Startseite » Sicherheit » Elektrosicherheit »

Den richtigen Ansprechpartner bei Fragen zur Elektrotechnik finden

Den richtigen Ansprechpartner bei Fragen zur Elektrotechnik finden
Das „Who is Who“ der Elektrotechnik

Smiling_Repairman_With_Toolbox_And_Cable_Standing_In_Front_Of_Vehicle
Foto: © Andrey Popov - stock.adobe.com
Anzeige
Elek­tro­fachkraft, elek­trotech­nisch unter­wiesene Per­son oder Elek­tro­fachkraft für fest­gelegte Tätigkeit­en: In der Elek­trotech­nik gibt es eine große Band­bre­ite unter­schiedlich­er Qual­i­fika­tio­nen. Aber wer darf eigentlich was? Und wie fügen sich die Qual­i­fika­tio­nen in der Hier­ar­chieebene zusammen?

Dipl.-Ing. Rain­er Rottmann

„Fin­ger weg von elek­trischem Strom!“ Dieser Grund­satz muss ins­beson­dere dann beherzigt wer­den, wenn eine Beschädi­gung oder Störung an ein­er elek­trischen Anlage beziehungsweise einem elek­trischen Betrieb­smit­tel vor­liegt. Doch an wen wen­det man sich dann? Sofern ein Unternehmen über eine eigene Elek­troabteilung ver­fügt, ist dies ein­fach zu beant­worten. Doch wie sieht es in den Fällen aus, in denen zum Beispiel ein Haus­meis­ter auch schon mal kleinere Repara­turen durch­führt? Darf er das? Und wenn ja: Unter welchen Bedingungen?

Vom rechtlichen Stand­punkt aus ist es ein­deutig geregelt, wer in der Elek­trotech­nik welche Arbeit­en aus­führen darf. Gemäß der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel“ hat der Unternehmer dafür zu sor­gen, dass elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel nur von ein­er Elek­tro­fachkraft oder unter Leitung und Auf­sicht ein­er Elek­tro­fachkraft den elek­trotech­nis­chen Regeln entsprechend errichtet, geän­dert und instandge­hal­ten wer­den. Doch hin­sichtlich des Begriffs „Elektrofachkraft“existieren ver­schiedene Abstu­fun­gen, die es zu beacht­en gilt.

Elektrofachkraft

Als Elek­tro­fachkraft (EFK) im Sinne der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel“ gilt, wer […] auf­grund sein­er fach­lichen Aus­bil­dung, Ken­nt­nisse und Erfahrun­gen sowie Ken­nt­nis der ein­schlägi­gen Bes­tim­mungen die ihm über­tra­ge­nen Arbeit­en beurteilen und mögliche Gefahren erken­nen kann.“ Somit wird der Begriff nicht für einen bes­timmten Beruf, son­dern als Ober­be­griff für die Summe elek­trotech­nis­ch­er Beruf­saus­bil­dun­gen ver­wen­det, da die enorme Band­bre­ite der Elek­trotech­nik nicht durch eine Beruf­saus­bil­dung allein abgedeckt wer­den kann. Aus der Begriffs­de­f­i­n­i­tion fol­gt im Umkehrschluss, dass jemand nicht als Elek­tro­fachkraft gilt, wenn die Ken­nt­nisse und Erfahrun­gen nicht dem aktuellen Stand entsprechen beziehungsweise für die vorge­se­henen Auf­gaben nicht aus­re­ichen. Dies ist ins­beson­dere dann der Fall, wenn über einige Jahre ein ander­er Beruf aus­geübt wurde. Der Sta­tus als Elek­tro­fachkraft kann jedoch wieder­erlangt wer­den, wenn durch die Teil­nahme an entsprechen­den Auf­frischungs- beziehungsweise Spezial­isierungssem­inaren und/oder prak­tis­che Einar­beitung die jew­eils notwendi­gen Ken­nt­nisse und Erfahrun­gen aktu­al­isiert werden.

Elek­tro­fachkräfte kön­nen grund­sät­zlich in eigen­er Ver­ant­wor­tung elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel erricht­en, ändern und instand­hal­ten. Sie sind deshalb für Repara­turen und Störungs­be­sei­t­i­gun­gen die richti­gen Ansprech­part­ner. Weil aber nicht jede Elek­tro­fachkraft für jede Tätigkeit gle­icher­maßen qual­i­fiziert ist und weil die Abschal­tung elek­trisch­er Energie zur Reparatur oder Störungs­be­sei­t­i­gung häu­fig inner­be­triebliche Abstim­mungen erforder­lich macht, ver­fü­gen viele Unternehmen über eine Elek­tro­fachkraft mit beson­deren Entschei­dungs­befug­nis­sen: die ver­ant­wortliche Elektrofachkraft.

Verantwortliche Elektrofachkraft

Für die Leitung eines eige­nen Unternehmens oder zumin­d­est eines elek­trotech­nis­chen Betrieb­steils, wie zum Beispiel die Elek­trow­erk­statt eines Unternehmens, ist eine Qual­i­fika­tion als Meis­ter, Tech­niker oder Inge­nieur erforder­lich. Mit dieser Qual­i­fika­tion kann die Funk­tion der „ver­ant­wortlichen Elek­tro­fachkraft“ (VEFK) aus­geübt wer­den, welche die Wahrnehmung der fach­lichen Unternehmerver­ant­wor­tung in Bezug auf die Elek­trotech­nik bein­hal­tet. Ver­ant­wortliche Elek­tro­fachkräfte kön­nen von Ver­sorgungsnet­z­be­treibern auch als „Konzes­sion­sträger“ benan­nt wer­den, die berechtigt sind, elek­trische Anla­gen an das öffentliche Strom­netz anzuschließen.

Die Notwendigkeit der Bestel­lung ein­er VEFK ergibt sich aus dem Umfang und der Kom­plex­ität der Auf­gaben. Wenn zum Beispiel nur wenige Elek­tro­fachkräfte beschäftigt wer­den, die übliche und der nor­malen Aus­bil­dung entsprechende Auf­gaben aus­führen, müssen diese nicht zwangsläu­fig von ein­er ver­ant­wortlichen Elek­tro­fachkraft geleit­et werden.

Müssen jedoch darüber hin­aus­ge­hende kom­plexe Auf­gaben verse­hen beziehungsweise Entschei­dun­gen getrof­fen wer­den, sind diese ein­er ver­ant­wortlichen Elek­tro­fachkraft vor­be­hal­ten. Für den Betrieb ein­er elek­trischen Anlage allein ist jedoch eine ver­ant­wortliche Elek­tro­fachkraft nicht zwin­gend erforderlich.

Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten

Die Handw­erk­sor­d­nung eröffnet unter bes­timmten Bedin­gun­gen die Möglichkeit, dass Arbeit­en in anderen Handw­erken aus­ge­führt wer­den dür­fen, wenn sie mit dem Leis­tungsange­bot des Gewerbes tech­nisch oder fach­lich zusam­men­hän­gen oder dieses wirtschaftlich ergänzen. Ein typ­is­ches Beispiel dafür ist der Anschluss eines Durch­laufer­hitzers durch San­itärin­stal­la­teure, die eine Zusatzaus­bil­dung als „Elek­tro­fachkraft für fest­gelegte Tätigkeit­en“ (EFKffT) absolviert haben. Bezüglich ihres Ein­satzes existieren strenge Vor­gaben, die allerd­ings sehr häu­fig entwed­er nicht bekan­nt sind oder nicht beachtet wer­den. Zu diesen Vor­gaben gehört unter anderem, dass in eigen­er Fachver­ant­wor­tung nur gle­ichar­tige, sich wieder­holende und fest­gelegte Tätigkeit­en durchge­führt wer­den dür­fen, für die eine Aus­bil­dung (inklu­sive bestanden­er Prü­fung in The­o­rie und Prax­is) nachgewiesen wer­den kann, und die durch den Arbeit­ge­ber in ein­er Arbeit­san­weisung beschrieben wurden.

Grundlagenseminar genügt nicht

In der Prax­is bieten Sem­i­nar­di­en­stleis­ter häu­fig ein all­ge­meines Grund­la­gensem­i­nar an, in welchem meist the­o­retis­che Inhalte ver­mit­telt wer­den. Im Kleinge­druck­ten wird dann darauf hingewiesen, dass die Ver­mit­tlung der prak­tis­chen Inhalte sowie die Durch­führung der Prü­fun­gen noch inner­be­trieblich durch das Unternehmen erfol­gen muss. Die Teil­nah­mebescheini­gung für das Sem­i­nar wird hier oft als Nach­weis ein­er bestande­nen Prü­fung oder sog­ar als Bestel­lung­surkunde missver­standen. Die Arbeit­ge­ber bege­hen zudem häu­fig den Fehler, wed­er die notwendi­ge Arbeit­san­weisung noch eine Bestel­lung­surkunde zu erstellen. Außer­dem wer­den die Arbeits­ge­bi­ete oft nicht genau fest­gelegt – ein Ver­säum­nis, das durch unkonkrete Sem­i­narange­bote viel zu oft begün­stigt wird. Den solcher­maßen aus­ge­bilde­ten Per­so­n­en ist häu­fig eben­falls nicht bewusst, dass die genan­nten Voraus­set­zun­gen umge­set­zt wer­den müssen, was oft zur Selb­stüber­schätzung führt. Im Zweifels­fall ist man deshalb immer bess­er berat­en, bei elek­trotech­nis­chen Anliegen grund­sät­zlich eine Elek­tro­fachkraft zu kontaktieren.

Elektrotechnisch unterwiesene Person

Eine elek­trotech­nisch unter­wiesene Per­son (euP) ist eine Per­son, die aus­drück­lich nicht über eine elek­trotech­nis­che Beruf­saus­bil­dung ver­fügt, son­dern durch eine Elek­tro­fachkraft lediglich so unter­wiesen wurde, dass sie ein­fache und eher unge­fährliche Arbeit­en an elek­trischen Anla­gen und Betrieb­smit­teln aus­führen kann. Sie darf jedoch nicht eigen­ver­ant­wortlich arbeit­en, son­dern nur unter der Leitung und Auf­sicht ein­er Elek­tro­fachkraft. Darunter wird die Über­nahme von Fach- und Führungsver­ant­wor­tung gegenüber den unter­stell­ten euP’en ver­standen. „Auf­sicht führen“ bedeutet im Gegen­satz zu „beauf­sichti­gen“ allerd­ings nicht, dass die Elek­tro­fachkraft bei der Durch­führung der Arbeit­en ständig anwe­send sein muss. Wenn die euP’en etwa im Rah­men der Unter­weisung nachgewiesen haben, dass sie in der Lage sind, die Arbeit­en selb­st­ständig und kor­rekt auszuführen, kön­nen sie gegebe­nen­falls auch allein tätig wer­den. Ein häu­fig began­gener Fehler beste­ht darin, dass euP’en ohne vorge­set­zte Elek­tro­fachkraft tätig wer­den. Unter diesen Umstän­den haben sie keinen fach­lichen Ansprech­part­ner für Rück­fra­gen und nie­mand kor­rigiert eventuelle Fehler.

Zur Prüfung befähigte Person

Zu guter Let­zt soll der aus der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) stam­mende Begriff „zur Prü­fung befähigte Per­son“ (kurz „befähigte Per­son“) erläutert wer­den. Wie aus dem Begriff bere­its her­vorge­ht, wird dieser nur im Zusam­men­hang mit der Prü­fung von Arbeitsmit­teln ver­wen­det, während eine Elek­tro­fachkraft im Sinne der DGUV Vorschrift 3 beziehungsweise 4 darüber hin­aus­ge­hende elek­trische Arbeit­en aus­führen kann. Zudem muss eine zur Prü­fung befähigte Per­son, die auss­chließlich Prü­fun­gen an mech­a­nis­chen, hydraulis­chen oder pneu­ma­tis­chen Kom­po­nen­ten durch­führt, nicht zwangsläu­fig über Ken­nt­nisse der Elek­trotech­nik verfügen.

Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Gewinnspiel
Meistgelesen
Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 6
Ausgabe
6.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 5
Ausgabe
5.2021
ABO
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de