ge­biets Betrieb­li­cher Brand­schutz der DGUV, im Inter­view.

Das Inter­view führte Verena Manek.

Herr Spren­ger, wie können sich Betriebe in der Weih­nachts­zeit vor Brän­den beispiels­weise durch Kerzen schüt­zen?

Spren­ger: Laut ‚ASR 2.2 Maßnah­men gegen Brände‘ ist der Unter­neh­mer oder die Unter­neh­me­rin verpflich­tet, in seinem Betrieb Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen vorzu­neh­men. In diesen muss er bestimmte Maßnah­men fest­le­gen und die Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter
davon unter­rich­ten. Wenn er sich daran hält, also die Maßnah­men umsetzt und kontrol­liert, ist er, falls doch etwas passiert, auf der siche­ren Seite.

Welche Maßnah­men wären das?

Spren­ger: Der Unter­neh­mer, oder die Unter­neh­me­rin muss zum Beispiel in seiner Brand­schutz­ord­nung für den
Betrieb fest­le­gen, ob Advents­kränze mit Kerzen aufge­stellt werden dürfen. Falls das der Fall ist, muss er fest­le­gen, dass diese beauf­sich­tigt werden müssen. Das ist notwen­dig, es gibt mitt­ler­weile ja
Gerichts­ur­teile, in denen es heißt, man handele grob fahr­läs­sig, wenn man Kerzen länger als eine halbe Stunde unbe­auf­sich­tigt lässt.

Also muss fest­ge­legt sein, dass die Mitar­bei­ter Kerzen ausma­chen, bevor sie das Zimmer verlas­sen?

Spren­ger: Ja. Und man sollte die Kerzen auch nicht in der Nähe von brenn­ba­ren Gegen­stän­den, wie zum Beispiel Vorhän­gen oder Decken aufstel­len. Zudem sollte man die Wirkung von Zugluft beden­ken.

Was ist sonst noch zu berück­sich­ti­gen?

Spren­ger: Deko­ra­ti­ons­ma­te­rial, wie etwa Advents­kränze auf Tischen oder Weih­nachts­aus­schmü­ckun­gen in Räumen, müssen schwer entflamm­bar sein. Es wird ja, gerade zur Vorweih­nachts­zeit bei Selbst­ge­bas­tel­tem, auch Watte verwen­det. Nehme ich herkömm­li­che Watte, die man über­all kaufen kann, dann habe ich ein Problem. Schon ein Funke, stän­di­ger Berüh­rungs­kon­takt mit heißen Ober­flä­chen, zum Beispiel Glüh­bir­nen, Halogen‐Lämpchen etc., oder eine sons­tige Wärme­quelle in der Nähe bewir­ken, dass die Watte zunächst braun wird und sich dann aufgrund ihrer großen Ober­flä­che schlag­ar­tig entzün­det. Das wird häufig unter­schätzt. Ich habe bei meiner Tätig­keit für die Berufs­ge­nos­sen­schaft Nahrungs­mit­tel und Gast­ge­werbe schon erlebt, dass sich in einer Rast­stätte die „normale“ Watte auf einem Weih­nachts­haus befand, als auf
einem Gasherd unmit­tel­bar nebenan flam­biert wurde. In einem solchen Fall besteht sofor­ti­ger Hand­lungs­be­darf
aufgrund der Gefahr für Leben und Gesund­heit von Perso­nen. Im Fach­han­del ist auch schwer entflamm­bare flau­schige weiße Watte zur winter­li­chen Deko­ra­tion erhält­lich.

Also möglichst keine selbst­ge­bas­telte Deko mit zur Arbeit nehmen?

Spren­ger: Es gibt im Fach­han­del, auch in Droge­rie­märk­ten, spezi­elle Flamm­schutz­sprays nach DIN 4102 zum Imprä­gnie­ren, mit denen man zum Beispiel Geste­cke schwer entflamm­bar machen kann. Schwer entflamm­bar heißt, dass sie nicht direkt bren­nen, wenn sie mit Flam­men in Berüh­rung kommen, sondern erst nach eini­ger Zeit. Wenn die Flamme entzo­gen wird, gehen sie wieder aus. Und, es gibt ja mitt­ler­weile wunder­schöne LED‐Ketten oder -Kerzen, die zwar nicht die Stim­mung einer norma­len Kerze erzeu­gen, aber für den Arbeits­platz eine gute Alter­na­tive wären.

Wie sieht es beim Weih­nachts­baum etwa im Foyer eines Unter­neh­mens aus?

Spren­ger: Da wird man wohl Elek­tro­lich­ter nehmen, denn mit Kerzen müsste der Baum immer unter Aufsicht stehen. Elek­tri­sche Lich­ter und Lich­ter­ket­ten soll­ten aller­dings mindes­tens das VDE‐Zeichen aufwei­sen, besser noch ein GS‐Zeichen für geprüfte Sicher­heit. Bäume soll­ten außer­dem in den geeig­ne­ten Vorrich­tun­gen für Weih­nachts­bäume stehen, die man mit Wasser befül­len kann.

In der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung muss übri­gens auch fest­ge­legt sein, dass es einen geeig­ne­ten Feuer­lö­scher in der Nähe des Baums gibt. Ein Eimer Wasser reicht da nicht, fünf oder zehn Liter Wasser wären bei einem Brand nur der berühmte Trop­fen auf den heißen Stein. Die jewei­li­gen Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter soll­ten den Umgang und die Hand­ha­bung mit den bereit­ge­stell­ten Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen kennen.

Und Sicher­heits­be­auf­tragte soll­ten darauf achten, dass die Maßnah­men auch einge­hal­ten werden?

Spren­ger: Ja, sie soll­ten im betrieb­li­chen Alltag ein Auge darauf haben. Außer­dem können sie die Unter­neh­me­rin oder den Unter­neh­mer auch bera­ten.

Haben Sie außer dem erwähn­ten Beispiel an der Rast­stätte Erfah­run­gen mit Unfäl­len durch Weih­nachts­deko?

Spren­ger: Es gibt sicher mehr Unfälle im Privat­be­reich. Aber: Habe ich meine Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter unter­wie­sen, dann tragen sie das Wissen auch mit nach Hause. Das ist ein sehr posi­ti­ver Effekt, schließ­lich sollte man die Maßnah­men über­all beach­ten. Mit den rich­ti­gen Vorsichts­maß­nah­men steht einer Advents­zeit mit echten Kerzen nichts entge­gen. Fröh­li­che und gemüt­li­che Weih­nachts­zeit!

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