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Linda Reschke

Nachgefragt
Linda Reschke

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Rund 4.300 Mitar­bei­t­ende zählt die Berlin­er Berufs­feuer­wehr, hinzu kom­men 1.500 Mit­glieder der Frei­willi­gen Feuer­wehr und 1.200 bei der Jugend­feuer­wehr. Der über­wiegende Teil von ihnen ist männlich. Doch der Feuer­wehr­di­enst ist nicht auss­chließlich Män­ner­sache: Unter dem Mot­to „Frauen an den Brand­herd!“ öffnet sich Deutsch­lands älteste und größte Berufs­feuer­wehr gezielt für weib­liche Kräfte in den Rei­hen der Kam­er­aden. Lin­da Reschke hat sich nach ihrem Ein­stieg bei der Jugend­feuer­wehr und Frei­willi­gen Feuer­wehr für eine Aus­bil­dung bei der Berufs­feuer­wehr entsch­ieden – und ist sehr zufrieden mit ihrer Wahl.

Frau Reschke, wann und wie kamen Sie zu den Brandbekämpfern?

Ange­fan­gen hat es damit, dass ich als 15-Jährige zusam­men mit mein­er Schwest­er an der Feuerwache in unserem Wohnort Alt­glienicke vor­beige­laufen bin. Die hat­ten ger­ade ein Fest und da habe ich gesagt: „Ich gehe jet­zt auch zur Feuer­wehr.“ Das war aber nur ein Witz, denn damals war ich eher eine kleine Prinzessin. Das hat also gar nicht zu mir gepasst. Ich fand die Vorstel­lung aber so lustig, dass ich auch noch abends bei ein­er Fam­i­lien­feier davon gesprochen habe. Da hat mein Cousin, der schon Mit­glied bei der Jugend­feuer­wehr war, gemeint: „Hey, komm doch ein­fach mal mit.“

Das habe ich dann wirk­lich gemacht – und es hat mich überzeugt. Allein wegen der Kam­er­ad­schaft lohnt es sich schon, zur Jugend­feuer­wehr zu gehen. Aber man lernt auch was dazu und set­zt seine Freizeit sin­nvoll ein. Das ist eine Mis­chung aus Ler­nen, Spaß und Kam­er­ad­schaft. Bei etwas Inter­esse an den The­men gibt es, glaube ich, kein besseres Hob­by. Mit 15 Jahren war ich damals allerd­ings schon ziem­lich alt, denn die meis­ten gehen ja mit zehn Jahren zur Jugendfeuerwehr.

Ich war dann knapp drei Jahre in der Jugend­feuer­wehr. Mit 18 bin ich in die Frei­willige Feuer­wehr über­ge­treten. Let­z­tendlich waren diese vier Jahre so prä­gend, dass ich mich nach dem Abitur für die Aus­bil­dung bei der Berufs­feuer­wehr entsch­ieden habe, obwohl ich ursprünglich zur Polizei wollte – zur Krim­i­nalpolizei, weil ich ein Fan von diesen coolen Krim­is­e­rien war. Wenn ich jet­zt sehe, was die Polizei wirk­lich macht – durch die Feuer­wehr habe ich ja immer wieder mal mit der Polizei zu tun und habe dort auch ein Prak­tikum absolviert – bin ich froh über meine Entschei­dung. Ich glaube, bei der Feuer­wehr werde ich glück­lich. In jedem Fall brauche ich etwas Action, ein rein­er Büro­job wäre für mich gar nicht in Frage gekommen.

In der Jugend­feuer­wehr waren Sie ver­mut­lich nicht nur wegen Ihres rel­a­tiv hohen Ein­trittsalters etwas Beson­deres, son­dern wohl auch wegen Ihres Geschlechts. Wie fühlten und fühlen Sie sich denn unter den vie­len Jungs beziehungsweise Männern?

Der Frauenan­teil ist tat­säch­lich deut­lich geringer als der Män­ner­an­teil – sowohl in der Jugend­feuer­wehr als auch in der Frei­willi­gen Feuer­wehr wie auch in der Berufs­feuer­wehr. Er ist über die Jahre gewach­sen, aber es fällt trotz­dem auf. Da sticht man als Frau schon manch­mal her­aus. Meis­tens hat man aber gar kein Prob­lem damit, man fühlt sich auf jeden Fall recht gut aufgenom­men. Als junges Mädel bei der Frei­willi­gen Feuer­wehr hat­te ich sog­ar eher Prob­leme mit anderen Frauen, die mich anfangs nicht so akzep­tiert haben. Wahrschein­lich war da etwas Konkur­ren­z­denken im Spiel. Bei der Berufs­feuer­wehr füh­le ich mich jet­zt gut eingegliedert. Einige Kol­le­gen neigen dazu, mir schwere Sachen abzunehmen, damit ich „kleines Püp­pchen“ mich nicht ver­hebe. Das ist aber nicht so gedacht, denn Frauen müssen bei der Feuer­wehr densel­ben Ein­stel­lung­stest durch­laufen und diesel­ben sportlichen Anforderun­gen erfüllen wie Män­ner. Da gibt es kein Par­don und das ist auch gut so, weil wir im Ein­satz das­selbe leis­ten müssen!

Als Frau bekommt man manch­mal etwas Schwierigkeit­en wegen der Größe, wenn man zum Beispiel am Löschfahrzeug etwas aus irgen­deinem oberen Fach her­aus­holen soll und da auf Zehen­spitzen noch grade so drankommt. Ich bin 1,68 Meter – also nicht super klein, aber das fällt manch­mal doch auf. Und natür­lich hat man auch ein biss­chen weniger Kraft als die Kol­le­gen. Aber das kann man durch gezieltes Train­ing kom­pen­sieren. Weil auf die kör­per­liche Fit­ness sehr viel Wert gelegt wird, machen wir schon in der Aus­bil­dung viel Sport. In der feuer­wehrtech­nis­chen Aus­bil­dung ist Sport das A und O, bei den Not­fall­san­itätern, wo ich jet­zt bin, ist der Anspruch nicht ganz so hoch. Dort haben wir regelmäßig zweimal die Woche Sport, meis­tens Laufen und Kraft­train­ing. Aber man muss auch im Pri­vatleben Sport machen, son­st ist es schw­er, die Anforderun­gen im Eig­nung­stest und bei der täglichen Arbeit zu erfüllen. Da muss man schon ein biss­chen drauf hin­trainieren – vor allem die Frauen. Das ist zwar anstren­gend, aber zu schaffen.

Die Feuer­wehr wird ja nicht nur zu Brän­den gerufen, son­dern hat ein vielfältiges Auf­gaben­spek­trum. Was war Ihr bis­lang bemerkenswertester Einsatz?

Das ist eine schwierige Frage, weil man hier sehr viel erlebt. Ein Ein­satz war vor allem deshalb span­nend, weil ich per­sön­lich darin ver­wick­elt war: Im Som­mer vor anderthalb Jahren ist direkt vor mein­er Haustür eine Haupt­wasser­leitung geplatzt. Plöt­zlich kam ein Wasser­schwall über den Balkon – die Woh­nung liegt im Erdgeschoss. Das Wass­er hörte gar nicht mehr auf zu laufen. Einen Moment später wurde dann unsere Frei­willige Feuer­wehr alarmiert. Im End­ef­fekt waren wir die ganze Nacht, also von neun Uhr abends bis cir­ca sechs Uhr in der Früh, im Ein­satz. Keller, Aufgänge und eben­erdi­ge Woh­nun­gen standen unter Wass­er. Außer­dem wurde an der Stelle, an der die Leitung geplatzt ist, die Straße unter­spült. So ent­stand ein Riesenkrater, in den ich noch während des Ein­satzes gestürzt bin. Ich war ein­mal kom­plett weg. Meine Kam­er­aden haben dieses Miss­geschick zum Glück mit­bekom­men und waren schnell zur Stelle, um mich aus der Grube zu ziehen. Das war schon spektakulär.

Dieser Ein­satz kommt auch immer wieder zur Sprache – zum einen, weil ich wegen der umfassenden Ren­ovierungsar­beit­en eine ganze Weile bei meinen Eltern wohnen musste, zum anderen, weil ich in dieses Loch gefall­en bin. Da ich offen­sichtlich gerne baden gehe, haben mir die Kam­er­aden eine Schwimm­nudel geschenkt. Ich selb­st soll aber keine Scherze über den Vor­fall machen, denn das Ganze hätte ja auch anders aus­ge­hen kön­nen. Zwis­chen Spaß und Ernst ist hier nur ein schmaler Grat.

Wie kom­fort­a­bel ist Ihre Schutzk­lei­dung – gibt es die auch in Damenpassform?

Ich finde sie ganz bequem. Klar, sie ist ein biss­chen schw­er­er (lacht). Aber man kann sie trotz­dem noch tra­gen. Bei der Ein­satzk­lei­dung, die wir zu jedem Alarm anziehen, wird nicht zwis­chen Män­nern und Frauen unter­schieden, die gibt es ein­fach in den Größen S bis XXXL mit ver­schiede­nen Arm- und Bein­län­gen. Im Ein­satz geht es ja auch nicht darum, schick auszusehen.

Wir haben noch andere Uni­for­men, wie unsere Sta­tion Wear und unsere Office Wear. Die Office Wear ist unsere Aus­gang­suni­form und die gibt es mit­tler­weile auch in Frauen­größen. Das ist aber noch nicht allzu lange so: Das erste Hemd, das ich bei der Feuer­wehr bekom­men habe, war eher ein Kleid. Da wurde nur darauf geachtet, dass der Kra­gen einiger­maßen passt, der Rest war egal. Inzwis­chen gibt es auch Damen­blusen und tail­lierte Jack­etts, die für Frauen beschafft werden.


Steckbrief

  • geboren 1998 in Berlin
  • kam mit 15 Jahren zur Jugend­feuer­wehr Altglienicke
  • trat mit 18 Jahren über in die Frei­willige Feuerwehr
  • begann 2018 eine Aus­bil­dung bei der Berufs­feuer­wehr Berlin
  • lernt momen­tan Notfallsanitäter
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