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Gefährdungsbeurteilung für mobile Mitarbeiter

Berufliche Auslandsreisen und Entsendungen
Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für mobile Mitar­bei­ter

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Für Mitar­bei­ter, beglei­tende Ange­hö­rige und Subun­ter­neh­mer entste­hen durch Dienst­rei­sen oder Entsen­dun­gen ins Ausland spezi­elle Risi­ken für Sicher­heit und Gesund­heit. Auf Arbeit­ge­ber­seite erge­ben sich beson­dere Fürsor­ge­pflich­ten: Nach § 5 und § 6 Arbeits­schutz­ge­setz müssen Gefähr­dun­gen im Vorfeld evalu­iert und entspre­chende Vorkeh­run­gen geschaf­fen werden.

Im Zuge der welt­wei­ten Öffnung und Verschmel­zung von Märk­ten entsen­den deut­sche Unter­neh­men – sowohl große Konzerne als auch kleine und mitt­lere Unter­neh­men (KMU) – ihre Mitar­bei­ter für eine bestimmte Zeit in andere Länder, von denen einige poli­tisch nicht stabil sind bezie­hungs­weise viel­fach als Krisen­ge­biete gelten. Insge­samt arbei­tet ein Groß­teil der entsen­de­ten Mitar­bei­ter in den Staa­ten der EU (EU27, ca. 2,7 Mio in 2009), aber eine beacht­li­che Anzahl von Mitar­bei­tern und auch Mitar­bei­te­rin­nen geht für ihre Firmen nach Asien (circa 950.000 in 2009), USA (über 700.000 in 2009), China (knapp 400.000 in 2009), Südame­rika (rund 350.000 in 2009) und Afrika (über 150.000 in 2009). Und der Trend steigt weiter an: Alleine im Jahre 2017 lag die Anzahl der Geschäfts­rei­sen nur von deut­schen Unter­neh­men bei insge­samt über 187 Millio­nen.

Dabei reicht der Mitar­bei­ter­ein­satz von kurzen, mehr­tä­gi­gen Abord­nun­gen bezie­hungs­eise Dienst­rei­sen bis hin zu einer Verset­zung über mehrere Jahre. Je nach Einsatz­ort und Dauer stellt der beruf­li­che Auslands­auf­ent­halt sowohl die Beschäf­tig­ten als auch deren (perso­nal­ver­ant­wort­li­chen) Arbeit­ge­ber vor beson­dere Heraus­for­de­run­gen. Neben arbeits­recht­li­chen Aspek­ten und landes­spe­zi­fi­schen Beson­der­hei­ten im Ziel­land spie­len die Sicher­heit und der Gesund­heits­schutz der Arbeit­neh­mer im Ausland eine wich­tige Rolle. Um Gesund­heits­ge­fah­ren und Risi­ken für beruf­lich Reisende möglichst voraus­schau­end zu mini­mie­ren, ist der Arbeit­ge­ber gesetz­lich verpflich­tet, die mit der (Auslands-)Tätigkeit verbun­de­nen Belas­tun­gen und Gefähr­dun­gen syste­ma­tisch zu ermit­teln und zu bewer­ten. Auf der Grund­lage der Ergeb­nisse der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sind erfor­der­li­che, risi­ko­ad­ap­tive Schutz­maß­nah­men zu veran­las­sen und die beruf­lich Reisen­den entspre­chend zu unter­wei­sen.

Der Unter­neh­mer ist gegen­über seinen Beschäf­tig­ten arbeits­schutz­recht­lich während des gesam­ten Auslands­ein­sat­zes verpflich­tet. Die Fürsor­ge­pflicht erhöht sich auf Grund der Gege­ben­hei­ten vor Ort, wobei Aspekte wie Dauer der Entsen­dung, poli­ti­sche Stabi­li­tät, reli­giöse und kultu­relle Situa­tion, medi­zi­ni­sche Versor­gung vor Ort, Arbeits- und Lebens­um­stände sowie Erfah­run­gen des Unter­neh­mens und des Arbeit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen sind. Das heißt: Mitar­bei­ter, die ins Ausland entsandt werden, haben auch dort Anspruch auf ein Arbeits­schutz­ni­veau, wie es in Deutsch­land recht­lich vorge­ge­ben ist.

Nach § 618 BGB ist der Arbeit­ge­ber im Wesent­li­chen verpflich­tet, Räume, Vorrich­tun­gen und Gerät­schaf­ten so einzu­rich­ten und zu unter­hal­ten, dass der Arbeit­neh­mer gegen Gefah­ren für Leben und Gesund­heit soweit geschützt ist, wiedie Natur der Dienst­leis­tung es gestat­tet. Bei der Vorschrift handelt es sich um die privat­recht­li­che Ausprä­gung des öffentlich-rechtlichen Arbeits­schutz­rechts. Die nach § 618 BGB einzu­hal­ten­den Stan­dards werden durch die öffentlich-rechtlichen Arbeits­schutz­vor­schrif­ten konkre­ti­siert.

Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung leis­tet dabei einen notwen­di­gen und wert­vol­len Beitrag für die Reise­vor­be­rei­tung und stellt (gleich­zei­tig) einen wich­ti­gen Baustein für den Projekt­er­folg dar. Sie legt den Grund­stein zur Bestim­mung der Maßnah­men im beruf­li­chen Reise­ri­si­ko­ma­nage­ment.

Fakto­ren bei der Ermitt­lung und Beur­tei­lung

Die Ermitt­lung und Beur­tei­lung mögli­cher Gefähr­dun­gen ist eine Aufgabe mit vielen Dimen­sio­nen. Dazu gehö­ren natür­lich die medi­zi­ni­schen und Sicher­heits­ri­si­ken im Ziel­land, aber auch die genauen Reise­pläne sowie das indi­vi­du­elle Profil des Unter­neh­mens und der Reisen­den.

  • Das Profil der Reisen­den: Neben dem Einsatz­ort ist die persön­li­che physi­sche und psychi­sche Verfas­sung des Reisen­den beson­ders zu beach­ten. Zudem sind folgende Aspekte in die Beur­tei­lung mit einzu­be­zie­hen: Welche Grund­er­kran­kun­gen bringt der Reisende mit, welches Geschlecht hat der Reisende, in welchem Alter ist er? Welche Natio­na­li­tät, Reli­gion, geschäft­li­che oder gesell­schaft­li­che Stel­lung hat er?
  • Das Profil des Unter­neh­mens: Mit einbe­zo­gen in die Bewer­tung sollte auch das Unter­neh­men und geklärt werden, in welchen Ländern das Unter­neh­men tätig ist, was es vor Ort macht und wie die loka­len Bedin­gun­gen sind. Mitar­bei­ter in Büros sind zum Beispiel ande­ren Gesundheits- und Sicher­heits­ri­si­ken ausge­setzt als auf einer Baustelle. Mitar­bei­ter von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGO) wiederum können auf poli­ti­sche Empfind­lich­kei­ten und kultu­relle Beson­der­hei­ten tref­fen.
  • Die genauen Reise­pläne (Reise­da­tum und Reise­dauer) spie­len eine wich­tige Rolle. Reli­giöse, kultu­relle oder poli­ti­sche Ereig­nisse und Befind­lich­kei­ten, Feier­tage oder Wahlen können Sicher­heits­lage oder Verkehrs­in­fra­struk­tur spür­bar beein­flus­sen – genauso wie sport­li­che Groß­ereig­nisse oder Taifun- und Hurrikan-Saisons.
  • Nicht nur das Ziel­land, sondern auch der Ziel­ort ist bei der Beur­tei­lung der Gefähr­dun­gen wich­tig. Wo liegen die Gren­zen der Behand­lungs­mög­lich­kei­ten des Gesund­heits­sys­tems vor Ort und wie wird im Falle erns­ter Erkran­kun­gen oder Verlet­zun­gen die weitere medi­zi­ni­sche Versor­gung orga­ni­siert? Wie ist der Entwick­lungs­stand des Landes, geht die Reise in urbane Zentren oder abge­le­gene länd­li­che Regio­nen? Infra­struk­tur, Unter­künfte, Krimi­na­li­tät, Extre­mis­mus sowie Klima und Geogra­fie tragen unter­schied­lich zur Gefähr­dung bei.

Neuer Leit­fa­den mit Check­lis­ten

Um Unter­neh­men bei der Erfül­lung ihrer Fürsor­ge­pflicht auch für mobile Mitar­bei­ter zu unter­stüt­zen, hat die Inter­na­tio­nal SOS Stif­tung einen Leit­fa­den zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung spezi­ell für beruf­li­che Auslands­rei­sen und Entsen­dun­gen veröf­fent­licht. Er entstand in Zusam­men­ar­beit mit der Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie (BG RCI), dem Gesamt­ver­band der versi­che­rungs­neh­men­den Wirt­schaft (GVNW) und dem Insti­tut für Arbeits‑, Sozial- und Umwelt­me­di­zin der Heinrich-Heine-Universität Düssel­dorf. Das Ergeb­nis: Eine Hand­lungs­hilfe für die Beur­tei­lung von Gefähr­dun­gen und die Entwick­lung von präven­ti­ven Maßnah­men.

Der Leit­fa­den macht in den drei Kapi­teln

  • Sicher­heit am Arbeits­platz im Ausland“,
  • Gesund­heits­schutz und Arbeits­me­di­zin im Ausland“ und
  • Reise­si­cher­heit im Ausland“

deut­lich, was bei Tätig­kei­ten im Ausland zu beden­ken ist und wie Sicher­heit und Gesund­heits­schutz für die Beschäf­tig­ten gewähr­leis­tet werden können. Die Check­lis­ten im Leit­fa­den wurden von Exper­ten für Auslands­ein­sätze sorg­fäl­tig ausge­wählt und basie­ren auf lang­jäh­ri­gen Erfah­run­gen. Anhand der Fragen können Unter­neh­men ihren Status Quo in Bezug auf die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung über­prü­fen.

Fragen in den Listen sind zum Beispiel:

  • Wurde die arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge gemäß Arbeits­me­di­zi­ni­scher Vorsor­ge­ver­ord­nung durch­ge­führt?,
  • Ist ein funk­tio­nie­ren­des Rettungs­sys­tem vor Ort vorhan­den? oder
  • Sind psychi­sche Belas­tun­gen für den Mitar­bei­ter evalu­iert worden?

Im letz­ten Teil des Leit­fa­dens berich­ten die Unter­neh­men Dräger, Freu­den­berg und KHS ausführ­lich, wie sie die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung in der Praxis umset­zen.


Autoren:

Silves­ter Sieg­mann, Insti­tut für Arbeits‑, Sozial- und Umwelt­me­di­zin der Heinrich-Heine-Universität Düssel­dorf

Frédé­ric Balme, Geschäfts­füh­rer Deutsch­land und Öster­reich, Inter­na­tio­nal SOS

Martin Bauer, Regio­nal Secu­rity Mana­ger Germany & Austria, Inter­na­tio­nal SOS und Control Risks

Karin Böck­mann, Marke­ting & Commu­ni­ca­tion, Inter­na­tio­nal SOS

Helmut Ehnes, Leiter Präven­tion, Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie (BG RCI)

Stefan Eßer, Regio­nal Medi­cal Direc­tor Central Europe, Inter­na­tio­nal SOS

Jörg F. Henne, Geschäfts­füh­rer Gesamt­ver­band der versi­che­rungs­neh­men­den Wirt­schaft (GVNW) e.V.

Chris­tine Suck, Senior Mana­ger Corpo­rate HSE/Crisismanagement, Freu­den­berg Group


Down­load: Leit­fa­den Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Die Inter­na­tio­nal SOS Stif­tung hat einen Leit­fa­den zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung spezi­ell für beruf­li­che Reisen und Auslands­ein­sätze erstellt – gemein­sam mit der Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie (BG RCI), dem Gesamt­ver­band der versi­che­rungs­neh­men­den Wirt­schaft (GVNW) und dem Insti­tut für Arbeits‑, Sozial- und Umwelt­me­di­zin der Heinrich-Heine-Universität Düssel­dorf. Das Ergeb­nis: Eine Hand­lungs­hilfe für die Beur­tei­lung von Gefähr­dun­gen und die Entwick­lung von präven­ti­ven Maßnah­men – inklu­sive Check­lis­ten und Inter­views aus der Praxis.

http://learn.internationalsos.com/Gefaehrdungsbeurteilung


Down­load: Länder­liste zur Arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge (G35)

Exper­ten der Deut­schen Gesell­schaft für Arbeits­me­di­zin und Umwelt­me­di­zin e.V. (DGAUM), der Deut­schen Fach­ge­sell­schaft für Reise­me­di­zin e.V. (DFR), des Insti­tuts für Arbeits­me­di­zin der Univer­si­tät Mainz und von Inter­na­tio­nal SOS haben auf Grund eige­ner Erfah­run­gen und Analy­sen eine Länder­liste erar­bei­tet, die beschreibt, in welchen Ländern arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge sinn­voll erscheint.
https://site.internationalsos.com/germany/g35


Down­load: Länder­liste zur Arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge (G35)

Exper­ten der Deut­schen Gesell­schaft für Arbeits­me­di­zin und Umwelt­me­di­zin e.V. (DGAUM), der Deut­schen Fach­ge­sell­schaft für Reise­me­di­zin e.V. (DFR), des Insti­tuts für Arbeits­me­di­zin der Univer­si­tät Mainz und von Inter­na­tio­nal SOS haben auf Grund eige­ner Erfah­run­gen und Analy­sen eine Länder­liste erar­bei­tet, die beschreibt, in welchen Ländern arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge sinn­voll erscheint.
https://site.internationalsos.com/germany/g35


Reise­war­nun­gen und eine Risi­ko­ka­rte

Eine inter­ak­tive Risiko-Karte (die Travel Risk Map) zeigt, in welchen Staa­ten welt­weit die Sicher­heit (Safety & Secu­rity) und Gesund­heit von Reisen­den am meis­ten bedroht sind:

www.travelriskmap.com/#/planner/locations

Das Auswär­tige Amt gibt Reise­war­nun­gen zu einzel­nen Ländern heraus. Halten sich Mitar­bei­ter in einem betrof­fe­nen Land auf, sind Arbeit­ge­ber dazu verpflich­tet, sofort die Situa­tion zu über­prü­fen. Nach dem Gesetz hat der Mitar­bei­ter bei solchen Warnun­gen das Recht abzu­rei­sen und verliert dennoch nicht den Lohn­an­spruch:

www.auswaertiges-amt.de


Reise­war­nun­gen und eine Risi­ko­ka­rte

Eine inter­ak­tive Risiko-Karte (die Travel Risk Map) zeigt, in welchen Staa­ten welt­weit die Sicher­heit (Safety & Secu­rity) und Gesund­heit von Reisen­den am meis­ten bedroht sind:

www.travelriskmap.com/#/planner/locations

Das Auswär­tige Amt gibt Reise­war­nun­gen zu einzel­nen Ländern heraus. Halten sich Mitar­bei­ter in einem betrof­fe­nen Land auf, sind Arbeit­ge­ber dazu verpflich­tet, sofort die Situa­tion zu über­prü­fen. Nach dem Gesetz hat der Mitar­bei­ter bei solchen Warnun­gen das Recht abzu­rei­sen und verliert dennoch nicht den Lohn­an­spruch:

www.auswaertiges-amt.de

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