Learning by Doing. Auszubildende bei Dyckerhoff -
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Auszubildende bei Dyckerhoff

Lear­ning by Doing

Förderpreis_2017
Die Auszubildenden erstellen Präsentationen und Filme zum Thema Arbeitssicherheit. Foto: Armin Ploeger / BG RCI
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Wie lernen Azubis möglichst anschau­lich und nach­hal­tig, worauf es beim Thema Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit ankommt? Wenn sie ihre Unter­wei­sungs­me­dien selbst entwi­ckeln und gestal­ten, wie das Beispiel der Firma Dycker­hoff zeigt.

Cool sieht es aus, wie der junge Azubi mit Hemd und schi­cken Schu­hen zügig und betont lässig die Treppe im Unter­neh­men herun­ter­läuft – bis er eine Stufe nicht rich­tig trifft und sich ziem­lich uncool auf dem Boden am Fuß der Treppe wieder­fin­det. Sein Kollege kann da nur kopf­schüt­telnd auf das deut­lich sicht­bare Hand­lauf­schild an der Wand tippen. Zuge­sto­ßen ist dem allzu lässi­gen Azubi bei diesem Sturz zwar nichts Gravie­ren­des. Aber es wäre erst gar nicht soweit gekom­men, wenn er auf der Treppe nicht sein Handy gecheckt, sondern die Hand am Gelän­der gehabt hätte.

Dass der Trep­pen­sturz des Azubis in diesem konkre­ten Fall keine bösen Folgen hatte, hat noch einen ande­ren Grund: Die Szene war gestellt, der unsanfte Abgang Teil des Dreh­buchs für einen Video­clip. Film­team und Darstel­ler setzen sich aus Azubis des Unter­neh­mens Dycker­hoff zusam­men. „Ausbil­dung 4.0 – Wir zeigen‘s euch“ nennt der Herstel­ler von Zement und Trans­port­be­ton das Projekt, das von der Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie (BG RCI) in der Kate­go­rie „Auszu­bil­dende“ mit dem Förder­preis „Arbeit – Sicher­heit – Gesund­heit 2017“ ausge­zeich­net wurde. Die Auszu­bil­den­den im zwei­ten und drit­ten Lehr­jahr erstel­len dabei auf ihre eigene Art und Weise Präsen­ta­tio­nen und Kurz­filme zum Thema Arbeits­si­cher­heit. Die Beiträge der jungen Leute, die bei Dycker­hoff in sechs verschie­de­nen Beru­fen ausge­bil­det werden, flie­ßen aktiv in die Gestal­tung der Unter­wei­sun­gen mit ein und ergän­zen die vorhan­de­nen Unter­la­gen.

Die Verant­wort­li­chen bei Dycker­hoff haben das Projekt initi­iert, weil sie ihre Azubis akti­ver als bisher in das Thema Arbeits­si­cher­heit einbe­zie­hen und das Thema früh­zei­tig in den Köpfen der jungen Kolle­gen veran­kern woll­ten. „Die Frage war natür­lich, wie uns das am besten gelingt“, sagt Thomas Lutter, Fach­re­fe­rent für Arbeits­si­cher­heit am Dyckerhoff‐Standort Wies­ba­den. Zum Ausbil­dungs­pro­gramm gehört das Thema natür­lich von Anfang an. Udo Klein, verant­wort­lich für die Ausbil­dung von Indus­trie­me­cha­ni­kern am Stand­ort Göll­heim, hat mit der prak­ti­schen Umset­zung viel Erfah­rung. Er ist einer der Ausbil­dungs­meis­ter, die mit Lutter und weite­ren Kolle­gen das Projekt entwi­ckelt haben. Denn: „Die Unter­wei­sungs­me­dien sind oft Vordru­cke oder Folien“, so Klein. „Wenn ich die Inhalte nicht für die Azubis lebhaft gestalte, lässt die Konzen­tra­tion nach.“ Mono­lo­gi­sie­rende Vorträge sind seiner Erfah­rung nach zu lang­wei­lig; und es reicht auch nicht, rele­vante Teile wie Feuer­lö­scher oder ähnli­ches mitzu­brin­gen. „Wenn die Azubis nicht aktiv einge­bun­den sind, wirkt das alles nicht – und schon gar nicht auf Dauer.“

Tech­ni­sches Equi­pe­ment gestellt

Die Lösung, welche die Ausbildungs‐ und Arbeits­schutz­ver­ant­wort­li­chen bei Dycker­hoff schließ­lich entwi­ckelt haben, ist ebenso einfach wie wirk­sam: selber machen lassen, Lear­ning by Doing. Bei einem Tref­fen der Ausbil­dungs­lei­ter im Jahr 2015 wurde die Idee gebo­ren, die Auszu­bil­den­den in die Entwick­lung der Unter­wei­sungs­me­dien mit einzu­be­zie­hen: Die Azubis des zwei­ten Lehr­jah­res an den Stand­or­ten Deuna, Geseke, Göll­heim, Neuwied, Lenge­rich und Wies­ba­den produ­zier­ten Präsen­ta­tio­nen zum Arbeits­schutz, die des drit­ten Ausbil­dungs­jah­res Kurz­filme. Das Unter­neh­men stellte ihnen nicht nur Zeit zur Verfü­gung, um arbeits­si­cher­heits­re­le­vante Inhalte eigen­stän­dig zu entwi­ckeln und aufzu­be­rei­ten, sondern auch das tech­ni­sche Equip­ment wie beispiels­weise die notwen­di­gen Kame­ras.

Über­trie­be­nes behält man gut

Die Erfah­run­gen mit dem neuen Ansatz zeig­ten den Verant­wort­li­chen rasch, dass ihre Azubis die vermit­tel­ten Inhalte besser und stär­ker verin­ner­li­chen als bisher – dank der leben­di­gen Medien Zwar wurden bei Dycker­hoff schon vorher Präsen­ta­tio­nen und Filme für die Unter­wei­sun­gen einge­setzt. Deren Macher trafen bei Tona­li­tät und Gestal­tung aber offen­sicht­lich nicht den Nerv der Ziel­gruppe. Auch die Azubis äußern sich posi­tiv: „Visu­el­les nimmt man einfach deut­lich viel besser auf, als wenn man etwas nur gesagt bekommt oder es lesen muss“, lautet das Fazit eines Teams: „Und vor allem, wenn es von den eige­nen Kolle­gen kommt und nicht aus irgend­wel­chen Powerpoint‐Präsentationen, die viel­leicht auch noch von Leuten erstellt wurden, die mit dem Thema nicht wirk­lich was zu tun haben.“ Durch die Filme sei auch viel verständ­li­cher gewor­den, was alles passie­ren kann, wenn man sich nicht an die Regeln halte – und damit auch, warum das Thema Arbeits­si­cher­heit und Gesund­heits­schutz so eine große Wich­tig­keit habe.

Dass die Videos manche Situa­tio­nen über­zeich­nen oder extra zuspit­zen, stört die Azubis nicht, eher im Gegen­teil: „Manches ist zwar über­trie­ben – aber so über­trie­ben, dass man es sich gut merkt und dann mehr darauf achtet, was man selbst macht.“

Cool, eigene Konzepte zu über­le­gen“

In ihren Filmen und Präsen­ta­tio­nen beschäf­tig­ten sich die Azubis mit unter­schied­lichs­ten Berei­chen rund um Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit – sie fanden es einfach „cool, die Sache mal selbst in die Hand zu nehmen und sich eigene Konzepte zu über­le­gen.“ Dycker­hoff will das Konzept wegen der guten Reso­nanz bei den Azubis und dem nach­hal­ti­gen Lern­er­folg auch bei zukünf­ti­gen Jahr­gän­gen zu einem festen Baustein der Ausbil­dung machen. Der Themen­ka­ta­log, der dabei nach und nach entste­hen wird, soll bereichs‐ und stand­ort­über­grei­fend einge­setzt werden. „Klar gibt es erst­mal Geläch­ter, wenn man den unte­ren Lehr­jah­ren die Filme vorführt“, sagt Günter Sche­rer, Ausbil­dungs­meis­ter am Dyckerhoff‐Standort Lenge­rich. „Aber sie merken sich die Inhalte auf alle Fälle. Das läuft.“


Autorin: Petra Hannen

Fach­jour­na­lis­tin

Foto: privat
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