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REACH-Kandidatenliste erweitert

Änderung für Bisphenol A
REACH-Kandidatenliste erweitert

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat am die REACH-Kandidatenliste um sieben besonders besorgniserregende Stoffe erweitert und den Eintrag für Bisphenol A (BPA) aktualisiert.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat am die REACH-Kandidatenliste um sieben besonders besorgniserregende Stoffe erweitert und den Eintrag für Bisphenol A (BPA) aktualisiert Foto: ©Sergey Yarochkin - stock.adobe.com
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Die Europäis­che Chemikalien­agen­tur (ECHA) hat am 15.1.2018 die REACH-Kan­di­daten­liste um sieben beson­ders besorgnis­er­re­gende Stoffe erweit­ert und den Ein­trag für Bisphe­nol A (BPA) aktu­al­isiert. BPA ist nun zusät­zlich zu seinen repro­duk­tion­stox­is­chen Wirkun­gen als beson­ders besorgnis­er­re­gend wegen sein­er schädlichen Wirkun­gen auf das Hor­mon­sys­tem von Men­schen und Umwel­tor­gan­is­men identifiziert.

 

Was bedeutet die Aufnahme von Stoffen in die REACH-Kandidatenliste?

Nach der Europäis­chen Chemikalien­verord­nung REACH müssen so genan­nte besorgnis­er­re­gende Stoffe (auch nachträglich) für den Markt in der Europäis­chen Union von der Europäis­chen Chemikalien­agen­tur (ECHA) zuge­lassen wer­den. Bei den beson­ders besorgnis­er­re­gen­den Stof­fen (auch SVHC für “Sub­stances of very high con­cern” genan­nt) han­delt sich um Stoffe, die zum Beispiel kreb­ser­re­gend sind, sich auf das Hor­mon­sys­tem auswirken oder sich in der Umwelt anre­ich­ern. Die Iden­ti­fizierung und Auf­nahme in die REACH-Kan­di­daten­liste ist ein mehrstu­figer Prozess  in dem mehrere Fak­toren für die Beurteilung und Iden­ti­fizierung herange­zo­gen wer­den (siehe Links zu den weit­er­führen­den Infor­ma­tio­nen). Aus der Kan­di­daten­liste pri­or­isiert die EU-Kom­mis­sion Stoffe für die Zulas­sungspflicht. Es wird ein Datum fest­gelegt, ab dem diese Stoffe nur noch in Bere­ichen ver­wen­det wer­den dür­fen, für die die ECHA eine Zulas­sung erteilt hat. Eine Zulas­sung ist zeitlich befris­tet. Das Ziel ist, diese Stoffe durch weniger besorgnis­er­re­gende Stoffe zu ersetzen.

Die aktuelle REACH-Kan­di­daten­liste enthält 181 Stoffe (Stand 15.1.2018)

Welche sieben Stoffe wurden neu aufgenommen, warum und wo werden sie derzeit eingesetzt?

Chry­sen (1,2‑Benzophenanthren; CAS-Nr.: 218–01‑9)

Chry­sen wird nicht absichtlich hergestellt, son­dern es tritt als Bestandteil oder Verun­reini­gung in anderen Sub­stanzen auf (z.B. im Stein- und Braunkohlen­teer oder im Tabakrauch). Es zeigt im UV-Licht starke Flu­o­reszenz und wird zur Her­stel­lung von UV-Fil­tern, Sen­si­bil­isatoren und Farb­stof­fen ver­wen­det. Chry­sen ist kreb­serzeu­gend und ein PBT- und vPvB Stoff ((PBT = per­sis­tent, bioac­cu­mu­la­tive and tox­ic; vPvB = very per­sis­tent and very bioaccumulative).

Benz[a]anthracen (Tetraphen; CAS-Nr.: 56–55‑3)

Benz[a]anthracen zählt zu den poly­cy­clis­chen Kohlen­wasser­stof­fen und beste­ht aus 4 miteinan­der ver­bun­de­nen Sech­ser­rin­gen. Die Sub­stanz kommt im Steinkohlen­teer vor und entste­ht bei unvoll­ständi­ger Ver­bren­nung. Es find­et sich in gegrill­tem Fleisch, Tabakrauch, Auto- und Indus­trieab­gasen. Benz[a]anthracen ist kreb­serzeu­gend und zeigt PBT- und vPvB – Eigenschaften.

Cad­mi­um­ni­trat (CAS-Nr.: 10325–94‑7)

Cad­mi­um­ni­trat ist eine weiße hygroskopis­che (wasser­anziehende) Sub­stanz und wird für die Her­stel­lung von Glas, Porzel­lan, Keramikpro­duk­ten, Akku­mu­la­toren und in Labor­chemikalien verwendet.

Cad­mi­umhy­drox­id (CAS-Nr.: 21041–95‑2)

Cad­mi­umhy­drox­id ist ein weißer, kristalliner Fest­stoff und wird für die Her­stel­lung von elek­trischen, elek­tro­n­is­chen und optis­chen Geräten, für Akku­mu­la­toren und in Labor­chemikalien verwendet.

Cad­mi­um­car­bon­at (CAS-Nr.: 513–78‑0)

Cad­mi­um­car­bon­at ist ein weißer geruchlos­er Fest­stoff, der als pH-Reg­u­la­tor und in Wasser­auf­bere­itung­spro­duk­ten, Labor­chemikalien, Kos­meti­ka und Kör­perpflege­pro­duk­ten und als Aus­gang­spro­dukt für die Her­stel­lung von Pig­menten (Cad­mi­um­rot, Cad­mi­umgelb)  ver­wen­det wird.

Alle drei genan­nten Cad­mi­umverbindun­gen sind kreb­serzeu­gend, muta­gen und zeigen eine spez­i­fis­che Zielor­gan­tox­iz­ität (Nieren, Knochen) nach wieder­holter Exposition.

Dechlo­ran Plus (Dechlo­ran A; CAS-Nr.: 13560–89‑9) und alle seine Isomere

Dechlo­ran Plus ist ein geruchlos­es weißes Pul­ver welch­es als nicht plas­ti­fizieren­des Flamm­schutzmit­tel in Kleb- und Dicht­stof­fen sowie in Bindemit­teln einge­set­zt wird. Dechlo­ran Plus ist eine Sub­stanz mit vPvB-Eigenschaften.

Reak­tion­spro­duk­te von 1,3,4‑Thiadiazolidin‑2,5‑dithion, Formalde­hyd und 4‑Heptylphenol, verzweigt und lin­ear (RP-HP) [mit ≥ 0,1 Gew .-% 4‑Heptylphenol, verzweigt und linear] 

Die bei dieser Reak­tion entste­hen­den Stof­fgemis­che wer­den als Zusatz in Schmier­mit­teln und Fet­ten ver­wen­det. Sie sind endokrine Dis­rup­toren (siehe unten) für die Umwelt auf­grund ihres Gehalts an Hep­tylh­penol, verzweigt und linear.

Wie wird Bisphenol A jetzt eingeschätzt?

Bisphe­nol A (BPA; 4,4’-isopropylidenediphenol; CAS-Nr: 80–05‑7) ste­ht bere­its seit Anfang 2017 auf der REACH-Kan­di­daten­liste. Neu ist die zusät­zliche Iden­ti­fizierung (auf Vorschlag von Deutsch­land) als endokriner Dis­rup­tor in der Umwelt. Endokrine Dis­rup­toren sind Sub­stanzen mit schädlichen Wirkun­gen auf das Hor­mon­sys­tem von Men­schen und Umwel­tor­gan­is­men. So reduzieren sie zum Beispiel die  Fortpflanzungs­fähigkeit auch von Tieren in der Umwelt. Sie ste­hen oft auch unter dem Ver­dacht, die Entste­hung bes­timmter Tumore zu fördern oder  die Entwick­lung des men­schlichen Organ­is­mus zu stören.

BPA wird zur Her­stel­lung von Poly­car­bon­at, als Härter für Epox­id­harze, als Antiox­i­da­tion­s­mit­tel für die Ver­ar­beitung von PVC und in der Ther­mopa­pier­her­stel­lung ver­wen­det. Für die Ver­wen­dung in Ther­mopa­pi­er (zum Beispiel für Kassen­bons und Bah­ntick­ets aus Tick­e­tau­to­mat­en) wird es ab 2020 ein EU-weites Ver­bot geben.

 

 

 

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