Lärmmessungen am Arbeitsplatz – Kein Buch mit sieben Siegeln. Anforderungen und Normen -
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Anforderungen und Normen

Lärm­mes­sun­gen am Arbeits­platz – Kein Buch mit sieben Siegeln

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Lärm ist ein uner­wünsch­tes Geräusch, das stört oder beläs­tigt und zu Gesund­heits­schä­den sowie zu Gefähr­dun­gen der Sicher­heit führen kann. Doch wie wird Lärm ermit­telt? Der folgende Beitrag gibt Antwor­ten.

Im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung hat der Arbeit­ge­ber die rele­van­ten Gefähr­dun­gen durch Lärm zu ermit­teln und zu bewer­ten, um im Anschluss gege­be­nen­falls Maßnah­men für die Sicher­heit und Gesund­heit fest­zu­le­gen. Als zentrale Vorschrift ist die Lärm‐ und Vibrations‐Arbeitsschutzverordnung (Lärm­Vi­bra­ti­ons­Arb­SchV) maßgeb­lich.

Die Grund­lage für die Lärm­mes­sun­gen zur Bestim­mung der Lärm­ex­po­si­tion am Arbeits­platz bilden die Tech­ni­sche Regel TRLV Lärm Teil 2 „Messung von Lärm“ und die Norm DIN EN ISO 9612 „Bestim­mung der Lärm­ex­po­si­tion am Arbeits­platz“.

In der Praxis stel­len sich jedoch oftmals die Fragen, wer mit welchen Mess­ge­rä­ten rich­tige und damit norm­kon­forme Messun­gen durch­füh­ren darf und welche Mess­stra­te­gie anzu­wen­den ist.

Wer darf Lärm messen?

Die grund­sätz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Fach­kunde für die Durch­füh­rung von Lärm­mes­sun­gen am Arbeits­platz sind in der TRLV Lärm Teil 2 „Messung von Lärm“ beschrie­ben. So verlangt diese insbe­son­dere grund­le­gende Kennt­nisse über die Lärm­Vi­bra­ti­ons­Arb­SchV und die Tech­ni­schen Regeln, die DIN EN ISO 9612, die zu bestim­men­den Mess­grö­ßen und die Doku­men­ta­tion der Daten. Eine Voraus­set­zung zum Erwerb der Fach­kunde ist weiter­hin, dass die betref­fende Person über eine tech­ni­sche Berufs­aus­bil­dung, ein technisch/naturwissenschaftliches Studium oder eine vergleich­bare Quali­fi­ka­tion verfügt.

Die Lärm­Vi­bra­ti­ons­Arb­SchV fordert seit Novem­ber 2016 expli­zit für die Fach­kunde die Teil­nahme an spezi­fi­schen Fort­bil­dungs­maß­nah­men, wie sie zum Beispiel von vielen Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern ange­bo­ten werden.

Welche Mess­sys­teme sind geeig­net?

Für die betrieb­li­che Ermitt­lung der Lärm­ex­po­si­tion können sowohl inte­grie­rende Hand‐Schallpegelmesser als auch perso­nen­ge­tra­gene Lärm­do­si­me­ter einge­setzt werden. Die Geräte müssen als Mess­grö­ßen mindes­tens den A‐bewerteten Dauer­schall­pe­gel und den C‐bewerteten Spit­zen­schall­druck­pe­gel ange­ben können.

Die Anfor­de­run­gen der DIN EN 61672–1 bzgl. der Genau­ig­keits­klasse 1 oder 2 sind zu erfül­len. Vor und nach jeder Mess­se­rie ist eine Kali­brie­rung mit einem Kali­bra­tor vorge­schrie­ben, um die Anzeige des Mess­sys­tems über­prü­fen zu können. Die Abwei­chung darf hier­bei nicht mehr als 0,5 dB(A) betra­gen. Die Über­ein­stim­mung des Kali­bra­tors und des Mess­sys­tems mit den einschlä­gi­gen Normen ist in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den von einem quali­fi­zier­ten Labor zu unter­su­chen. In der DIN EN ISO 9612 wird ein Zeit­raum von zwei Jahren empfoh­len.

Tages‐Lärmexpositionspegel

Vor einer Messung ist es zwin­gend notwen­dig, sich über die Ziel­set­zung der Ermitt­lung Klar­heit zu verschaf­fen. Sollen im Betrieb Lärm­be­rei­che und ein Lärm­ka­tas­ter oder perso­nen­be­zo­gene Mess­werte ermit­telt werden? Es kann auch die Auswahl von geeig­ne­tem Gehör­schutz für die Beschäf­tig­ten im Vorder­grund stehen.

Ein Maß für die Lärm­be­las­tung ist der Tages‐Lärmexpositionspegel LEX,8h. Er ist defi­niert als A‐bewerteter, über die Zeit gemit­tel­ter Schall­druck­pe­gel bezo­gen auf eine 8‐Stunden‐Schicht. Bei der Bestim­mung der Lärmein­wir­kung wird zwischen orts­be­zo­ge­nem und perso­nen­be­zo­ge­nem Tages‐Lärmexpositionspegel unter­schie­den.

Der orts­be­zo­gene Tages‐Lärmexpositionspegel beschreibt die Geräuschim­mis­sion an einem bestimm­ten festen Arbeits­platz oder Arbeits­be­reich und zwar unab­hän­gig von der Aufent­halts­dauer der Mitar­bei­ter. Dies ist zum Beispiel bei der Abgren­zung und Kenn­zeich­nung von Lärm­be­rei­chen von Nutzen oder wenn ein Lärm­ka­tas­ter aufge­stellt werden soll.

Der perso­nen­be­zo­gene Tages‐Lärmexpositionspegel ist dann anzu­wen­den, wenn sich Mitar­bei­ter nicht stän­dig in Lärm­be­rei­chen aufhal­ten, sich jedoch eine höhere Lärm­ex­po­si­tion aufgrund stän­dig wech­seln­der Einsatz­orte mit lärmin­ten­si­ven Tätig­kei­ten erge­ben kann, sodass die Auslö­se­werte über­schrit­ten werden können.

Neben dem Tages‐Lärmexpositionspegel ist auch der Spit­zen­schall­druck­pe­gel LpC,peak zu berück­sich­ti­gen. Dieser spielt in der betrieb­li­chen Praxis jedoch nur dann eine Rolle, wenn kurz­zei­tig sehr hohe Schall­druck­pe­gel (Schmie­de­häm­mer, Bolzen­werk­zeuge, Richt­ar­bei­ten usw.) auftre­ten.

Auslöse‐ und Expo­si­ti­ons­grenz­werte

Für die Beur­tei­lung der Expo­si­tion sind in der Lärm­Vi­bra­ti­ons­Arb­SchV untere und obere Auslö­se­werte defi­niert.

Untere Auslö­se­werte:

  • Tages‐Lärmexpositionspegel LEX,8h = 80 dB(A)
  • Spit­zen­schall­druck­pe­gel LpC,peak = 135 dB©

Obere Auslö­se­werte:

  • Tages‐Lärmexpositionspegel LEX,8h = 85 dB(A)
  • Spit­zen­schall­druck­pe­gel LpC,peak = 137 dB©

Abhän­gig vom Mess­ge­rät, der Mikro­fon­po­si­tion und der Erfas­sung der Lärm­ex­po­si­tion ergibt sich eine Mess­un­si­cher­heit. Diese lässt sich zum Beispiel nach DIN EN ISO 9612 berech­nen und wird anschlie­ßend nach TRLV Lärm Teil 2 in die entspre­chende Genau­ig­keits­klasse über­führt. Beim Vergleich der ermit­tel­ten Tages‐Lärmexpositionspegel mit den Auslö­se­wer­ten sind die Genau­ig­keits­klas­sen zu berück­sich­ti­gen.

Perso­nen­ge­bun­dene und orts­feste Messung

Die Messung selbst kann perso­nen­ge­bun­den oder orts­fest durch­ge­führt werden. Bei der perso­nen­ge­bun­de­nen Messung wird das Mess­ge­rät, in der Regel ein Lärm­do­si­me­ter der Klasse 2, vom Beschäf­tig­ten am Körper getra­gen. Die tech­ni­sche Regel empfiehlt eine Mikro­fon­po­si­tion mit einem Abstand von mindes­tens 10 cm zum Ohr und 4 cm über der Schul­ter. Gerade für mobile Beschäf­tigte, die unter­schied­li­che Tätig­kei­ten an unter­schied­li­chen Arbeits­plät­zen durch­füh­ren, bietet sich diese Art der Messung an. Zu beach­ten bleibt, dass sich Stör­ein­flüsse durch Refle­xio­nen und Abschat­tun­gen erge­ben können, die eine beson­dere Sorg­falt bei der Doku­men­ta­tion und Beob­ach­tung der ausge­führ­ten Tätig­kei­ten notwen­dig werden lässt.

Mit der orts­fes­ten Messung wird häufig die Lärm­si­tua­tion an einem festen Arbeits­platz ermit­telt. Das Mikro­fon soll sich in der übli­chen Posi­tion des Kopfes befin­den. Falls sich der Beschäf­tigte zur Bedie­nung der Maschine an seinem Arbeits­platz aufhal­ten muss, ist das Mikro­fon in Ohrnähe im Abstand von 10 bis 40 cm seit­lich des Kopfes an der höher belas­te­ten Seite zu posi­tio­nie­ren. Bewegt sich der Beschäf­tigte während der Messung, so ist das Mikro­fon von Hand den Bewe­gun­gen nach­zu­füh­ren.

Wich­tig ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass der Tages‐Lärmexpositionspegel orts‐ oder perso­nen­be­zo­gen beur­teilt wird, die Messung dafür aber orts­fest oder perso­nen­ge­bun­den durchgeführt werden kann.

Mess­stra­te­gien nach DIN EN ISO 9612

Zur Bestim­mung der Lärm­ex­po­si­tion ist es am einfachs­ten, wenn bei einer Tätig­keit in einer Schicht nur ein gleich­för­mi­ges Geräusch ohne Schwan­kun­gen auftritt. In diesem einfa­chen Fall entspricht der Mess­wert dem Tages‐Lärmexpositionspegel. In der Regel stellt sich die Arbeits­si­tua­tion aber wesent­lich komple­xer dar und es werden mehrere unter­schied­li­che und verschie­den lange Tätig­kei­ten bei stän­dig wech­seln­den Geräuschim­mis­sio­nen, oft an verschie­de­nen Orten, ausge­führt.

Zur Ermitt­lung der Lärmein­wir­kung beschreibt die DIN EN ISO 9612 drei verschie­dene Mess­stra­te­gien. Die fach­kun­dige Person muss abhän­gig von der Arbeits­si­tua­tion die passende Stra­te­gie auswäh­len. Dies macht im Voraus eine sorg­fäl­tige Arbeits­ana­lyse des reprä­sen­ta­ti­ven Arbeits­ta­ges und der durch­ge­führ­ten Tätig­kei­ten notwen­dig. Allge­mein ist die Messung so zu planen, dass alle wesent­li­chen Schall­ereig­nisse erfasst werden. Für jedes dieser Ereig­nisse sind der Zeit­punkt, die Zeit­dauer und die Häufig­keit am Tag zu doku­men­tie­ren.

Tätig­keits­be­zo­gene Messun­gen

Der reprä­sen­ta­tive Arbeits­tag wird genau analy­siert und in einzelne typi­sche Arbeits­auf­ga­ben bzw. Tätig­kei­ten aufge­teilt, die nach Abschät­zung der fach­kun­di­gen Person ein gleich­ar­ti­ges Geräusch­ni­veau besit­zen. Für jede Arbeits­auf­gabe werden die Dauer und der dazu­ge­hö­rige Schall­pe­gel ermit­telt. Die Mess­dauer rich­tet sich nach der Art des Geräu­sches. Grund­sätz­lich muss die Mess­zeit mindes­tens fünf Minu­ten betra­gen oder sich bei kürze­ren Tätig­kei­ten über die gesamte Länge der Tätig­kei­ten erstre­cken.

  • An gleich­mä­ßig laufen­den Maschi­nen ist der Geräusch­pe­gel oft über einen länge­ren Zeit­raum (ggf. die gesamte Arbeits­schicht) konstant und gut repro­du­zier­bar. In diesen Fällen ist eine kürzere Mess­zeit zuläs­sig.
  • An Pres­sen oder an Fließ­bän­dern kann der Geräusch­pe­gel peri­odisch schwan­ken. Hier ist zu beach­ten, dass die Mess­zeit immer mindes­tens drei voll­stän­dige Arbeits­zy­klen erfasst.
  • Bei Instand­hal­tungs­ar­bei­ten ist der Geräusch­pe­gel oft schwan­kend und zeit­lich zufäl­lig verteilt. Wenn eine Regel­mä­ßig­keit nicht erkenn­bar ist, sind unter Umstän­den lange Mess­zei­ten über die gesamte Tätig­keit notwen­dig, um ein reprä­sen­ta­ti­ves Mess­ergeb­nis zu erhal­ten.

Für jede Tätig­keit sind mindes­tens drei Messun­gen erfor­der­lich. Anschlie­ßend wird aus den gemes­se­nen Schall­druck­pe­geln und der Länge der Teil­zei­ten der Tages‐Lärmexpositionspegel berech­net.

Hilf­reich dabei ist ein Lärm­ex­po­si­ti­ons­rech­ner, wie er zum Beispiel vom Insti­tut für Arbeits­schutz (IFA) der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung als Down­load und als Weban­wen­dung bereit­ge­stellt wird.

Die tätig­keits­be­zo­gene Messung hat den Vorteil, dass man mit rela­tiv kurzen Mess­zei­ten auskommt. Aller­dings ist ein erhöh­ter Zeit­auf­wand nötig, um einen reprä­sen­ta­ti­ven Quer­schnitt der übli­cher­weise vorkom­men­den Arbei­ten zu ermit­teln.

Berufs­bild­be­zo­gene Messun­gen

Bei Berufs­bild­be­zo­ge­nen Messun­gen handelt es sich um ein Stich­pro­ben­ver­fah­ren. Aus einer bestimm­ten Anzahl von zeit­lich zufäl­lig verteil­ten Stich­pro­ben wird über mehrere Tage und über eine möglichst homo­gene Berufs­gruppe der Tages‐Lärmexpositionspegel ermit­telt.

Diese Stra­te­gie bietet sich beson­ders bei Berufs­bil­dern mit stän­dig wech­seln­den Aufga­ben von unbe­kann­ter Länge an. Ein Vorteil der Stra­te­gie ist, dass keine detail­lierte Analyse der Arbeits­si­tua­tion notwen­dig ist. Dem steht aber ein sehr hoher Aufwand für die Durch­füh­rung der Messun­gen entge­gen. Abhän­gig von der Anzahl der Perso­nen und der Gruppe können sich lange Mess­zei­ten erge­ben.

Ganz­tags­mes­sun­gen

Eine weitere Mess­stra­te­gie sind Ganz­ta­ges­mes­sun­gen, die grund­sätz­lich perso­nen­ge­bun­den mit Lärm­do­si­me­tern durch­ge­führt werden. Dabei werden alle Lärm­be­las­tun­gen einer voll­stän­di­gen Arbeits­schicht einschließ­lich ruhi­ger Phasen erfasst. Es ist sicher­zu­stel­len, dass die ausge­wähl­ten Tage reprä­sen­ta­tiv für die zu unter­su­chen­den Arbeits­si­tua­tio­nen sind. Vorge­schrie­ben sind mindes­tens drei Tages­mes­sun­gen. Sollte eine Messung über den gesam­ten Tag nicht möglich sein, so ist über möglichst lange zeit­li­che Abschnitte des Tages zu messen. Hier­bei soll­ten alle wesent­li­chen Geräuscher­eig­nisse miter­fasst werden. Die Ergeb­nisse der Messun­gen werden anschlie­ßend ener­ge­tisch gemit­telt, um den Tages­mit­tel­wert zu errech­nen.

Vorteile dieser Stra­te­gie sind, dass eine aufwen­dige Arbeits­ana­lyse nicht notwen­dig ist und Arbeits­si­tua­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen, zeit­lich unbe­stimm­ten und örtlich wech­seln­den Aufga­ben gut erfasst werden können. Nach­teile erge­ben sich jedoch aus den bei perso­nen­ge­tra­ge­nen Dosi­me­tern notwen­di­gen fort­lau­fen­den Beob­ach­tun­gen des Proban­den, um auffäl­lige Ergeb­nisse während der Messung zu doku­men­tie­ren und in die Auswer­tung mit einflie­ßen zu lassen.


Smart­phone? Ja? Nein!

Immer öfter wird in Betrie­ben ein Smart­phone einge­setzt, um mit Hilfe diver­ser Apps den Schall­druck­pe­gel zu ermit­teln. Grund­sätz­lich können solche Messun­gen wegen der auftre­ten­den hohen Unge­nau­ig­kei­ten nicht empfoh­len werden, eine Kali­brie­rung ist nicht sicher möglich. Aufgrund der unter­schied­li­chen Programme, der inter­nen Sprach­fil­ter für die Mikro­fone und von Soft­ware­up­dates mit unbe­kann­ten Auswir­kun­gen auf das „Mess­sys­tem“ stel­len Smart­pho­nes keine Alter­na­tive zu geeig­ne­ten Mess­ge­rä­ten dar.


Recht­li­che Grund­la­gen: Richt­li­nien und Vorschrif­ten

Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, Auslö­se­werte und Maßnah­men zur Vermeidung/Verringerung:

  • Lärm‐ und Vibrations‐Arbeitsschutzverordnung (Lärm­Vi­bra­ti­ons­Arb­SchV)

Messung von Lärm und Ermitt­lung des Tages‐Lärmexpositionspegels:

  • Tech­ni­schen Regel zur Lärm‐ und Vibrations‐Arbeitsschutzverordnung (TRLV) Teil 2: Messung von Lärm
  • DIN EN ISO 9612: Bestim­mung der Lärm­ex­po­si­tion am Arbeits­platz (mit Excel‐Tabelle zur Berech­nung der Pegel und der Mess­un­si­cher­hei­ten)

Anfor­de­run­gen an die Mess­ge­räte:

  • DIN EN 61672: Schall­pe­gel­mes­ser
  • DIN EN 61252: Dosi­me­ter
  • DIN EN 60942: Schall­ka­li­bra­to­ren

Fehler in der Praxis

Im Folgen­den werden typi­sche Fehler, die bei der Durch­füh­rung von Lärm­mes­sun­gen im Betrieb auftau­chen können, aufge­zeigt. Die sich daraus erge­ben­den Auswir­kun­gen und Maßnah­men zur Behe­bung werden erläu­tert.

  • Fehler: Vor und nach der Messung wurde keine Kali­brie­rung mit dem Kali­bra­tor vorge­nom­men
    Fazit: keine quali­fi­zierte, norm­ge­rechte Messung, Verwert­bar­keit der Ergeb­nisse ist frag­wür­dig
  • Fehler: a) keine Berück­sich­ti­gung von rele­van­ten, nur kurz­zei­tig statt­fin­den­den Tätig­kei­ten mit hohen Pegeln (z. B. Abbla­sen von Spänen mit Druck­luft ( 100 dB(A))
    b) keine Berück­sich­ti­gung einzel­ner Schall­im­pulse (Spit­zen­schall­druck­pe­gel)
    Fazit: vorher­ge­hende Arbeits­ana­lyse durch­füh­ren, domi­nie­rende Schall­quelle beach­ten
  • Fehler: falsch einge­stellte Zeit‐ und/oder Frequenz­be­wer­tung im Mess­ge­rät
    Fazit: rich­ti­gen Umgang mit den Mess­ge­rä­ten beach­ten, Fach­kunde, um quali­fi­zierte Messung durch­zu­füh­ren
  • Fehler: Schall­pe­gel­mes­ser auf Stativ ist nicht waag­recht und Rich­tung Ohr posi­tio­niert (sondern schräg nach oben/seitlich)
    Fazit: immer auf rich­tige Mikro­fon­po­si­tion achten (Mikro­fon hat Richt­cha­rak­te­ris­tik)
  • Fehler: Stativ mit Lärm­mess­ge­rät ist zu weit vom Ohr bzw. von der Lärm­quelle entfernt, bzw. der Schall­pe­gel­mes­ser wird bei Bewe­gun­gen der MA nicht nach­ge­führt
    Fazit: immer auf rich­tige Mikro­fon­po­si­tion in Ohrnähe achten, empfoh­le­ner Abstand/Position nach Norm beach­ten. Wenn kein Dosi­me­ter verwen­det wird, Mikro­fon von Hand nach­füh­ren.
  • Fehler: Lärm­do­si­me­ter auf der falschen Ohrseite (nicht zur Lärm­quelle) posi­tio­niert, bzw. Abschat­tung und Reflek­tio­nen durch die Körper der Beschäf­tig­ten werden nicht beach­tet.
    Fazit: immer auf rich­tige Mikro­fon­po­si­tion achten
  • Fehler: Lärm­do­si­me­ter verrutscht oder falsch am Gurt ange­bracht
    Fazit: immer auf rich­tige Mikro­fon­po­si­tion achten, empfoh­le­ner Abstand/Position nach Norm beach­ten
  • Fehler: Dosi­me­ter­mes­sun­gen werden von den Beschäf­tig­ten durch pfei­fen, pusten oder klop­fen auf das Mikro­fon mani­pu­liert
    Fazit: Messun­gen stets beob­ach­ten, ggf. zeit­li­chen Pegel­ver­lauf auf Unge­reimt­hei­ten unter­su­chen

Glos­sar

A‐Frequenzbewertung: Sie ist die im Arbeits‐und Gesund­heits­schutz gebräuch­lichste Größe. Dabei wird das mensch­li­che Höremp­fin­den durch in Mess­ge­räte einge­baute Filter nach­ge­ahmt, indem tiefe Töne stark gedämpft und hohe Töne schwach verstärkt werden (hohe Töne werden im Frequenz­band zwischen 1250 Hz bis 5000 Hz schwach verstärkt, danach werden diese wieder abge­schwächt).

C‐Frequenzbewertung: Bei dieser Frequenz­be­wer­tung werden die hörba­ren tiefen und hohen Töne nur wenig gedämpft. Der C‐bewertete Schall­druck­pe­gel dient zum Beispiel gemein­sam mit dem A‐bewerteten Pegel zur Auswahl von Gehör­schutz.


Vorschrif­ten und Regeln

BG‐Regeln, BG‐Grundsätze, BG‐Informationen und sons­tige Schrif­ten
(Auswahl)

  • DGUV Infor­ma­tion 209–023 „Lärm am Arbeits­platz“
  • DGUV Regel 194 „Benut­zung von Gehör­schutz“
  • Geräusch­min­de­rung im Betrieb;
  • Lärm­min­de­rungs­pro­gramm““ (LSA 01–305) (BGI 675)
  • Gehörschutz‐Informationen“ (BGI 5024)
  • Gehörschutz‐Kurzinformation“ (BGI/GUV‐I 8621)

Gesetze und Verord­nun­gen (Auswahl)

  • Lärm‐ und Vibrations‐Arbeitsschutzverordnung“ (Lärm­Vi­bra­ti­ons­Arb­SchV) vom 06. März 2007, Stand vom 19.07.2010
  • TRLV Lärm Teil: Allge­mei­nes (Ausgabe Januar 2010)
  • TRLV Lärm Teil 1: Beur­tei­lung der Gefähr­dung durch Lärm
    (Ausgabe Januar 2010)
  • TRLV Lärm Teil 2: Messung von Lärm (Ausgabe Januar 2010)
  • TRLV Lärm Teil 3: Lärm­schutz­maß­nah­men (Ausgabe Januar 2010)

DIN‐EN‐ und ISO‐Normen (Auswahl)

  • DIN EN 352 „Gehör­schüt­zer; Sicher­heits­tech­ni­sche Anfor­de­run­gen und Prüfun­gen; … Teil 1/04.2003 … Kapsel­ge­hör­schüt­zer,
  • Teil 2/04.2003 … Gehör­schutz­stöp­sel,
  • Teil 3/02.2003 … Gehör­schüt­zer in Kombi­na­tion mit Industrie‐Schutzhelmen,
  • Teil 4/01.2006 … Pegel­ab­hän­gig dämmende Kapsel­ge­hör­schüt­zer
  • DIN EN 458/02.2005 „Gehör­schüt­zer; Empfeh­lun­gen für Auswahl, Einsatz, Pflege und Instand­hal­tung“

Autoren:

Manfred Bihl, Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall

Foto: BGHM

Ronald Leidlo, Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall, E‐Mail: Ronald.Leidlo@bghm.de

Foto: BGHM

 

 

 

 

Roman Weiß, Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall

Foto: BGHM
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