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Arbeitsplätze mit kollaborierenden Robotern effizient und sicher gestalten

Arbeitsplätze mit kollaborierenden Robotern
Effizient und sicher gestalten

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Schon ein blauer Fleck wäre zu viel – fügt ein kollaborierender Roboter einem Kollegen Schaden zu, würde sich das im Unternehmen herumsprechen und die Akzeptanz für MRK erheblich mindern. Foto: © zapp2photo – stock.adobe.com
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Der Ein­satz kol­la­bori­eren­der Robot­er­sys­teme wird auf­grund sein­er Poten­ziale stetig an Bedeu­tung gewin­nen. Damit die Kom­bi­na­tion der Stärken des Men­schen mit den Stärken des Robot­ers in Arbeit­sprozessen effizient, sich­er, leis­tungs­förder­lich und damit let­ztlich wirtschaftlich ineinan­der­greifen, sind nicht nur umfassende Qual­i­fizierungs­maß­nah­men und die Beach­tung ergonomis­ch­er Aspek­te erforder­lich. Auch die Sicher­heit­san­forderun­gen bei der Arbeit mit kol­la­bori­eren­den Robot­ern müssen wirk­sam erfüllt wer­den.

Häu­fig sind Fachkräfte für Arbeitssicher­heit noch nicht aus­re­ichend informiert, welche sicher­heit­srel­e­van­ten Anforderun­gen bei kol­la­bori­eren­den Robot­er­sys­te­men zu erfüllen sind und welche Möglichkeit­en es darauf auf­bauend gibt, die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäftigten zu gewährleis­ten. Der Artikel liefert einen Beitrag zur Deck­ung dieser Infor­ma­tion­slücke und geht auf Grund­la­gen der Inter­ak­tion zwis­chen Men­sch und Robot­er sowie Anforderun­gen an eine sichere Arbeit­splatzgestal­tung mit kol­la­bori­eren­den Robot­ern ein.

Der Schlüs­sel für eine Zusam­me­nar­beit zwis­chen Men­sch und Mas­chine, all­ge­mein Men­sch-Robot­er-Kol­lab­o­ra­tion (MRK) genan­nt, sind so genan­nte sen­si­tive Robot­er. Diese sind in der Lage, ihre Umge­bung wahrzunehmen und mith­il­fe regelung­stech­nis­ch­er Meth­o­d­en auf Änderun­gen zu reagieren. Wie eng Men­sch und Robot­er schutz­za­un­los inter­agieren, hängt wesentlich vom Anwen­dungs­fall ab. So kann das „K“ in MRK ver­schiedene Bedeu­tun­gen haben: Koex­is­tenz, Koop­er­a­tion und Kol­lab­o­ra­tion (vgl. Kas­ten ganz unten).

Was sind kollaborierende Roboter?

Kol­la­bori­erende Robot­er gren­zen sich also gegenüber kooperieren­den Robot­ern sowie der bloßen Koex­is­tenz von Men­sch und Robot­er dadurch ab, dass Berührun­gen zwis­chen Men­sch und Robot­er nicht nur möglich, son­dern teil­weise sog­ar gewün­scht sind. Durch die echte Zusam­me­nar­beit in einem gemein­samen, nicht getren­nten Arbeits­bere­ich lässt sich ein­er­seits für viele Beschäftigte die kör­per­liche Belas­tung reduzieren. Denn im Rah­men von MRK kön­nen beispiel­sweise schwere, monot­o­ne und repet­i­tive Tätigkeit­en in gle­ich­bleiben­der Qual­ität und ohne Rou­tine­fehler von Robot­ern über­nom­men wer­den; dies ent­lastet Beschäftigte und leis­tet damit einen wesentlichen Beitrag zu deren Arbeits- und Leis­tungs­fähigkeit.

Kol­la­bori­erende Robot­er kön­nen damit eine entsprechende Maß­nahme zur Ver­ringerung von Gefährdun­gen sein. Ander­er­seits stellen solche Robot­er selb­st eine Gefährdung für den Men­schen dar, die beurteilt wer­den muss.

Mögliche Gefährdung durch MRK

Bei der MRK sind die aus der Koex­is­tenz bzw. Koop­er­a­tion bekan­nten klas­sis­chen Detek­tion­slö­sun­gen wie z.B. Lichtschranken nicht mehr aus­re­ichend. So müssen hier unter anderem Kräfte, Geschwindigkeit­en und Ver­fahrwege der Robot­er stetig überwacht, eingeschränkt und die Robot­er im Bedarfs­fall gestoppt wer­den. Die Sicher­heits­fachkraft sollte bei diesen wichti­gen Sicher­heit­s­the­men gemein­sam mit den Fach­leuten aus der Tech­nik und IT zusam­me­nar­beit­en und ein Schutzkonzept im Hin­blick auf Arbeit­sicher­heit erar­beit­en. Wichtig ist in diesem Zusam­men­hang, Bewusst­sein für den Arbeits- und Gesund­heitss­chutz zu schaf­fen. Grund­la­gen für diesen sind im gegen­wär­ti­gen Ver­ständ­nis aller Akteure die Gefährdungs­beurteilung und der so genan­nte rote Faden „Gefährdungs­beurteilung – Betrieb­san­weisung – Unter­weisung“.

Es ist nicht abzuse­hen, dass sich daran etwas ändern wird oder muss. MRK sor­gen sicher­lich für geän­derte Arbeitsabläufe, damit ihre Möglichkeit­en aus­geschöpft wer­den kön­nen. Eben­so trifft zu, dass noch nicht alle Unwäg­barkeit­en im Ein­satz erkan­nt und gemeis­tert sind. Daraus kann gefol­gert wer­den: Wenn die Unternehmen für einen sicheren Umgang mit den dig­i­tal­en Arbeitsmit­teln sor­gen, braucht nicht das Bewusst­sein für den Arbeits- und Gesund­heitss­chutz geschaf­fen wer­den. Das vorhan­dene Bewusst­sein muss lediglich aufrechter­hal­ten wer­den.

Wenn der Nutzen zur Anschaf­fung eines Robot­ers fest­ste­ht, ist zu empfehlen, dass – unter Ein­beziehung von Experten aus den Bere­ichen Arbeitsvor­bere­itung, Arbeitss­chutz, Daten­schutz usw. – Vorüber­legun­gen, z.B. anhand der Kon­troll­fra­gen im Kas­ten unten anzustellen.

Nach Betrieb­ssicher­heitsverord­nung sind für Arbeit­splätze an kol­la­bori­eren­den Robot­er­sys­te­men Gefährdungs­beurteilun­gen durchzuführen und zu doku­men­tieren, Schutz­maß­nah­men festzule­gen und regelmäßige Prü­fun­gen des kol­la­bori­eren­den Robot­er­sys­tems durchzuführen, da sich z.B. unter anderem bio­mech­anis­che Belas­tungswerte ändern kön­nen.

Bei MRK kön­nen unter anderem Gefahren bzw. Gefährdun­gen mit diversen Auswirkun­gen auf den Men­schen entste­hen durch:

  • Kon­takt zwis­chen Men­sch und Robot­er oder Teilen des Robot­er­sys­tems durch Kol­li­sio­nen, Stoßen, Quetschen usw.
  • Defek­te und Störun­gen in Bewe­gungsabläufen des Robot­ers auf­grund von Funk­tions­fehlern, Soft­warefehlern o.Ä.
  • nicht bes­tim­mungs­gemäßen Gebrauch des Robot­ers
  • Zugriff von Drit­ten (von außen) mit der Absicht von Manip­u­la­tio­nen
  • Umkip­pen des Robot­ers durch ungün­stige Bodenbeschaf­fen­heit
  • Ste­hen­bleiben des Robot­ers auf Flucht- bzw. Ret­tungswe­gen
  • Akzep­tanzschwierigkeit­en durch den Men­schen (Bedi­enerun­fre­undlichkeit, nicht vorherse­hbares Bewe­gungsver­hal­ten des Robot­ers, Wahrnehmung von MRK als Bedro­hung der Arbeit­splatzsicher­heit usw.)

Kol­la­bori­erende Robot­er fall­en unter den Gel­tungs­bere­ich der Maschi­nen­richtlin­ie 2006/42/EG. Damit sind für den Verkauf und die Ver­wen­dung auf dem europäis­chen Markt Kon­for­mität­serk­lärung und CE-Zeichen erforder­lich. Zu den in der Richtlin­ie gestell­ten Anforderun­gen gehört auch die Real­isierung ein­er Risikobeurteilung. Dem­nach hat der Her­steller ein­er Mas­chine „(…) dafür zu sor­gen, dass eine Risikobeurteilung vorgenom­men wird, um die für die Mas­chine gel­tenden Sicher­heits- und Gesund­heitss­chutzan­forderun­gen zu ermit­teln. Die Mas­chine muss dann unter Berück­sich­ti­gung der Ergeb­nisse der Risikobeurteilung kon­stru­iert und gebaut wer­den.“ Damit stellt die Risikobeurteilung die Basis der Gestal­tung von kol­lab­o­ra­tiv­en Robot­er­sys­te­men dar.

Betriebsarten und Schutzprinzipien

An den Ein­satz von MRK wer­den viel­seit­ige geset­zliche und nor­ma­tive Ansprüche gestellt, um ihre sichere Ver­wen­dung zu gewährleis­ten. Die Norm DIN ISO/TS 15066:2017 regelt als eine der wichtig­sten Nor­men den kol­lab­o­ra­tiv­en Robot­ere­in­satz. Sie ergänzt die all­ge­meine DIN EN ISO 10218:2012 und unter­schei­det vier Betrieb­sarten bzw. Schutzprinzip­i­en für die MRK:

  • Sicher­heits­gerichteter, überwachter Still­stand: Der Robot­er stoppt, wenn ein Beschäftigter den gemein­samen Arbeit­sraum betritt und set­zt seine Tätigkeit erst fort, wenn der Beschäftigte diesen wieder ver­lassen hat. Diese Betrieb­sart entspricht der herkömm­lichen, getren­nten Arbeit von Men­sch und Robot­er. Hier muss sichergestellt wer­den, dass die Robot­er­s­teuerung regelmäßig über­prüft wird und ständig funk­tion­stüchtig ist. Eine weit­ere häu­fig einge­set­zte Tech­nolo­gie in Form von kapaz­i­ta­tiv­en Sen­soren erken­nt die Annäherung eines Men­schen an den Robot­er im Nah­bere­ich. Tritt eine Per­son in den Kol­lab­o­ra­tionsraum, muss der Robot­er sich­er anhal­ten. Möglich ist aber auch als Schutz­maß­nahme eine Geschwindigkeit­sre­duzierung mit anschließen­dem Stopp, je nach Resul­tat der Gefährdungs­beurteilung.
  • Hand­führung: Die Bewe­gung des Robot­ers wird sen­sorgestützt durch einen Beschäftigten mit geeigneter Aus­rüs­tung aktiv gelenkt. Der Men­sch steuert dabei den Robot­er manuell und posi­tion­iert ihn für die jew­eilige Auf­gabe. Dabei kommt der Men­sch zwangsläu­fig direkt mit dem Robot­er­arm in Kon­takt. Mit diesem Schutzprinzip kann nur dann sich­er gear­beit­et wer­den, wenn die Geschwindigkeit der Roboter­be­we­gung begren­zt wird. Voraus­set­zung für die Anwen­dung ist daher, dass die max­i­male sichere Geschwindigkeit vor­ab ermit­telt wurde. Der Men­sch, der den Robot­er bedi­ent, muss selb­st dafür sor­gen, dass die Geschwindigkeit des Robot­ers auf dieses unge­fährliche Maß begren­zt bleibt.
  • Geschwindigkeits- und Abstand­süberwachung: Der direk­te Kon­takt zwis­chen Men­sch und Robot­er wird durch eine kon­tinuier­liche Abstand­süberwachung ver­hin­dert. Laser­strahlen, Sen­soren oder eine Kam­era am Robot­er messen Ent­fer­nun­gen und reduzieren die Geschwindigkeit der Maschi­nen­be­we­gung automa­tisch, wenn eine Per­son sich nähert. Wird ein vor­ab definiert­er Min­destab­stand unter­schrit­ten oder stellt der Robot­er über seine tak­tilen Sen­soren eine allfäl­lige Berührung fest, wird die Maschi­nen­be­we­gung sofort gestoppt. Dank neuer Sicher­heitssen­sor-Tech­nolo­gien wird diese Anwen­dung in indus­triellen Abläufen am häu­fig­sten einge­set­zt. Weil es the­o­retisch immer zur Berührung zwis­chen Men­sch und Robot­er kom­men kann, wird in aktuellen Forschungsar­beit­en ermit­telt, welche max­i­malen Kraft- und Druck­pegel ver­schiedene Kör­perteile des Men­schen tolerieren kön­nen. So will man soge­nan­nte Schmerz­tol­er­anzen ermit­teln. In der Norm DIN ISO/TS 15066:2017 sind erste Erken­nt­nisse dazu aufge­führt.
  • Leis­tungs- und Kraft­be­gren­zung: Bei diesem Schutzprinzip wer­den die Kraft bzw. der Druck an den Kon­tak­t­flächen zwis­chen Men­sch und Robot­er tech­nisch auf ein unkri­tis­ches Maß begren­zt. Der Robot­er reduziert im Prinzip seine Kraft oder sein Drehmo­ment, wenn er mit einem Men­schen in Kon­takt kommt, um eine Ver­let­zung zu ver­hin­dern. Der Ein­satz dieser Meth­ode erfordert belast­bares Wis­sen über Kraft- und Schmerz­schwellen­werte an unter­schiedlichen Stellen des men­schlichen Kör­pers und viel Erfahrung – von den tech­nis­chen Fachkräften im Betrieb als auch unter Umstän­den von der Sicher­heits­fachkraft. Zuläs­sige Kräfte, die max­i­mal auf den Men­schen ein­wirken dür­fen, um Ver­let­zun­gen zu ver­mei­den, sind in der DIN ISO/TS 15066:2017 auf Basis medi­zinis­ch­er und bio­mech­anis­ch­er Forschungsergeb­nisse geregelt.

Zu beacht­en ist, dass die DIN EN ISO 10218:2012 und die tech­nis­che Spez­i­fika­tion DIN ISO/TS 15066:2017 zwar hil­fre­iche Infor­ma­tio­nen zur Gestal­tung und Absicherung von MRK geben, sie bleiben aber in eini­gen Punk­ten den­noch vage. So ist z.B. bei der Umset­zung des so genan­nten leis­tungs- und kraft­be­gren­zten Betriebs das Ver­fahren zur Bes­tim­mung der Kraft- und Druck­be­las­tung des Men­schen während ein­er Kol­li­sion und damit zur Ver­i­fika­tion der Gren­zw­erte nur unge­nau beschrieben. Weit­er­hin sind die Kraft- und Druck­gren­zw­erte für einen vorüberge­hen­den Kon­takt nicht durch empirische Stu­di­en belegt.

Tech­nis­che bzw. tech­nol­o­gis­che Schutz­maß­nah­men für MRK – zur sicheren Ver­mei­dung von Berührun­gen bzw. Kol­li­sio­nen zwis­chen Men­sch und Mas­chine – sind, neben den bei den Schutzprinzip­i­en genan­nten, unter anderem:

  • licht­basierte Pro­jek­tio­nen von Sicher­heit­sräu­men und deren voll­ständi­ge Überwachung
  • Sen­sor­fußbö­den zur Lokalisierung von Per­so­n­en im Arbeit­sum­feld
  • der Ein­satz von Kam­eras, Laser­scan­nern, Bild­ver­ar­beitungssys­te­men, Ultra­schal­lver­fahren und Radartech­nik zur Umge­bungser­fas­sung und zur Erken­nung sta­tis­ch­er und dynamis­ch­er Hin­dernisse
  • Kraft-Momenten-Sen­soriken in den Robot­er-Gelenken, um bei Über­schre­itung der definierten Kräfte den Robot­er anzuhal­ten
  • ein ver­let­zungsre­duzieren­des Design des Robot­ers, also Ver­mei­dung von schar­fen, spitzen, scheren­den oder schnei­den­den Kan­ten und Kon­struk­tion­steilen, rauen Ober­flächen usw.
  • eine sichere Steuerung von Posi­tion und Geschwindigkeit

Gestaltung des Arbeitsplatzes

Nicht zu ver­nach­läs­si­gen ist bei der MRK die ergonomis­che Gestal­tung des Arbeit­splatzes. Ins­beson­dere dür­fen keine Ein­schränkun­gen und Störun­gen der Wahrnehmung, Aufmerk­samkeit und des Denkens des Men­schen durch die Arbeit­sumge­bung und den kol­la­bori­eren­den Robot­er entste­hen. Hier­bei sind vor allem die Bewe­gun­gen einge­set­zter Robot­er, deren Beschle­u­ni­gung und Bewe­gungs­bah­nen zu beacht­en. Um neg­a­tive Beanspruchungs­fol­gen zu ver­mei­den, soll­ten z.B. eine zu geringe Dis­tanz mit der Folge eines erhöht­en Ang­stempfind­ens des Men­schen oder unvorherge­se­hene Bewe­gun­gen des Robot­ers ver­mieden wer­den. Die näch­sten Bewe­gun­gen und Vorhaben des Robot­ers müssen vor allem in dynamis­chen Arbeitsabläufen für den Men­schen klar erkennbar sein.

Die Gefährdungsbeurteilung

Um wieder auf die Gefährdungs­beurteilung zurück­zukom­men, ist nach der anschließen­den Instal­la­tion von Schutz­maß­nah­men die Kon­trolle und Doku­men­ta­tion dieser unab­d­ing­bar; zu unter­schei­den sind:

  • Durch­führungskon­trolle: Wur­den die fest­gelegten Schutz­maß­nah­men ter­min­gerecht durchge­führt?
  • Wirk­samkeit­skon­trolle: Wurde das geforderte Schutzziel mit den Schutz­maß­nah­men erre­icht?
  • Erhal­tungskon­trolle: Bleibt der sichere Zus­tand erhal­ten?

Weit­er­hin sind die Beschäftigten anhand der Doku­men­ta­tion zu informieren, wie der Robot­er einge­set­zt wer­den soll, nach welchen Kri­te­rien der Robot­er lernt und sich weit­er­en­twick­elt usw. Trans­parenz über die Bewe­gungsabläufe und Sicher­heits­funk­tio­nen des Robot­ers gehören deshalb zum Stan­dard jed­er Unter­weisung dazu, um eine sichere Bedi­enung
zu ermöglichen. Die Kon­troll­fra­gen im Kas­ten oben kön­nen hierzu zusät­zlich herange­zo­gen wer­den.

Sicherheit nur im Zusammenspiel

Die Sicher­heit im täglichen Ein­satz kol­la­bori­eren­der Robot­er kann nur gewährleis­tet wer­den, wenn Her­steller, betreiben­des Unternehmen und Beschäftigte jew­eils ihren Beitrag dazu leis­ten:

  • Der Her­steller muss durch kon­struk­tive Merk­male erre­ichen, poten­zielle Gefahren und Gefährdun­gen zu reduzieren bzw. ganz zu ver­mei­den.
  • Das betreibende Unternehmen muss sich auf Basis der Gefährdungs­beurteilung Gedanken bezüglich der Arbeit­sor­gan­i­sa­tion von MRK machen und durch Qual­i­fizierungs­maß­nah­men sich­er­stellen, dass die Beschäftigten mit der MRK sin­n­gerecht umge­hen.
  • Die Beschäftigten sind gemäß §15 und §16 Arbeitss­chutzge­setz ver­ant­wortlich für die eigene Sicher­heit und Gesund­heit, das sicher­heits­gerechte Durch­führen der über­tra­ge­nen Auf­gaben, das kon­se­quente Tra­gen der per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung und das Melden von Män­geln und unsicheren Ereignis­sen.

 

Lit­er­aturquellen

  • Börkircher, Mikko; Wal­leter, Rein­hard: Dig­i­tal­isierung, Indus­trie und Arbeit 4.0 aus Sicht der Ver­bände der Met­all- und Elek­troin­dus­trie. In: Präven­tion 4.0. Hrsg.: Cer­navin, Oleg, Schröter, Welf, Stowass­er, Sascha. Seite 67–80.
  • Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung (DGUV): Kol­la­bori­erende Robot­er­sys­teme – Pla­nung von Anla­gen mit der Funk­tion „Leis­tungs- und Kraft­be­gren­zung“. DGUV-Infor­ma­tion Aus­gabe 08/2017.
  • Dieber, Bern­hard; Schlotzhauer, Andreas; Brand­stöt­ter, Math­ias: Safe­ty & Secu­ri­ty – Erfol­gs­fak­toren von sen­si­tiv­en Robot­ertech­nolo­gien. In: Elek­trotech­nik & Infor­ma­tion­stech­nik 134(2017)6, Seite 299–303.
  • Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung (KAN): Men­sch-Robot­er-Kol­lab­o­ra­tion, KAN­Brief 3/16.
  • Weber, Marc-André; Stowass­er, Sascha: Ergonomis­che Arbeit­splatzgestal­tung unter Ein­satz kol­la­bori­eren­der Robot­er­sys­teme: Eine prax­isori­en­tierte Ein­führung. In: Zeitschrift für Arbeitswis­senschaft 72(2018)4, Seite 229–238.

Foto: © unternehmer nrw/Wilfried Mey­er

Autor: Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Mikko Börkircher

Ver­bandsin­ge­nieur und Sicher­heitsin­ge­nieur, Fach­bere­ich Tar­if­poli­tik, Tar­ifrecht,
Arbeitswirtschaft; Met­all NRW

boerkircher@metall.nrw


Koex­is­tenz: Men­sch und Robot­er arbeit­en in benach­barten, sep­a­rat­en Bere­ichen ohne Schutz­za­un und haben somit keinen gemein­samen Arbeit­sraum.

Koop­er­a­tion: In diesem Fall teilen sich Men­sch und Robot­er einen Arbeit­sraum; sie arbeit­en darin jedoch zu unter­schiedlichen Zeit­en.

Kol­lab­o­ra­tion: Die Kol­lab­o­ra­tion beschreibt die eng­ste Form der Zusam­me­nar­beit zwis­chen Men­sch und Robot­er; eine Auf­gabe kann nur durch bei­de Akteure gemein­sam erfüllt wer­den. Bei­de teilen sich densel­ben Arbeit­sraum und arbeit­en simul­tan am sel­ben Bauteil oder Pro­dukt.


Checkliste zur Beschaffung eines kollaborierenden Roboters

  • Für welche Tätigkeit­en soll der Robot­er einge­set­zt wer­den?
  • Welche Robot­er eignen sich für den geplanten Ein­satz und welche Vor- und Nachteile haben die jew­eili­gen Sys­teme?
  • Wie soll der Robot­er in den beste­hen­den Arbeit­sprozess inte­gri­ert wer­den?
  • Welche Dat­en liefert der Robot­er und wie sollen diese genutzt wer­den (Stich­wörter Daten­schutz, Daten­qual­ität)?
  • Welche Inter­ven­tion­s­möglichkeit­en sollen bzw. müssen die Beschäftigten haben und wie sind diese zu imple­men­tieren (siehe auch Schutzprinzip­i­en der MRK)?

Zu beachtende Normen und Richtlinien im Zusammenhang mit MRK

  • Arbeitss­chutzge­setz
  • DGUV Vorschrift 1 „Grund­sätze der Präven­tion“
  • Betrieb­ssicher­heitsverord­nung
  • TRBS 1201 „Prü­fun­gen und Kon­trollen von Arbeitsmit­teln und überwachungs­bedürfti­gen Anla­gen“
  • Maschi­nen­richtlin­ie 2006/42/EG
  • DIN EN ISO 13849:2015 „Sicher­heit von Maschi­nen – Sicher­heits­be­zo­gene Teile von Steuerun­gen – Teil 1: All­ge­meine Gestal­tungsleit­sätze“
  • DIN EN ISO 13855:2010 „Sicher­heit von Maschi­nen – Anord­nung von Schutzein­rich­tun­gen im Hin­blick auf Annäherungs­geschwindigkeit­en von Kör­perteilen“
  • DIN EN ISO 10218–1:2012 „Indus­trier­o­bot­er – Sicher­heit­san­forderun­gen – Teil 1: Robot­er“
  • DIN EN ISO 10218–2:2012 „Indus­trier­o­bot­er – Sicher­heit­san­forderun­gen – Teil 2: Robot­er­sys­teme“
  • DIN EN ISO 12100:2011 „Sicher­heit von Maschi­nen – All­ge­meine Gestal­tungsleit­sätze – Risikobeurteilung und Risiko­min­derung“
  • DIN ISO/TS 15066:2017 “Robot­er und Robotikgeräte – Kol­la­bori­erende Robot­er“
  • DIN VDE 0105–100:2015 „Betrieb von elek­trischen Anla­gen“

Checkliste zum Betrieb eines kollaborierenden Roboters

  • Wer soll wann und nach welchen Kri­te­rien Zugang zum Robot­er erhal­ten?
  • Erfasst der Robot­er während seines Betriebs per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en und wenn ja, welche?
  • Wer­den tech­nis­che Schutzein­rich­tun­gen im erforder­lichen Inter­vall von ein­er qual­i­fizierten Per­son geprüft? Welche Anforderun­gen müssen an die Qual­i­fika­tion der Per­son gelegt wer­den?
  • Welche Qual­i­fika­tion benöti­gen die Beschäftigten für die Arbeit mit dem Robot­er?
  • Wer­den Betriebs- und Arbeit­san­weisun­gen regelmäßig auf ihre Gültigkeit hin über­prüft und bei Bedarf aktu­al­isiert bzw. geän­dert?
  • Wer­den auch Beschäftigte, die an Nach­barar­beit­splätzen arbeit­en, bezüglich Hil­f­s­maß­nah­men und Sicher­heit­saspek­ten bei der Zusam­me­nar­beit mit dem Robot­er unter­wiesen?
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