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Gefahren eindämmen

Wich­tige Sicher­heits­re­geln für Druck­gas­fla­schen

Druckgasflaschen
Gelagerte Druckgasflaschen, gegen Umfallen und Anfahren durch Fahrzeuge gesichert Foto: © Etien - stock.adobe.com
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Druck­gas­fla­schen können bei unsach­ge­mä­ßem Umgang eine erheb­li­che Gefahr darstel­len. Was sind die größ­ten Gefähr­dun­gen? Und mit welchen Sicher­heits­maß­nah­men schließt man Risi­ken aus? Die wich­tigs­ten Regeln dazu lesen Sie hier.

Dr. Joerg Hensiek

Alle Gasfla­schen sind Behäl­ter für den Trans­port und die Lage­rung von unter hohem Druck stehen­den Gasen und Dämp­fen. Für den indus­tri­el­len Gebrauch sind sie zumeist aus Stahl herge­stellt. Doch damit hört die Gemein­sam­keit auch schon auf. Denn die Inhalte von Druck­gas­fla­schen können sehr unter­schied­lich sein – teil­weise auch die damit verbun­de­nen Gefähr­dun­gen. Dazu werden die Gasfla­schen in drei Grup­pen einge­teilt: Gasfla­schen mit verdich­te­ten entzünd­ba­ren Gasen (Brand­ge­fahr, Ersti­ckungs­ge­fahr), Gasfla­schen mit oxidie­ren­den Gasen (Sauer­stoff­an­rei­che­rung der Luft und dadurch Brand­ge­fahr) und schließ­lich Gasfla­schen mit soge­nann­ten iner­ten Gasen (Sauer­stoff­man­gel und dadurch bedingt Bewusst­lo­sig­keit, Ersti­ckungs­ge­fahr).

Nicht nur entzünd­bare Gase können also gefähr­lich werden. Die Gefahr von höhe­ren Sauer­stoff­an­rei­che­run­gen in der Luft wird jedoch oft unter­schätzt: In der auf 25 Prozent Sauer­stoff ange­rei­cher­ten Luft können schnell Brände entste­hen, die wegen des hohen Sauer­stoff­ge­halts mit einfa­chen Hilfs­mit­teln wie etwa Decken zur Ersti­ckung der Flam­men nur schwer oder gar nicht einzu­däm­men sind.

Umge­kehrt kann bereits bei einem Sauer­stoff­ge­halt der Luft von zehn Prozent ein Mensch bewusst­los werden und nur sechs bis acht Prozent Sauer­stoff­ge­halt führen inner­halb weni­ger Minu­ten zum Ersti­cken.

Unfälle mit Druck­gas­fla­schen können vor allem folgende Ursa­chen haben:

  • Abrei­ßen des Ventils: Beim Austritt des Gases kann die Gasfla­sche zum Geschoss werden und sogar Beton­wände durch­schla­gen.
  • Unkon­trol­lier­tes Austre­ten von Gasen (Leckage): Giftige und ersti­ckend wirkende Gase treten aus und können in kürzes­ter Zeit zum Tod führen.
  • Brände durch Sauer­stoff: Tritt Sauer­stoff aus, können Mate­ria­lien in unmit­tel­ba­rer Nähe der Gasfla­sche sofort Feuer fangen, so zum Beispiel Öle und Fette am Ventil.

Beim Umgang mit Druck­gas­fla­schen ist eine Viel­zahl an Sicher­heits­re­geln zu beach­ten. Zu den Wich­tigs­ten zählen:

Lage­rung

  • Druck­gas­fla­schen sollen möglichst stehend gela­gert werden. Druck­gas­fla­schen für Flüs­sig­gas, zum Beispiel Propan, müssen sogar immer stehend gela­gert werden. Liegend darf man sie nur dann lagern, wenn sie gleich­zei­tig gegen Fort­rol­len gesi­chert sind. Stehende Flaschen sind unbe­dingt gegen Umfal­len zu sichern.
  • Für die gemein­same Lage­rung verschie­de­ner Gasar­ten in einem Lager­raum gibt es bei großen Lager­men­gen Begren­zun­gen (der Gaslie­fe­rant muss darüber infor­mie­ren). In jedem Fall aber muss zwischen Druck­gas­fla­schen mit brenn­ba­ren Gasen und solchen mit Sauer­stoff ein Abstand von mindes­tens zwei Metern einge­hal­ten werden.
  • Nicht gela­gert werden dürfen Druck­gas­fla­schen in Trep­pen­häu­sern und Fluren, in engen Höfen und Durch­gän­gen, in Gara­gen und Arbeits­räu­men sowie in Räumen unter der soge­nann­ten Erdglei­che (Keller­räume), wenn keine ausglei­chen­den lüftungs­tech­ni­schen Vorkeh­run­gen getrof­fen worden sind.
  • Der Abstand von Druck­gas­fla­schen zu Heiz­kör­pern muss mindes­tens 0,5 Meter betra­gen.
  • Druck­gas­fla­schen dürfen nicht mit brenn­ba­ren Stof­fen wie Holz, Papier oder brenn­ba­ren Flüs­sig­kei­ten zusam­men gela­gert werden.

Ventile

  • Die Flaschen­ven­tile auch von leeren Druck­gas­fla­schen müssen bei der Lage­rung und dem Trans­port fest verschlos­sen, Verschluss­muttern müssen aufge­schraubt und Schutz­kap­pen ange­bracht sein.
  • Flaschen­ven­tile dürfen nur lang­sam und nicht ruck­weise geöff­net werden.
  • Es dürfen keine Öle und Fette im Bereich der Ventile verwen­det werden.
  • Nach Gebrauch immer Ventile schlie­ßen und mit Schutz­kappe, Bügel oder Schutz­korb sichern.

Hitze

  • Druck­gas­fla­schen dürfen nicht erhitzt werden.

Befül­lung und Entlee­rung

  • Druck­gas­fla­schen dürfen nur von spezi­ell unter­wie­se­nen Beschäf­tig­ten an Füll­an­la­gen gefüllt werden. Dabei darf nur das Gas verwen­det werden, das auf der Gasfla­sche ange­ge­ben ist.
  • Eine Flasche soll nicht voll­stän­dig entleert, sondern mit einem klei­nen Rest­druck zurück­ge­ge­ben werden.

Schweiß­ar­bei­ten und Gasfla­schen

  • Vor Schweiß­ar­bei­ten in „engen Räumen“ müssen alle Druck­gas­fla­schen aus dem Raum geschafft worden sein. Als „enger Raum“ gilt ein Raum ohne natür­li­chen Luft­ab­zug, mit einem Luft­vo­lu­men unter 100 Kubik­me­tern und mit einer Länge, Breite oder Höhe bezie­hungs­weise einem Durch­mes­ser von unter zwei Metern.

Schutz­be­rei­che

  • Gasfla­schen mit brenn­ba­ren Gasen müssen von einem Schutz­be­reich umge­ben sein, in dem sich keine Zünd­quel­len befin­den. Ein Warn­schild ist Pflicht. Bei Räumen mit einer Grund­flä­che unter 20 Quadrat­me­tern ist der gesamte Raum Schutz­be­reich.

Trans­port

  • Gasfla­schen müssen mit spezi­el­len Trans­port­pa­let­ten so gesi­chert werden, dass sie fest liegen oder stehen und nicht wegrol­len oder umfal­len können.
  • In geschlos­se­nen Fahr­zeu­gen muss für genü­gend Lüftung gesorgt werden.
  • Gasfla­schen dürfen nicht mit einem Last­he­be­ma­gne­ten beför­dert werden.
  • Grund­sätz­lich darf man Flaschen nur mit geschlos­se­nem Absperr­ven­til und Schutz­kap­pen beför­dern.
  • Beim Entla­den dürfen die Flaschen nur auf dafür vorge­se­he­nen Einrich­tun­gen gerollt werden, zum Beispiel Roll­rei­fen und Konkav­bö­den.
  • Gasfla­schen dürfen nicht an Venti­len oder Ventil­schutz­vor­rich­tun­gen ange­ho­ben werden.

Nütz­li­che Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­lien

Eine Zusam­men­fas­sung enthält das Merk­blatt „Umgang mit Druck­gas­fla­schen“ des „Deut­schen Verban­des für Schwei­ßen und verwandte Verfah­ren“ (DVS). Außer­dem infor­mie­ren ausführ­li­che Merk­blät­ter des Indus­trie­ga­sever­ban­des (IGV) und der Gaslie­fe­ran­ten. Für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen ist die TRGS 407 „Tätig­kei­ten mit Gasen – Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“ zurate zu ziehen.


Prüfun­gen und Kenn­zeich­nun­gen

Druck­gas­fla­schen müssen mindes­tens alle zehn Jahre über­prüft werden.
Die Prüfun­gen werden vom Liefe­ran­ten veran­lasst. Beschä­digte Gasfla­schen dürfen keines­wegs weiter einge­setzt werden und solten an den Liefe­ran­ten zurück­ge­ge­ben werden.

An jeder Gasfla­sche sind auf ihrer Schul­ter oder bei Flüs­sig­gas­fla­schen auf einem fest ange­brach­ten Typen­schild die wich­tigs­ten Daten mit einem Stem­pel ange­ge­ben. Sie geben Auskunft über: Gasart, Betriebs­druck, Prüf­druck, Prüf­da­ten.

Jede Gasfla­sche darf nur mit der auf der Flasche ange­ge­be­nen Gasart gefüllt werden. Die Gasfla­sche ist durch einen Farb­an­strich an der Flaschen­schul­ter oder durch Ganz­an­strich nach Farb­kenn­zeich­nung von Gasfla­schen (DIN EN 1089–3) gekenn­zeich­net.


Gasfla­schen im Wohn­mo­bil – Tipps für unter­wegs

Gasfla­schen im Wohn­mo­bil müssen durch Halte­run­gen fest ange­bun­den sein, sodass sie sich nicht lösen oder auch nur verdre­hen können. Wie die Zeit­schrift pro mobil auf ihrer Home­page klar­stellt, müssen sie während der Fahrt zuge­dreht sein – es sei denn, sie verfü­gen über einen „Crash Sensor“, der verhin­dert, dass bei einem Unfall unkon­trol­liert Gas ausströ­men kann.

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