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Neue ASR A2.2

Maßnah­men gegen Brände

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Anfang Mai 2018 trat die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ in Kraft. Foto: © wisawa222 – stock.adobe.com
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Die Anfang Mai 2018 neu erschie­nene ASR A2.2 konkre­ti­siert die Anfor­de­run­gen an den tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Brand­schutz in Arbeits­stät­ten – und defi­niert damit den neuen Stand der Tech­nik für das Einrich­ten und Betrei­ben von Arbeits­stät­ten. Bishe­rige tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men sind auf deren Wirk­sam­keit nach dem neuen Stand der Tech­nik zu über­prü­fen.

Die bishe­ri­gen Maßnah­men können mittels einer fach­kun­di­gen Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach dem Arbeits­schutz­ge­setz mit der neuen ASR2.2 abge­gli­chen werden. Der Arbeit­ge­ber kann dabei auch die bisher nach der Ausgabe Novem­ber 2012 der ASR A2.2 getrof­fe­nen Maßnah­men beibe­hal­ten, was fest­stel­lend zu doku­men­tie­ren ist.

Mit Bekannt­ma­chung vom 2. Mai 2018 fasste das Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les die Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten ASR A2.2 „Maßnah­men gegen Brände“ neu. Veröf­fent­licht wurde die refor­mierte Arbeits­stät­ten­re­gel in der Ausgabe Mai 2018 im Gemein­sa­men Minis­te­ri­al­blatt 2018, Seite 446. Sie ersetzt die frühere Ausgabe Novem­ber 2012 und ist umfang­rei­cher, um Prak­ti­kern einer­seits mehr Spiel­raum und ande­rer­seits die gebo­tene Anwen­der­si­cher­heit für tech­nisch und orga­ni­sa­to­risch ange­mes­sene Maßnah­men zu geben.

Wesent­li­che Neue­run­gen der ASR2.2 Mai 2018

Die Grund­aus­stat­tung mit Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen für alle Arbeits­stät­ten erfolgt nun klar­stel­lend im Regel­fall mit der Bereit­stel­lung von Feuer­lö­schern nach DIN EN 3–7:2007–10 „Trag­bare Feuer­lö­scher – Teil 7: Eigen­schaf­ten, Leis­tungs­an­for­de­run­gen und Prüfun­gen“. Anhang 1 enthält ein allge­mei­nes Lösungs­schema zur Fest­le­gung der Ausstat­tung der Arbeits­stätte; Ausfüh­rungs­bei­spiele für die Grund­aus­stat­tung sind im Anhang 2 beschrie­ben und neuer­dings für die Abwei­chung von der Grund­aus­stat­tung im Anhang 3 (Beispiel 3.1 bei norma­ler Brand­ge­fähr­dung) darge­stellt.

Unver­än­dert gilt der bishe­rige Grund­satz, dass für die Grund­aus­stat­tung aller Arbeits­stät­ten im Regel­fall nur Feuer­lö­scher ange­rech­net werden, die als Lösch­leis­tungs­ver­mö­gen jeweils über mindes­tens sechs Lösch­mit­tel­ein­hei­ten (LE) verfü­gen. Neu ist die Möglich­keit bei norma­ler Brand­ge­fähr­dung in Ausnah­me­fäl­len Feuer­lö­scher anrech­nen zu lassen, die jeweils nur über mindes­tens zwei LE verfü­gen, wenn

  • sich hier­durch eine Verein­fa­chung in der Bedie­nung ergibt, zum Beispiel durch mindes­tens 25 Prozent Gewichts­er­spar­nis je Feuer­lö­scher,
  • die Zugriffs­zeit, zum Beispiel durch Halbie­rung der maxi­ma­len Entfer­nung zum nächst­ge­le­ge­nen Feuer­lö­scher nach Punkt 5.3, redu­ziert wird und
  • die Anzahl der Brand­schutz­hel­fer nach Punkt 7.3 verdop­pelt wird.

Das Ausfüh­rungs­bei­spiel einer Kinder­ta­ges­stätte (Kita) mit 538 m² verdeut­licht das Voran­ste­hende (Beispiel 2.2 des Anhangs 2 der ASR A2.2). Im Ergeb­nis werden dort insge­samt sechs Wasser­lö­scher mit drei Litern Wasser für die Brand­klasse A und einem Lösch­ver­mö­gen von 13A je Gerät (vier LE nach Tabelle 2) vorge­se­hen und in den vorhan­de­nen Kita-Gruppen, im Büro und in der Aufwärm­kü­che posi­tio­niert. Alle Beschäf­tig­ten sind als Brand­schutz­hel­fer ausge­bil­det. Durch die Auswahl und Posi­tio­nie­rung der genann­ten Feuer­lö­scher sind die Krite­rien Gewichts­er­spar­nis und Redu­zie­rung der Entfer­nung zum nächst­ge­le­ge­nen Feuer­lö­scher erfüllt.

Ein weite­res Beispiel für einen Abwei­chungs­fall bei norma­ler Brand­ge­fähr­dung ist eine Verwal­tung mit einer einge­schos­si­gen Grund­flä­che mit 600 m² und dem Vorhan­den­sein eines weiter­be­trie­be­nen Wand­hy­dran­ten (Anhang 2, Beispiel 3.1). Hier ist zu beach­ten, dass die frühere Wandhydranten-Anrechnungsregelung bei der Feuerlöscher-Grundausstattung (Punkt 5.2.2 der frühe­ren ASR A2.2, Ausgabe Novem­ber 2012) in der neuen ASR A2.2 wegge­fal­len ist. In diesem Beispiel wird indes weiter an der grund­sätz­li­chen Anre­chen­bar­keit von bis zu 27 LE für einen Wand­hy­dran­ten fest­ge­hal­ten. Im Ergeb­nis werden auf Basis der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für den Wand­hy­dran­ten aller­dings nur acht LE ange­rech­net. Für die übrige Grund­aus­stat­tung sind Pulver­feu­er­lö­scher mit jeweils sechs LE vorge­se­hen.

Das für die Ermitt­lung zusätz­li­cher Brand­schutz­maß­nah­men wich­tige Krite­rium der „erhöh­ten Brand­ge­fähr­dung“ ist begriff­lich umfas­sen­der bestimmt worden. Nach Punkt 3.3 der ASR A2.2 liegt eine erhöhte Brand­ge­fähr­dung vor, wenn

  • entzünd­bare bezie­hungs­weise oxidie­rende Stoffe oder Gemi­sche vorhan­den sind,
  • die örtli­chen und betrieb­li­chen Verhält­nisse für eine Brand­ent­ste­hung güns­tig sind,
  • in der Anfangs­phase eines Bran­des mit einer schnel­len Brand­aus­brei­tung oder großen Rauch­frei­set­zung zu rech­nen ist,
  • Arbei­ten mit einer Brand­ge­fähr­dung durch­ge­führt werden (zum Beispiel Schwei­ßen, Brenn­schnei­den, Trenn­schlei­fen, Löten) oder Verfah­ren ange­wen­det werden, bei denen eine Brand­ge­fähr­dung besteht (zum Beispiel Farb­sprit­zen, Flamm­ar­bei­ten) oder
  • erhöhte Gefähr­dun­gen vorlie­gen, zum Beispiel durch selbs­ter­hit­zungs­fä­hige Stoffe oder Gemi­sche, Stoffe der Brand­klas­sen D und F, brenn­bare Stäube, extrem oder leicht entzünd­bare Flüs­sig­kei­ten oder entzünd­bare Gase.

Zu beach­ten ist, dass die erhöhte Brand­ge­fähr­dung im Sinne dieser ASR die erhöhte und hohe Brand­ge­fähr­dung nach der Tech­ni­schen Regel für Gefahr­stoffe TRGS 800 „Brand­schutz­maß­nah­men“ einschießt.

In diesem Kontext ist die beispiel­hafte Aufzäh­lung von Berei­chen und Tätig­kei­ten in Arbeits­stät­ten mit erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung um die tech­ni­schen und natur­wis­sen­schaft­li­chen Berei­che in Bildungs- und Forschungs­ein­rich­tun­gen und Werk­stät­ten mit Behin­de­run­gen ergänzt worden (Tabelle 4, Ziffer 2. Dienst­leis­tun­gen zu Punkt 6.1 der ASR A2.2).

Um eine schnelle und wirk­same Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den bei Arbeits­be­rei­chen oder Arbei­ten mit erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung sicher­zu­stel­len, wurden die zusätz­li­chen Maßnah­men bei erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung konkre­ti­siert. Für Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen ist nach Punkt 6.2 (2) der ASR A2.2 insbe­son­dere sicher­zu­stel­len, dass:

  • das Lösch­mit­tel der Brand­klasse ange­passt ist,
  • die Lösch­mit­tel­menge ausrei­chend ist, um einen Entste­hungs­brand dieser Gefähr­dung abzu­de­cken und
  • die gleich­mä­ßig verteil­ten Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen so posi­tio­niert sind, dass sie im Falle eines Brand­aus­bruchs in Berei­chen mit erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung noch ohne Gefähr­dung von Beschäf­tig­ten schnell (in der Regel nicht größer als 5 m, maxi­mal 10 m tatsäch­li­che Lauf­weg­länge) erreicht werden kann.

Neben der Ausrüs­tung mit Brand­mel­de­ein­rich­tun­gen zur früh­zei­ti­gen Erken­nung von Entste­hungs­brän­den können orts­feste Brand­be­kämp­fungs­an­la­gen (zum Beispiel Sprink­ler­an­la­gen, Sprüh­was­ser­lösch­an­la­gen, Fein­sprüh­lösch­an­la­gen, Schaum‑, Pulver- oder Gaslösch­an­la­gen) zusätz­li­che, also über die Grund­aus­stat­tung hinaus gehende Maßnah­men des Brand­schut­zes sein. Punkt 6.2 der neuen ASR2.2 konkre­ti­siert dies nun. Orts­feste Brand­be­kämp­fungs­an­la­gen sind vorran­gig zum Beispiel dann erfor­der­lich, wenn

  • eine Brand­be­kämp­fung mit Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen wegen der Eigen­ge­fähr­dung nicht möglich ist oder
  • die Berei­che nicht zugäng­lich sind.

Präzi­ser gefasst ist die Orga­ni­sa­tion des betrieb­li­chen Brand­schut­zes (Punkt 7 der ASR A2.2):

  • Fest­le­gung der notwen­di­gen Maßnah­men einschließ­lich Verhal­tens­re­geln im Brand­fall durch den Arbeit­ge­ber und deren Doku­men­ta­tion, etwa durch Aushang einer Brand­schutz­ord­nung (DIN 14096:2014–05 „Brand­schutz­ord­nung – Regeln für das Erstel­len und das Aushän­gen) oder „Regeln für das Verhal­ten im Brand­fall“ als grafi­scher Teil des Flucht- und Rettungs­plans nach ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesund­heits­schutz­kenn­zeich­nung“.
  • Zweck­mä­ßige Benen­nung eines Brand­schutz­be­auf­trag­ten, wenn eine erhöhte Brand­ge­fähr­dung fest­ge­stellt wurde.

Der Brand­schutz­be­auf­tragte ist damit erst­ma­lig in einer staat­li­chen Arbeits­schutz­re­gel fest­ge­schrie­ben (Punkte 3.10 und 7.4 der ASR A2.2). Brand­schutz­be­auf­tragte sind Perso­nen, die vom Arbeit­ge­ber bestellt werden und ihn zu Themen des betrieb­li­chen Brand­schut­zes bera­ten und unter­stüt­zen. Ihre Benen­nung kann bei Arbeits­stät­ten mit erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung zweck­mä­ßig sein.

Zu beden­ken ist, dass die Anfor­de­rung der Bestel­lung eines Brand­schutz­be­auf­trag­ten sich aus ande­ren Rechts­vor­schrif­ten erge­ben kann. Das ist beispiels­weise durch landes­bau­recht­li­che Sonder­bau­vor­schrif­ten wie etwa in der Richt­li­nie über den bauli­chen Brand­schutz im Indus­trie­bau gere­gelt.

Weiter empfiehlt Punkt 7.3 der neuen ASR A2.2, dass Brand­schutz­hel­fer prak­ti­sche Lösch­übun­gen in Abstän­den von drei bis fünf Jahren wieder­ho­len. Dies entspricht der bisher gängi­gen Empfeh­lung der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger (Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten, Unfall­kas­sen).

Zu den abweichenden/ergänzenden Anfor­de­run­gen für Baustel­len der neuen ASR2.2 (Punkt 8 (2) und (3)) gehört, dass für jedes der einge­setz­ten Arbeits­mit­tel jetzt eine erhöhte Brand­ge­fähr­dung gege­ben sein muss. Bisher war bereits ein geeig­ne­ter Feuer­lö­scher mit mindes­tens sechs LE vorge­schrie­ben; nun ist er in unmit­tel­ba­rer Nähe der einge­setz­ten Arbeits­mit­tels breit­zu­hal­ten.

Die Bekannt­gabe der neuen ASR A2.2 ist also Anlass, die bestehen­den fest­ge­leg­ten Maßnah­men gegen Brände auf Anpas­sungs­be­darf durch eine fach­kun­dige Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung des Arbeit­ge­bers zu über­prü­fen. Hierzu kann dieser interne wie auch externe Fach­leute wie zum Beispiel Brand­schutz­be­auf­tragte, Brandschutz-Fachberater oder Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit zu Rate ziehen.


Autor: Cars­ten Wege

Geschäfts­füh­rer

Bundes­ver­band Brand­schutz Fach­be­triebe e.V.

info@bvbf.de

Foto: bvbf

Mit der neuen ASR2.2 ist der Brand­schutz­be­auf­tragte erst­ma­lig in einer staat­li­chen Arbeits­schutz­re­gel fest­ge­schrie­ben.“

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