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Schutz ist notwendig und machbar

Solare Expo­si­tion von Beschäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst

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Viele Millio­nen Beschäf­tigte in Deutsch­land sind während ihrer Tätig­kei­ten sola­rer ultra­vio­let­ter (UV-)Strahlung ausge­setzt. Ob sie dadurch gefähr­det sind, muss eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung erge­ben. Um diese fakten­si­cher durch­füh­ren zu können, ist die Verwen­dung von Mess­wer­ten sehr hilf­reich. Das Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV (IFA) hat die in den vergan­ge­nen Jahren aufge­nom­me­nen Forschungs­an­stren­gun­gen weiter inten­si­viert und auf viele Berufe ausge­dehnt. Auch im öffent­li­chen Dienst gibt es Tätig­kei­ten, bei denen UV-Schutzmaßnahmen ange­wen­det werden soll­ten.

Das rein physi­ka­li­sche und biome­di­zi­ni­sche Wissen um die Gefähr­dung durch die UV-Strahlung der Sonne ist schon lange vorhan­den. Bislang fehlte aber eine konkrete Daten­ba­sis, die genaue Aussa­gen über die Expo­si­tion von Beschäf­tig­ten zulässt. Daher ist es auch schwer, das Bewusst­sein der Menschen in Hinblick auf die Gefähr­dung zu entwi­ckeln und Ansätze für die Präven­tion umzu­set­zen. Die Erfah­rung hat gezeigt, dass die Verwen­dung von Schutz­maß­nah­men wesent­lich von der Akzep­tanz bestimmt wird, und diese hängt von der Beschaf­fen­heit der Maßnahme und dem Verständ­nis (Verhal­ten) ab. Hohe Neuerkran­kungs­zah­len an hellem Haut­krebs in Deutsch­land (circa 220.000 pro Jahr nach Anga­ben des Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trums) zeigen den drin­gen­den Hand­lungs­be­darf auf.

Auch im öffent­li­chen Dienst ein Thema

Schaut man auf den öffent­li­chen Dienst, dann fällt es schwer, ein typi­sches Berufs­bild zu zeich­nen. Sehr viel­fäl­tig sind die Tätig­kei­ten, die ausge­führt werden, und dementspre­chend breit ist die Vertei­lung der damit verbun­de­nen Bestrah­lung. Von Baukon­trol­leu­ren über Depo­nie­ar­bei­ter, Erzie­her, Sport­leh­rer bis hin zu Wasser­bau­wer­kern – eine große Anzahl von Beru­fen ist im öffent­li­chen Dienst zu finden. Abbil­dung 1 zeigt die Jahres­ex­po­si­tion für viele Berufe im öffent­li­chen Dienst.

Abb. 1: Jahres­ex­po­si­ti­ons­werte für Berufe, die auch im öffent­li­chen Dienst vorhan­den sind. Es handelt sich dabei um Werte in Standard-Erythemdosen (SED, 1 SED entspricht 100 J/m² erythem­ge­wich­tete Bestrah­lung). Für Perso­nen mit heller Haut und rötli­chen Haaren (Haut­typ I) führen schon etwa 1 bis 1,5 SED zu ‧einem Sonnen­brand; Grafik: IFA

Wie sind die Zahlen zu inter­pre­tie­ren? Die Angabe SED – Stan­dard­e­rythem­do­sis – gibt die Einwir­kung einer Ener­gie auf eine Fläche an. Je höher der Wert, desto größer die Gefähr­dung. Zurzeit gibt es noch keinen Expo­si­ti­ons­grenz­wert, der gesetz­lich vorge­schrie­ben ist, sodass man sich bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung daran nicht orien­tie­ren kann. Es sollte daher die Maxime gelten „so wenig wie möglich“. Die Inter­na­tio­nale Strah­len­schutz­kom­mis­sion ICNIRP und die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion WHO haben jedoch schon Schrif­ten veröf­fent­licht, in denen eine tägli­che Expo­si­tion von 0,5 SED bis 1 SED als Expo­si­ti­ons­grenz­wert empfoh­len wurde. Für sehr helle Haut­ty­pen reichen schon etwa 1,5 SED aus, um einen Sonnen­brand zu erzeu­gen. Vor diesem Hinter­grund zeigt sich, dass die in der Abbil­dung darge­stell­ten Jahres­ex­po­si­tio­nen von mehre­ren hundert SED großes Gefähr­dungs­po­ten­zial besit­zen. Man darf nicht verges­sen, dass es sich dabei nur um den beruf­li­chen Anteil handelt, der private Anteil kommt noch hinzu. Dazu laufen derzeit Forschungs­pro­jekte, im Rahmen einer Konven­tion wird aber ange­nom­men, dass jede Person noch einmal 130 SED an priva­ter (Freizeit-) Expo­si­tion hinzu­be­kommt.

Im öffent­li­chen Dienst, der in der öffent­li­chen Meinung oft nur mit Büro­ar­beits­plät­zen verbun­den wird, gibt es eine Reihe von Beru­fen, die mit erheb­li­cher Expo­si­tion gegen­über sola­rer UV-Strahlung ausge­übt werden. Aus dieser Sicht kann kein Unter­schied zu ande­ren Bran­chen fest­ge­stellt werden.

Präven­ti­ons­maß­nah­men – ein alter Hut?

Man kann rela­tiv einfach pauschale Aussa­gen zum Schutz vor UV-Strahlung machen: einfach alles mit Klei­dung schüt­zen, sodass keine Haut­stelle mehr frei ist. Die Praxis hat aber gezeigt, dass eine solch pauschale Heran­ge­hens­weise nicht ziel­füh­rend ist, da sie durch die Beschäf­tig­ten nicht akzep­tiert wird. Da die Bestrah­lung derart unter­schied­lich mit Blick auf die verschie­de­nen Berufe ist, ist es nicht sinn­voll, auch für die vermeint­lich gering expo­nier­ten Perso­nen vollen Schutz einzu­for­dern.

Auch für den öffent­li­chen Dienst ist es sinn­voll, genau auf die ermit­tel­ten Werte zu schauen und entspre­chend der Gefähr­dung Schutz­maß­nah­men auszu­wäh­len. Je höher die Expo­si­tion, desto höher muss der Schutz sein. Denkt man an den Schutz vor der UV-Strahlung, dann ist man sehr schnell bei persön­li­chen Schutz­maß­nah­men. Das muss jedoch nicht zwangs­läu­fig so sein. Es gibt Maßnah­men aus dem tech­ni­schen und dem orga­ni­sa­to­ri­schen Bereich, die zu einer deut­li­chen Reduk­tion der Expo­si­tion führen und dabei den Beschäf­tig­ten nicht stören: Abschat­tung von Arbeits- und Spiel­flä­chen, wie zum Beispiel in Kinder­ta­ges­stät­ten oder auf Bauhö­fen. Über­all dort, wo es stän­dige Arbeits­plätze mir nur rela­tiv wenig örtli­cher Verän­de­rung gibt, sind solche Schutz­maß­nah­men sinn­voll. Gute Arbeits­pla­nung, insbe­son­dere zeit­li­che Abläufe von Arbeits­schrit­ten und Tätig­kei­ten, kann den Nutzen brin­gen, die Expo­si­tion erheb­lich zu redu­zie­ren. Wenn es gelingt, die Tätig­kei­ten im Freien nicht während der Mittags­stun­den von elf Uhr bis 15 Uhr auszu­füh­ren, sondern in den Zeiten davor oder danach, dann gelingt schon eine Redu­zie­rung der Expo­si­tion um zwei Drit­tel.

Wie stark die Expo­si­tion am Tag wahr­schein­lich werden kann, darüber infor­mie­ren Wetter­dienste mit Hilfe des UV-Indexes täglich. Texti­ler Schutz ist hoch­wirk­sam, muss jedoch durch Sonnen­schutz­mit­tel an den Stel­len ergänzt werden, die nicht durch Klei­dung abge­deckt werden können. „Viel hilft viel“ trifft hier in jedem Fall zu, da auch das Eincre­men oft zu dünn geschieht – der Licht­schutz­fak­tor wird übli­cher­weise nur maxi­mal zur Hälfte erreicht, zudem wäscht Schweiß den Schutz wieder ab. Man darf sich durch das Eincre­men daher nicht in falscher Sicher­heit wiegen.

Eine Orien­tie­rung an dem bekann­ten TOP-Prinzip führt auch hier zum Ziel, insbe­son­dere in Zusam­men­hang mit der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung.

Auch in Zukunft ein Thema

Beschäf­tigt man sich mit dem Thema „Expo­si­tion durch solare UV-Strahlung“, so kommt man unwei­ger­lich zu dem Schluss, dass reine Verhält­nis­prä­ven­tion nicht ausreicht. Viele Schutz­maß­nah­men sind bereits seit langem bekannt, ebenso das Wissen, dass es ausreicht, sich vor der Sonne zu schüt­zen, um die Expo­si­tion zu mini­mie­ren. Der Blick auf viele Beschäf­tigte und deren Arbeits­weise zeigt aber, dass insbe­son­dere beim Verhal­ten – der Verhal­tensprä­ven­tion – noch deut­lich mehr Verbes­se­rungs­po­ten­zial vorhan­den ist. Verhal­ten sollte aber schon von Kindern gelernt werden So kann man es für ein langes Leben veran­kern. Die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung hat daher auf Initia­tive und Idee des IFA zusam­men mit den Lieder­ma­chern Rolf Zuck­ow­ski, Dieter Faber und Wolf­ram Eicke ein Musik­hör­spiel für Kinder im Vorschul­al­ter entwi­ckelt (siehe Abbil­dung 2), das am 26. April 2019 im Verlag Univer­sal Music erschie­nen ist. Austra­li­sche Lang­zeit­stu­dien haben gezeigt, dass diese Art der Präven­tion (Kinder schon im Vorschul­al­ter zu sonnen­si­che­rem Verhal­ten zu moti­vie­ren) hilft, Erkran­kungs­zah­len im Erwach­se­nen­al­ter deut­lich zu redu­zie­ren. Wir sind zuver­sicht­lich, diesen Effekt auch in Deutsch­land zu beob­ach­ten und damit eine Blau­pause für nach­hal­tige Präven­tion zu haben.


Autor:

Dr. Marc Witt­lich

Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV

Tel.: 030 / 13001 3500

E‑Mail:
marc.wittlich@dguv.de

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